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ASP: Interview mit ASP

23.12.2016 | 23:17

Vier Jahre nach dem Erscheinen von "GeistErfahrer" legen die Goth-Rocker von ASP die ehemalige EP als Album auf. Wie's dazu kam, verriet uns Mastermind ASP höchstpersönlich im Interview...

Mit dem "GeistErfahrer" habt ihr eine EP neu aufgelegt und ergänzt, die bereits einige Jahre alt ist. Warum habt ihr euch die Platte noch einmal vorgenommen und euch die Songs nicht einfach für ein neues Album aufgespart?

Das hatte viele Gründe. Einer davon war, dass wir aus der Not heraus damals die EP ohne echtes Schlagzeug aufnehmen mussten. Das lag uns immer etwas schwer im Magen. Obwohl Lutz wirklich geniale Drums programmiert hatte, fühlte sich das Ganze immer wie eine Notlösung an. Mit so etwas kommen wir nicht so besonders gut klar, ich insbesondere. Aber am wichtigsten war, dass ich, als ich mich nach meinem monatelangen Aufenthalt in einem gewissen Horror-Hotel, draußen blinzelnd in der Welt umsah, das Gefühl hatte, von einem Alptraum in den nächsten zu stolpern. Die eisige Wirklichkeit schien mir fast ebenso gruselig. Die "GeistErfahrer"-Songs sind eine gute Medizin gegen dieses Gefühl und ich verschob die für den Herbst geplante "Intimus"-Tour zugunsten einer Tournee mit eben diesen Songs. Und so kam eins zum anderen ... manchmal muss man seinem Herzen folgen. Das klingt zwar wie ein Klischee aus einem Disney-Streifen, ist aber nicht weniger wahr gewesen!

Wenn neue Editionen von bereits erschienenen CDs veröffentlicht werden, sind die "Bonus-Songs" meist verschollene Stücke, die jetzt das Licht der Welt erblicken sollen. Wie war das bei euch? Sind 'Abertausend Fragen' und 'Strom' für die Ergänzung neu geschrieben worden oder geistern sie schon länger durch die ASP-Welt?

'Abertausend Fragen' geistert schon etwas länger, ruhte allerdings wie Preußlers kleines Gespenst in einer Truhe mit Ideen. Der 'Strom' ist ein Stück, das mir auf der Seele brannte und das ich speziell zu diesem Anlass geschrieben habe.

'Abertausend Fragen' bringt ganz frischen Wind in den "GeistErfahrer" und ist musikalisch nicht mit vielen eurer Werke zu vergleichen. Woher kam der Impuls zu dieser Neuerung?

Soll ich ehrlich sein? Das höre ich bei fast jedem ASP-Album von einem der enthaltenen Songs, wenn nicht gar gleich von mehreren. Die stilistische Vielfalt ist doch seit jeher ein Merkmal der ASP-Welt. Aber ich verstehe natürlich, was du meinst. So selbstironisch-elektronisch, so retro-zukunftsweisend und so frech-frei-von-der-Leber-wech geht es nicht oft zu bei ASP. Meistens passt es nicht ins Konzept, hier aber wie die Faust aufs Ohr ... äh, Auge!

"Live... auf rauen Pfaden" hingegen ist ein Dokument eurer Live-Performances. Was macht eine klassische ASP-Show denn in euren Augen aus?

Leidenschaft. Energie. Die magische Verbindung zwischen Publikum und Band. Bei der "ASP Live ... auf rauen Pfaden" sogar im Doppelpack mit zwei völlig verschiedenen Konzerten. Auf zwei CDs die volle Dröhnung einer "Best Of"-Rockshow, bei weiteren zwei CDs mit unserem Semi-Acoustic-Konzert "Rar & Pur". Mit diesem Konzept gehen wir im Frühjahr in kleineren Locations übrigens auf Tour. Da freuen wir uns bereits total drauf.

Eure beiden Neulinge erscheinen zeitgleich. Mal ganz provokativ gefragt: Wäre es nicht logistisch oder wirtschaftlich klüger gewesen, ein wenig Zeit zwischen den Veröffentlichungen zu lassen?

Diese Frage hätte mir mal einfallen sollen, als ich mit der Plattenfirma darüber gesprochen habe. Tatsächlich: Wirtschaftlich wäre das der sehr viel pfiffigere Schachzug gewesen. Aber ich muss zugeben, ich möchte mich in den kommenden Monaten ganz auf das Schreiben des nächsten Fulltime-Albums konzentrieren. Zumindest soweit man das bei dem ganzen Trubel überhaupt kann. Ich wollte dafür einfach den Kopf frei haben, deshalb habe ich zugelassen, dass die beiden Veröffentlichungen zum selben Zeitpunkt erscheinen. Für die Fans ist es aber eh geil, denn die haben nun erstmal zu tun und sparen dabei auch noch Porto (falls sie es bestellen).

Nachdem ihr in diesem Jahr euch in Sachen Veröffentlichungen so ausgepowert habt: Wollt ihr es 2017 diesbezüglich etwas ruhiger angehen lassen oder stehen schon wieder neue Projekte in den Startlöchern?

Ich gebe es zu: Richtig ruhig kann man es heutzutage sowieso nicht mehr angehen. Wir müssen schuften, schuften, schuften für unseren Lebensunterhalt. Und bei mir kommt noch dazu, dass ich immer an mehreren Dingen gleichzeitig arbeite. Neben meinen ASP-Arbeiten bin ich noch an einigen Buchveröffentlichungen dran, die im kommenden Jahr erscheinen sollen. Dann habe ich noch eine Band namens SPIELBANN bei ihrem neuen Album sehr stark unterstützt. Aber tatsächlich und trotz alledem: ja. Ein wenig ruhiger möchte ich es 2017 trotzdem angehen. Vier große Veröffentlichungen innerhalb eines Jahres ("Verfallen 1+2", "GeistErfahrer", "Live ... auf rauen Pfaden") sind einfach der blanke Wahnsinn. Das kann man nicht so durchhalten, ohne völlig auf dem Zahnfleisch zu kriechen.

Was 2017 auf jeden Fall schon fest im Kalender steht: Sowohl eure Semi-Akustik-Tour als auch der Auftritt auf dem M'Era Luna. Das große Festival und die kleinen Clubs - gegensätzlicher geht es wohl kaum. Gemeine Frage: Welche Auftritte bevorzugt ihr?

Nicht zu vergessen: Wackööööööööön 2017!  Mit den Jahren lernt man, die ganz großen Festival-Auftritte etwas besser zu verkraften. Gerade ich als von Natur aus eher menschenscheue Person habe da schon immer Lampenfieber mal tausend. Aber das ist dankenswerterweise nach wenigen Sekunden auf der Bühne verflogen. Die intimeren Gigs haben auch ihren speziellen Reiz, die Energie ist ganz anders und - ganz wichtig - bei einem Tour-Konzert sind natürlich alle wegen uns da, das gibt viel Sicherheit. Ein großes Festival ist immer auch ein Eroberungs-Gig. Aber gerade das finde ich auch wieder sexy... Du siehst, ich kann mich nicht auf eine Seite schlagen, sorry.

Die letzten Worte des Interviews gehören traditionell euch. Gibt es noch etwas, was ihr loswerden möchtet?

Mittlerweile immer das gleiche. Liebe Leser und Hörer: Unterstützt eure Bands! Geht auf kleine und große Konzerte gleichermaßen. Das ist viel cooler als mit dem Smartphone auf Facebook rumzuhängen! OMG, ich klinge wie so ein 80er-Rockdinosaurier. Aber ich verzeih mir.

Redakteur:
Leoni Dowidat

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