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DEADLOCK: Interview mit Sebastian Reichl

08.05.2007 | 22:56

DEADLOCK haben sich enorm entwickelt. Vom unkonventionellen, zwischen allen Stühlen hockenden Act, irgendwo zwischen Metal, Core & Gothic, zu einer kompakten, geradlinigen und hochkarätigen Death-Metal-Band mit hervorragend integriertem Wechselgesang zwischen bösem Gegrunze und engelsgleichem, weiblichen Gesang. Gitarrist Sebastian stand Rede und Antwort.

Peter:
Als erstes Gratulation zu eurem neuen Album "Wolves". Wie sind denn die Resonanzen von Presse und Fans bisher?

Sebastian:
Hallo Peter. Vielen Dank für das Lob. Wir sind natürlich sehr stolz und zufrieden mit dem neuen Material und waren doch extrem gespannt auf die Reaktionen der Leute. Bis jetzt läuft alles auf "hopp oder topp" hinaus. Manche feiern die Platte als Bestes, was es von uns bisher gab, andere kommen mit den Elektronikelementen und Sabines Gesang überhaupt nicht zurecht. Natürlich wünscht man sich die Reviews immer noch besser und man will immer mehr, aber man kann doch zufrieden sein mit dem bisherigen Verlauf.

Peter:
Nachdem Sabine bereits auf den letzten beiden Alben als Gastsängerin zu hören war, ist sie jetzt (endlich) vollwertiger Bestandteil der Band. Warum hat das so lang gedauert?

Sebastian:
Es lag zum einen daran, dass es schlicht technisch und auch vom professionellen Level her gar nicht möglich gewesen wäre, das vernünftig mit ihr aufzuziehen. Zum anderen war sie auch in einigen anderen Live-Bands aktiv, um da ihr Geld zu verdienen. Nach der Schwangerschaft und der Entbindung ihres Kindes konnte sie dann von vorne anfangen. Sie hatte bei ihren Acts aufgehört und wir kamen dann einfach auf sie zu, mit dem Angebot bei uns als Vollzeitkraft einzusteigen. Das war Anfang letzten Jahres und sie hatte daraufhin eigentlich sofort zugesagt.

Peter:
Wie sehr hat sich die Arbeit im Studio durch Sabine für euch geändert? Und wie groß ist ihr eigener Einfluss auf die Musik und die Texte?

Sebastian:
Natürlich wurden alle Gesangsarrangements und mehrstimmige Chöre von ihr übernommen. Außerdem war sie an einigen Klavier- und Orchesterpassagen beteiligt. Grundstrukturen und die ganzen Basics wurden aber dann doch von Tobi, unserem Drummer und mir geschrieben. Die Studioarbeit hat sich eigentlich nicht sehr verändert. Sie war halt nur öfter als früher dran... :-) Die Texte wurden jetzt auch nicht sonderlich angepasst. Ab und an mal geändert, wenn gewisse Gesangslinien einfach von der Betonung nicht passten o.ä., aber im Großen und Ganzen hat sich das alles wunderbar ergänzt.

Peter:
Denkt ihr, den Fans, die mehr Sabine forderten, war klar, dass sich damit auch euer Gesamtsound – weg von unkonventionellen Songstrukturen, hin zu größtenteils melodischem Death Metal - ein ganzes Stück ändern würde? Und wie seht ihr selbst die Veränderung?

Sebastian:
Wir sind eigentlich keinen Fans oder Kritikern gefolgt und haben Sabine auch nicht aus diesen oder ähnlichen Gründen ins Boot geholt. Das war eine kollektive und interne Entscheidung - uns war aber natürlich bewusst, dass sich dadurch Veränderungen ergeben werden. Für uns ist diese Entwicklung aber das Beste, was uns passieren konnte. Ich sehe das auch als Weiterentwicklung zur "Eearth.Revolt" - nicht als gewagte oder erzwungene Neuerfindung.

Peter:
Von der Attitüde her seid ihr klar im Straight Edge Hardcore angesiedelt, spielt aber mittlerweile Death Metal, der musikalisch mit Hardcore nicht mehr viel gemein hat. Wie reagiert die Hardcore-Szene darauf? Und woran liegt es, dass ihr euch immer mehr in Richtung Metal bewegt?

Sebastian:
Also mit der reinen HC-Szene hatten wir ja praktisch nie etwas zu tun. Unsere Wurzeln liegen natürlich dort, vor allem wegen unserem Lifestyle usw. Wenn, dann waren wir, auch wenn oft verteufelt, in der Metalcore-Szene zu Hause. Und diese ist bekanntermaßen sehr offen für Musik, wie wir sie machen. Deswegen reagiert diese auch normal und wie die Metal-Szene vielleicht eher etwas geschockt auf das neue Album mit den ganzen Effekten und dem Melodieoverkill. Die Bewegung Richtung Metal ist für uns eine stetige und nachvollziehbare und auch weder erzwungen noch geplant. Es liegt einfach daran, dass wir alle diese Musik hören und machen wollen.

Peter:
Wie groß ist der Einfluss eures Lebensstils auf eure Fangemeinde? Denkt ihr, dass es viele Veganer gibt, die eure Musik nur hören, weil ihr ebenfalls vegan seid? Und glaub ihr umgekehrt, dass es potenzielle Fans gibt, die euch nur aufgrund dessen nicht hören?

Sebastian:
Musik ist ein großartiges Medium, um Meinungen und Einstellungen zu transportieren. Wir sind alle überzeugt von diesem Lifestyle und wollen diese Message auch durch unsere Musik den Hörern näher bringen. Aber es geht dann doch vor allem um die Musik an sich. Jeder, der Bock auf frischen, unverbrauchten Metal mit ordentlich Mut und Einheitsbrei-Verbot hat, soll die Platte hören, egal ob Veganer oder Antiveganer, Metal-Head oder HC...

Peter:
Leider liegen meiner Promo keine Texte bei, die bei euch bislang immer sehr lesenswert waren. Worum geht es auf "Wolves", könnt ihr da bitte eine kleine Zusammenfassung geben?

Sebastian:
Bei "Wolves" wollten wir kein Konzept mit den Lyrics behandeln, um wieder verstärkt auf die Songs konkret einzugehen. Unser Sänger Joe versucht in den Texten natürlich immer thematisch unsere Ideale zu behandeln, jedoch nicht dadurch, dass wir ständig Parolen hinausschreien, sondern durch Geschichten und das Erzeugen von bestimmten Stimmungen. Wichtig ist für uns, dass die Texte wie auch die Musik eine Einheit bilden und immer eine gewisse Atmosphäre erzeugen. Man muss nicht sofort wissen, welches Thema mit dem jeweiligen Text behandelt wird, aber die Kids, die sich die Zeit nehmen sich mit unseren Lyrics auseinanderzusetzen, sollen zum Nachdenken animiert werden und feststellen, dass wir etwas zu sagen haben und nicht nur über irgendwelche Phantasiewelten singen. Eine inhaltliche Zusammenfassung fällt mir da jetzt aber schwer.

Peter:
Auf "The Arrival" gab es noch Songs mit deutschen Texten, die damals perfekt in den Kontext passten. Kann es sein, dass ihr das noch mal macht, oder habt ihr die deutsche Sprache für eure Musik ad acta gelegt?

Sebastian:
Ich denke, wir werden auch in Zukunft keine Texte mehr in Deutsch schreiben. Wenn, dann vielleicht mal in bayrischer Mundart. :-)

Peter:
Ihr kommt jetzt auf Tour durch Deutschland. Was können die Fans bei euren Shows erwarten? Und wie verändern sich eure Auftritte durch Sabine?

Sebastian:
Jeder, der auf eine DEADLOCK-Show kommt, wird begeistert sein - von einer Sängerin, die absolut nichts anbrennen lässt und bei der jeder Ton sitzen wird. Außerdem sehen wir, aufgrund des weiblichen Neuzugangs, insgesamt jetzt noch besser aus. :-) Wir haben unser Set auf über eine Stunde ausgebaut und werden auch alte Hits wie 'Awakened By Sirens' zum Besten geben. Und wer nicht spürt, dass wir zu über 100 Prozent alles geben und einfach nur Spaß und Spielfreude ausstrahlen wollen, wird uns wohl nie mögen!

Peter:
Und welche Utensilien verschwinden nun aus dem Tourbus, wo euch dauerhaft eine Frau begleitet?

Sebastian:
Weder die homoerotischen Spielereien, noch all die anderen Dinge und Utensilien, die eigentlich verschwinden sollten, werden aus dem Bus verbannt. Ganz einfach weil Sabine perfekt zu uns passt und keiner sich gezwungen fühlen muss, sich einzuschränken. Hahaha...

Peter:
Gibt es skurrile Tourepisoden, die ihr hier zum Besten geben könnt?

Sebastian:
Das würde wieder unter das Thema "homoerotische Spielereien" fallen und ich denke, das sollten wir allen hier ersparen. :-) Wobei ich es auch äußerst skurril fand mich von Japanern in Tokio als europäische Sehenswürdigkeit ablichten zu lassen.

Peter:
Okay, das war's. Falls ihr den Lesern noch etwas zu sagen habt, ist dies eure Gelegenheit.

Sebastian:
Wir danken dir für deine Zeit und dein Interesse an DEADLOCK. Natürlich danke ich auch euch, den Leserinnen und Lesern, für euer Interesse und ich hoffe, dass ihr unser neues Album anchecken werdet! Würde mich freuen möglichst viele von euch auf einer unserer kommenden Shows zu sehen! Passt auf euch auf! Bis bald!

Redakteur:
Peter Kubaschk

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