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10 FOLD B-LOW: Interview mit Steffi

20.06.2005 | 19:12

Wow, das ging aber schnell. Die letzte und erste Scheibe der Kölner Death/Thrash-Band 10 FOLD B-LOW ist noch nicht mal ganz trocken hinter den Ohren, da hauen die Jungs und das Mädel schon mit "For Those Who Share The Sun" ihre zweite Scheibe auf den Markt. Etwas homogener, noch direkter und geradliniger geht man anno 2005 zu Werke. Vielleicht doch zu wenig Vorbereitungszeit, oder volle Absicht? Alles Fragen, die ich gerne loswerden und beantwortet haben wollte. Da bot es sich an, dass Thomas (Vocals), Steffi (Gitarre), Dirk (Gitarre) und Panice (Drums) mit Aushilfsbassisten noch vor Veröffentlichung der Scheibe (sehr ungewöhnlich!) mit OVERKILL auf Clubtour waren. Kurzerhand wurde mir Steffi als Interviewpartnerin zugeteilt, wobei die anderen dann doch nicht ganz still dasitzen konnten, und los ging es ... am Anfang:

Steffi:
Gegründet wurde 10 FOLD B-LOW vor knapp vier Jahren, so 2001 muss das gewesen sein. Wir haben dann ein paar Demos aufgenommen und ein paar Clubshows gespielt – nix Besonderes. 2003 sind dann Panice (Schlagzeug) und unser neuer Bassist Nico zur Band gestoßen. Nach ein paar weiteren Clubshows hat uns Ende des vorletzten Jahres das spanische Label "Locomotive Music" einen Deal angeboten, den wir auch unterzeichnet haben. Nichts Weltbewegendes also.

Chris:
Wo liegen denn eure musikalischen Wurzeln? Wie kommt man darauf, gerade solch eine Art von Musik zu machen?

Steffi:
Das ist schwierig. Alle von uns haben unterschiedliche Geschmäcker und sind von unterschiedlichen Bands beeinflusst. Dadurch entsteht diese Art von Musik. Unser Schlagzeuger hört viel TYPE O NEGATIVE und SCEPTIC, Thomas mehr MACHINE HEAD und MESHUGGAH. Ich höre eher den schwedischen Death Metal, Dirk mehr diese ganzen Old-School-Sachen wie SODOM oder MAIDEN und unser Bassist ist komplett "open-minded", denn da ist auch schon einmal Jazz oder ähnliches dabei. Das alles führt zu unserem Sound. Im Prinzip steht über allem, dass es hart sein muss, denn darauf können wir uns schon einmal alle einigen.

Chris:
Gibt es etwas, das ihr von vornherein ablehnen würdet?

Steffi:
So typische MAIDEN-Läufe gehen gar nicht. Es muss hart sein, egal, ob schnell oder langsam. Hauptsache es groovt und klingt einigermaßen modern.

Chris:
Dann versuche doch mal drei Scheiben zu nennen, die 10 FOLD B-LOW und eure Musik beschreiben könnten...

Steffi:
Puh (stöhn!) ... ganz schwierig. Ein wenig SLIPKNOT vom härteren Groove her. Ich tendiere sogar dazu, dass wir mittlerweile dezent in Richtung SOILWORK gehen. Und auch MACHINE HEAD dürfte noch passen.

Chris:
Wir führen dieses Interview nun fast genau ein Jahr nach dem Release eures Debütalbums. Wie lief es denn?

Steffi:
Die Reviews waren überwiegend gut. Es gab einige überragende, aber auch einige ganz schlechte Kritiken. Ich würde mal sagen, es war gutes Mittelmaß. Wir sind aber auf jeden Fall mit der Resonanz allgemein sehr zufrieden.

Chris:
Haben sich denn eure Erwartungen soweit erfüllt? Wenn man noch keinen Plattenvertrag hat, dann stellt man sich das Leben als "Labelband" ja schon irgendwie rosig vor, oder?

Steffi:
Jeder denkt natürlich, wenn man einen Plattenvertrag unterschreibt, geht es nur noch bergauf und es geht direkt nach vorne los, aber du kommst schon ziemlich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Da passiert erst mal gar nichts. Nicht, dass es irgendwie weh getan hätte, denn wir sind ja nicht wieder auf den Boden geworfen worden, sondern wir haben gleich gemerkt, es ist noch ein weiter Weg, du musst noch viel kämpfen und stetig an dir arbeiten. Der Deal hilft uns natürlich, denn wir werden nun weltweit vertrieben, du kannst immer mehr über uns lesen, aber es geht alles "step by step", was ich auch sehr gut finde. Es kommen täglich gute Neuigkeiten, so spielen wir zum Beispiel demnächst ein Festival in Istanbul mit SLAYER. Du siehst, es wächst ständig. Das ist auch okay so.

Chris:
Nur ein Jahr nach "Low Tuned Output" kommt mit "For Those Who Share The Sun" euer zweites Album auf den Markt. Habt Ihr seitens der Plattenfirma Druck verspürt, schon jetzt wieder neue Songs schreiben zu müssen?

Steffi:
Nein, gar nicht. Diesen Druck haben wir uns selbst gemacht. Ich glaube, wenn du dir als Newcomer viel Zeit mit der zweiten Scheibe lässt, bist du schnell weg vom Fenster und gerätst in Vergessenheit. Uns kennen jetzt noch nicht so viele, wenn wir uns aber viel Zeit mit dem nächsten Album gelassen hätten, dürften uns diese Leute auch schon wieder vergessen haben. Es war gut, direkt ein Jahr später ein neues Album nachzulegen. Vor allem waren die Songs auf dem ersten Album auch schon recht alt und wurden teilweise noch mit vom alten Line-Up geschrieben. Daher hatten wir einige neue Songs bereits in der Hinterhand, so dass alles recht schnell ging.

Chris:
Habt ihr euch einige Kritik zum Debütalbum irgendwie beim Songwriting zu Herzen genommen?

Steffi:
Ja. Ich habe öfter gelesen, dass die Gitarrenarbeit nicht ausgefeilt genug war und zu simpel gehalten wurde. Ich denke, da haben wir schon ein bisschen dran gearbeitet. Hier mal einen doppelten Lauf, ein paar mehr Melodien. Dass einfach ein bisschen mehr passiert. Wir haben schon im Proberaum gesessen und überlegt, wie wir noch ein paar Steigerungen reinbekommen und nicht nur auf einem Akkord herumschrammeln, wie es teilweise noch auf dem ersten Album der Fall war.

Chris:
Mein erster Eindruck der neuen Scheibe ist, dass ihr ein wenig weg von diesen Nu-Metal-Einflüssen gegangen seid...

Steffi:
Ja, richtig. Das hat uns auch massiv gestört. Wir haben uns nie als absolute Nu-Metal-Band gesehen, und dass dieses Banner über uns schwebte, hat uns allen nicht wirklich gepasst. Da galt es also, etwas zu tun.

Chris:
Da lag die Presse aber nicht wirklich so falsch, denn auf "Low Tuned Output" habt ihr schon teilweise etwas in Richtung "Metalcore" tendiert und dann kommen am Ende noch ein paar KORN-Einflüsse dazu...

Steffi:
Oh je, ja, du hast ja Recht. Das bereuen wir heute auch schon ein wenig. Gerade wenn du so einen Song wie 'Obey' hörst, was der zweite Song war, den wir je geschrieben haben. Ich stand damals im Proberaum und wollte unbedingt einen KORN-Song schreiben. Das ist mir ja auch gelungen (lacht). Da stehe ich aber heute gar nicht mehr dahinter.

Chris:
Auf der neuen Scheibe "For Those Who Share The Sun" seid ihr jetzt mehr in der Death- und Thrash-Metal-Ecke. Die melodischen Gesangspassagen verleihen euch noch so einen kleinen Metalcore-Touch...

Steffi:
Richtig! Das liegt natürlich auch am neuen Line-Up, denn wenn du den Schlagzeuger und den Bassisten austauschst, dann passiert so etwas eben. Da kommen neue Ideen und Einflüsse dazu. Es ist schon ein bisschen "back to the roots". Das ist auch gut so.

Chris:
Euer Schlagzeuger hat auch viel SLIPKNOT gehört, kann das sein?

Panice:
Nein, überhaupt nicht... (lacht augenzwinkernd) Dabei habe ich eher probiert, straight zu spielen.

Chris:
Findet ihr nicht, dass die Bassdrums ein wenig zu laut geraten sind?

Panice:
Nein, finde ich gar nicht, aber welcher Schlagzeuger mag keine lauten Bassdrums? Ehrlich gesagt, hatten wir aber auch nicht mehr so viel Einfluss darauf. Da lief vieles nicht ganz rund und dann mussten wir auch schon mischen, aber ich hoffe, dass es nicht allzu sehr stört.

Chris:
Nein, ist mir halt nur aufgefallen. Auf der neuen Scheibe spart ihr ein wenig an diesem melodischen Gesang. War das beabsichtigt?

Steffi:
Ist das so? Vielleicht liegt es daran, um sich bewusst von diesem Nu Metal etwas wegzubewegen. Etwas weg von diesen Laut/Leise-Spielchen, dieser Dynamik, erst leise und clean, viel Jammern und Winseln und dann brachial nach vorne. Das fehlt nun.

Thomas:
Es ging nie darum, diese melodischen Parts nach vorne zu schieben, sondern es ging immer nur darum, Akzente zu setzen. Wir sind eher daran interessiert, immer mal wieder etwas Neues zu machen. Wir sind kein Nu Metal, wollen aber auch nicht in diese Death-Metal- oder Metalcore-Ecke gesteckt werden. Wir wollen eher uns ausleben. Da gehört der cleane Gesang zwar dazu, steht aber definitiv nicht im Vordergrund. Da steckte jetzt aber keine Absicht dahinter, ob wir davon nun mehr oder weniger gemacht haben.

Steffi:
Es ist beim Songwriting einfach passiert. Die Platte ist deutlich härter, da passt es halt oft nicht, dass über ein brachiales Riff irgendetwas cleanes gezwitschert wird.

Chris:
Er ist nun auch von Seiten der Produktion etwas weiter im Hintergrund, so dass er oft im Gesamtbild ein bisschen untergeht. (zustimmendes Nicken und Schweigen) War das beabsichtigt?

Panice:
Anderer Produzent. Punkt.

Chris:
Oh, da scheine ich wohl einen wunden Punkt getroffen zu haben. Was gibt es denn sonst noch so zum neuen Album zu sagen? Coverartwork?

Steffi:
Gewohnt schlicht. Auf dem ersten Album ist alles sehr düster und schwarz. Auf dem neuen Album ist alles eher weiß, auch die Bookletseiten. Es ist mit Absicht sehr schlicht, weil wir uns auch beim Artwork nicht mit diesem ganzen "Blood and Gore" identifizieren.

Thomas:
Ein weiterer Schritt, um aus dieser Death-Metal-Ecke auszubrechen.

Chris:
Was macht ihr (außer Musik machen), um aus den zahlreichen monatlichen Veröffentlichungen herauszustechen? Gibt es irgendetwas, worauf ihr speziell Wert legt? Gebt ihr vielleicht Unpluggedshows im WOM oder ähnliches?

Steffi:
Unplugged wäre bei unserer Musik eher unpassend. Das ist eher schwierig. Es geht vor allem darum, so oft es geht, live zu spielen. Damit die Leute merken, dass es uns gibt. Die Tour mit OVERKILL ist nun unsere erste größere Tour, bei der ich hoffe, dass uns viele Leute gut in Erinnerung behalten werden. Dann kommen noch einige Festivals im Laufe des Jahres dazu. Unser Booker ist nun auch daran, im Oktober eine eigene Tour auf die Beine zu stellen.

Chris:
Da kann ich nur fest die Daumen drücken. Apropos Tour: Haben sich denn eure Erwartungen an diese mit OVERKILL bisher erfüllt?

Steffi:
Bis auf die Besucherzahlen auf jeden Fall. Ich denke aber, dass die Leute sowieso einfach übersättigt sind. Viel zu viele Bands auf Tour zur Zeit. Ansonsten macht die Tour richtig Spaß. Die Jungs von OVERKILL sind wirklich nett und behandeln uns wirklich gut.

Chris:
Ihr habt in der Vergangenheit schon mit den unterschiedlichsten Metalbands gespielt. Wie haben denn die einzelnen Fanlager auf euch reagiert?

Steffi:
Ganz verschieden. Beim "Fuck Christmas"-Festival in Hamburg, wo auch mit EKTOMORF und HATESPHERE zwei Bands gespielt haben, die musikalisch zu uns passen, da hast du auch Massen vor der Bühne. Dann waren da aber auch Festivals mit beispielsweise SAXON, ROSE TATTOO, BLAZE oder CIRCLE II CIRCLE ... wow, offene Münder. Ich dachte ja, da würden echt Bierbecher fliegen, aber überhaupt nicht. Die Leute haben uns akzeptiert und höflich applaudiert, mehr aber auch nicht. Gepasst hat es natürlich nicht wirklich.

Chris:
Gerade weil ihr euch nicht in irgendeine vorhandene Schublade stecken lassen wollt, wie sieht denn euer Zielpublikum aus?

Thomas:
Das ist echt das, was mich im Moment richtig anpisst. Da hat das Metalcore-Lager einen großen Hass gegen alles, was Nu Metal ist; die Nu Metaller hassen alles, was alt ist. Ich finde das wirklich albern.

Steffi:
Wir machen Musik für Leute, die wirklich "open-minded" sind. Ich höre SUBWAY TO SALLY und IN FLAMES, passt gar nicht, bin aber offen für alles und finde beides gut. Das wäre so mein Wunschpublikum. Einfach offen. Im Prinzip erwärmen sich momentan am meisten die Leute aus dem Metalcore-Lager für unsere Musik.

Chris:
Okay, dann bin ich auch schon am Ende. Wenn ihr noch etwas loswerden wollt, dann jetzt!

Panice:
Death Metal forever! (alles lacht)

Redakteur:
Chris Staubach

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