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ANOUK: Interview mit Anouk

11.03.2006 | 21:41

ANOUK ist in ihrer Heimat Holland seit gut zehn Jahren quasi ein Superstar, und auch hierzulande könnte es dank "Hotel New York" endlich mit dem verdienten Erfolg klappen. Hits wie 'R U Kiddin' Me' oder vor allem 'Nobody's Wife' kennt ein Großteil der Rockfans, aber – auch auf Grund fehlender Bühnenpräsenz in deutschen Landen – der große Durchbruch der kleinen, stimmgewaltigen Blondine aus Holland wollte sich hierzulande noch nicht wirklich einstellen. Ein saustarkes, abwechslungsreiches und intensives Album wie das aktuelle kommt da wohl gerade recht. Trotz ungläubiger Nachfrage bei der Plattenfirma ("ANOUK ist doch gar kein Metal") klappte es dann recht schnell mit einem Interview-Termin, zumal der Schreiber dieser Zeilen das Gegenteil versicherte ("Aber sie rockt!"), was die zuständige Promo-Dame schmunzelnd bestätigte ("Stimmt, und wie!"). So rief mich eines verschneiten Sonntagmorgens eine sehr sympathische und voller Tatendrang steckende ANOUK direkt aus dem Studio an, in dem sie zur Zeit bereits an neuen Songs schraubt.

Anouk:
Hallo Martin, wie geht's? Sorry, dass ich ein paar Minuten später anrufe, aber hier geht alles drunter und drüber. Eben hat sogar mein Handy den Geist aufgegeben.

Martin:
Alles bestens! Kein Problem. Wir müssen über dein neues Album sprechen, das zwar in deiner Heimat schon zwei Jahre draußen ist, aber hier eben gerade frisch erschienen ist. Es heißt "Hotel New York" und soll in deinem Lieblingszimmer eben jenes Hotels entstanden sein. Stimmt das wirklich?

Anouk:
Ja, das Album ist hier schon anderthalb Jahre raus und ja es stimmt tatsächlich. Wir haben die Songs größtenteils direkt dort geschrieben und so macht der Albumtitel auch Sinn. Ich habe dort in Rotterdam insgesamt schon eine ganze Weile verbracht und dachte einfach, es würde mich gut inspirieren, da ich mich dort immer sehr wohl gefühlt habe.

Martin:
Warum kommt das Album denn hierzulande erst jetzt raus?

Anouk:
Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht (lacht). Ich denke, das ist einfach eine Entscheidung der Plattenfirma, die ich auch nicht verstehe. Schon alleine wegen der Koordination von Promoterminen und so weiter. Für mich ist es besser, wenn ein Album überall zeitgleich erscheint. In den letzten Jahren mussten aber eine Menge Leute bei der Plattenfirma ihren Hut nehmen und Neue wurden eingestellt oder Zuständigkeiten verschoben. Oft hat man dann andere Ansprechpartner und alles muss sich erst einspielen und neu finden. Das Album sollte bei euch in Deutschland schon lange erschienen sein, aber es kam leider anders. Leider habe ich oder die Künstler allgemein in solchen Situationen da keine Kontrolle über derartige Entscheidungen.

Martin:
Auf "Hotel New York" gibt es einige ordentlich rockende Nummern, ein klein wenig Pop, wunderschöne Balladen und sogar eine Reggae-Nummer (!). In welchem Genre fühlst du dich denn am meisten zu Hause oder anders ausgedrückt: Was liegt dir am besten?

Anouk:
Hmm, was die Platte angeht, denke ich, stimmt die Mischung wohl ganz gut. Man kann wohl trotz der Unterschiede alle Nummern irgendwie unter dem Banner Rock/Pop einordnen. Wer schon mal eine unserer Live-Shows gesehen hat, der weiß, dass das schon sehr in die Rockrichtung geht. Die Shows sind immer sehr energiegeladen. Ich mag nicht wirklich für zweieinhalb Stunden Balladen spielen (lacht). Bei diesem Album ist es einfach so gewesen, dass dieser Pop/Rock-Charakter mehr im Vordergrund steht, als noch beim doch insgesamt mehr rockorientierten Vorgänger "Gratuated Fool" (2003).

Martin:
Bei dem Album ist es auf Grund der sehr verschiedenen Facetten wohl sehr schwer Lieblingssongs auszumachen, und auch wenn ich mich selbst damit sehr schwer tue, frage ich dich dennoch, was denn dein persönlicher Favorit ist.

Anouk:
Danke für das Lob! Wenn du mich so fragst, dann wohl 'Jerusalem'. Obwohl beispielsweise 'Girl' unglaublich gut live zu spielen ist und auch sehr gut beim Publikum ankommt. Aber wie du schon sagst, ein einzelner Titel wird dem Album nicht gerecht, wenn ich mich aber festlegen muss, dann 'Jerusalem'. Es ist so: Bei diesem Album mag ich zum ersten Mal alle Songs gleich gerne und ich bin auch mit gewissem Abstand nach den Aufnahmen immer noch zu 100% zufrieden. Es hat für mich absolut keine Rolle gespielt, welches Stück als Single ausgekoppelt wird. Früher war es oft so, dass schon früh klar war, was als Single ausgewählt wird, doch dieses Mal war die Situation eine völlig andere.

Martin:
Wie entstehen deine Songs eigentlich? Gibt es da gewisse wiederkehrende Abläufe oder passiert das immer auf eine andere Art und Weise?

Anouk:
Im Grunde ist es jedes Mal anders, auch wenn man vielleicht sagen kann, dass mir zuerst eine Melodie vorschwebt und ich diese Ideen unmittelbar auf einem kleinen Aufnahmegerät festhalte. Ich ziehe dann meist Bart van Veen, meinen Gitarristen, hinzu und wir versuchen dann die richtigen Gitarren-Arrangements dazu zu finden und dann wird das Gesamtkonzept des Songs besprochen, also das Verhältnis von Strophen zu Refrain und ob hier und da eine Bridge passt und wenn, wie sie klingen muss und wenn das alles steht, dann schreibe ich einen Text und der "fertige" Song wird richtig aufgenommen. Aber vieles passiert einfach auch aus der Situation heraus.

Martin:
Du hast mittlerweile eine Familie und drei Kinder. Wie kriegt man das auf die Reihe, wenn man quasi hauptberuflich "Rockstar" ist?

Anouk:
Jaaaaa... [Es schwingt eine riesige Portion Stolz in ihrer Stimme mit. - Anm. d. Verf.] Keine Ahnung, wie man das macht. Es ist einfach so, und das ist fantastisch! Natürlich ist es oft schwer, wenn beispielsweise abends ein großartiger, aber anstrengender Gig hinter mir liegt, und ich dennoch am nächsten Morgen um sechs oder sieben aufstehen muss, aber das geht doch eigentlich allen Eltern so, oder? Aber mein Ehemann und meine Kinder sind in erster Linie diejenigen, die mich vor dem Abheben bewahren. Ohne sie wäre ich verloren, glaub mir!

Martin:
Gibt es aktuell irgendwelche Tourpläne für Deutschland?

Anouk:
Nun, ich hoffe, dass sich etwas in dieser Richtung ergibt. Es wäre ja nun auch mal Zeit. Man versucht wohl gerade eine kleine Tour auf die Beine zu stellen. Und ich werde auch definitiv im Sommer auf einigen Festivals in ganz Europa auftreten.

Martin:
Es wird im April – zumindest in Holland und auch hoffentlich bald bei uns – eine neue DVD von dir erscheinen. Erzähl doch mal...

Anouk:
Ja, die wird großartig. Ich habe Ende letztes Jahres mehrere Shows in Holland und Belgien gespielt, u. a. in Rotterdam im Ahoy. Dort haben wir beide Abende gefilmt und mitgeschnitten. Die DVD wird die komplette Show von über zweieinhalb Stunden enthalten sowie einiges an Backstage-Material, der übliche Kram halt. Das Konzert war fantastisch. Weißt du, es ist so, dass ich mich normalerweise selber nicht gerne anhöre oder anschaue, aber dieses Mal bin ich voll und ganz mit der Performance und mir selber zufrieden. Es ist echt das erste Mal, dass ich denke: "Wow, ich bin gut." (lacht) Wir haben bei dieser DVD nichts, wirklich gar nichts, nachgebessert. Es gibt keine Overdubs oder solche Dinge. Bedenke bitte, dass die Show über zweieinhalb Stunden ging, und daher macht mich das wirklich stolz.

Martin:
Das kling jetzt wahrscheinlich komisch, da ja "Hotel New York" hier gerade raus ist, aber gibt es denn schon Pläne für eine neue Scheibe?

Anouk:
Ja, sicher! Gerade jetzt bin ich im Studio und wenn gleich alles fertig aufgebaut und eingestellt ist, werde ich einige Sachen aufnehmen. Immer wenn die Kinder im Bett sind, und ich nicht zu müde bin, arbeite ich an neuen Songs. Zumindest hier in Holland und Belgien soll Anfang nächstes Jahres die neue Platte erscheinen.

Martin:
Anouk, vielen Dank für dieses Interview und hoffentlich sehen wir dich und deine Band bald auf deutschen Bühnen. Du hast natürlich das letzte Wort. Noch irgendetwas, das du in Richtung der Leser von Powermetal.de loswerden möchtest?

Anouk:
Vielen Dank für die Unterstützung! Ich hoffe, dass viele Leute zu den Shows kommen werden, und ich denke, sie werden nicht enttäuscht. Wir werden eine großartige Show bieten!

Redakteur:
Martin Stark

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