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CLUTCH: Neil Fallon im Interview

23.06.2009 | 10:24

Wieder so eine unterbewertetste Band der Welt! In regelmäßigen Abständen bringen die progressiven Traditionalisten und Amerikaner von CLUTCH hervorragende Gitarrenmusik-Alben heraus. Im Juli wird das neue, formidable "Strange Cousins From The West" erscheinen. Vom Geist von 1860, riesigen deutschen Frauen und ihrem fast logisch spartanischen Stil hier ein paar Aussagen von Sänger und Texter Neil Fallon.

Neil Fallon

Mathias Freiesleben:

Sag mal, ist "Strange Cousins From The West" ein Old-School-Album?

Neil Fallon:
Nah, aber ich verstehe, dass das so empfunden oder gehört werden kann. Es ist das spartanischste Album, welches wir in den vielen, vielen Jahren gemacht haben. Nur Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang. Aber wir haben da nichts extra dran getan, um einen "älteren" Sound zu erschaffen.

Mathias Freiesleben:
Welche Band-externen Leute haben bei den Aufnahmen und Prozessen vor allem eine Rolle gespielt?

Neil Fallon:
J. Robbins (Produzent aus New York - d. Verf.) hat es aufgenommen und auch gemixt. Er hat das auch schon für "Robot Hive/Exodus" getan. Er ist großartig, besitzt ein unglaubliches Ohr und hat ein Gespür dafür, auf sehr geradlinige Art und Weise einen packenden Sound einzufangen.

Mathias Freiesleben:
Eure Promoter haben euch als die "unterbewertetste Band der Welt" bezeichnet. Wenn du das hörst: Ist das eine Schmeichelei, Ansporn oder befällt dich regelmäßig Melancholie?

Neil Fallon:
Ich glaube, das ist viel besser, als die überbewertetste Band der Welt zu sein, oder?

Mathias Freisleben:
Lasst uns mal die Schubladen durchsuchen: Seid ihr Stoner, Southern Style, Metal? Ist wahrscheinlich ein ganz besonderer CLUTCH-Mix...

Neil Fallon:
Wir selbst nennen das Rock and Roll. Wir haben eine Unmenge an Classic Rock gehört, sind mit DEEP PURPLE, ZZ TOP oder LED ZEPPELIN aufgewachsen und ich denke, dass das einen großen Eindruck bei uns hinterlassen hat. Die "Pentatonic Blues Scale" (Fünftonleiter - d. Verf.) ist die Gemeinsamkeit all dieser Subgenres des Rocks - und das ist, was wir spielen.

Mathias Freiesleben:
Ich kenne Jenny, sie ist euer größter weiblicher Fan in Deutschland. Sie sagt, ihr macht "Big-Nuts-Music", eben sehr männlich und anregend. Unterschreibst du das?

Neil Fallon:
Unser größter weiblicher Fan in Deutschland? Wie groß ist sie denn?

Mathias Freiesleben:
Das, was mir generell und als Assoziation zu CLUTCH immer einfällt, sind Bärte. Aber viele - die meisten - jungen Folksinger, dürrbeinige "Fashion Victims" oder New York-Indietronic-Spinner tragen heutzutage Vollbart. Euer Markenzeichen ist zur Mode geworden! Was ist da los!?

Neil Fallon:
Sie versuchen eben, besonders maskulin und damit anziehender zu wirken. Sie sind es aber nicht!

CLUTCH und Bärte

Mathias Freiesleben:
Einige meiner nächsten Bilder in Verbindung mit euch sind der so genannte "Southern Style", alte graue Daguerreotypien oder Darstellungen aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg in den 1860ern. Welche Rolle spielt überhaupt eure eigene amerikanische Geschichte? Ist das wirklich eine der größeren Inspirationen für euch?

Neil Fallon:
Diese Historie ist eine große Quelle für die Texte. In Maryland, also dort, wo wir leben, ist alles voll von fast greifbaren und spürbaren Erinnerungen an den US Civil War. Ich denke, das ist einer der Gründe, warum einen dann diese Symbolik und Bilder überkommen. Ich bin kein Experte, mag es aber sehr, mit den gestalterischen und künstlerischen Mitteln dieser Zeit zu hantieren.

Mathias Freiesleben:

Vielleicht ist das ja der Grund für "unterbewertet": Für die meisten Europäer seid ihr „zu amerikanisch“. Ist das so?

Neil Fallon:
Gut, wir sind eben, was wir sind. Ich bin viel lieber ehrlich und aufrichtig, als mich zu verstellen, um den Vorstellungen irgendwelcher Leute zu entsprechen.

Mathias Freiesleben:
Letzte Frage: Wie lange werdet ihr auf diesem Planeten noch spielen?

Neil Fallon:
So lange, wie wir das können. Hoffentlich wird die Musik dann noch da sein, wenn wir bereits im Land der Schatten und des Windes verschwunden sind.

Mathias Freiesleben:
Letzter Wunsch deshalb: Alles Gute für euch!

Redakteur:
Mathias Freiesleben

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