BEHEMOTH: Interview mit Nergal

09.10.2006 | 21:33

Mit "Demonica", ein Rückblick auf die alten Tage der Band, haben BEHEMOTH den Fans eine Gelegenheit gegeben, mehr über die Vergangenheit der Truppe kennen zu lernen. Aus diesem Anlass ließ sich Nergal die Gelegenheit für ein Interview nicht nehmen und plaudert über Polen, Persönliches und Peinliches. Geführt wurde das Interview auf Polnisch von Markus Nowak.

Lars :
Hallo. Wie geht's?

Nergal :
Sehr gut.

Lars :
Erstmals ein dickes Lob für euer neues Werk "Demonica".

Nergal :
Danke sehr, so etwas hört man gerne.

Lars :
Da stellt sich mir die Frage: Warum wurden die Songs nur teilweise überarbeitet beziehungsweise gar nicht neu aufgenommen?

Nergal :
Das ist so, die neuen Versionen sollen nur ein kurzes Highlight für die Fans sein. Wir wollen, dass der Rest als Original bleibt. Es bestand nie das Interesse das alte Zeug neu einzuspielen.

Lars :
Sozusagen als wahre Geschichte.

Nergal :
Genau so ist das.

Lars :
Wenn man auch in die alten Sachen hinein hört, bemerkt man einen Wandel im Songwriting, früher Luzifer und Satan, heute eher mythologisch, in Richtung ägyptischer Kult, warum?

Nergal :
Wir gehen keinen vorgeschriebenen Weg. Jede Scheibe, jedes Jahr und jeder kreative Geist ist anders.

Lars :
Wie haben sich Einflüsse und Inspirationen in euer 15jährigen Bandgeschichte gewechselt?

Nergal :
Früher war ich eher eingeschränkt und stur und habe nicht viel von außerhalb an mich heran gelassen. Aber heutzutage bin ich eher weltoffen. Das ist nicht nur bei der musikalischen Inspiration so, sondern auch in meinem ganzen Leben. Der Mensch sollte offen für alles sein. Somit hat sich auch meine Inspirationsquelle sehr vergrößert. Das ist einfach super. Manchmal finde ich Inspiration in einer völlig anderen Musikrichtung, was früher gar nicht möglich war.

Lars :
Was bewegte euch zum stilistischen Wechsel von den alten Alben zu "Demigod"?

Nergal :
Ich habe das nie so gesehen, aber ich glaube der Weg sollte so sein. Ich habe darüber keine Kontrolle, in welchem Stil ich mich gerade befinde. Eine Veränderung war nie vorgesehen. Unser Schaffen ist sehr elastisch, das heißt, wenn wir es in dem Moment für richtig halten, dann wird das auch so gemacht.

Lars :
Was sagst du zum Tod von Jon Nödtveidt und wie stehst du dazu?

Nergal :
Es ist gar nicht so lange her, dass ich John kennen gelernt habe, ich glaube es war vor einem Jahr. Wir haben zusammen ein Konzert in Dänemark gespielt und damals war ich schon ein großer Fan von ihm. Ich würde nicht sagen, dass wir auf Anhieb Freunde wurden, aber wir haben uns eine Menge Respekt entgegengebracht und wir hatten nachher zusammen E-Mail-Kontakt. Er lud mich nach Stockholm auf ein Konzert ein. Er war mit seiner Freundin dort und ich mit meiner, und wir haben zusammen Silvester verbracht. Während dieser Zeit diskutierten und redeten wir viel gemeinsam, ich brachte ihm eine Menge Respekt entgegen und ich glaube, er mir auch. Er war ein sehr sympathischer Kerl, sozusagen ein richtiger Gentleman. Sein Tod war für mich ein Schlag. Ich mag seine letzte Platte sehr. Ich war schockiert. Der Mensch wird traurig, das weißt du selbst. Er war mein Freund und ich habe ihn als Künstler sehr geschätzt. Andererseits respektiere ich seine Entscheidung, weil es sein fester Wille war. Seine Weltanschauung war nicht so: "Oh meine Freundin hat mich verlassen, jetzt werde ich depressiv und bringe mich um", nein, er hat gespürt, dass er auf Erden alles erreicht hat und es Zeit ist zu gehen. Aber für die Musikwelt ist sein Tod ein riesiger Verlust.

Lars :
Wie ist es als Black-Metal-Band in einem streng katholischen Land wie Polen?

Nergal :
Weißt du, es wird immer schwerer. Das was passiert, ist schlimm. Unsere Politiker sind eine Gruppe von Deppen, die in die total falsche Richtung gehen. Besonders beunruhigend ist die Homophobie in Polen. In der Politik ist zu viel Kirche und zu viel totalitäres Gedankengut und wir wissen, dass so etwas nicht gut gehen kann. Das behindert die Freiheit der Menschen und ihre Gedanken in Polen. Im Grunde habe ich das Recht zu sagen und zu schreiben was ich will. Ich schreibe nun mal satanische Texte und mache das auch bewusst und ich bin mir auch bewusst, dass dies Menschen beleidigt und so spüre ich den gesellschaftlichen Druck. Ich habe gelernt damit umzugehen. Manchmal werde Konzerte abgesagt, weil Clubbesitzer diesem Druck nicht standhalten können. Das heutige Polen bewegt sich in die falsche Richtung und das erschwert es für mich stolz auf diese Land zu sein. Du kannst nicht wie in demokratischen Ländern die Politik kritisieren. Du kritisierst einen Politiker und prompt stehst du vor Gericht. Ich sehe mich als Kosmopoliten, ich habe überall Freunde und fühle mich auf der ganzen Welt sehr wohl.

Lars :
Hast du zurzeit noch andere Projekte neben BEHEMOTH laufen?

Nergal :
BEHEMOTH kostet mich viel Zeit, somit widme ich mich ganz dieser Band. Ich brauche auch keine anderen Projekte in meinem Leben solange BEHEMOTH besteht.

Lars :
Wie ist euer Standpunkt zu rechtem Black Metal?

Nergal :
Ich finde allgemein sollte Musik nichts mit Politik zu tun haben. Weil dadurch nur Propaganda beziehungsweise nur sinnlose Diskussionen entstehen. Ich steh nicht hinter diesem Zeug. Aber ich verurteile niemanden, der dies hört, weil jeder an das glauben darf, woran er will.

Lars :
Wie war es in Amerika zu spielen?

Nergal :
Es war super. Amerika ist ein riesiger Musikmarkt, der alles aufnimmt und sie haben es verdient zu wissen, was Black- oder Death Metal ist. Es waren super Shows mit einem sehr guten Publikum. Ich denke immer noch gerne daran zurück.

Lars :
Was war das Peinlichste, was dir jemals auf der Bühne passiert ist?

Nergal :
Das war, als wir vor kurzem in Iowa gespielt haben. Auf dem Weg zu dem Konzert fuhren wir durch eine Landschaft, die nur aus Maisfeldern bestand. Wow, haben wir gedacht, das ist ja wie in dem Film "Children Of The Corn". Und während der Fahrt kam uns eine Idee. Wir haben da so eine polnische Textpassage eines Liedes, in der es heißt "Kinder hassen Jesus, Kinder hassen den Gott am Kreuz". Diese Stelle singen wir immer zu dritt, also haben wir ausgemacht, das wir singen "Kinder des Korns hassen Jesus, Kinder des Korns hassen den Weizen-Gott". Im Nachhinein war es ein super Konzert. Aber während wir spielten, mussten wir unsere Köpfe unten halten, weil wir uns tot gelacht haben.

Lars :
Wie gestaltest du deine Freizeit?

Nergal :
Mit Interviews, hahaha. Nein, mal im Ernst. Ich bin ein sehr aktiver Mensch, das heißt, ich geh joggen oder ins Fitnessstudio oder ich treffe mich mit Freunden. Wenn ich mal nichts zu tun habe, dann kann ich mich nicht hinlegen oder Fernsehen, sondern nehme die Gitarre in die Hand oder schreibe an Texten, wie gesagt BEHEMOTH ist ein 24-Stunden-Job. BEHEMOTH ist mein Leben.

Lars :
Würde ich dich auf einen Drink einladen, was würdest du bestellen?

Nergal :
Auf jeden Fall einen Jack Daniels mit Cola und Eis!

Lars :
Wie sieht die Zukunft von BEHEMOTH aus?

Nergal :
Wir arbeiten an einer neuen Scheibe namens "The Apostosee". Wir sind schon die ganze Zeit am Schreiben und Jammen. Es sind jetzt schon fast sechs Lieder fertig. Es ist eine reifere Fortsetzung zu "Demigod", beinhaltet dennoch den typisch harten Sound von BEHEMOTH. Unser letztes Album entstand in Eile und war sehr spontan, diesmal arbeiten alle sehr eng zusammen und gehen tief bis ins Detail. "The Apostosee" wird ein Kracher.

Redakteur:
Lars Strutz

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