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AXXIS: Interview mit Harry Oellers

01.01.1970 | 01:00

Anlässlich des neuen Albums “Time Machine“ und der im Frühjahr 2004 anstehenden Tour mit PINK CREAM 69 und CRYSTAL BALL gab es genügend Themen für ein Interview mit AXXIS.
Keyboarder Harry Oellers ließ sich geduldig eine gute Stunde lang ein Loch in den Bauch fragen.

Frank:
Hallo, wie geht’s?

Harry:
Ein bisschen müde. Ich gebe schon den ganzen Tag über Interviews und ihr seid jetzt um 21.30 Uhr als Letztes dran. Wir sind gut beschäftigt.

Frank:
Fein, dann haben wir ja ein bisschen mehr Zeit und werden das doch gleich einmal schamlos ausnutzen! Doch bevor wir loslegen, ein paar Fragen zum Thema Webzines. Kennst du unser Magazin?

Harry:
Ich kenne es - glaube ich - vom Hörensagen, weiß allerdings jetzt nicht ob ich es schon einmal gesehen habe.

Frank:
O.K., es sei dir noch einmal verziehen. Wir sind mittlerweile eines der größten Internet-Magazine im Bereich Rock/Metal in Deutschland und haben ca. 335.000 Visits im Monat mit steigender Tendenz.

Harry:
Oh, das ist wirklich viel!

Frank:
Wie stehst du zu Webmagazinen wie Powermetal.de?

Harry:
Ich finde die Entwicklung gut. Ich gucke da ab und zu mal rein, wenn ich zum Beispiel mal eine Plattenkritik von anderen Bands oder uns suche. Dank der Suchmaschinen finde ich dann ein reichhaltiges Angebot vor. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Magazine kostenlos sind und ich mal schnell eine Information bekomme, ohne gleich in den Laden rennen zu müssen. Es ist mit Sicherheit eine Sache, die mit der Zeit immer größer wird.

Frank:
Da stimme ich dir zu. Eines Tages wird das Internet wohl die Printmedien ablösen. Schon jetzt sind zahlreiche kleinere Magazine von der Bildfläche verschwunden. Aber auch die Etablierten sind teilweise angeschlagen und müssen mit rückgängigen Absätzen leben.

Harry:
Möglich. Das fing ja alles so vor ungefähr fünf Jahren ganz klein an. Anfangs wurden die Webzines auch von uns etwas belächelt und wir dachten auch, Internetmagazine sind jetzt nicht so wichtig und wir richteten unser Hauptaugenmerk auf die etablierten Magazine wie “Rock Hard“ oder “Metal Hammer“. Mittlerweile haben wir von AXXIS gerade den Internetmagazinen auch einen größeren Bekanntheitsgrad im Ausland zu verdanken. Wir sind ja im Ausland nie so die Riesennummer gewesen, was zum einen wohl auch daran lag, dass uns durch unsere erste Plattenfirma EMI außerhalb von Deutschland keinerlei Support erfuhr. Dadurch, dass man nun immer mehr im Netz vertreten ist, werden jetzt auch ausländische Metalfans auf uns aufmerksam.

Frank:
Da stimme ich dir gerne zu. Auch wir bekommen immer häufiger positive Feedbacks aus dem Ausland und stellen erstaunt fest, wo überall unser Magazin gelesen wird. Doch genug über uns geredet. Ihr habt ja vor kurzem euer Label gewechselt. Was war der Grund des Wechsels von Massacre Records zu AFM?

Harry:
Genau. Was war der Hauptgrund? So etwas ist ja immer ein längerer Prozess. Ich denke Massacre Records hat mit den letzten beiden Alben (“Back To The Kingdom“ und “Eyes Of The Darkness“ - Anm. d. Verf.) einen guten Job gemacht. Besonders bei unserem Quasi-Comeback im Jahre 2000 mit “BTTK“ mit dem neuen Line-up haben Massacre uns wie ein Mann zur Seite gestanden und wir haben eine gute Zeit mit ihnen verbracht. Es war jetzt so, dass der Deal einfach ausgelaufen ist. Dies haben natürlich auch andere Firmen mitbekommen und es hat da einige Angebote gegeben. Unter anderem waren da auch SPV und AFM, die unserer Meinung nach mehr an AXXIS interessiert waren. Letztendlich war das so: Der Andy Eigendörfer von AFM ist hierher ins Studio gekommen, hat sich ein paar neue Stücke angehört und mit uns gesprochen. Sein Engagement hat uns sehr beeindruckt, dass jemand von der Plattenfirma ins Studio kommt und sich unsere neuen Stücke anhört, hat von den anderen noch keiner gemacht. Aufgrund seines Interesses fühlten wir uns sehr gut bei AFM aufgehoben und konnten mit ruhigem Gewissen den Kontrakt eingehen. Zumal jetzt EDGUY von denen gerade weggegangen sind, und daher ist ein Platz frei geworden. AFM ist eine kleine Firma und die haben nicht so viele Bands unter Vertrag, so dass sie sich auf uns besser konzentrieren können. Die machen jetzt nicht so viel auf Masse, sondern eher auf Klasse. Wenn da jetzt ein Release wie “Time Machine“ ansteht, dann konzentrieren die sich voll darauf und geben Vollgas! Eine Arbeit in dieser Konzentration habe ich bisher nur bei der EMI kennen gelernt.

Frank:
Wie sah denn die Zusammenarbeit mit der EMI aus? Immerhin seid ihr ja noch ein Newcomer gewesen, als ihr den Vertrag mit dem Major unterschrieben hat. Läuft man da nicht so nebenbei mit dem Tagesgeschäft mit?

Harry:
Ja, das war am Anfang so. Newcomer hin und her, man hatte schließlich eine gewisse Erwartungshaltung. Dann lief das Ganze erstmal normal an, aber das erste Album “Kingdom Of The Night“ schlug dann ein wie eine Bombe und krempelte die Firma plötzlich um. AXXIS war schon immer so das Lieblingskind der EMI Deutschland gewesen. Die haben uns immer gehätschelt und getätschelt, das war einfach eine tierisch geile Zusammenarbeit.

Frank:
Anfangs erwähntest du bereits, dass der Support von Seiten der EMI sich nur auf den deutschsprachigen Raum konzentrierte.

Harry:
Richtig, wir sind außerhalb Deutschlands gar nicht promotet worden. Aber vergessen wir jetzt mal den ganzen Rest. In Deutschland hatte die EMI alles Mögliche für uns getan und dieses Gefühl haben wir jetzt auch wieder bei AFM.

Frank:
Wie unterscheidet sich die Arbeit im Vergleich zu Massacre?

Harry:
Bei Massacre ist es so, dass dich das Team einfach machen lässt und du für alles selbst verantwortlich bist. Das ist soweit ja ok, aber irgendwann ist man mal an dem Punkt, wo man einen Ratschlag braucht. Wenn man unsicher ist, benötigt man nun mal die Hilfe des Labels und erwartet eine entsprechende Unterstützung. Gerade in einer Phase, wo ich weiß, dass der Deal einer Band ausläuft, dann muss ich mich halt auch mal bei der Band melden.

Frank:
Könnt ihr eigentlich mittlerweile von der Musik leben, nachdem ihr ja jetzt auch schon seit 1989 im Geschäft seid?

Harry:
Gute Frage! Bernhard Weiß und ich leben von der Musik, da wir auch das meiste in die Band einbringen. Wir erhalten ja auch als Komponisten durch das Songwriting von der GEMA etwas Geld und sind soweit ganz gut dabei. Wir leben quasi seit den Anfangstagen davon. Die anderen Jungs - Guido Wehmeyer (g) und Kuno Niemeyer (b) arbeiten noch nebenbei hier in der Musikschule in Bielefeld [Yeah, Bieledorf regelt. Anm. d. dort studierenden Lektors] und unterrichten jeweils ihr Instrument.

Frank:
Kommen wir einmal zum geschäftlichen Teil. Wie haben sich eure Absatzzahlen entwickelt?

Harry:
Wir sind mit AXXIS zumindest in Deutschland in der glücklichen Lage, heutzutage mit 20.000 bis 30.000 verkauften Einheiten zur Spitze zu gehören. Das liegt aber im Moment am Markt. 1989 konnten wir von unserem ersten Album noch das Zehnfache verkaufen. Die Absätze sind mittlerweile überall drastisch zurückgegangen. Die Plattenfirmen sind ja immer am Jammern und es wird immer Bands geben, die gut verkaufen. Wir alle würden allerdings mehr verkaufen können, wenn es die Möglichkeit zum Download im Internet nicht geben würde. Versteh mich bitte nicht falsch, auch ich finde es geil sich mal schnell eine CD zu brennen. Allerdings sind wir mittlerweile so weit gekommen, dass die Qualität der Veröffentlichungen darunter leidet.

Frank:
Okay, ich bin nach wie vor der Meinung, dass viele Plattenfirmen es versäumt haben, rechtzeitig die Möglichkeit des Downloads von MP3-Dateien zu vermarkten und mit auf den Zug aufzuspringen. Dank des Internet hat ein Label die Möglichkeit seine Produkte direkt an den Mann zu bringen und benötigt hierfür keine Läden bzw. Vertriebe etc. Welcher Käufer hat heutzutage noch die Zeit mehrere Stunden im CD-Laden zu verbringen und die neusten Veröffentlichungen anzutesten? Die meisten Scheiben - gerade im Metal- und Hardrockbereich - sind außerhalb der Großstädte zumeist nicht erhältlich. Zusätzlich verliert der Interessent aufgrund der Masse der monatlichen Neuveröffentlichungen den Überblick. Man hat so die Möglichkeit, ein Produkt zu testen und dann erst zu kaufen. Gerade im Metalbereich gibt es viele Sammler, die dann das Original bevorzugen. Von den Preisen wollen wir jetzt mal gar nicht sprechen.

Harry:
Ich verstehe auch das Problem. Ich sehe ja das Internet nicht als Hauptverursacher der ganzen Misere. Auch hier ist die Politik der Plattenfirmen zum größten Teil mitverantwortlich. Das ganze Thema wurde unterschätzt. Als das Internet am Aufkommen war, hatte die EMI eine Dame angestellt, die irgendwie gar nicht wusste, wie man einen Computer einschaltet und dann das Internet betreuen sollte. So war damals die Einstellung einer Major-Company, die weltweit arbeitet, wobei sich das wohl auch geändert haben dürfte. Da das bei den meisten Companys auch nicht anders war, wurden die von dem Download-Boom quasi überrollt. Die Preispolitik ist ein anderes Ding. Man hat offensichtlich versucht, schwindende Verkaufszahlen durch erhöhte Preise aufzufangen. Doch gerade hier setzen Firmen wie AFM an und sagen, wir machen limitierte Auflagen mit Bonusmaterial, schöne Digipacks etc., um das Produkt dem Käufer wieder schmackhaft zu machen. Dass wenigstens die Fans wissen: Wenn ich dieses Album kaufe, habe ich etwas ganz Besonderes. Gerade die großen Labels haben in letzter Zeit immer mehr Mist veröffentlicht. Immer mehr CDs werden verkauft, auf denen maximal ein oder zwei gute Songs drauf sind und der Rest nur Müll ist. Dadurch fühlen sich viele Leute halt auch verarscht. Schade ist nur, dass Firmen wie eben AFM sich dem Druck der Großen ergeben müssen, weil die den Markt bestimmen. Wenn dann gar nichts mehr geht, erfindet man dann so Sendungen wie "Superstars". Bei vielen Neuverpflichtungen wird nicht mehr Wert auf die musikalischen Fähigkeiten gelegt, sondern lieber geschaut, ob ich mit dem Künstler ein entsprechendes Image aufbauen kann und damit mein Geld verdiene. Der Künstler oder die Band dient dann nur noch als Marionette. Musik ist zum Produkt verkommen. Bei den so genannten Großen gibt es einfach keine Leute mehr, die Ahnung von Rockmusik und Metal haben. Lieber bin ich im Underground, da fühle ich mich wohl.

Frank:
Genug gescholten. Kommen wir zu einem weniger erfreulichen Thema. Was ist jetzt eigentlich mit Ritchie Michalski (dr)? Der ist ja bekanntlich seit Beginn der Aufnahmen zu “Time Machine“ verschwunden und seither nicht mehr aufgetaucht. Es grassieren ja so allerlei Gerüchte in die Richtung Drogenabhängigkeit. Was ist passiert?

Harry:
Die Gerüchte stimmen weitestgehend. Zumindest was die Drogenabhängigkeit betrifft. Wobei ich mich in Sachen Drogen ja nicht so auskenne. Richard ist über Jahre hinweg schon drogenabhängig. Dies hat sich jedoch immer im Rahmen gehalten. Das heißt, er war immer zuverlässig, war bei allen Proben/Songwriting dabei und hat alle Konzerte gespielt. Er ist immer ein sehr zuverlässiger Partner gewesen. Irgendetwas muss in der letzten Zeit in seinem privaten Umfeld passiert sein, was ihn völlig aus der Bahn geworfen hat. Er war auf harten Drogen und irgendwo in seinem Leben muss da etwas gelaufen sein, was für ihn ausschlaggebend war, zu sagen: "Ich muss hier raus". Ich habe glücklicherweise keine Erfahrungen mit Drogen und verkehre auch nicht in solchen Kreisen. Daher hatten wir auch keinen Zugriff drauf, woher wir wissen könnten, wo er sich derzeit aufhält. Wir haben zwar die Polizei eingeschaltet um ihn zu finden. Richard wohnte in so einer Wohngemeinschaft, allerdings wissen die Jungs auch nicht, wo er derzeit zu finden ist. Ob der jetzt in einer anderen WG lebt oder sich in einer Therapie befindet, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Sein Platz in der Band ist nach wie vor offen und wir halten den so lange wie möglich auch frei. Immerhin ist Richard seit den Anfangstagen mit dabei und irgendwie sind wir es ihm schuldig.

Frank:
Wie schwierig gestalteten sich durch die Aktion die Aufnahmen zum neuen Album?

Harry:
Das Hauptproblem war, dass wir das Studio gebucht hatten, wir wollten aufnehmen und der Typ taucht einfach nicht auf! Das kannten wir ja bisher nicht von ihm. Nun standen wir da. Da war dann der Kosta (Zafirou, PINK CREAM 69) so nett und half uns. Was ja kein Problem war, da er ja auch über Bottom Row Promotion unser Manager ist. Er meinte nur, passt auf, ich hab zwar lange nicht mehr gespielt, aber ich muss mich ja eh auf die neue PINK CREAM 69-Scheibe vorbereiten und somit kam es zur Zusammenarbeit.

Frank:
Kosta ist ja ein richtiger Glücksgriff für euch. Zumindest habe ich schon lange kein so dynamisches Schlagzeugspiel auf einer AXXIS-Scheibe gehört.

Harry:
Das ist richtig. Kosta hat einen geilen Job gemacht! Wir waren sehr von Kostas Dynamik und Spiel beeindruckt. Glücklicherweise ist das Experiment gelungen. Es hätte ja auch in die Hose gehen können. Da wir uns aber schon seit Jahren kennen und mit den Pinkies auch schon ein paar mal auf Tour waren, blieb es bei einem kalkulierbaren Risiko. Die Aufnahmen verliefen absolut easy, da Kosta ein sehr professioneller Drummer ist.

Frank:
Wer wird auf Tour seinen Hocker hinter das Schlagzeug stellen?

Harry:
Auf Tour wird uns wieder André Hilgers von SILENT FORCE verstärken, der ja schon im letzten Jahr das eine oder andere Mal eingesprungen ist. André passt sehr gut zu uns, da er ja bei uns quasi um die Ecke wohnt, denn Remscheid ist nicht allzu weit von Bielefeld weg. Es ist schon lustig, wenn der zu den Proben kommt. Der hat so einen tierischen Bums drauf, dass du den ohne Monitor ohne Probleme hörst, hierdurch erscheint mancher AXXIS-Song plötzlich in einem ganz anderen Licht. André ist ja derzeit für uns verfügbar, da SILENT FORCE derzeit nichts Aktuelles am laufen haben. Mal gucken, was sich da für die Zukunft so ergibt.

Frank:
Kommen wir doch mal zu eurem neuen Album “Time Machine“. Mir liegt die Scheibe zwar erst zwei Tage vor, doch die ersten Eindrücke waren für mich durchweg positiv. Mit “Time Machine“ beschreitet ihr Pfade, die ihr erstmals wieder mit “Back To The Kingdom“ betreten und kurzzeitig mit “Eyes Of The Darkness“ verlassen habt. Nicht, dass ich “EOTD“ als schlecht bezeichnen möchte. Mit dem Titeltrack oder ’Wonderland’ sind natürlich auch typische Songs mit AXXIS-Trademarks drauf, dennoch fehlte mir der letzte Biss. Wie gelang euch die Rückkehr zu euren Wurzeln? Wie bist du zufrieden?

Harry:
Sehr gut eigentlich! Die grobe Zielsetzung – sofern man hiervon sprechen kann – war ein sehr kraftvolles Album zu machen. “EOTD“ war ja eher etwas beschaulicher ausgefallen. Wir wollten, dass die Gitarren mehr Präsenz haben und der Gesang mehr in die Musik integriert wird. Bisher war der Gesang doch immer recht dominant. Wir wollten dieses Mal eher ein Gleichgewicht zwischen Sound und Gesang erstellen. Dies ist uns dieses Mal meiner Meinung nach sehr gut gelungen und wurde auch von unserem Produzenten Dennis (Ward, PINK CREAM 69) sehr gut umgesetzt. Vom Groove her wollte man bei “Time Machine“ schon mehr in die härtere Ecke gehen.

Frank:
Das ist euch wirklich gelungen. Einige Gitarrenparts haben mich schon sehr überrascht und eine solche Härte hätte ich euch nicht zugetraut.

Harry:
Also das ist schon bewusst so passiert. Wir wollten einmal AXXIS von einer anderen Seite präsentieren und wollten zeigen, dass wir auch richtig Metal spielen können. Da kommen wir her, voll auf die Zwölf. Wenn man so die Zeit vergleicht, im Jahre 1989, als “Kingdom Of The Night“ herausgekommen ist, das war für damalige Verhältnisse schon ein sehr hartes Album. Aus der heutigen Sicht betrachtet, fällt die Härte nicht mehr so auf. Wenn man diese Härte in die heutige Zeit reproduzieren möchte, muss das Ganze natürlich einen Tick härter ausfallen. Gut, wir haben nach wie vor unsere Balladen und melodischer angelegten Sachen drauf. Das ist schließlich auch das, was AXXIS ausmacht. Die etwas härteren Songs werden mit Sicherheit auch live tierisch gut ankommen. Wenn dann ’Angel Of Death’ oder ’Lost In The Darkness’ losknallen, wird das der Hammer. Ein Opening, das einen wegbläst. Man wird sehen, wie das bei den Fans ankommt.

Frank:
Es war die erste Zusammenarbeit mit Dennis Ward. Wie verlief sie aus deiner Sicht?

Harry:
Wie bereits erwähnt, hat Dennis einen sehr guten Job gemacht. Gänzlich unbekannt sind wir uns ja auch nicht gewesen und dennoch haben wir nächtelang dagesessen und debattiert, wie wir die Sache angehen bzw. die Scheibe klingen soll. Bis wir letztendlich gesagt haben, lass uns doch einfach mal anfangen, dann brauchen wir nicht mehr zu diskutieren und schauen dann, was dabei rauskommt.

Frank:
Hattet ihr Angst, wie PINK CREAM 69 zu klingen?

Harry:
Eigentlich nicht. Bernhard und ich produzieren ja ganz anders. Dennis hat dann ja unser vorproduziertes Material bekommen und sich daraufhin seine Gedanken gemacht. Bevor Dennis auch nur ein Ton gehört hat, wird ja schon darüber gesprochen, wie die Scheibe klingen soll. Bernhard ist ja auch eine ganz andere Art von Sänger und die Songs sind anders angelegt, so dass es von daher keine Bedenken gab.

Frank:
Wie seid ihr auf den Titel “Time Machine“ gekommen? Wird da der Wunsch laut, die Zeit zurückzudrehen zu den Anfangstagen, die auch für euch ein wenig erfolgreicher verliefen?

Harry:
Ach ja, wenn man so könnte, würde man schon gerne die Zeit ein wenig zurückdrehen. Ist leider aber nicht möglich. Der Titel soll eigentlich zeigen, dass AXXIS eine tierische Bandbreite haben, die wir über die Jahre hinweg entwickelt haben und soll eine Reminiszenz sein an das, was wir in den fünfzehn Jahren so erreicht haben. Das Album sollte einen guten Querschnitt aus der gesamten Schaffensphase darstellen. Wir wollten dem Fan eine Scheibe vorlegen, welches alle Stärken ausspielt, die die Band so ausmachen. Für mich ist “Time Machine“ so eine Art Best-Of-Album mit neuen Songs. Eine Reminiszenz mit einem Augenzwinkern. Klar hätte man gerne die Zeit zurückgedreht, doch die Achtzigerjahre sind nun mal vorbei und wir leben im Jahre 2004. Wenn man die Musik von der damaligen Zeit in die heutige Zeit transportieren könnte, dann würde sie in etwa so wie auf “Time Machine“ klingen.

Frank:
Wie lange habt ihr für die Aufnahmen gebraucht?

Harry:
Das ist schwierig zu sagen. Wir haben ein eigenes Studio und dann lässt man sich natürlich auch entsprechend viel Zeit. Man verbringt dann natürlich nicht jeden Tag damit Songs aufzunehmen.
Es ist nicht so, dass man mal zwei Wochen dahin fährt und ist dann fertig. Man kann sich leichter die Zeit nehmen und auch mal Sachen wieder umstellen. Wir haben viel zu lange dafür gebraucht aufgrund dieses Luxus, den wir mit einem eigenen Studio haben. Man geht zu sehr ins Detail, was auch nicht so gut ist, da dann evtl. das Feeling bzw. Spontane verloren gehen kann. Am Ende ist es dann so, dass man beim Mix die Hälfte wieder rausschmeißt, weil man sagt, es ist alles zu übertrieben, zu viel des Guten, lass uns lieber wieder “Back To The Roots“ gelangen.

Frank:
Welche Veränderungen sind für dich gegenüber den Vorgängeralben auszumachen?

Harry:
Das ist schwierig, da wir ja noch mittendrin stecken. Im Grunde genommen sind die beiden Vorgänger genauso entstanden. Ich glaube einfach, dass wir beim Songwriting einen guten Zugriff hatten und es einfach eine gute Zeit war. Das ging auch relativ schnell. Das Schreiben war relativ schnell erledigt, offensichtlich befanden wir uns in einer günstigen kreativen Phase. Das Ganze hat sich dann sehr gut entwickelt und wir haben das Bestmögliche aus uns herausgeholt. Auch wenn man manchmal wochenlang zäh an einem Gedanken festklebt und es wird dann nichts draus, anstatt neue Ideen zu probieren. Der kreative Prozess ist uns dieses Mal glücklich von der Hand gegangen, was nicht immer so ist.

Frank:
Das Songwriting wird ja von dir und Bernhard übernommen. Inwieweit sind da die anderen noch integriert?

Harry:
Richtig, Grundideen und das Konzept der einzelne Songs zu Beginn der Entstehung kommen schon von uns beiden. Doch wenn da mal einer kommt und hat noch ein paar Verbesserungen oder Ideen zu unseren Rohfassungen, dann wird das schon diskutiert und ausgearbeitet. Oft ist es dann so, dass der Song ein völlig neues Gesicht erhält und in seiner ursprünglichen Fassung sich ganz anders angehört hat. Prinzipiell sind wir da zu allen Seiten offen, es hat sich aber auch gezeigt, dass Bernhard und ich die Fleißigsten sind. Letztendlich wissen wir am besten, was AXXIS ausmacht, da wir einfach von Anfang an dabei sind.

Frank:
Mit ’Wind In The Night’ und ’Wings Of Freedom’ sind Songs auf dem neuen Album, in denen politische Probleme angesprochen werden. Inwieweit möchtet ihr eine politische Message rüberbringen? Es ist oft ja nicht unproblematisch solche Themen aufzugreifen, da man leicht in eine politische Ecke gedrängt werden kann.

Harry:
Eine Message rüberbringen wäre da - glaube ich - ein wenig zu weit gegriffen. Auf jeden Fall möchten wir eine Diskussion anregen. In ’Wind In The Night’ geht es ja um den Konflikt Israel/Palästina und ich bin der Auffassung, dass in den deutschen Medien das Thema nicht richtig dargestellt wird. Es gibt in Israel auch Friedensbewegungen, die sich ein gemeinsames Zusammenleben mit Palästinensern durchaus vorstellen können, fernab von Selbstmordattentätern und Terroristen. Man muss einfach mal eine Diskussion auslösen, wie weit Religion oder ein selbsternannter Führer gehen darf. Letztendlich geht es hier um Menschen, die sich gegenseitig in die Luft jagen oder töten. Auf der einen Seite hast du die Religion und auf der anderen so einen Mann wie George W. Bush in der Politik. Meiner Meinung nach ist das nichts anderes, was vor ca. 1000 Jahren mit den Kreuzzügen versucht wurde. Das ist eine Diskussion, die wir schon irgendwie in Gang halten wollen, damit man dies nicht so schnell vergisst. Irgendwo werden wir hier abhängig gemacht von Machtfaktoren, ob man das will oder nicht. Damit sollte jeder Einzelne schon kritisch umgehen. Wir unterstützen keine Seite, da geht es uns sicher nur darum, einen Kontext bei der ganzen Geschichte zu finden. Es gibt da schon Ideen unsererseits, irgendwie israelische und palästinensische Menschen auf eine Bühne zu stellen und gemeinsam dieses Lied singen zu lassen. Wir haben da so etwas im Hinterkopf, mal sehen was daraus wird. Das wäre natürlich eine tolle Geschichte. Letztendlich sind wir eine Metalband, die Musik macht, und keine Politiker. Ich habe das Medium Musik, um Dinge anzusprechen, die mich ankotzen. So ist ’Wings Of Freedom’ inhaltlich schon auf den Irak-Krieg bezogen.


Frank:
Auf “Time Machine“ gibt es ja wieder zahlreich Bombastnummern und Mitgehnummern, die über AXXIS-Trademarks verfügen. Wie seid ihr darauf gekommen, stellenweise eine Sängerin für die Backgroundvocals einzusetzen?

Harry:
Bernhard und ich haben ja einen Verlag gegründet und verfügen über ein eigenes Studio. Da bietet es sich ja an, Künstler bzw. Newcomerbands zu fördern bzw. zu produzieren. Die Laconia ist eine Sängerin, mit der ich schon länger zusammenarbeite, und unser Ziel ist es, eine eigene CD mit ihr zu produzieren. Da kam dann natürlich irgendwann mal die Idee auf zu kucken, wie sich ihre Stimme bei unseren Backgroundchören macht. Die kam dann ins Studio und hat ein paar Nummern eingesungen und wir sind dann fast tot umgefallen. Sie bietet einen guten Kontrast zu Bernhards Stimme und für uns war dieses Experiment sehr reizvoll. Es hat tierisch Spaß gemacht.

Frank:
Werdet ihr sie als Unterstützung mit auf Tour nehmen?

Harry:
Auf Tour wohl eher nicht. Wäre für sie ja auch nicht so leicht, als einziges Mädchen mit zwei so Bands wie AXXIS und PINK CREAM 69 auf Tour.

Frank:
Das Schaf unter Wölfen…

Harry:
Ja, so schlimm wäre es dann wohl nicht. Möglicherweise aber als Special Guest bei der einen oder anderen Show. Schauen wir mal.

Frank:
Welche Erwartungen habt ihr an das neue Album geknüpft?

Harry:
Ich würde natürlich gerne unseren Status in Deutschland halten können. Im Ausland möchten wir unsere Position gerne verbessern. Ich denke mal, dass wir mit “Time Machine“ ein gutes Album in der Hand haben, welches dem internationalen Markt eher gerecht wird. Gerade in Spanien fährt man gut auf das neue Material ab, und es konnten schon einige Shows gebucht werden. Wir haben vor zwei Jahren auf einem Festival bei Valencia mit ca. 12.000 Leuten gespielt. Während wir aufgebaut haben, waren gerade mal vereinzelt ein paar Fans vor der Bühne zu sehen und irgendwie schien es niemanden zu interessieren. Als wir dann gegen 18 Uhr unser Backdrop hochgezogen haben, sind die Fans aus allen Richtungen gen Bühne gestürmt und haben lautstark den Anfang von ‚Na, Na, Hey, Hey, Kiss Him Goodbye’ gesungen und uns später abgefeiert, obwohl wir bis dato in Spanien kaum CDs verkauft hatten. Wir fragten uns natürlich auch, woher die uns kannten, dies haben wir wohl dem Internet zu verdanken. Der Auftritt war für uns schon beeindruckend. Durch diesen Auftritt wurden einige Veranstalter in Spanien auf uns aufmerksam und ermöglichen uns jetzt auch mal in Städten wie Barcelona oder Madrid zu spielen, was früher unvorstellbar war. Auch im restlichen Europa kommt das Album recht gut an, zumindest hatte ich den Eindruck bei den bisher gemachten Interviews. Ich denke bzw. ich glaube, gerade weil wir eine geile Live-Band sind, können wir in diesen Ländern noch einiges erreichen.

Frank:
Lass uns doch mal ein wenig zurückblicken. Wie konnte es zu so einer Platte wie “Voodoo Vibes“ kommen? Mit der Scheibe konnten sich die wenigsten Leute anfreunden, was zum Ende auch für einen Bruch innerhalb der Band sorgte, oder?

Harry:
Die Platte ist sehr experimentell ausgefallen und man merkt ihr an, dass man sich innerhalb der Band uneinig war, da jeder irgendwie in eine andere Richtung wollte. Zudem hatte die EMI versucht, uns in die Richtung Crossover zu verbiegen, da man gerade eine große Crossover-Kapelle unter Vertrag genommen hatte. Aufgrund dieser Faktoren und der hierdurch entstandenen Konfusion, sind dann Markus Gfeller (b) und Walter Pietsch (g) aus der Band ausgestiegen. Dieser Umstand führte dazu, dass Bernhard und ich wieder zu unseren Ursprüngen zurückkehren wollten, ohne dass eine Plattenfirma uns reinredet. Der Kontrakt mit der EMI war dann eh ausgelaufen und mit Massacre Records fanden wir ein Label, das uns so wollte, wie wir früher waren. Das Ergebnis war dann “Back To The Kingdom“, eine Scheibe, die damals relativ frisch rübergekommen ist. Mit “Eyes Of The Darkness“ wollten wir relativ schnell nachlegen, damit die Leute wissen, dass wir wieder da sind. Im Vergleich zum Vorgänger ist dieses Album natürlich etwas beschaulicher ausgefallen. Wobei wir auch mit dem Erfolg von „Back To The Kingdom“ gar nicht gerechnet hatten. Vielleicht hat man sich einfach aufgrund des Erfolges zu sehr zurückgelehnt und sich auf den Lorbeeren ausgeruht. Trotzdem sind mit dem Titelstück und ’Wonderworld’ auch Stücke enthalten, die eine positive Message vermitteln und uns sehr gut zu Gesicht stehen. Mit “Time Machine“ wollen wir jetzt wieder die Zähne fletschen und den Leuten zeigen, was wir draufhaben.

Frank:
An welchem Punkt siehst du AXXIS angekommen?

Harry:
Das ist schwer zu sagen. Nach so vielen Jahren denkt man immer, jetzt ist alles vorbei und man kann nicht mehr. Vor jeder neuen Platte ist man eigentlich der Meinung, dass man keine Ideen mehr für neue Songs hat und dann kommt auf einmal so ein Album wie “Time Machine“ heraus, mit dem keiner mehr gerechnet hatte. Die Motivation kriegen wir viel von unseren Fans und über die Eindrücke, die man so bei Tourneen oder Festivals gewinnt. Das alles gibt uns die Energie und die Ideen für neue Stücke. Wir spinnen jetzt schon rum, wie unsere nächste Platte wohl aussehen könnte, obwohl wir gerade einmal die Arbeiten zu “Time Machine“ abgeschlossen haben.

Frank:
Auf was bist du bisher besonders stolz?

Harry:
Es gibt da so einige Highlights. Klasse finde ich die Aktion der EMI damals, die letzte Vinylplatte in Deutschland machen zu dürfen. Die BEATLES haben die erste gemacht und AXXIS die letzte, das war für uns eine tierische Ehre. Sicherlich ist auch unser erster Auftritt beim "Rock am Ring" im Jahre 1993 dazuzuzählen. Besonders stolz bin ich auf die Leistung, die wir nach dem Bruch 1998 vollbracht haben und die in die Scheibe “Back To The Kingdom“ mündete. Wir waren nach dem Ausstieg von Walter und Markus total am Boden, das Ende vor Augen. AXXIS wieder zum Laufen zu bringen und was wir innerhalb der letzten vier Jahre geschafft haben, bietet ausreichend Grund stolz zu sein.

Frank:
Habt ihr noch Kontakt zu den alten Mitgliedern?

Harry:
Zu Walter ja, der ist ja quasi Nachbar. Der wohnt so zwei Kilometer weg von mir. Beim Mix von “Time Machine“ tauchte er auf einmal im Studio auf und erkundigte sich, wie es uns geht. Ab und zu mal gehen wir schon noch einen gemeinsam trinken. Außerdem ist er der Patenonkel von meinem Sohn.

Frank:
Von Walter hat man seit dem Split nichts mehr gehört. Was macht der eigentlich momentan?

Harry:
Walter ist Pop-Produzent und arbeitet mit vielen Majors zusammen. Das hat sich aber schon damals abgezeichnet, da er weg vom Metal und der Szene wollte. Er hat mittlerweile damit gar nichts mehr zu tun.

Frank:
Kommen wir doch noch einmal kurz zu der Zusammenarbeit mit PINK CREAM 69. Ihr seid ja zu einer großen Familie zusammengewachsen. Ihr geht gemeinsam auf Tour, Kosta managt und Dennis produziert euch. Wie siehst du die Entwicklung?

Harry:
Zu PINK CREAM 69 haben wir eine innige Freundschaft. Zumal wir aufgrund der Tourkonstellation zusammen mit CRYSTAL BALL ein absolutes Melodic-Metal/Rock-Publikum erreichen und den Fans eine Vollbedienung bieten können. Eine Tournee ist ja heutzutage ein Kostenfaktor und man muss ja auch kalkulieren. Hierzu brauche ich einen ordentlichen Zuschauerzuspruch und den kriege ich nur, wenn ich den Leuten etwas biete. Früher konnte man mit einer Tour noch Geld verdienen, heute muss man eher darauf achten, nicht draufzulegen. Da auch PINK CREAM 69 ein sehr starkes Album gemacht haben, sind wir guter Hoffnung.

Frank:
Es wird dann wohl wieder eine Double-Headliner-Tour geben?

Harry:
Ja. Wer an welchen Orten Headliner ist, wird spontan entschieden, hinzu kommt sicherlich auch wer an welchem Ort einen größeren Status hat bzw. wie der örtliche Veranstalter dies sieht. Wir werden es locker handeln. Je nach Location und Umständen werden wir schon ungefähr 90 Minuten spielen. Wir haben sogar überlegt, ob wir vielleicht die letzten zwei, drei Songs gemeinsam spielen. Lasst euch einfach überraschen.

Frank:
In welchen Ländern werdet ihr spielen?

Harry:
Ursprünglich wollten wir ja nur in Deutschland spielen und im Herbst eine ausgedehnte Tour machen. Doch dadurch, dass jetzt CRYSTAL BALL noch mit auf der Tour sind, werden wir in Österreich und der Schweiz auftreten. Anschließend geht es dann nach Ungarn, weil da ein Veranstalter ist, der uns schon seit Jahren in den Ohren liegt. Dann geht es nach Spanien auf eine Clubtour und auf ein paar Festivals. Wo wir da genau spielen, kann ich noch nicht sagen, da wir noch Verhandlungen führen und in der Planung stecken. Auf jeden Fall soll es im Herbst noch einmal auf ausgedehnte Tour gehen.

Frank:
Was wollt ihr euren Fans und unseren Lesern noch mit auf den Weg geben?

Harry:
Ich hoffe, euch allen gefällt das neue Album, das einen guten Querschnitt der letzen 15 Jahre bietet und ich würde mich sehr freuen euch auf Tour zu sehen!

Frank:
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Harry:
Hat mich auch sehr gefreut!

Redakteur:
Frank Hameister

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