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BIFFY CLYRO: Interview der Band zu "MTV Unplugged"

27.05.2018 | 12:10

Interviews mit BIFFY CLYRO sind so ziemlich das angenehmste, was dir als Schreiberling passieren kann. Simon Neil und die Johnston-Brüder sind einfach unglaublich sympathische, herzliche Menschen, mit denen man sich super unterhalten kann. Das vierte Mal ist das jetzt bereits der Fall, da gibt es schon ein großes Hallo. Grund für dieses Treffen ist die Veröffentlichung von "MTV Unplugged (Live At Roundhouse)", das seit dem 25. Mai in den Läden steht.

Zum Zeitpunkt des Interviews hatte ich das Album erst zwei Mal gehört, da alles sehr kurzfristig war und meine nicht ganz ernst gemeinte Eröffnung, dass zu wenig Überraschungen auf "MTV Unplugged" zu hören sein, quittieren die Drei mit einem lauten Lachen und einem "Bastard". "Wir haben natürlich auch ein paar Nummern ausprobiert, die eigentlich total abwegig für ein Unplugged-Konzert sind, aber glaub' mir, das hat einfach nicht funktioniert.", lacht Simon und James ergänzt: "Wir haben deutlich über 30 Songs ausgewählt und darunter zum Beispiel 'Wolves Of Winter', aber das ging tatsächlich nicht. Die Songs sind einfach nicht dafür gemacht, um sie ohne Strom zu spielen." Und Überraschungen hat das Trio ja dennoch parat, wie z.B. die B-Seite 'Drop It' zeigt. "Ja, das war für uns ein ganz besonderer Abend und so wollten wir auch etwas ganz Besonderes abliefern. Für uns war NIRVANAs Unplugged-Album eine riesige Inspiration. Das haben wir bereits in unserer Garage nachgespielt, da war BIFFY CLYRO noch gar nicht gegründet. Es gibt sogar ein Tape davon, aber das ist natürlich völlig unhörbar.", lacht Simon wieder. "Aber NIRVANA hat damals einige Songs gebracht, mit denen niemand gerechnet hat und das hatten wir natürlich auch vor, als wir beispielsweise 'Drop It' oder 'Breatheher' eingebaut haben.", erklärt der Sympathikus. 'Breatheher' ist allerdings gar nicht auf dem finalen Dokument enthalten. "Ja, wir haben an dem Abend 19 Songs gespielt, davon sind aber letztendlich nur 15 auf dem Album gelandet", erklärt Ben. "Simon war da mit seiner Gesangsperformance überhaupt nicht zufrieden." Dabei handelt es sich neben 'Breatheher' noch um 'Diary Of Always', 'God & Satan' und 'The Rain', was den Überraschungsfaktor noch einmal deutlich in die Höhe schraubt bzw. geschraubt hätte.



Doch sprechen wir darüber, wie es überhaupt zu der Anfrage kam. Mit breitem Grinsen und funkelnden Augen erzählt Ben: "Eines Tages kam unser Manager zu uns und meinte MTV hätte angerufen und gefragt, ob wir nicht die "MTV Unplugged"-Reihe wieder starten wollen. Simon hat ja vorhin schon erzählt, welche Bedeutung "MTV Unplugged" für uns hatte. Nicht nur NIRVANA, auch die Auftritte von PEARL JAM oder ALICE IN CHAINS haben uns total geprägt, entsprechend aus dem Häuschen waren wir als uns die Anfrage erreichte. Wir konnten und können es eigentlich immer noch nicht wirklich glauben und fühlen uns sehr, sehr geehrt jetzt selber Teil dieser Reihe zu sein." Das Konzert selbst hat dann auch den eigenen Erwartungen stand gehalten. "Es war für uns schon ein bisschen ein unwirkliches Erlebnis. Wir saßen auf Stühlen quasi in einem Garten, hatten Shirts an [die Band spielt Konzerte immer mit nacktem Oberkörper - PK], das war alles schon sehr anders. Wir wussten gar nicht wohin mit unserer Energie, weshalb ich unverhältnismäßig viel geredet haben.", lacht Simon wieder. "Aber ja, das war wirklich ganz fantastisch, weil auch die Fans wieder ganz fantastisch waren." Mittlerweile ist auch klar, dass BIFFY CLYRO diese Erfahrungen noch einmal machen möchte und hat einige Termine für September in Europa, darunter drei in Deutschland angekündigt.

Diese Gigs wird der Autor dieser Zeilen verpassen, weil er zu der Zeit in Italien ist, was Simon gleich für zwei kleine Anekdoten zum Anlass nimmt. "Oh, in Italien spielen wir auch ein paar "Unplugged"-Gigs, vielleicht kannst du ja hinkommen [leider nicht. - PK], auch wenn ich vor denen schon etwas Angst habe, denn eines unserer skurilsten Live-Erlebnisse war bei einem Akustik-Gig in Italien ähnlich wie dem, wo du das letzte Mal warst [Beim letzten Interview mit der Band spielte BIFFY CLYRO später in der Berliner "Baumhausbar" noch einige Akustiksongs vor 100 Fans - PK]. Der Laden quoll über und nach dem letzten Song sind dann alle Fans auf uns zugekommen und wir haben fast ein wenig Angst bekommen, denn es wurde voll, nah und unangenehm. Als wir dann von der Bühne sind, habe ich bemerkt, dass mein Ehering verschwunden war. Den musste mir also ein Fan vom Finger geklaut haben. Glücklicherweise habe ich das früh genug bemerkt. So haben wir dann erst einmal niemanden wieder herausgelassen bis mein Ring wieder auftauchte. Nach ein paar Minuten kam dann ein Fan, brachte mir den Ring zurück und sagte er habe ihn "gefunden"." Doch das ist nicht das einzige Mal, dass der Ring verloren ging. "Ja, ob du es glaubst oder nicht, das ist nicht das einzige Mal, dass der Ring zu mir zurückkam. Einmal haben wir einen Videoclip gedreht, bei dem wir in einem Fluss standen und den Song performt haben. Der Fluss gehörte zu einer Farm in Schottland. Als ich wieder zu Hause war, merkte ich, dass mein Ehering weg war und ich hatte die Vermutung, dass der Ring dort in den Fluß gefallen sei. Ich habe also den Farmer angerufen und ihn gebeten, ob er nicht nach ihm suchen lassen könne. Er hat dann Taucher organisiert und alles und einer hat dann unten im Schlamm tatsächlich den Ring gefunden. Das war einfach unglaublich.", lacht Simon.



Ein besonderer Song des Konzerts ist die Coverversion vom BEACH BOYS-Klassiker 'God Only Knows', den Simon "als wichtigsten Song, den ich nicht selbst geschrieben habe", ankündigt. "Haha, ja, das klang natürlich super arrogant,", lacht Simon wieder, "aber der Song ist für mich persönlich einfach immens bedeutend. Zu diesem Song haben wir auf unserer Hochzeit den Tanz eröffnet, ich habe den Text auf meiner Brust tätowiert, ich verbinde einfach unglaublich viel Liebe mit ihm." 'God Only Knows' ist also seine Frau und seine Songs sind seine Kinder. "Oh, mein Gott! Besser hätte ich es nicht sagen können. Ja, ganz genau so ist es und genau das wollte ich auch ausdrücken."

Auch über einen anderen Song muss noch gesprochen werden: Der Country-Song 'Small Wishes' funktioniert nämlich im "Unplugged"-Kontext viel besser als auf dem Album und das, obwohl die Drei nicht wirklich etwas anders machen, als auf dem Album. "Haha, wir wussten doch, dass wir dich auch damit noch kriegen.", lacht James und erklärt: "Ich denke, dass es in erster Linie am Kontext liegt. Wir haben uns selbst ein bisschen darüber gewundert wie gut der Song auch aufgenommen wurde, denn er ist ja schon sehr untypisch. So hinter 'On A Bang' auf "Ellipsis" wirkte er einfach wie ein Fremdkörper, während er jetzt einfach total in den Fluss des Gigs gepasst hat."

Photo Credit: Andy Wilsher. Used with kind permission.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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