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CRADLE TO GRAVE: Interview mit Sasquatch

20.07.2005 | 19:26

Mit ihrem letztlich erschienen neuen Album haben mich CRADLE TO GRAVE förmlich umgehauen. Seit PANTERA hat es eigentlich kaum eine Band mehr gegeben, die dicke Grooves, zentnerschwere Riffs und diese schier unbändige Power so gut kombiniert hat, wie diese Gruppe aus Vancouver. Kurz nachdem die Truppe nun von einer erfolgreich verlaufenen Tournee mit KRISIUN, HATE ETERNAL und INTO ETERNITY zurückgekehrt war, ergab sich die Gelegenheit, mit Bandleader Sasquatch ein paar Takte zu reden. Dass dabei manch komische Ansicht seitens meines Gesprächspartners nach außen drang, kann man in den folgenden Zeilen lesen.

Björn:
Hallo, wie geht's?

Sasquatch:
Echt verdammt gut! Hier ist Sasquatch, live aus Kanada, hehe! Wir sind gerade von einer Tour mit HATE ETERNAL, KRISIUN und INTO ETERNITY zurückgekehrt. Eric Rutan rules!

Björn:
Erst einmal möchte ich dir unser Magazin Powermetal.de vorstellen, vielleicht hast du ja schon mal den Namen gehört. Wie lautet deine Meinung zu Metal im Web?

Sasquatch:
Oh, ich habe schon mal etwas von Powermetal.de gehört. Meine guten Freunde von der deutschen Thrash-Band HATEFUL AGONY haben uns von diesem Magazin erzählt.
Metal im Internet ist eine gute Sache, aber jegliche Publicity ist gut. Ach was, jede Form der Propaganda in Sachen Metal ist gut!

Björn:
Daraus schließe ich, dass es euch auch sehr wichtig ist, im Internet present zu sein.

Sasquatch:
Ja, enorm wichtig sogar! Vor 20 Jahren hat es so etwas ja noch gar nicht gegeben. Jetzt schreibe ich E-Mails mit Leuten aus Zypern, Griechenland, Nordafrika und allen möglichen Orten auf dieser Welt, die CRADLE TO GRAVE nun kennen und die Band lieben. Es ist verdammt großartig!

Björn:
Vor diesem Interview war ich bereits zweimal auf eurer Homepage und habe mich dort ausführlich umgeschaut. Sehr professionelles Teil, mein Kompliment. Ist das Internet mittlerweile die einzige Möglichkeit, eine Underground-Band wie CRADLE TO GRAVE zu promoten bzw. die Leute über euch zu informieren? Oder siehst du da auch noch bessere Alternativen?

Sasquatch:
Ja, wir realisieren immer wieder, dass das Internet ein extrem wichtiges Werkzeug zur Verbreitung des Bandnamens ist. Das ist der leichteste Weg. Und natürlich das Touren. Aber das ist natürlich nicht so einfach für eine Underground-Band, weil es eben so kostspielig ist.

Björn:
Ich habe gelesen, dass ihr an einem Wettbewerb um einen Platz bei der VANS Warped Tour mitgemacht habt. Ist es denn für euch erfolgreich ausgegangen?

Sasquatch:
Fuck no, hahaha! Unser kanadisches Label wollte etwas anderes probieren, obwohl die VANS Warped Tour sich natürlich in erster Linie Punk- und Hardcore-Bands widmet. Vielleicht hatten wir deshalb auch keine Chance.

Björn:
Wie funktionierte der Wettbewerb denn?

Sasquatch:
Man musste sich einfach nur online registrieren und hoffen, dass die Leute ihre Stimme für uns abgeben. Aber wir haben uns da gar nicht so sehr drum gekümmert.

Björn:
Gut, dann kommen wir mal zu eurer neuen Scheibe. Ich kann nur sagen, dass mich das Teil ziemlich umgehauen hat. Was für ein fetter Groove! Schon möglich, dass ihr euch mehr als nur einmal die alten Sachen von PANTERA und MACHINE HEAD reingezogen habt, oder?

Sasquatch:
Ich liebe "Burn My Eyes" von MACHINE HEAD. Das war DIE Platte damals in 1994 oder so. Und ich habe mir die CD sehr, sehr oft angehört. PANTERA habe ich erst kürzlich wieder für mich entdeckt. 1990 habe ich sie im Vorprogramm von EXODUS und SUICIDAL TENDENCIES gesehen, und es war auch gut, aber ich stand zu der Zeit vollkommen auf Southern Rock und hörte Bands wie MOLLY HATCHET, LYNYRD SKYNYRD, BLACKFOOT etc. Aber ich weiß, dass unser Sänger Greg und unser Bassist Eric große PANTERA-Fans sind. Ich persönlich mag das "Reinventing The Steel"-Album.

Björn:
Welche anderen Gruppen haben euch denn dann maßgeblich beeinflusst?

Sasquatch:
Wir haben alle ganz unterschiedliche Einflüsse. Zeus, unser Drummer, ist zum Beispiel ein totaler PRIEST-Fan. Er ist zwar nicht schwul, aber ich bin mir sicher, er er würde sich direkt von Rob Halford f...en lassen. Greg hingegen hört so ziemlich alles: FAITH NO MORE, JOHNY CASH, GWAR – ich denke, dass reflektiert seine Person aber auch sehr gut. Er ist ein wenig verwirrt, hehe! Eric steht auf klassischen Rock wie die ROLLING STONES und LYNYRD SKYNYRD, hört sich aber auch Metal-Sachen wie PANTERA und METALLICA an. Scott (Gitarrist) ist ein echter Metalhead, hört aber auch verschiedene Punk-Sachen. Ich zieh mir schließlich alles rein, was gut gemacht ist. Es kommt aber kein verdammter Mist in mein Haus! Meine persönlichen Einflüsse schließen sowohl SLAYER und VENOM als auch TED NUGENT, VAN HALEN, SKYNYRD, BLACK OAK ARKANSAS und FRANK ZAPPA ein – und natürlich der gute alte 70er-Disco-Sound. Wie man sehen kann, sind die Einflüsse echt ziemlich bunt gestaltet.

Björn:
Trotzdem bleibe ich mal bei PANTERA hängen. 'Southern Oak' klingt nämlich ziemlich stark nach PANTERA zu Zeiten von "Reinventing The Steel". Ist dies euer persönliches Tribut an Dimebag Darrell?

Sasquatch:
Nein, für mich ist es eher ein Tribut an LYNYRD SKYNYRD. Zu Dimebag: ich bin nur ein paar Tage älter als er, und ich bin mir sicher, dass sich viele Titel in unserer Plattensammlung überschnitten haben. Ich bin genau wie er. Ich bin mit KISS und TED NUGENT aufgewachsen. Greg würde mir zustimmen, dass 'Southern Oak' mehr ein Tribut für SKYNYRD und weniger für PANTERA ist.

Björn:
Wie denkst du denn über den grausamen Mord an Dimebag?

Sasquatch:
Das ist so traurig, aber wohl leider der Preis, den man zu zahlen hat, wenn man im Blickfeld der Öffentlichkeit steht. Es gibt tausend andere Gitarristen, die an seiner statt hätten sterben sollen. Auf der anderen Seite gibt es da draußen tausend verdammte Kids, die dem Teufel ihre Seele für Dimebag's Leben verkaufen würden, ohne zu berücksichtigen, dass er so viel mehr verkörperte, als es nach außen hin schien. Sehr tragisch!

Björn:
Und welchen Einfluss hat das jetzt auf Sicherheitsmaßnahmen bei Konzerten?

Sasquatch:
Unglücklicherweise wird sich trotzdem nicht viel ändern. Aber anstelle dessen sollten sie manchen Eltern mal einen Kurs anbieten, in dem sie lernen, wie sie sich am besten um ihre Kids kümmern können, so dass solche Sachen erst gar nicht geschehen. Da sitzt nämlich das Hauptproblem! Ich glaube, dass Gott nicht wirklich gewusst hat, was er tat, als er Sex mit Fortpflanzung verbunden hat. Jeder kann Sex haben, aber nicht jeder ist wirklich dazu imstande, die Aufgabe von Eltern zu übernehmen.

Björn:
Gut, kommen wir wieder zu eurer Musik. Ich möchte euch jetzt nicht in eine Schublade stecken, deswegen würde ich gerne von dir selber hören, wonach CRADLE TO GRAVE deiner Meinung nach klingen. Würdest du diesen Job bitte übernehmen?

Sasquatch:
Es gibt keine Formel, mit der man unsere Musik am besten beschreiben könnte. Und das ist der Schlüssel zum Erfolg. Ich habe so ziemlich alles von Swamp Thrash über Thrash und Disco bis hin zu Southern Rock und Death Metal mit Metalcore-Einflüssen gehört. Du sagtest es bereits, und wir haben es von vielen anderen zuvor gehört. Aber wenn ihr trotzdem eine Schublade braucht, dann nennt es bitte Blues Core, das ist nämlich neu, und die Leute werden es dann auch sofort kaufen, haha!

Björn:
Du scheinst ja nicht gut auf Schubladendenker zu sprechen zu sein...

Sasquatch:
Es ist ziemlich traurig. Bist du schon mal auf einem 10-stündigen Grindcore-Festival gewesen? Mensch, mischt das Ganze doch mal besser, für mich ist es alles Rock & Roll. Ich wünschte mir einfach nur, dass CDs nicht mehr so vorhersehbar sind. Man hört einen Song und man kennt alle. Ich erinnere mich an die guten alten Zeiten, als ich eine QUEEN-Vinyl-Platte kaufte und jeder Song anders klang. Und für einen Rezensenten wie dich war es dann auch nicht einfach, herauszufinden, was die Band genau macht. Heute geht die Sache aber folgendermaßen ab. Die Leute schreiben einfach nur noch: "This is Death. This is Grind. This is Black. This is boring!"

Björn:
Zurzeit wird diese Metalcore-Geschichte immer größer. Ständig kommen neue Bands an die Oberfläche, die Hardcore und Metal mixen, und in gewisser Weise habt ihr ja auch Elemente beider Musikrichtungen in eurem Sound verewigt. Wäre es denn für euch in Ordnung, wenn man euren Namen mit diesem Genre assoziiert?

Sasquatch:
Das haben manche Leute schon getan, aber sie haben es einfach nicht verstanden. Was hat ein Song wie beispielsweise 'Southern Oak' mit Metalcore zu tun? Fucking nothing! Aber sie müssen uns ja irgendwie kategorisieren. Aber wie ich bereits sagte, für mich ist das alles Rock & Roll. Oh Mann, was zum Teufel hat 'Wounded' mit Metalcore zu tun? Deine Antwort?

Björn:
Nun, nicht besonders viel...

Sasquatch:
Vielen Dank!

Björn:
Keine Ursache. Trotzdem würde ich gerne von dir wissen, was du von dieser Metalcore-Bewegung hältst und wie du die Entwicklung dieser bewertest?

Sasquatch:
Das könnte mich kaum weniger beschäftigen. Ich denke nicht, dass Leute Bands wie SUPERJOINT RITUAL als Metalcore bezeichnen. In diesem Fall würde ich die Sache lieben, denn sie sind einfach nur genial. Davon mal abgesehen weiß ich gar nicht so recht, was Metalcore genau ist.

Björn:
Hm, das verwundert mich jetzt aber. Wie auch immer, reden wir noch kurz über die Szene in eurem Land. In Kanada und Amerika generell scheint Metal ja wieder im Kommen zu sein. Richtig oder falsch?

Sasquatch:
Metal ist die ganze Zeit über lebendig gewesen in Kanada, vor allem in Quebec. Aber du hast Recht, die Musik ist grade wieder vermehrt im Kommen. Ich wünschte mir nur, dass die Kids eine bessere Auswahl an Bands hätten – so wie bei euch in Deutschland!

Björn:
Und wie ist es demzufolge um die Szene in deiner Region bestellt?

Sasquatch:
Sie ist gut und wächst gerade. Ich lebe in Vancouver und wir haben einige großartige Bands hier: STRAPPING YOUNG LAD, INFERNAL MAJESTY, 3 INCHES OF BLOOD. Langsam tut sich hier was!

Björn:
Und welche europäischen Bands hast du bei euch schon gesehen?

Sasquatch:
Yeah, KREATOR und DESTRUCTION sind vor einer Weile hier gewesen. Bald werden HAMMERFALL hier spielen. Außerdem waren CRADLE OF FILTH und DIMMU BORGIR allein im letzten Jahr mehrere Male hier. In Sachen Live-Shows gibt es absolut keinen Grund zur Beschwerde, auch wenn ich mir VENOM nach Vancouver wünschen würde.

Björn:
Trotzdem denken viele Amerikaner, dass Europa das Paradies in Sachen Metal ist. Teilst du diesen Gedanken?

Sasquatch:
Ja, das denken wir alle, nämlich aus dem einfachen Grund, dass du in Europa keiner Gehirnwäsche unterzogen wirst, damit du anschließend Popmusik hörst. Bei uns ist es für die weißen Kids cool, schwarze Gangster-Musik zu hören, und die schwarzen Jungs wollen weiße Mädels bumsen – nur weil es so auf MTV vorgelebt wird. Sie schauen Fernsehen und rennen dann direkt in die Läden, um sich das Album zu besorgen, das gerade in ihr Gehirn einprogrammiert wurde. In Europa gehen die Leute in den Plattenladen und verschaffen sich selber einen Eindruck von der Musik. Weil Sex bei uns ein absolutes Tabuthema ist, denken die Kids bei uns außerdem, dass sie so sein müssen wie SNOOP DOGG, damit sie dennoch welchen haben können. In Europa hingegen sind die Chicks willig, ganz egal welchen Musikgeschmack man hat.

Björn:
Nun, ganz so paradiesisch wie in deinen Vorstellungen ist es in Europa dann doch nicht. Aber davon könntet ihr euch ja dann eventuell auf einem Abstecher in unsere Lande selbst einen Eindruck verschaffen. Gibt es denn schon Pläne für Live-Konzerte in Europa?

Sasquatch:
Nun, wir arbeiten an einem Trip im nächsten Jahr. Es ist offiziell, dass wir 2006 übersetzen werden. Wir werden euch auf dem Laufenden halten. Wenn ihr also eine Band sehen wollt, die euch live etwas zu bieten hat, dann haltet die Augen offen. Ich verspreche euch, dass es nicht so wie die typischen Shows sein wird, die ihr kennt.

Björn:
Und was erwartest du dann von den hiesigen Fans?

Sasquatch:
Die erste deutsche Person, die ich kennen gelernt habe, war Schmier von DESTRUCTION irgendwann 1985-86. Er versicherte mir, dass ihr die besten Biertrinker in der ganzen Welt seid. Daher erwarten wir schon, dass wir ernsthaft betrunken sein werden, nachdem wir mit den deutschen Metalheads ein paar Bierchen gekillt haben. Er hat auch so einiges über deutsche Frauen erzählt. Aber die Details werden wir wohl selber entdecken müssen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns mit Mädels in typischen deutschen Klamotten ablichten lassen, während sie sich mit uns vergnügen.

Björn:
Als Letztes würde ich noch gerne auf das Cover eurer CD zu sprechen kommen. Ich mag es, es ist so schlicht und dennoch brutal. Wer hat es entworfen?

Sasquatch:
Es stammt vom Onkel meiner Frau. Er ist genial. Er sieht aus wie ein ganz normaler Kerl, aber er träumt die ganze Nacht vom Teufel. Wenn irgendjemand Interesse an einer Zusammenarbeit hat, kann er ja mal seine Website http://www.photofx-canada.com besuchen.

Björn:
Sind eure Live-Show ähnlich brutal wie dieses Artwork?

Sasquatch:
Fuck yes! Aber das musst du selber erleben und herausfinden. Wir sind so unvorhersehbar, man weiß nie, was als nächstes passieren wird. Das gilt vor allem für Zeus an den Drums. Aber auch Greg ist ziemlich verrückt. Er schafft es irgendwie immer, die Menge machen zu lassen, was er vorgibt, doch meistens versucht er nur, sie ziemlich angepisst von ihm zu machen, haha!

Björn:
Wie würdest du eure Shows also in wenigen Worten beschreiben?

Sasquatch:
Wir drehen durch, die Menge dreht durch und alles ist total verrückt. Wir wollen den Leuten eine echte Show bieten. Wir mögen es, wenn die Leute sich verletzen. Falls der Krankenwagen eintrifft, ist dies immer ein gutes Zeichen. Und wenn die Polizei auftaucht, ist es sogar noch besser. Sollten sie den Club schließen und das Venue in Flammen stehen, wenn wir verschwinden, dann haben wir gewonnen, haha!

Björn:
Aha. Hast du noch einige Worte für unsere Leser übrig?

Sasquatch:
Bleibt dem Metal treu! Es gibt nichts anderes! Ihr lebt in einem verdammt schönen Land. Hört weiterhin gute Musik, entdeckt neue Bands und unterstützt lokales Talent. Geht aus euren Häusern und f...t die Frau eures Nachbarn. Verdammt: Tut etwas! Rock & Roll!

Redakteur:
Björn Backes

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