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CRIPPER: Interview mit der Band

08.11.2017 | 12:50

"Follow Me: Kill!" - die Marschroute des neuen CRIPPER-Werkes dürfte angesichts des offensiven Titels klar sein. Das nahmen wir zum Anlass, um mit der Band ein paar Worte über die nunmehr fünfte full-length-Botschaft zu wechseln. In welcher Kombination die Songs mit dem interessanten Artwork stehen, welche Message die Damen um Frontröhre Britta hiermit vermitteln möchten und was das neue Werk mit einem leckeren Schokoladenkuchen zu tun hat, erfahrt ihr im folgenden Interview.

Liebe Freunde, herzlichen Dank, dass ihr euch für meine Fragen ein wenig Zeit nehmt. Bevor es losgeht: Wie geht es euch? Wie ist die Stimmung im CRIPPER-Camp?

Lommer: Die Stimmung ist bestens! Danke der Nachfrage. Jetzt gerade verdauen wir noch ein bisschen die Nachwehen von unseren letzten Abenteuern wie der Baltikum-Tour und der noch laufenden Stagekill-Tour mit HAMMERCULT und DAILY INSANITY, aber da sind wir aus dem Gröbsten schon raus.

Seit eurem letzten Album sind knapp drei Jahre vergangen. Gebt mir doch bitte ein kurzes Update, was in der Zwischenzeit bei euch so passiert ist.

Christian: Wir widmeten uns neuem Songmaterial, organisierten Shows im In- und Umland, tourten mit unseren Freunden von IZEGRIM aus Holland, tranken Brot und aßen Bier, hehe.

Mit "Follow Me: Kill!" steht ein neues CRIPPER-Scheibchen mit sehr aggressivem Titel in den Startlöchern. Was steckt hinter dem Titel? Welche Message wollt ihr damit versenden?

Britta: Der Titel stammt aus einer Zeile des Endes von 'Into The Fire'. Der Titel spiegelt unseren allgegenwärtigen Eindruck wider, überall aufgefordert zu werden, sich doch bitte einer bestimmten Meinung oder Strömung anzuschließen, Follower einer Gruppe oder einer Idee zu werden, sich für etwas und auf der anderen Seite somit automatisch gegen etwas zu entscheiden. Problematisch wird es meiner Ansicht nach dann, wenn die Stimmen, die am lautesten poltern und alles andere übertönen, allein deshalb den größten Zuspruch erfahren. Deshalb finden sich viele politisch-gesellschaftlichen Themen in einigen Lyrics auf "Follow Me: Kill!", das damit unser bis dato politischstes Album ist.

Musikalisch betrachtet, inwiefern unterscheidet sich "Follow Me: Kill!" vom 2014er Vorgänger?

Britta: Gar nicht so einfach zu sagen. Vielleicht hat "Follow Me: Kill!" insgesamt einen roten Faden, der sich durchs Album zieht. Das 2014er "Hyë​na"-Album war zwar sehr kompakt und stimmig, hat aber nicht so sehr eine Geschichte erzählt wie "Follow Me: Kill!". Nicht falsch verstehen, "Follow Me: Kill!" ist kein lyrisches Konzeptalbum. Vielmehr ist eine atmosphärische Reise entstanden, der man hoffentlich gut folgen kann.

Ich selbst finde das aktuelle Album in sich einfach stimmiger und etwas homogener als den Vorgänger. Speziell 'Into The Fire' und 'Mother' haben es mir angetan. Steckt hinter der Platte oder einzelnen Songs ein bestimmtes Konzept?

Christian: Das aktuelle Album ist wohl eine logische Weiterführung des bereits zuvor eingeschlagenen Wegs. Also die Verbindung von knüppelhartem Thrash mit derben Groove-Elementen, die Unbarmherzigkeit des Death Metals aber auch der fragilen Seite genrefremder Einflüsse eher atmosphärischer Natur.

Das alles wurde in eine Springform gegossen und "unter gehoben". Heraus kam ein dunkler, mit schwarzer Schokolade verfeinerter Kuchenbatzen. Wir freuen uns sehr, dass er dir schmeckt. Auch wenn er womöglich etwas Maulsperre provoziert, denn eine allzu eingängige Geschmacksrichtung haben wir zumeist bewusst gemieden. Viel spannender ist doch, viele Zutaten und eine gewagte Würze auszumachen!

Aus bandinterner Sicht fühlt sich, auf Grund des geänderten Songwritings, mindestens die Entstehung des Materials anders an. Diesmal schrieben wir die Tracks parallel unter einem Plot-ähnlichen Gesamtkonzept. Auch wenn "Follow Me: Kill!" kein waschechtes inhaltliches Konzeptalbum ist, so entstanden die Songs für diese Veröffentlichung erstmals weniger gestückelt, sondern beinahe zeitgleich.

Eine weitere Besonderheit ist das Zutun von befreundeten Musikern. So unterstützten uns Max von SCARNIVAL und Phil von THE BLACK COURT jeweils an den Drums, während unser Schlagwerker Dennis mit seinem Fahrrad auf Europareise ging. In dieser Zeit entstand so manch frische Zutat, die Dennis - zurück aus dem Dschungel - wieder aufnehmen und weiter führen konnte. Außerdem steuerten die talentierten Lead-Klampferos Marco von CRITICAL MESS und Kai aus dem Kohlekeller Studio, dem langjährigen Aufnahmetempel unserer Wahl, einige messerscharfe Soli bei! Das alles erweitert das Albumspektrum und rundet das Gesamtbild ab.

Das gleich in mehreren Tracks aufgegriffene Thema Politik ist nicht nur neu für CRIPPERs Lyrics, sondern kittet die Albuminhalte vermutlich zusätzlich zusammen.

Heraus sticht vor allem das Artwork. Welchen Bezug hat es zu den einzelnen Songs und was steckt dahinter?

Christian: Das Coverdesign lehnt sich an die inhaltliche Seite des Albums an, welche Brittas Lyrics vorgaben. Es zeigt eine kritische Auseinandersetzung mit den - unreflektiert bis blind agierenden - Followern unserer heutigen Zeit, dem medialen Einfluss auf die Menschen und der politischen Stimmungsmache auf dem ganzen Weltball. Das alles ist ein hoch explosives Thema, was uns um die Ohren fliegen kann. Beunruhigend und erdrückend zugleich. Die Titelgestaltung ist eine freie Umsetzung dessen, entstand mal wieder bandintern, und schon der erste Entwurf schlug erstaunlicherweise bei allen ein.

Die umfangreichen 16 Seiten des Booklets und auch das 6-Panel Digipak wurden nach der Vorgabe des Covers entwickelt und spannen den Bogen dieser bedrohlichen Welt weiter. Aber auch die drei Vinyl-Versionen zeigen viele Parts des Artworks.

Mit Lommer habt ihr einen neuen Bassisten in euren Reihen. Inwiefern konnte er sich schon in die Arbeiten zum neuen Album mit einbringen?

Lommer: Ha! Das haben die Gründungsmitglieder ja clever gemacht. Die haben mich gefragt, ob ich bei CRIPPER spielen will, NACHDEM die Bassspuren von Jonathan eingespielt wurden. Wahrscheinlich war das eine Vorsichtsmaßnahme, damit ich die Platte nicht verhunze, hehe.

Nein, jetzt mal Spaß beiseite. Also ich hab tatsächlich nichts eingespielt, was viele Gründe hatte. A) wurde ich nach den Aufnahmen gefragt und B) ging es auch um Zeitersparnis, da ich die kompletten Songs hätte lernen müssen. Dann hätten sich die Aufnahmen noch weiter verzögert und somit auch das Release-Datum. Es war also keine Gemeinheit, sondern hatte eher praktikable Gründe.

Außerdem ist Jonathan ein sehr guter Rhythmusgitarrist und hat da ganz interessante Bassspuren rausgefeuert, die ich dann übernommen habe. Da ich selber aus dem (Tech/Brutal)-Death-Metal-Bereich komme, war das für mich eine sehr lehrreiche Zeit die Songs zu lernen. Teilweise habe ich mir auch die ein oder andere neue Technik angeeignet um sein Spiel am besten reproduzieren zu können.

Wie lange habt ihr, wenn ihr das einmal zusammenrechnet, für die Arbeiten am nunmehr fünften CRIPPER-Album gebraucht?

Britta: Darüber kann man nur spekulieren. Man hört ja nie wirklich auf, kreativ tätig zu sein. Insofern könnte man sagen, dass wir drei Jahre gewerkelt haben. Andererseits gibt es natürlich eine heiße Phase, in der der Großteil der Arbeit erledigt wird. Da würde ich mal auf anderthalb Jahre tippen. Klingt lang - wenn man aber bedenkt, dass wir alle fulltime arbeiten und zum Teil Familie haben, ist das eher flott.

Bestehen Pläne, mit "Follow Me: Kill!" auch auf Tour zu gehen? Wie sehen die kommenden Monate im Hause CRIPPER aus?

Britta: Wir durften seit Release bereits einige interessante Stops spielen. So haben wir erstmals das Baltikum bereist und sind im Moment auf Minitour mit HAMMERCULT und DAILY INSANITY. Viele der neuen Songs haben es schon auf die Bühne geschafft. Ich freue mich aber sehr darauf, weitere Songs livetauglich zu proben. Darauf konzentrieren wir uns in den kommenden Wochen.

Sodann wäre ich auch mit meinen Fragen durch und möchte mich an dieser Stelle vielmals bei euch bedanken! Ich wünsche euch mit "Follow Me: Kill!" alles erdenklich Gute! Die letzten Worte gebühren selbstverständlich euch!

Christian: Vielen Dank für euer Interesse und das Interview. Wir sehen uns hoffentlich sehr bald auf einer triefenden Show, wo euch sicher nicht nur das aktuelle Material um die Ohren gepustet wird!

Redakteur:
Marcel Rapp

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