BATTLESWORD: Interview mit Frontmann Axel Müller

16.12.2019 | 21:16

"Alte Tugenden im neuen Gewand", so habe ich meine Rezension zum aktuellen BATTLESWORD-Album "And Death Cometh Upon Us" betitelt und auch einige Wochen nach dem ersten Genuss der Scheibe bin ich noch immer überrascht, wie der Fünfer seinen Melodic Death Metal mit frischen Prog-Elementen verheiratet hat, ohne den typischen Bandsound abzulegen. Angesichts des starken Silberlings und des 20-jährigen Jubiläums der Band mussten wir uns natürlich Fronter Axel Müller schnappen und ihn zur aktuellen Lage im BATTLESWORD-Lager befragen.

Hallo Axel, erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. Seit wir uns das letzte Mal gesprochen haben, sind ja nun knapp drei Jahre vergangen. Bring unsere Leser doch einmal auf den neusten Stand, was in den drei Jahren seit "Banners Of Destruction" bei BATTLESWORD so alles passiert ist.

Hallo Tobias, zuerst einmal vielen Dank meinerseits, dass ich euren Lesern auf diesem Wege ein weiteres Mal uns und unsere neue Platte näher bringen kann. Seit dem Release von "Banners Of Destruction" ist in der Tat viel passiert. Wir haben seinerzeit mit der Platte ein lange überfälliges Lebenszeichen abgegeben und dafür unheimlich positive Reaktionen bekommen. Zudem konnten wir uns in der Zeit danach auch live wieder steigern und viele sehr coole Konzerte spielen. Dazu gehören die Show mit DEBAUCHERY und die Auftritte bei diversen Festivals im In- und Ausland. Leider gab es nicht nur positive Dinge zu vermelden, sondern auch erneute Besetzungswechsel zu beklagen.

In Sachen Besetzungswechsel seid ihr ja schon ziemlich gebeutelt gewesen in der Vergangenheit und auch jetzt habt ihr an den Gitarren seit dem letzten Album wieder zwei neue Musiker an Bord. Wie lief das denn während den Aufnahmen zum Album und vor allem beim Songwriting? War Micha Klingen hier schon beteiligt, oder stammen alle Songs aus der Feder von Christian Schmitz, der ja schon seit 2017 mit dabei ist?

Micha ist erst nach den Aufnahmen zu "And Death Cometh Upon Us" zurückgekehrt. Für die, die das vielleicht noch nicht wissen, er hat ja mit seinem Bruder, unserem Drummer, die Band seinerzeit gegründet. Er ist daher in den Songwritingprozess nicht integriert gewesen, aber dennoch ein Stück weit beteiligt, da der Song 'Ageless, I'm Reborn' eigentlich ein ganz alter ist. Seinerzeit hat er den Track mitkomponiert, bevor er sich dann anderen Projekten zugewandt hat. Alle anderen Songs stammen aber tatsächlich von Christian. Er hat uns die Grundideen präsentiert und dann haben wir als Band an den Details bei Abläufen, Längen etc. gearbeitet. So läuft das bei uns eigentlich immer ab. Es gibt Ideen in Form von Riffs und Gitarrenspuren, zu denen dann jeder seinen Senf dazu gibt und die dann im Proberaum zu einem fertigen Song weiterentwickelt werden. Wenn die Musik steht, kommt zum Schluss der Text dazu.

Insgesamt höre ich auf "And Death Cometh Upon Us" auch einige Prog-Einflüsse heraus, gerade bei der Gitarrenarbeit. Von meinem Eindruck eurer Liveshows her, würde ich tippen, dass Christian diese Einflüsse mit in die Band gebracht hat. Liege ich da richtig?

Ja, ganz genau. Christian ist halt ein Tier an der Gitarre und sehr vielseitig unterwegs. Das versuchen wir natürlich zu nutzen und wirksam in die Songs zu integrieren. Ich denke, durch seinen Einfluss haben wir rein technisch einen guten Sprung nach vorne gemacht.

Im Gegensatz zum doch eher schlichten Cover der "Banners Of Destruction" habt ihr dieses Mal ein deutlich aufwändigeres und, wie ich sagen muss, extrem schönes Artwork gewählt. Welchen Künstler habt ihr damit beauftragt und was für eine Idee steckt hinter dem Cover?

Das Cover stammt von Mark Erskine. Es war ein bereits fertiges Motiv und ich habe es irgendwann zufällig entdeckt, als ich auf der Suche nach einem passenden Künstler für uns war. Es hat in gewisser Art direkt gefunkt bei mir und ich hatte keine großen Mühen, meine Bandkollegen zu überzeugen. Die fanden das auch direkt perfekt. Dabei gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Motiv und den Lyrics. Aber es ist ein cooles Bild, das einen neugierig macht und in Kombination mit dem Titel direkt zeigt, was einen erwartet. Ein klassisches Metal-Artwork eben.

Kommen wir nun zu den Texten der neuen Scheibe. Passend zum Titel drehen sich alle Songs im Groben ja um das Thema Tod. Woher nimmst du die Inspiration für deine Texte und ist euch grundsätzlich wichtig, dass die Lyrics einem groben Konzept folgen?

So ist es nicht ganz. Es sind eigentlich nur ungefähr die Hälfte der Songs, die sich mal mehr, mal weniger direkt mit dem Thema Tod beschäftigen. In den meisten Fällen lasse ich mich von den fertigen Instrumental-Tracks, ihrer Stimmung und Intensität inspirieren. Dann suche ich mir aus meinem Ideenfundus ein passendes Thema aus oder komme spontan auf ein vielleicht ganz neues Thema, das ich dazu textlich umsetzen möchte. Ein Konzept haben wir dabei bisher noch nie verfolgt. Bei uns landen die unterschiedlichsten Themen auf einer Platte. Mal sind es rein fiktive Geschichten, mal persönliche Erfahrungen und Gedanken.

In meiner Rezension zum Album habe ich die Auswahl von 'Serpents Amongst Us' ein wenig kritisiert, weil der Song für mich eine der schwächeren Nummern der Scheibe ist. So etwas ist natürlich immer eine sehr subjektive Meinung, daher die Frage: Warum habt ihr den Track als erstes Lebenszeichen vor der neuen Platte gewählt?

Das mit der subjektiven Meinung ist ja ganz normal und auch vollkommen in Ordnung. Für uns geht es ja auch genau darum, die Meinung anderer zu erfahren und es ist äußerst interessant sich damit auseinander zu setzen. Für uns ist 'Serpents...' natürlich ein starker Song, der gut nach vorne geht und ein gutes Beispiel für den aktuellen Sound von BATTLESWORD ist. Sonst hätten wir ihn auch nicht ausgesucht. Unserer Meinung nach enthält er gewohnte, beziehungsweise typische wie auch neue Elemente und gibt einen Vorgeschmack auf das, was den Hörer erwartet.

Nachdem ihr "Banners Of Destruction" ja noch komplett in Eigenregie veröffentlicht habt, seid ihr nun bei MDD Records unter Vertrag für "And Death Cometh Upon Us". Warum der Weg zurück zu einem Label? Mein Eindruck war, dass ihr ja auch mit dem in Eigenregie veröffentlichten Vorgänger ordentliche Erfolge einfahren konntet.

Mit dem Album an sich und den Reaktionen darauf waren und sind wir immer noch mehr als zufrieden. Damit hätten wir ursprünglich nicht gerechnet. Die Musik ist aber immer nur die Basis und alles andere das Resultat von ganz viel Arbeit. Das ist neben Hauptjob und Familie oft schon grenzwertig viel Aufwand. Unser Wunsch war daher, mit dem neuen Album einen Partner in Form eines Labels zu finden, der uns dahingehend entlasten und zudem noch weiterbringen kann. Wir sind entsprechend glücklich, dass es geklappt hat. Mit Black Sunset/MDD Records haben wir zudem noch ein Label gefunden, das zu uns wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge passt. Sehr bodenständig und fair.

Wenn wir schon über das Thema Labels reden, kann ich mir die Frage nach dem aktuellen Status quo im Musik-Business natürlich nicht verkneifen. Wie seht ihr die aktuelle Lage in Bezug auf Streaming und CD-Verkäufe? Zuletzt vermeldete die Industrie ja, dass die illegale Musiknutzung in den letzten Jahren zurückgeht.

Ein schwieriges Thema sprichst du da an. Einerseits bin ich ja der Meinung, dass man mit der Zeit gehen und nicht nur in der Vergangenheit verharren sollte. Daher haben wir uns auch dazu entschieden, unsere Musik zum Stream und Download anzubieten. Andererseits komme ich aus der Zeit, als man noch Tapes bespielt und getauscht, oder Vinyl aufgelegt hat und bin selbst ein Freund und Sammler physischer Tonträger. Daher würde ich mich freuen, wenn wir wieder mehr in diese Richtung kämen. Letztendlich ist das auch die Besonderheit in der Metalszene, dass die Musik und das Produkt Tonträger immer noch deutlich mehr geschätzt werden, als es in anderen Genres der Fall ist. Wie sich die Zahlen entwickeln, verfolge ich allerdings nicht. Wenn es so ist, dass die illegale Nutzung zurückgeht, dann freut mich das. Letztendlich geht es ja immer auch um Wertschätzung und Respekt dem Künstler gegenüber. Ich glaube, viele Leute sind sich gar nicht bewusst, welcher Weg gegangen wird, wieviel Arbeit es erfordert und welche Kosten zu stemmen sind, bis ein Song auf einem Album landet. Da ist es nur fair, dass die Künstler auch in finanzieller Sicht etwas zurück bekommen.

Bevor wir uns jetzt langsam dem Ende des Interviews nähern, muss ich natürlich noch auf euer Jubiläum zu sprechen kommen. Ich weiß, dass du nicht seit Anbeginn dabei bist, aber 20 Jahre - das ist schon eine ordentliche Hausnummer. Was sind deine besten und schlechtesten Erinnerungen aus dieser Zeit?

Stimmt, ich bin erst seit dem Neubeginn 2008 dabei. Eine der besten Erfahrungen überhaupt war, dass die Band mich damals als neuen Sänger auf- und angenommen und mir ihr Vertrauen geschenkt hat. Unbestrittene Highlights sind natürlich auch die ganzen Shows, vor allem die beiden Gigs beim Metaldays Open Air in Slowenien, sowie die Veröffentlichungen, an denen ich beteiligt war. Die schlechtesten Erinnerungen habe ich an die Besetzungswechsel, die ja bereits erwähnt wurden. Das hat uns als Band immer wieder ausgebremst und mich teilweise auch persönlich ziemlich getroffen.

Ein Jubiläum ist ja auch immer ein Punkt, an dem man sich der Zeit bewusst wird. Daher mal abseits von BATTLESWORD eine eher persönliche Frage: Wie lange möchtest du noch Musik machen? Für viele Leute gerade in der Underground-Szene ist das Musikerdasein ja mehr eine Berufung als ein einfaches Hobby. Ist es das auch für dich?

Wir sehen die Band tatsächlich auch als ein Hobby an, haben aber dennoch einen professionellen Anspruch an unsere Arbeit und Performance. Ich würde aber nicht soweit gehen, von einer Berufung im eigentlichen Sinne der Definition zu sprechen. Als ich Mitte der Neunziger anfing Musik in einer Band zu machen, habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, wie lange ich das wohl machen würde. Jetzt sind seither über 20 Jahre vergangen und ich kann immer noch nicht sagen, wann Schluss sein soll oder sein wird. Solange der Spaß an der Musik und dem Bandleben überwiegt und sich alles mit Familie und Beruf vereinbaren lässt, und solange wir noch etwas mit unserer Musik zu sagen haben, so lange wird es uns auch noch geben.

Wie schauen denn die Pläne für die Zukunft von BATTLESWORD aus? Ihr habt gerade eine neue Booking-Agentur gefunden, daher würde ich mal vermuten, dass uns noch einige Konzerttermine ins Haus stehen, oder?

Ja genau. Wir wollen das neue Material natürlich auch live in die Welt hinaustragen und so oft es geht bei Konzerten vorstellen. Dass wir hierfür zukünftig die Unterstützung durch unsere Agentur Black Media Concerts bekommen, macht uns glücklich und motiviert uns noch mal mehr. Ähnlich wie bei dem Label geht hier auch ein Wunsch für uns in Erfüllung. Es stehen mittlerweile auch schon einige Konzerttermine fest, beginnend mit der Release-Show am 7.12. in Mönchengladbach. Die nächsten Ziele sind ansonsten, passend auch zu der vorherigen Frage, eine weitere Platte und das 25-jährige Jubiläum.

Die letzten Worte des Interviews gehören natürlich wie immer dir. Gibt es noch etwas, das du unseren Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Ich kann meinen Dank dafür, die Möglichkeit bekommen zu haben, BATTLESWORD hier präsentieren zu dürfen, nur wiederholen und möchte alle, die sich dieses Interview durchgelesen haben einladen, sich unser neues Album anzuhören und sich bei Gelegenheit auch mal einen unserer Gigs anzuschauen. Ansonsten möchte ich die Leser auffordern, mehr auf Underground-Konzerte zu gehen und auch kleineren, jungen und unbekannteren Bands eine Chance zu geben. Es gibt viele gute Acts da draußen, die sich über mehr Aufmerksamkeit und Support freuen würden. Ich zitiere hierzu gerne etwas, das ich kürzlich gelesen habe: "Die Newcomer von heute sind die Headliner von morgen."

Redakteur:
Tobias Dahs

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