top banner 61
side banner 63

CAGE: Interview mit Sean Peck

09.07.2009 | 12:28

"Speed, Power, Shredding, einprägsame Refrains, und eine Stimme, die wandlungsfähig genug ist, dass du dich nicht langweilst oder krank davon wirst." - So beschreibt also Sean Peck seine Band.

Vor ein paar Wochen haben die US-Power-Metaller von CAGE ihr fünftes Album "Science Of Annihilation" veröffentlicht. Und wie schon die Vorgänger, so hat mich auch dieses Werk wieder völlig überzeugt. Grund genug also, bei Sänger Sean Peck nachzufragen ...





Martin Schaich:
Sean, ihr habt vor einigen Wochen eine kleine Club-Tour durch Europa gemacht und (natürlich) auch Deutschland besucht. Insbesondere in Crailsheim, wo ich euch gesehen habe, sind leider nur wenige Leute gekommen, um euch zu sehen. Wie war das denn in den anderen Städten?

Sean Peck:
Es war unsere erste Headliner-Tour, und dafür war es wirklich gut. Das Konzert, das du gesehen hast, war sicherlich am schlechtesten besucht, aber wir haben trotzdem unser Bestes gegeben.
Ganz egal, wohin wir gekommen sind - überall haben uns die Leute äußerst freundlich aufgenommen und uns das Gefühl gegeben, etwas Besonderes zu sein. Ich kann dir gar nicht sagen, wie viele Leute gemeint haben, dass sie noch keine bessere Club-Show gesehen hätten. Und auch andere überragende Komplimente waren durchaus an der Tagesordnung. Ich glaube, wir haben vielen Leuten die Augen geöffnet. Einerseits den CAGE-Fans, die die Alben lieben, aber nun gesehen haben, dass die Songs live noch sehr viel besser rüberkommen. Und andererseits natürlich den Leuten, die von CAGE noch nichts kannten und von der Energie unserer Auftritte schlichtweg überwältigt waren.

Martin Schaich:
Auch wenn die anderen Konzerte wohl besser besucht waren: Meinst du nicht, dass die Zeitplanung für die Tour etwas ungünstig war - da euer neues Album ja erst einige Tage später veröffentlicht wurde?

Sean Peck:
Nun, dies war aber gerade ein Teil des Plans, denn so konnten wir bei jedem Konzert eine "CD-Release-Party" feiern. Und wir konnten dadurch auch jeden Abend 20 CDs und mehr verkaufen. Überhaupt sorgten einige der kleineren Fan-Gruppen für die höchsten Merchandising-Umsätze. Finanziell war die Tour jedenfalls ein Erfolg. Immerhin war es ja unsere erste Headliner-Tour, und deshalb wurden unsere Erwartungen auch weit übertroffen.
Natürlich hätten wir sehr gerne auch vor mehr Leuten gespielt. Aber so war bei den Konzerten wenigstens ein intensiverer Kontakt zu den Fans möglich. Und ich bin mir sicher, dass die Leute, die uns bei dieser Tour gesehen haben, immer und immer wieder zu unseren Konzerten kommen werden. Es gab ja sogar schon bei dieser Tour einige Fans, die zu drei oder vier Konzerten gekommen sind, und so etwas ist natürlich schon prima.
Außerdem haben wir diese Tour ohne Label-Unterstützung und mit nur wenig Begleitung durch die Presse durchgezogen. Wir können also insgesamt schon sehr zufrieden sein.

Martin Schaich:
Wird CAGE auch in Zukunft nach Europa kommen, um eine Tour zu spielen? Oder wird man euch dann eher auf Festivals sehen?

Sean Peck:
Wir haben beispielsweise in Wacken gespielt, aber auch auf anderen großen Festivals. Das macht schon sehr viel Spaß. Aber mir bedeutet es sehr viel mehr, wenn ich zu den Leuten vor der Bühne eine Verbindung aufbauen und ihnen in die Augen schauen kann, wenn ich mal wieder ein paar Screams loslasse. Ich habe viel Spaß auf der Bühne, und ich liefere immer die gleiche Leistung ab, ganz egal, ob nun 10.000 Fans vor der Bühne stehen, oder eben nur 10. Da musst du nur mal die Fans in Ostrava (Tschechien) fragen. Wir spielten über zwei Stunden für lediglich 20 Leute, weil sie so begeistert mitgegangen sind. Wir haben uns einen guten Ruf erarbeitet, dass wir die Nähe suchen und jeden Fan zu schätzen wissen. So unterhalte ich mich auch sehr gerne mit den Fans und frage sie nach ihrem Namen, und ich versuche ihn natürlich auch zu behalten.
Aber im nächsten Jahr werden auch wieder einige große Festivals auf dem Plan stehen - zumindest arbeiten wir daran.

Martin Schaich:
Gibt es in den USA auch Festivals wie das Bang Your Head oder das Keep It True? Und wie sieht es denn dort überhaupt mit einer Szene für traditionellen Metal aus?

Sean Peck:
Es gibt inzwischen eine ganz ordentliche Szene, und die Jugendlichen lieben sie und wissen sie auch zu schätzen. Wir können uns wirklich nicht beschweren, auch wenn sich die Festivals noch nicht annähernd so entwickelt haben wie in Europa. Wir spielen aber auch viel in Mexiko, wo die Fans richtig abgehen.

Martin Schaich:
Hier in Deutschland haben eure letzten Alben, insbesondere "Darker Than Black" und "Hell Destroyer" hervorragende Kritiken erhalten. Wie wichtig ist es euch denn, was andere Leute über eure Musik denken?

Sean Peck:
Natürlich sind wir sehr froh, wenn wir solche guten Kritiken bekommen, und wir bekommen sie schon von Anfang an. Wir sind diesbezüglich sehr verwöhnt, denn die Medien haben uns immer sehr gut behandelt. Wir haben weniger als zehn schlechte Rezensionen erhalten - bei nunmehr fünf CDs und Tausenden Kritikern. Das macht mich einfach sicher, dass wenn wir einen Song schreiben und er uns gefällt, er auch anderen Leuten gefällt und unser Metal-Barometer somit absolut in Ordnung ist. Auch wenn ich nun gerade in meinem Büro sitze und überlege, wie wir die aktuelle CD nochmals überbieten können - wie wir es bisher immer geschafft haben.

Martin Schaich:
Habt ihr denn auch schon Feedback zu "Science Of Annihilation" bekommen, eurem neuen Album?

Sean Peck:
Ja, ich glaube, dass wir bislang schon sechsmal zum Album des Monats geschafft haben und die großen deutschen Magazine uns zum neuen Standard erklärt haben, an dem sich alle anderen Power-Metal-Bands messen lassen müssen. Es geht eben um gute Songs. Natürlich gibt es Tausende von hochbegabten Musikern auf der ganzen Welt und auch in unserem Genre, aber nur sehr wenige gute Song-Schreiber, und das ist es, was CAGE ausmacht.

Martin Schaich:
Wie würdest du denn das neue Album beschreiben? Wo siehst du die wesentlichen Unterschiede zu euren vorherigen Alben, und wo siehst du Ähnlichkeiten?

Sean Peck:
Nun, unser neuer Schlagzeuger Norm Leggio hat uns eine ganz neue Ebene in Bezug auf Speed und Power eröffnet, die wir auch schon früher erreichen wollten. So ist das Album insgesamt schneller, und es gibt auch Thrash-Elemente und Blast-Beats, die wir bislang noch nicht verwendet haben. Das hat es uns erlaubt, ein paar richtige Kick-Ass-Songs zu schreiben, die live natürlich großartig ankommen. Und wenn wir einige von diesen neuen Songs schon live gespielt haben, dann haben die Leute teilweise schon mitgesungen, als der erste Chorus vorbei war. Es sollte auch eine Metal-Scheibe ohne viel Schnickschnack werden, die die Leute im Auto einlegen können, um dann höllisch schnell fahren zu können. Wir wollten ein Album machen, das einerseits gute Passagen zum Headbangen hat, das andererseits aber auch technisch anspruchsvoller ist, ohne die klassischen Metal-Elemente zu verlieren. Und natürlich sollte der Gesang noch besser und abwechslungsreicher sein.

Martin Schaich:
Im Gegensatz zu "Hell Destroyer" gibt es dieses Mal wohl keine Konzept-Story. Was kannst du mir dennoch über die Texte von "Science Of Annihilation" sagen?"

Sean Peck:
Es war dieses Mal tatsächlich etwas schwierig, die richtigen Themen für die Songs zu finden. Aber schließlich hat sich doch alles gut zusammengefunden. So nach dem Motto: Nachdem wir die Hölle und die Erde bereits mit dem letzten Album zerstört haben, zerstören wir eben dieses Mal das ganze Universum, mit der "Science Of Annihilation"-Trilogie. Und sonst: Einige Songs beschäftigen sich mit Super-Helden und bei anderen geht es um rein fiktive Metal-Klischees. Wieder andere - wie 'Die Glocke' oder 'Operation Overlord' - haben einen historischen Hintergrund. Und 'Black River Falls' hat von allem etwas, ist aber definitiv in der Art einer KING-DIAMOND-Horrorstory gehalten.

Martin Schaich:
Kannst du vielleicht etwas genauer erklären, worum es bei dieser "Science Of Annihilation"-Trilogie geht?

Sean Peck:
Es geht hierbei um einen Mann, der im Alten Rom auf dem Schlachtfeld stirbt und dann zum "Spectre Of War" wird. Im Grunde ist er ein kosmischer Halbgott, der sich zum Gott des Krieges entwickelt. Über die Jahre und Jahrhunderte hinweg übt er Einfluss auf die Menschen aus und wacht über sämtliche kriegerischen Auseinandersetzungen. Am Ende aller Tage spricht er dann mit dem "wahren" Gott und entscheidet, dass er den Untergang der ganzen Schöpfung beobachten möchte. Es hat wirklich Spaß gemacht, diese Songs zu schreiben, und wir haben sie auch schon live gespielt. Irgendwie scheinen diese Songs das gesamte Album zusammenzuhalten.

Martin Schaich:
Ihr werdet musikalisch sehr häufig mit JUDAS PRIEST verglichen. Ist das für euch eine Ehre, oder ist es doch eher eine Last?

Sean Peck:
Nun, zunächst einmal ist das natürlich schon ein Kompliment. Aber wie ich in den verschiedenen Magazinen gelesen habe, gelingt es uns ja doch ganz gut, dass wir uns immer weiter entwickeln. JUDAS PRIEST sind meine absolute Lieblingsband, und dementsprechend sind sie natürlich ein wichtiger Einfluss für uns. Aber wir versuchen dennoch, die Grenzen der mächtigen JUDAS PRIEST zu überschreiten. Im Übrigen haben sie ihre besten Tage auch schon hinter sich gelassen, sodass wir diese Lücke hoffentlich füllen können.
JUDAS PRIEST haben aber in ihrer langen Band-Historie sehr viel erreicht und so viele großartige Songs geschrieben, dass es natürlich eine Ehre ist, mit ihnen in einem Atemzug genannt zu werden. Und über die Halford-Vergleiche, die ich immer wieder höre, freue ich mich schon auch.

Martin Schaich:
"Science Of Annihilation" erinnert mich aber immer wieder auch an (frühe) ICED EARTH. Kannst du das nachvollziehen?

Sean Peck:
Ja, das dann ich nachvollziehen. Diese Einflüsse sind tatsächlich vorhanden, wie auch einige Einflüsse von KING DIAMOND und METAL CHURCH - wie ich finde. Allerdings versuche ich schon etwas mehr fiese "bad ass"-Melodien zu verwenden als es ICED EARTH auf ihren letzten Alben getan haben. Ich denke auch, dass wir etwas geradliniger zu Werke gehen als ICED EARTH. Aber Jon Schaffer ist ein cooler Typ. Wir hingen damals zusammen beim Bang Your Head Festival ab und haben uns über einige philosophische Ideen ausgetauscht.

Martin Schaich:
Welche anderen Einflüsse kannst du denn ansonsten noch nennen?

Sean Peck:
Die ersten beiden CRIMSON GLORY-Alben waren fantastisch, und auch die frühen QUEENSRYCHE. TESTAMENT muss hier auf jeden Fall auch genannt werden. Beim Schreiben der Refrains orientiere ich mich häufig an DOKKEN, RATT, BLACK AND BLUE, HELIX und ähnlichen Hard-Rock-Bands und versuche dies dann in unseren "Painkiller"-mäßigen Stil zu integrieren.

Martin Schaich:
Wenn CAGE nun ein Cocktail wäre, welche Zutaten müsste er dann enthalten?

Sean Peck:
Speed, Power, Shredding, einprägsame Refrains, und eine Stimme, die wandlungsfähig genug ist, dass du dich nicht langweilst oder krank davon wirst. Die Live-Version von CAGE muss daneben auch noch das für JUDAS PRIEST oder SCORPIONS typische Stage-Acting haben, und gute Backing-Vocals gehören ebenfalls dazu. Außerdem sind schwarze Lederklamotten wichtig, damit man auch sieht, dass man in einer Band spielt und nicht gerade von der Straße kommt.

Martin Schaich:
Wo verbringt Dave eigentlich mehr Zeit, im Proberaum oder im Fitnessstudio?

Sean Peck:
Momentan definitiv mehr Zeit im Studio. Aber er hat sich schon beschwert, dass er schrumpft.

Martin Schaich:
Und was macht ihr anderen neben CAGE?

Sean Peck:
Ich verkaufe beispielsweise Grundstücke und arbeite bei einer Bank. Norm führt eine große Anlage von Probe- und Übungsräumen, die ihm auch gehört, und Dave leitet eine große Firma für Baumaterialien. Anthony und Mike sind ebenfalls sehr erfolgreich und haben auch ihre eigenen Häuser. In einem gewissen Sinne haben wir die Karriere von CAGE dafür geopfert, dass wir unsere Familien sicher ernähren können und auch sonst finanziell erfolgreich sind, während die Band eben nur nebenher läuft. Diese Herangehensweise hat es uns jedoch erlaubt, dass wir bislang alles selbst finanziert haben - ohne die Hilfe von irgend einem Label und trotzdem auf höchstem Qualitätsniveau. Ich glaube, das ist auch der richtige Weg.
Ich frage mich ja immer wieder, wie viel Geld und wie viele Häuser die anderen "großen" Rock-Stars wohl haben werden? Ich weiß jedenfalls von bekannten Metal-Stars, die sich selbst "Kings" nennen, aber deren Jahresbilanz es mit der meinen sicherlich nicht aufnehmen kann. Das soll jetzt kein Angeben sein, sondern nur ein interessanter Aspekt, der in der Metal-Szene selten ans Tageslicht kommt oder viel diskutiert wird. Wir spielen auf den kleineren Bühnen, aber wir leben mit unseren Familien sehr komfortabel im sonnigen San Diego am Strand.

Martin Schaich:
San Diego liegt ja bekanntlich in Kalifornien. Was denkst du denn über die Tatsache, dass ihr dort von einem österreichischen Schauspieler regiert werdet?

Sean Peck:
Zunächst war es schon ganz gut, aber der Staat hat so viele tiefsitzende finanzielle Probleme, dass sie nicht einmal der Terminator lösen kann. Dieser Staat leidet - wie viele andere große Staaten auch - daran, dass man möglichst viel denjenigen Leuten gibt, die am wenigsten für unseren Wohlstand sorgen. Und je mehr Geld man den Leuten aus der Tasche zieht, desto weniger erfolgreich kann die jeweilige Wirtschaft sein.

Martin Schaich:
Und wie sieht dein Fazit nach 100 Tagen von Obama aus? Hat er die Erwartungen bislang erfüllt?

Sean Peck:
Ja, ich habe von ihm erwartet, dass er versucht, den Kapitalismus zu zerstören und die Reichen zu vernichten und dass er sich bei jedem entschuldigt, wie böse Amerika ist. Außerdem habe ich erwartet, dass er die Welt zu einem sehr viel gefährlicheren Ort macht, dass er versucht, den Waffenbesitz zu verbieten, die Steuern zu erhöhen und die produktiven Leute in unserer Gesellschaft zu bestrafen.
Nein, er hat definitiv alles getan, was ich von ihm erwartet habe.

Martin Schaich:
Was denkst du denn über die Wirtschaftskrise, und die Milliarden, die in das System gepumpt wurden?

Sean Peck:
Durch die Wirtschaftskrise nähern wir uns immer mehr einer "One-World"-Regierung. Und die Wirtschaftskrise wird von den Regierungen als eine Entschuldigung herangezogen, um so viel Kontrolle und Macht wie möglich auszuüben; darüber habe ich übrigens schon auf dem "Astrology"-Album gesungen.
Man hätte wohl besser die Unternehmen abstürzen lassen sollen, als uns noch mehr in die Schulden bei den Chinesen zu treiben und den Dollar dermaßen zu schwächen, indem man Unmengen an Geld druckt, um den am wenigsten verdienstvollen Sektor der gesamten Wirtschaft - wo zuallererst Missbrauch stattfand und falsche Entscheidungen getroffen wurden - zu retten.
Investiert euer gesamtes Geld lieber in CAGE-CDs!

Martin Schaich:
Und wie geht es nun weiter - mit der Welt, und mit CAGE?

Sean Peck:
Alles dreht sich irgendwie im Kreis, und wir müssen einfach hoffen, dass wir mit allen möglichen Restriktionen und Fesseln - wie den Auswirkungen der globalen Erwärmung - klar kommen.
Die Regierung hat nichts getan, damit CAGE möglichst schnell möglichst groß wird, und so haben wir es nur unserer harten Arbeit und unserem Schweiß zu verdanken, dass wir 16 Jahre später etwas zurück bekommen. Und so könnt ihr nun auch eine ganze Reihe von CAGE-Veröffentlichungen und Touren in Europa in der nächsten Zeit erwarten. Wir arbeiten beispielsweise bereits jetzt am Nachfolger zu "Science Of Annihilation". Wir werden in den nächsten zwölf Monaten auch zwei DVDs veröffentlichen, und voraussichtlich werden wir auch schon im September 2009 wieder in Europa sein.

Redakteur:
Martin Schaich

Login

Neu registrieren