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CIRCLE OF TYRANTS: Interview mit Alex Straka

12.10.2005 | 19:24

Mit den CIRCLE OF TYRANTS bieten wir euch auf der zweiten Auflage unserer NIGHT OF POWER eine Truppe, die eigentlich sämtliche Hartwurstfanatiker zufrieden stellen müsste: Die klassische Metal-Schule trifft auf rüde Death/Thrash-Attacken, geht mit progressiven Einschüben etwas spielen und relaxt dann bei gotisch angehauchten Melodiebögen. Ja, das geht. Und es klingt auch noch gut.
Aber nicht nur der Auftritt auf unserem Festival, auch das zweite Demo der hessischen Truppe steht in Kürze an. Weitere Infos kommen direkt von Trommelvieh Alex.

Rouven:
Hallo Alex! Alles frisch?

Alex:
So weit ist alles fit im Schritt! Nach dem Recording- und Mix-Marathon der letzten Monate ist endlich ein wenig Ruhe eingekehrt.

Rouven:
Was tut sich denn so im TYRANTS-Camp momentan?

Alex:
Die zweite Scheibe haben wir vor kurzem in trockene Tücher gewickelt. Auf Grund unserer teils ziemlich unterschiedlichen Arbeitszeiten war es gar nicht so einfach, dieses Teil zu stemmen. Ganz zu Schweigen vom Mix, der mich wirklich massig Stunden gekostet hat. Aber "Deamocracy", so schimpft sich unser zweites, insgesamt zwölf Tracks umfassendes Demo, stimmt mich schlussendlich absolut zufrieden, was Feeling, Sound und Energie angeht. Denn gerade in diesen Bereichen hat mich unser Erstling nicht wirklich überzeugt.

Rouven:
Wo du euren Erstling "The Art Of Intensity" gerade ansprichst: Habt ihr auf die Scheiblette denn gutes Feedback seitens der Presse und der Hörer bekommen?

Alex:
Überwiegend ja! Die Printmagazine haben uns flächendeckend wohltuend beurteilt und auch im Onlinezirkus hatten wir zu gut achtzig Prozent positive Resonanz. Die anderen zwanzig fanden uns, sagen wir mal, nicht schlecht und ein geiler Verriss war auch dabei, haha. Aber wir finden Verrisse völlig in Ordnung, weil sie nicht selten auch Denkanstöße zu bieten haben und auch mal eine nicht zwingendermaßen falsche Richtung aufzeigen können, in der man beim nächsten Mal noch was verbessern kann.

Rouven:
Das Teil habt ihr komplett zum freien Download auf eurer Homepage angeboten. Fand das Anklang?

Alex:
Auf jeden Fall! Gerade diese Aktion hat jede Menge Menschen zu unserer Musik gebracht. Was nützt uns denn heutzutage, gerade bei der derzeitigen Bandschwemme, ein Reingewinn von ein paar Euro, wenn es ein Meer an Metallern kostet, die ihr schwer erarbeitetes Brot nicht für jede Demoband verschleudern, die aber für lau immer mal reinhören und dann eventuell an unserer Mucke haften bleiben.
Wir wollten uns erst mal einen kleinen Namen machen und beim zweiten Album, das aber wesentlich besser aufgemacht und produziert sein sollte, den nächsten Schritt gehen.
Heißt: Jetzt wisst ihr, was ihr für einen reellen Gegenwert bekommt, denn "Deamocracy" wird nicht mehr ganz lau über den Datenhighway laufen.

Rouven:
Die neue Scheibe steht also bald an. Was kannst du denn dazu erzählen? Worauf können wir uns einstellen?

Alex:
Wir werden unsere neue Scheibe wahrscheinlich Mitte November fertig haben. Sprich, mit einem sauberen Artwork, mit einer gepressten CD und allem was dazu gehört.
Auf "Deamocracy" stehen zwölf Lieder, die meiner Meinung nach für ein Demo ziemlich satt auf die Fresse hauen. Den Quantensprung zwischen den beiden Alben merkt man vor allem bei den Nummern 'Hate', 'Circle Of Tyrants', 'Deamonicus' und 'I Cry', die auch schon auf "The Art Of Intensity" standen, jetzt aber erst richtig zwischen den Augen stecken bleiben. Die anderen acht Songs sind taufrisch und werden sicherlich keinen Metalhead enttäuschen.
Zudem ist "Deamocracy" viel düsterer als "The Art Of Intensity", weil wir endlich, ziemlich authentisch, unser Livefeeling einfangen konnten. Außerdem ist das Demo kein weiterer kompositorischer Alex-Alleingang, wie noch der Erstling, sondern ein ziemlich ausgewogenes TYRANTS-Werk, bei dem jeder sein Quäntchen beigesteuert hat.
Tja, und was soll ich zu letzterer Frage sagen? Die Leute, die "Deamocracy" bisher gehört haben, sagen, die Scheibe sei melodisch, heftig, groovig, finster und vor allem eines: alles andere als leichtverdaulich, haha.

Rouven:
Was stellt ihr eigentlich mit eurem Sänger Holger bei den Aufnahmen an? Der Gute röhrt ja teilweise wie eine ganze Herde Elche und gehört mit seinem cleanen Gesang zu den eindrucksvollsten und mitreißendsten Gesangsstimmen, die ich in den letzten Jahren hören durfte.

Alex:
Oha, dafür wird er dir auf der Night Of Power einen saftigen Zungenkuss geben, haha. Holgers Gesangsspuren habe ich aufgenommen und ich denke, dass ich ein verdammt unangenehmer Antreiber und auch ein arschlochmäßiger Perfektionist bin, dem man es selten recht machen kann. Also haben wir uns gegenseitig (Holger hat die Drumtracks mitgeschnitten) heftig aufgegeilt, um wirklich ein Optimum zu erreichen. Ich denke, dass uns das gelungen ist. Wobei man es in einem professionellen Studio natürlich besser hinbekommt, wenn man seinen Geldbeutel auf links dreht. Unserer ist weiterhin auf rechts und die Scheibe atmet trotzdem, haha.
Aber noch mal kurz zu Holger. Ich teile deine Meinung absolut. An Facettenreichtum und Variabilität ist er schwer zu toppen. Er hat zudem ein sehr warmes Organ, mit dem man musikalisch extrem viel anfangen kann. Eigentlich haben wir noch keine Ideen angeschleppt, die Holch nicht endveredeln konnte, was auch mit seinem Gespür für Melodien zusammenhängt. Aber jetzt blabla, lauscht selber... ;-)

Rouven:
Auf unserer Night Of Power werdet ihr vermutlich auch gut Arsch treten. Ist die Vorfreude auf den Gig denn groß? Was können die Besucher erwarten?

Alex:
Ich will mal hoffen, dass wir Arsch treten. Aber Bedenken hab ich da eigentlich keine. Live haben wir ziemlich viel Energie, die das Publikum bisher eigentlich immer mitgerissen hat. Zudem sind wir alle ziemlich geil auf den Gig, weil a) eine größere Menschenmenge anwesend sein wird, und b) es ausschließlich härter ausgerichtete Metalheads sein werden.
Nicht nur unser Problem ist, dass das Einzugsgebiet Frankfurt eigentlich ein ziemliches Brachland ist, was den Metal angeht. Die Szene ist zwar auch hier ziemlich groß, doch mangelt es eklatant an Locations oder potenten Geldgebern, die auch mal den Mut haben, einen Abend mit drei Metalacts anzuschieben. Es ist halt heutzutage finanziell nicht ungefährlich, da die Menschen keine Kohle mehr haben und nicht mehr alle Ritt lang das sauer verdiente Geld auf irgendwelchen Undergroundgigs rausschmeißen können. Schade, aber so isses leider.
Deswegen freuen wir uns auf die Location, unseren eigenen Gig, die anderen Bands und vor allem auf neue Leute, die wir hoffentlich tonnenweise kennen lernen werden. Und genau die dürfen eine, mit viel Spaß in den Backen aufspielende, Band erwarten, die ein sehr abwechslungsreiches, unberechenbares Liveset auf sie niederprasseln lässt...

Rouven:
Für viele dürftet ihr noch ein recht unbeschriebenes Blatt sein - wie würdest du jemandem die Musik der TYRANTS schmackhaft machen?

Alex:
Ganz schwer! Es ist zwar immer wieder eine Floskel, ich finde aber in unserem Fall schon, dass wir wirklich nicht festzunageln sind. Wir vereinen klassischen Heavy Metal (zum größten Teil) mit Elementen aus Doom-, Death- und Black Metal (das i-Tüpfelchen), Thrash (eine gehörige Schlagseite) und Gothic (dezente Anleihen), mit dem Schwerpunkt auf griffigen Melodien, die trotz einer durchaus gewollten Sperrigkeit, sofort zünden. Wir sind definitiv keine Singalong-Band, obwohl wir auch ein paar epische Hymnen im Gepäck haben. Uns liegt es aber mehr, Sachen zu schreiben, die sich a) nach und nach erschließen, und b) nicht zu schnell tot hören.

Rouven:
Und für alle, die danach Blut geleckt haben: Wo kann man sich den Tyrannenzirkel in Zukunft anschauen?

Alex:
Da wir unseren Fokus in letzter Zeit voll auf "Deamocracy" gelegt haben, haben wir die Livemarktsondierung völlig vernachlässigt. Heißt im Klartext, bislang steht nix Konkretes. Wir werden das Demo deutschlandweit verschicken und dann werden sicherlich einige Dates bei rausspringen. Für Infos sorgt unsere Homepage.
Aber gut, dass du es ansprichst, Rouven. Wollten unsere zwei Bands nicht mal gemeinsam auf die Kacke hauen?

Rouven:
Mit welchen Bands würdet ihr gerne mal die Bühne teilen?

Alex:
Das ist wieder ganz schwer, weil wir für die einen vielleicht zu melodiös und für die anderen zu brutal sind (uns hat mal jemand gesagt, dass wir psychisch heftigst fordernde Mucke machen). Aber dass es passen soll, war ja gar nicht die Frage.
Wenn ich mir Bands wünschen könnte, wären das BOLT THROWER, SLAYER, NEVERMORE (wäre glaub ich kompatibel), EDGUY, MAIDEN und DIO.
Bei den "kleineren" Acts freu ich mich schon darauf, die Bühne mit FINAL BREATH, FLESHCRAWL und END OF GREEN zu teilen. Mit THE VISION BLEAK würde ich auch gern mal einen Gig spielen. Ansonsten wurscht, Hauptsache laut und energetisch.

Rouven:
Und mit welchen Musikern würdest du gerne mal eine Platte aufnehmen?

Alex:
Oh shit, haha! Das wäre eine Big-Band mit dreistirnigem Gesang. Für die Growls Karl Willets (BOLT THROWER), für die gesangliche Schönheit Cristina Sccabia (LACUNA COIL) und für die männlich melodischen Dampfvocals Warrel Dane (NEVERMORE).
An der einen Klampfe Dave Murray (IRON MAIDEN), an der anderen Jeff Loomis (NEVERMORE). Am Bass Pete Trewavas (MARILLION) und an den Drums Dave Lombardo (SLAYER). In dem Fall würde ich aber produzieren, weil sonst Mr. (Slay)-Gott meinen Drumhocker räumen müsste, haha.
Interessant, dieses Projekt würde ich gerne einmal hören!

Rouven:
Wenn eure Band eine Pizza wäre, welcher Belag müsste dann drauf sein?

Alex:
Knackige, scharfe Peperoniesalami, saftiger Kochschinken, zartschmelzender, aber pikanter, Käse (mittelalter Gauda und eine doppelte Portion Schafskäse), sonnengereifte frische Tomaten und eine ordentliche Portion Knoblauch, der die Weichspüler verjagen soll, haha.

Rouven:
Zu guter letzt noch ein paar Worte an unsere werten Leser...

Alex:
Wir freuen uns auf euch und werden unser Bestes geben, damit ihr die TYRANTS in guter Erinnerung behaltet. Außerdem will ich euch natürlich "Deamocracy" ans metallische Herz legen, weil euch die Scheibe auf die eine oder andere Art ansprechen wird und weil sie der Soundtrack zu unserer dämonischen Demokratie ist.
So sit back, relax and enjoy to be surrounded by this CIRCLE OF TYRANTS!

Redakteur:
Rouven Dorn

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