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CRYSTAL BALL: Interview mit Mark Sweeney

01.01.1970 | 01:00

Da am 21. Mai 2002 mit "Virtual Empire" das dritte Album der Melodic Hardrock-Band CRYSTAL BALL erscheint, das auch zugleich das erste bei Nuclear Blast ist, hat es sich die neue Plattenfirma nicht nehmen lassen und zu einer Listening Session eingeladen. Nachdem ich mir also das gerade fertig gestellte Werk schon einmal anhören durfte, hatte ich danach auch noch ein paar Fragen an den Sänger der Schweizer Band, Mark Sweeney.

Martin:
Es soll ja Leute geben, die euch immer noch nicht kennen. Kannst du kurz etwas zur Bandgeschichte von CRYSTAL BALL sagen?

Mark:
Echt? Okay, wir starteten ja zuerst als ganz gewöhnliche Cover-Band, just for fun! Aber schon bald kreierten wir unsere eigenen Songs, und uns war eh klar, einmal unsere eigene Mucke zu machen. 1998 war's dann auch schon so weit und wir kriegten unseren Deal bei Point Music.

Martin:
Ihr hattet 1997 die Gelegenheit, einen eurer ersten eigenen Songs überhaupt in der Nachmittagstalkshow "Arabella" auf Pro 7 einem sehr großen Publikum zu präsentieren. Wie siehst du das denn im Nachhinein? Und würdet ihr so etwas wieder machen?

Mark:
Ach, weißt du, damals war das schon okay, wir konnten so gleich unseren allerersten Song "Stand By Me" einem Millionen-Publikum präsentieren und zugleich abchecken, ob denn unser eigenes Material auch so gut ankommt wie wir als damalige Coverband. Die Reaktionen waren fantastisch! Das gab uns natürlich Mut und so war der Weg frei für CRYSTAL BALL als eingenständige Band. Dass es immer wieder Nörgler gibt, die uns lächerlich machen wollen, weil wir bei der Talk-Nudel waren, geht mir so was am Arsch vorbei! Für uns stimmte es damals und wir würden es wieder tun! Schon nur wegen dem Hummer-Catering bei Pro Sieben. (grinst)

Martin:
Das vorhergegangene Album, "Hard Impact", wurde ja mit Lobeshymnen überhäuft. Hat euch das beim Songwriting zum neuen Album in irgend einer Weise beeinflusst?

Mark:
Nun, es hat uns zumindest beflügelt. Es gibt nicht viele Bands, die es schaffen, sich von Album zu Album zu steigern und immer besser zu werden. Ich denke, bei uns war es jetzt mit "Virtual Empire" nochmals ein Riesenschritt nach oben, sowohl song- wie auch produktionstechnisch.

Martin:
Wie muss ich mir die Entstehung eines CRYSTAL BALL-Songs grundsätzlich vorstellen?

Mark:
Die Ideen stammen meist von Scott oder mir, die dann letztendlich im Proberaum ausgearbeitet werden. So kann dann auch gleich jedes Mitglied seinen Senf dazu geben, und dabei entsteht dann der typische CRYSTAL BALL-Sound. Jeder darf Songs schreiben und/oder seine Meinung dazu beitragen. Diesmal hat sogar unser Drummer Marcel eine Riff-Idee mit eingebracht - beim Song "Night And Day". Und wie der Song knallt, weißt du ja! (grinst)

Martin:
Wie war denn die Arbeit im Studio?

Mark:
Wiederum hervorragend und zur vollsten Zufriedenheit! Jeder weiß mittlerweile, worauf es ankommt und jeder kennt jeden. Wir arbeiten ja sogar in "Schicht", d.h. zuerst werden Drum & Bass aufgenommen, dann verschwinden die wieder nach Hause und Gitarre und Keys sind an der Reihe. Zu guter Letzt ist dann noch der Gesang dran, und zum Schluss die Chöre. Dabei haben wir diesmal noch einen draufgesetzt und das Traumduo Micheal Voss und Michael Bormann engagiert. Die zwei singen wie die Weltmeister und verleihen der ganzen Produktion das i-Tüpfelchen.

Martin:
Ihr habt bisher immer mit Tommy Newton zusammengearbeitet. Welche Rolle spielt er für euch?

Mark:
Nun, er ist mittlerweile wie ein sechstes Bandmitglied. Wir harmonieren extrem gut zusammen und ich könnte mir gar nicht recht vorstellen, mit einem anderen Produzenten zusammenzuarbeiten. Man könnte auch sagen, dass wir über die Jahre sogar gute Freunde wurden. Bei Tommy stimmt einfach alles, von der Infrastruktur über das Essen bis zum Musikalischen, und menschlich ist er eh top!

Martin:
Wie seid ihr denn persönlich mit den neuen Songs zufrieden?

Mark:
Ich bin sehr zufrieden. Die ersten Reaktionen der Presse zeigen auch, dass ich das zurecht sein darf. Jeder schwafelte davon, dass wir das Niveau von "Hard Impact" nicht halten können, aber ich denke, wir haben sogar noch zwei bis drei Schippen draufgesetzt. Aber das sagten die Leute schon beim ersten Album und wahrscheinlich auch wieder beim nächsten, dass es schwierig sein würde, nochmals diese Qualität abliefern zu können.

Martin:
Das Album heißt bekanntlich "Virtual Empire". Hat dieser Titel eine tiefere Bedeutung?

Mark:
Was heißt tiefe Bedeutung?!? Es erzählt von der heutigen Gesellschaft, vor allem von den Jugendlichen, die nur noch vor dem Computer sitzen und sich zum Teil eigene Welten erschaffen, diese sogenannten Cyber Worlds. Es gibt Fälle, da weiß derjenige nicht mehr, was Realität ist und was fiktiv. Schon krank irgendwie! Bei Extremfällen landen die sogar in der Anstalt, weil sie einfach durchdrehen. Krass, oder!?!? Muss ja nicht immer so negativ sein - ich finde das Internet auf alle Fälle einen Riesengewinn für die Menschheit. Die Welt wird zusammen erschlossen, so sagt man.

Martin:
"Virtual Empire" ist das erste Album von euch, das über Nuclear Blast veröffentlicht wird. Was waren die Gründe, ausgerechnet zu diesem Label zu gehen?

Mark:
Nuclear Blast verfügt über ein hervorragendes Vertriebsnetz weltweit und arbeitet sehr professionell. Wir wollen nicht nur in Deutschland und der Schweiz Platten verscherbeln, sondern weltweit. Wir sind der Meinung, richtig gehandelt zu haben, als uns Nuclear Blast angefragt hat, ob wir Lust hätten, bei ihnen zu unterschreiben.

Martin:
Welche Erwartungen habt ihr an diesen Deal? Und was erwartet Nuclear Blast umgekehrt von euch?

Mark:
Wir sind die erste richtige Melodic-Hardrock-Band bei Nuclear Blast und somit etwas wie ein Außenseiter. Ich denke, weder wir noch Nuclear Blast haben riesige Erwartungen, sondern es muss sich zuerst herausstellen, wie die Chose funktioniert. Aber beide Parteien sind guten Mutes und ich bin überzeugt, wir können da was reißen.

Martin:
Ihr wart letztes Jahr mit den PRETTY MAIDS auf Tour. Ich habe euch in Ulm im Take Off gesehen, und da seid ihr ja richtig gut angekommen. Wie waren die sonstigen Erfahrungen auf dieser Tour?

Mark:
Durchwegs positiv! Es ist nicht einfach, bei hart eingefleischten PRETTY MAIDS-Fans anzukommen, aber viele Fans fanden das Package hervorragend. Okay, bis auf ein paar Ausnahmen, die für Powermetal.de schreiben (grinst) - du weißt, wer gemeint ist. Ansonsten konnten wir CDs verkaufen wie verrückt, und auch live machten die Fans voll mit, und ich denke, wir haben sehr viele neue Fans dazu gewonnen. PRETTY MAIDS waren übrigens voll nett und ließen uns freie Hand - Respekt!

Martin:
Die PRETTY MAIDS gehören ja zu den ganz Großen im Hard Rock. Gibt es denn sonst noch irgend eine Band, mit der ihr unbedingt mal zusammen touren wollt?

Mark:
Oh ja, da gäbe es noch so einige. Aber manchmal ist das kein Wunschkonzert und wir nehmen, was kommt! Aber wenn sich eine STRATOVARIUS-Tour anbieten würde, würde ich nicht nein sagen. (lacht)

Martin:
Und wie sehen eure Tourpläne für dieses Jahr aus? Kannst du dazu schon Näheres sagen?

Mark:
Ja, wir werden mit den Amis von DOKKEN auf Europa-Tour gehen - wurde eben bestätigt. Wir freuen uns riesig, denn DOKKEN waren natürlich auch unsere Heros in den Achtzigern. Das wird ein Riesenspaß! Siehe die Tourdates unter: http://www.crystal-ball.ch

Martin:
Die Schweizer Vorzeige-Hard Rocker sind immer noch GOTTHARD - obwohl diese ja in letzer Zeit sehr stark in die Soft Rock-Schiene abgedriftet sind. Ich hoffe, ihr entwickelt euch nicht in eine ähnliche Richtung.

Mark:
Hattest du Tomaten in den Ohren bei der Listening Session?!? Klang das etwa soft?!? (lacht) Nein, keine Angst, wir brettern, dass die Wände wackeln! Bis auf die Ballade, aber die braucht man dann ja auch eher zu softeren Stunden, oder?!? (Ich hatte keine Tomaten in den Ohren - die Frage war ja auch eher längerfristig gedacht. ;-) - d. Verf.)

Martin:
Wie soll es denn überhaupt mit CRYSTAL BALL weitergehen? Oder macht ihr euch darüber gar nicht so viele Gedanken?

Mark:
Rocken, rocken, rocken! Wo auch immer, so oft auch immer, und immer wieder! Wir sind eine Band mit fünf Typen und einem Ziel: Musik ist unser Leben, und wir werden nie und nimmer aufgeben. Außer es würde eines Tages wirklich keine Sau mehr Hardrock hören, aber der Metal lebt, und diese Fans wissen noch, was Musik ist!

Martin:
Ihr habt ja auch eine sehr informative und ansprechende Homepage. Wie ist denn deine grundsätzliche Einstellung zum Internet? Und wie stehst du zur MP3-Problematik?

Mark:
Wie fragt man so schön: Segen oder Fluch? - Nun, viele Fans begreifen gar nicht, dass wenn sie sich nur noch übers Internet "bedienen", dass die eh schon finanziell schwachen Bands gar nix mehr verdienen und dann elend zugrunde gehen. Dann sagen die Leute: "Hey, schade, warum gibt's euch nicht mehr?!? Ihr wart gut!" Keine Band wird mehr reich heute, aber über die Runden kommen sollten wir schon - also appelliere ich auch an die Leute da draussen, dass sie noch CDs "richtig" kaufen und die Scheiss-Brenner arbeitslos werden lassen. Wir zum Beispiel werden als Dankeschön auf der Erstauflage der "Virtual Empire" ein über sechsminütiges Video mit draufbrennen, um einfach den eigentlichen Verkauf etwas zu fördern. Ein sauteures, 16-Seiten-Hochglanz-Booklet reicht heutzutage auch nicht mehr aus, um einen Fan dazu zu animieren, die CD im Handel zu kaufen.

Martin:
Was hältst du von Online-Magazinen wie Powermetal.de - im Vergleich zu den herkömmlichen Print-Magazinen?

Mark:
Ich denke, es ist beides nötig und auch richtig. Der eine liest nur noch übers Internet, der andere will halt beim Kacken noch sein Magazin in den
Händen halten. Alles, was den Metal fördert, ist gut! Ich benütze beide Alternativen.

Martin:
Von meiner Seite war es das. Willst du noch irgendwas sagen?

Mark:
Klar. Danke für's Interview, und bleibt weiterhin am (Crystal-) Ball! Eure Site ist wirklich ein Auge wert, und den Fans empfehle ich, zumindest ein Ohr in unser neues Album zu werfen!

Redakteur:
Martin Schaich

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