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BLCKWVS/ BLACKWAVES: Interview mit Basser Christian

25.07.2009 | 18:56

Instrumentalbombastdoomwellen von BLACKWAVES oder auch BLCKWVS aus Deutschand. Warum denn immer reden? Wenn es ein Haufen junger Deutscher aus Münster, Bielefeld und Hamburg vermag, anhand ihrer Musik einen hervorragend packenden Soundtrack zu schaffen. Ganz ohne Gesang.

Das Album "LP 0130", erschienen Anfang April 2009, auch in Eigenregie vertrieben, streng limitiert und handsigniert, ist eine Ansammlung düsterer Arrangements, die sich festbeißen. Wer Bands wie ISIS, MINSK, PELICAN oder MOGWAI zu seinen Lebensabschnittsbegleitern erkoren hat, sollte unbedingt nachhaken. Nach diversen kleinen Touren auch in den USA und aufreibendem "Normalstress" hat Basser Christian nun Zeit gefunden, sich unseren Fragen zu stellen. Und das funktioniert dann doch nur anhand wohlgewählter Worte.

BLACKWAVES

Mathias Freiesleben:

Was ist nun eigentlich richtig: BLACKWAVES oder BLCKWVS?

Christian:
Beides ist richtig. Wir haben bei der neuen Platte und den neuen T-Shirts bewusst auf die Vokale verzichtet, da man unseren Namen auch ohne diese erahnen kann.

Mathias Freiesleben:
Ihr scheint ja in einer ganzen Reihe auch anderer Bands involviert zu sein. Sind BLCKWVS ein nur temporäres Projekt?

Christian:
Momentan sind wir in keine anderen Projekte involviert, lassen uns aber immer die Möglichkeit offen, falls sich etwas Interessantes ergibt, ohne jedoch BLCKWVS dabei zu vernachlässigen.

Mathias Freiesleben
:
Seit wann gibt es euch und warum?

BLCKWVS

Christian:

Im Jahr 2004 haben sich Steve (Gitarre), Frank (Tasten) und Tommec (Schlagzeug) zusammengefunden, um einfach Musik zu machen, die sich vom Output ihrer vorherigen Bands unterschied. Ich stieß erst 2006 dazu.

Mathias Freiesleben:
Ist diese Band ein Pool oder die Zusammenfassung von Ideen, die nur hier gemeinsam funktionieren? Bands sind ja persönliche Kompromiss-Ebenen, wollen sie längere Zeit bestehen.

Christian:
Wir würden sagen, dass es eine Zusammenfassung von Ideen ist, da wir alle unterschiedliche, wenn auch ähnliche musikalische Vorlieben haben. Genau das macht unseren Sound aus.

Mathias Freiesleben:

Warum ist alles instrumental?

Christian:
Das war von Anfang an immer die Idee, einen Sound zu kreieren, der keine Vocals braucht. Unsere Band braucht auch keinen expliziten Bandleader, jeder trägt im gesamten Gefüge seinen Teil zum Endergebnis bei und keiner versucht, sich in den Vordergrund zu drängen. Das Einzige, was im Vordergrund steht, ist die Musik.

Mathias Freiesleben:

Für mich ist vor allem '0136' bisher der Soundtrack des Jahres, mir geht jedes Mal das Herz auf. Auch bei weiteren Bands wie ISIS oder MASERATI frage ich mich, warum die es schaffen, mein Lebensgefühl zu erwischen. Gut gefüllte Clubs bei Konzerten dieser Art zeigen auch, dass man da nicht alleine steht und hört. Das frage ich hiermit auch euch: Sind wir uns so ähnlich (gar als Generation)? Ihr spielt und wir Hörer lassen "uns erwischen"?

Christian

Christian:
Das ist eine interessante Frage. Dies zeigt jede Musikepoche, dass es gewisse Vorlieben von einer Gruppe von Menschen gibt. Wichtig ist meiner Meinung nach nur, dass sich dies auch weiterentwickelt, da Veränderungen sehr wichtig sind, denn sonst hätten wir keine Entwicklung und somit einen Stillstand in unserer Gesellschaft. Somit ist es nur gut, dass es Musiker und Zuhörer gibt, die sich gegenseitig etwas geben. Ich denke aber, dass es mit unserer Generation nichts zu tun hat, da es genug Menschen unserer Generation gibt, die nichts mit dieser Musikart anfangen können.

Mathias Freiesleben:
Findet ihr diese Ausdrucksweise ohne gesprochene Sprache mutig? Oder habt ihr keine Lust, euch um Texte zu kümmern?

Christian:
Wir denken einfach, dass es für unsere Musik nicht so wichtig ist, etwas mit Worten zu erzählen, da unsere Songs auch so genug Emotionen an den Hörer übermitteln. Was der Hörer dabei empfindet und was ihm dabei für Bilder vor'm inneren Auge ablaufen, liegt ganz alleine an ihm. Somit kann jeder unsere Musik so interpretieren, wie es am besten für einen ist.

Mathias Freiesleben:
Ein allgemeines Übel ist ja die "Vielrederei". Kotzt euch das vielleicht auch an - also ist das, was ihr tut, eine Art "stummer Protest"?

Christian:
Wir wollen damit nicht protestieren, da es sowieso fast unmöglich ist, Menschen und ihre Einstellung mit Musik zum Umbruch zu bewegen. Diese Erfahrung haben auch schon größere Bands machen müssen. Klar ist es wichtig, wenn Bands etwas zu sagen haben, aber das interessiert meistens auch immer nur Menschen, die sich sowieso schon damit identifizieren.

Mathias Freiesleben:
Oder haben junge Männer heutzutage sowieso nichts mehr zu erzählen?



Christian:
Das ist aber sehr nett, dass du uns als jung bezeichnest. Zum jungen Eisen gehören wir wohl nicht mehr, trotzdem hat jeder von uns seine individuelle Meinung zu Politik und Gesellschaft, nach der wir leben. Für uns ist es einfach eine Art unser Leben zu vervollständigen und zu bereichern. Wir drücken uns über unsere Musik und unsere Instrumente aus und mehr müssen wir einfach nicht erzählen.

Mathias Freiesleben:
In all diesen Bands, von NINTH MOON BLACK über MINSK oder auch bei euch scheint ein ständig dröhnender Unterton, ein dicker Bass sehr präsent zu sein. Zumindest ich als Laie empfinde es so. Freunde von mir haben mal gesagt, dass das die Musik "warm" macht. Ist das wirklich so: Nutzt man die Musik als Unterschlupf, als einen Schutz, in den man sich zurückziehen kann?

Christian:
Die meisten meinen, dass der Bass in einer Band am wenigsten macht und am wenigsten wichtig ist, doch der Bass hält das Grundgerüst zusammen. Das fällt aber meist nur auf, wenn dieser falsch spielt oder auf einmal ausfällt. Als ich  später zu BLCKWVS gestoßen bin, hat sich auch die Musik in eine ganz andere Richtung entwickelt, da die Gitarre und das Keyboard nicht mehr den fehlenden Bass kompensieren mussten. Musik war wohl schon immer eine Art Rückzug, doch sie ist auch da um zu feiern und Freude zu empfinden.

Mathias Freiesleben:
In der Musikszene, im, sagen wir ruhig "Untergrund", ist seit knapp 5-6 Jahren die Zahl der Instrumentalbands rapide nach oben geschnellt. Ist das logisch?

Christian:
Keine Ahnung, ob das logisch ist, aber wenn die Industrie ein gewisses Geschäft darin wittert, ist das wohl eine normale Entwicklung. Jedoch haben die meisten Bands des Untergrunds, die das erst mal alles auf die Beine gestellt haben, oft das Nachsehen im Kommerztreiben. Trotzdem ist es doch eine schöne Entwicklung, da man viele Künstler sehen kann, die ganz individuell einen ähnlichen Sound kreieren. Der Unterschied steckt im Detail und macht die meisten Bands, wenn sie nicht gerade auf den Zug aufspringen und irgendetwas kopieren, interessant.  

Mathias Freiesleben:
Wen hört ihr denn des Nachts?

Christian:
Das Flattern der Fledermäuse und die Schreie der Eulen?

Mathias Freiesleben:

Seid Ihr Punks? Oder Postrocker? Stammt ihr aus dem HC? Oder seid ihr schlicht Underground?

Christian:
Da legen wir uns nicht fest, obwohl unsere Wurzeln teilweise beim Hardcore liegen, aber auch in anderen Teilen von anderen Szenen.

LP 0130 von 2009

Mathias Freiesleben:
Ihr sprecht in der Selbstbeschreibung von "bedrohlichen Soundwänden" und ähnlichem. Fühlt ihr selbst euch bedroht? Von wem und warum?

Christian:
Wir produzieren ja die Soundwand. Vielleicht sollten andere sich bedroht fühlen oder sich einfach von der Sound-Dampfwalze überrollen lassen und es genießen. Das haben wir uns übrigens nicht selbst ausgedacht, denn das hat mal irgendjemand in einem Konzertreview geschrieben und wir fanden das einfach passend.

Mathias Freiesleben:
Mit OMEGA MASSIF aus Würzburg und anderen weniger bekannten Bands scheint ihr verkumpelt zu sein. Gibt es gezielte Vernetzungen?

Christian:
Man kennt sich, bleibt im Kontakt und versucht immer mal wieder mit der einen oder anderen Band die Bühne zu teilen.

Mathias Freiesleben:

Was ist in nächster Zeit von euch zu erwarten? Wo kann man euch demnächst erleben?

Christian:

Wir werden bei Rock im Moor am 07.08.2009 spielen und am 21.08.2009 werden wir mit KODIAK auftreten, mit denen wir ja dieses Jahr auf Tour waren, dabei sind auch HEIRS im AMP in Münster. Einen Tag später (am 22.08.2009) werden wir in Essen im Coffee Corner mit denselben Bands spielen.

Links:
http://www.myspace.com/blckws
http://www.myspace.com/rockimmoor
http://www.myspace.com/omegamassif
http://www.myspace.com/kodiakdoom
http://www.myspace.com/heirsmusic

Redakteur:
Mathias Freiesleben

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