BONFIRE: Interview mit Hans Ziller / Jürgen ´Bam Bam´ Wiehler

01.01.1970 | 01:00

Nach fünfzehn Jahren und zehn Alben gehören BONFIRE noch immer zur Elite des deutschen Hardrocks. Mit erdigem Rock und kuschelweichen Balladen haben sich BONFIRE in den Achtziger-Jahren etabliert. Heute ist das nicht anders. Die Musik ist dieselbe geblieben, was auch erklären mag, dass die BONFIRE-Fans der Band schon seit Jahren die Stange halten.

Francoise:
Ihr seid euren Weg auch beim neuen Album weitergegangen, nach dem Motto "wo BONFIRE draufsteht ist auch BONFIRE drin". Von der Presse heisst es dann schnell mal, dass ihr euch selbst kopiert. Andersrum ist es meistens auch nicht recht; man probiert was Neues, und wird dann deswegen kritisiert. Habt ihr euch vor der Arbeit zu "Strike X" Gedanken dazu gemacht?

Hans:
Überhaupt nicht. Das ist das Gleiche, wenn jemand Schreiner ist und Schlosser machen will. Dann muss er erst mal umlernen. Ob er die Schlosserarbeit dann genauso gut macht wie das Schreinern, das ist dann die andere Frage. Bei der Musik ist das ähnlich. Wir machen halt das, was wir am besten können, und das ist melodischer Hardrock oder Heavyrock, oder wie auch immer man das nennen mag. Ich denke, Experimente würden uns unsere Fans auch gar nicht verzeihen. Man hat ja bei den Scorpions gesehen, wie sowas in die Hose gehen kann. Wir machen diese Musik so gerne, und wollen den Rock´n´Roll nicht neu erfinden - den gibts schon lange, und wir setzen die Tradition fort. Wir versuchen das bei jedem Album durch gute Songs aufzuwerten. Grossartige Innovationen wird man bei uns nicht feststellen können, weil es einfach nicht angebracht ist.

Bam Bam:
Was halt sehr viel weniger geworden ist in den letzten Jahren, sind gute Alben von Bands, auf denen nicht nur einer oder zwei Songs gut sind, sondern das ganze Album. Da hat es in den Achtzigern Einiges gegeben, und das ist nun immer mehr abgeflacht. Es gibt immer noch viele Bands, die diese Musik machen, aber der Standard ist nicht mehr so hoch. Wir versuchen halt auch, ein gewisses Level einzuhalten, wenn wir ein Album machen. Die Produktion soll auch eine gewisse Qualität haben. Das ist uns wichtig.

Francoise:
Werdet ihr nicht beeinflusst von neuen "modernen" Bands?

Bam Bam:
Natürlich. Wir sind keinesfalls irgendwie engstirnig. Wir sind alle sehr offen und hören auch andere Musik, seien das andere Arten von Rock, Country oder Jazz. Wir bringen das einfach alles wieder auf einen Nenner und versuchen, das Ganze für BONFIRE in eine Bahn zu lenken. Das hat nichts damit zu tun, dass wir engstirnig sind oder keine andere Musik hören, das ist einfach der Sound von BONFIRE. Wieso sollen wir das ändern, wenn es gut funktioniert und wir Spass daran haben? Limp Bizkit machen auch das, was sie am besten könnnen.

Hans:
Wobei Limp Bizkit in zehn Jahren wahrscheinlich die gleiche Frage gestellt bekommen. Das ist bei jeder Band das Gleiche.

Bam Bam:
Genau.

Hans:
Es gibt halt bestimmte Sparten, die einen machen es besser, die anderen schlechter und jeder hat so seine Fans. Und wenn es mal über ein bestimmtes Level hinausgeht, dann kommt man in ein Fahrwasser wie vielleicht Bon Jovi, die ein breiteres Publikum ansprechen. Das ist natürlich ein Zuspruch an den Kommerz oder die Popmusik, wobei ich das nicht negativ sehe. Aber die breite Masse hört halt mehr die Hausfrauenmusik. Wenn du nicht in diesem Spektrum drin bist, wirst du auch nicht mehr Alben verkaufen. Gotthard versuchen durch ihren Stilwechsel auch, in eine Ecke zu kommen, in der sie das Bon Jovi-Publikum ansprechen. Sie sind ja auch sehr erfolgreich, was keineswegs verwerflich ist.

Francoise:
Ihr wurdet bestimmt schon tausendmal darauf angesprochen: Auf der letzten Platte hattet ihr diesen Song "Proud Of My Country", und ihr seid relativ böse angegriffen worden, ihr würdet eure rechte Seite zum Ausdruck bringen. Habt ihr euch diesmal absichtlich etwas zurückgehalten?

Hans:
Nein, wir haben schon wieder so einen Song drauf. Er heisst "Under Blue Skies". Er ist zwar nicht so extrem, aber geht in die gleiche Richtung. Im Text heisst es "who´ll be a nazi and who´ll be a jew", also sehr kontrovers. Jeder muss sich irgendwann mal vor dem jüngsten Gericht verantworten. Keiner kann sich aussuchen, wie er geboren wird. Der Claus schreibt gerne Texte, mit denen er ein wenig provozieren und die Leute zum Nachdenken anregen kann. Wir werden im Herbst auch auf dem "Rock Gegen Rechts"-Festival von Udo Lindenberg spielen, was wir bestimmt nicht tun würden, wenn wir tatsächlich rechts wären. Wer uns kennt, weiss auch, dass wir in keinster Weise dazu tendieren. Man muss einfach mit seiner Vergangenheit umgehen können.

Francoise:
"Strike Back" handelt doch auch von einem eher gesellschaftskritischen Thema, oder liege ich da falsch?

Hans:
Da ist ein Text von Claus, der ein religiöser Christ ist. Es geht darum, die Teufelsanbetung nicht mitzumachen, dieser bösen Macht zu begegnen und zurückzuschlagen - "Strike Back" eben. So wie ich das verstanden habe...

Francoise:
Ihr habt mit "Strike X" die Top 30 der Media Control Charts erreicht. Habt ihr ein Erfolgsrezept oder zieht ihr einfach euer Ding durch?

Hans:
Eher zweiteres. Wir denken da nicht gross drüber nach. Wir sind jetzt auch im Metal Hammer wieder in den Charts gestiegen, von zehn auf sechs oder so.

Bam Bam:
Es ist ja nicht so, dass wir ständig in den Charts sind. Es waren jetzt vier Wochen, aber das ist natürlich schon eine kleine Sensation, wenn man diese Art von Musik macht. Aber um nochmal auf das zurück zu kommen, was ich vorhin gesagt habe. Die Qualität der Platte hat den Vorteil, dass sich das rumspricht, und die Leute die CD auch noch Monate später kaufen und sagen "woah, die CD kann ich reinschmeissen, durchlaufen lassen, und das kann ich mir gut anhören". Das Erfolgsrezept ist eigentlich, diesen Qualitätsstandard zu halten.

Francoise:
Ihr habt seit kurzem ein neues Management, und habt in diesem Zusammenhang geplant, das Auslandgeschäft in Angriff zu nehmen. Was habt ihr konkret vor?

Hans:
Nun, früher sind wir einen anderen Weg gegangen. Mit unserem damaligen Management wollten wir erst im Ausland Fuss fassen, und dann erst in Deutschland. Wir waren ziemlich oft im Ausland unterwegs und haben in den USA sogar 100´000 Einheiten verkauft, was ja nicht schlecht ist. Wir haben aber den Fehler gemacht, dass wir Deutschland und allgemein den deutschsprachigen Raum vernachlässigt haben. Nachdem wir BONFIRE im Endeffekt wieder mit neuen frischen Kräften haben auferleben lassen, haben wir uns zuerst um unser Heimatland gekümmert. Mit dem Willi, der uns früher schon begleitet hat, haben wir einen kompetenten Partner gefunden, der uns managt. Für uns allein ist es einfach zuviel geworden. Nun wollen wir uns im Ausland etablieren, unter anderem mit einer Best Of-CD, welche auch in den USA erscheinen wird, damit die jungen Leute da drüben merken, dass es in Deutschland eine Band gibt, die noch ganz gut rocken kann. Wir nehmen auch eine DVD in Angriff, und werden versuchen live zu spielen; verstärkt in England, Frankreich, Japen und den USA, damit man auch da Notiz von der Band nimmt. Wir haben uns für die nächsten ein bis zwei Jahre Ziele gesteckt, die wir nun konsequent aufarbeiten. Dann können wir Resumée ziehen.

Francoise:
Ich habe ein wenig im Gästebuch auf eurer Homepage gestöbert, und mir ist aufgefallen, dass viele Fans völlig überrascht sind, wie sehr ihr jetzt aufs Gaspedal drückt...

Hans:
Ja, und wir haben übrigens wahnsinnig viele Hits auf unsere Homepage!

Bam Bam:
Lustigerweise besuchen vor allem viele Fans aus dem Ausland unsere Site.

Hans:
Dieses Medium darf auf keinen Fall vernachlässigt werden. Wir haben auch einen Wettbewerb für unsere Best Of-CD auf der Site, wo man schöne Preise gewinnen kann. Das Internet ist ein wichtiges Medium, an dem wir weiterhin arbeiten.
Wir sind auf einem guten Weg. Nächstes Jahr um diese Zeit können wir wieder zusammensitzen und bestimmt schon einige grossartige Resumées ziehen.

Bam Bam:
Wir sind auf jeden Fall sehr zuversichtlich.

Man darf auf jeden Fall gespannt sein, was sich zukünftig im BONFIRE-Lager alles tut... Langweilig wirds den Herren jedenfalls bestimmt nicht werden.

Redakteur:
Francoise Stähelin

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