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DEF LEPPARD: Ein Blick auf die glorreichen Achtziger

29.05.2018 | 11:32

DEF LEPPARD veröffentlicht am 01. Juni die "CD Collection Volume 1" mit den Alben von "On Through The Night" bis "Hysteria". Grund genug ein Blick auf die Frühwerke der Leoparden zu werfen.

Als DEF LEPPARD im Jahr 1977 von Rick Savage, Tony Kenning, Peter Willis und Joe Elliott im britischen Sheffield gegründet wurde, hat wahrscheinlich niemand in der Band geglaubt, dass man nur wenige Jahr später einer der größten Rock-Bands der USA sein würde. Nein, die Band begann wie so viele der "New Wave Of British Heavy Metal"-Ära als Gegengewicht zum gerade grassierenden Punk-Hype um Truppen wie die SEX PISTOLS oder THE CLASH. Schlagwerker Tony Kenning, der für die Schreibweise des Namens verantwortlich ist, verließ die Band schon Anfang 1978 noch bevor die Jungs ins Studio gehen konnten, um die "The Def Leppard EP" aufzunehmen, und wurde später von Rick Allen ersetzt. Auf der EP ist allerdings Frank Noon an den Kesseln zu hören. Zudem stieg auch Steve Clark als zweiter Gitarrist in die Band ein. Die drei Songs 'Ride Into The Sun', 'Getcha Rocks Off' und 'The Overture' gaben bereits einen Vorgeschmack auf das, was in den folgenden Jahren noch folgen sollte.

Der Grund für diese Einleitung ist das Boxset "CD Collections, Volume 1", das neben den ersten vier Alben auch noch das Live-Album "Live - L.A. Forum" und einen Silberling namens "Rarities - Volume One" beinhaltet. Die CDs stecken in einem robuster Pappschuber, kommen als Vinyl-Replica und mit einem dicken Hardcover-Buch mit Linernotes, vielen Fotos, Infos und zur freudigen Überraschung steckt auch noch eine Mini-CD mit der oben genannten "The Def Leppard EP" darin.



Fangen wir also vorne bei diesem Set an und kümmern uns zuerst um "On Through The Night". Erschienen im März 1980 ist das Album eines der Frühwerke der NWoBHM, auch wenn nach heutigen Maßstäben die Klassifizierung wohl schlicht Hard Rock wäre. Schon das schmissig rockende Eröffnungsdoppel 'Rock Brigade' und 'Hello America' weist den Weg und macht deutlich, dass es der hungrige Fünfer ernst meint. Das geht ins Ohr und ins Bein und erfüllt schon damit die wichtigsten Kritieren eines erfolgrichen Rocksongs. Doch auch an Abwechslung mangelt es nicht wie zum Beispiel 'When The Walls Came Tumbling Down' mit seinem gesprochenen Intro beweist. Der größte Hit dürfte aber das granatenstarke 'Wasted' sein, das zuvor auch als erste Single veröffentlicht wurde und zumindest die britische Insel schon im Sturm eroberte. "On Through The Night" schaffte es dann auch bis auf #15 der UK-Charts und auf #51 in den Billboard-Charts. Mittlerweile ist das Album auch in den USA und Kanada mit Platin ausgezeichnet.

"High 'N' Dry" fand seinen Weg dann 16 Monate später in die Plattenregale und konnte die Form des Vorgängers nicht nur bestätigen, sondern übertreffen. Joe Elliotts Stimme gewann an Markanz, das Gitarrenspiel vom Doppel Clark/Willis ist ausgereifter, die Songs noch variabler und doch mehr auf den Punkt gespielt. Vom Opener 'Let It Go' über den Titeltrack, die bärenstarke Semi-Ballade 'Bringin' On The Heartbreak', das heute noch gerne im Set landende Instrumental 'Switch 625' oder 'Mirror Mirror (Look Into My Eyes)' ist das hier exzellenter, angerauter Hard Rock, der schlicht Laune macht. Das sahen auch die Fans so, die das Album auf #26 der britischen und #38 der Billboard-Charts hievten. In den USA ist man mittlerweile bei Doppel-Platin gelandet, in Kanada immerhin noch mit einfachem Platin ausgezeichnet. Und hier in Deutschland? Nun, so groß DEF LEPPARD später auch vor allem in Nordamerika wurde, hier in Deutschland musste die Band immer wesentlich kleinere Brötchen backen. Kein einziges Album wurde mit Edelmetall versehen, eine einstellige Chart-Platzierung gab es lediglich für das 1992er-Werk "Adrenalize". Woran das liegt? Keine Ahnung.

Doch der Erfolg bis zu diesem Zeitpunkt ist nichts im Vergleich zu dem, was noch folgen sollte. Im Juli 1982 feuerte die Band das einzige Mal in ihrer langen Karriere ein Bandmitglied. Gitarrist Peter Willis wurde wegen exzessiven Alkoholkonsum aus der Band geworfen und postwendend durch Phil Collen ersetzt. Zu dieser Zeit waren die Leoparden schon einige Monate im Studio, um am Nachfolger für "High 'N' Dry" zu arbeiten. Fast ein ganzes Jahr nahm sich die Truppe Zeit für "Pyromania" und man darf wohl behaupten, dass sich der Aufwand lohnt. "Pyromania" ist ein absolutes Hitfeuerwerk, das vom Auftakt 'Rock! Rock! (Till You Drop)' bis zum großartigen Finale 'Billy's Got A Gun' quasi nur Hits enthält und vielleicht die Geburtsstunde für echten "Stadion Rock" ist. Und auch wenn Stadion Rock heute immer der Muff von seichtem Mitsing-AOR anheftet, ist das hier völlig anders. Das sind spritzige, kräftige, eingängige, variable Songs. Egal, ob 'Photograph', 'Rock Of Ages' oder 'Foolin'', das ist einfach ganz großes Kino. Es wurde vor allem in den USA ein absoluter Megaerfolg, was eine diamantene (=zehn Mal Platin!) Schallplatte deutlich bezeugt. Auch in Kanada wurde es sieben Mal mit Platin ausgezeichnet und somit schon in Nordamerika weit mehr als zehn Millionen Mal verkauft. Doch nicht nur musikalisch macht der Begriff Stadion Rock hier Sinn, auch die gigantischen Live-Shows waren voll nach dem Geschmack der Amis, die auf Gigantismus durchaus abfahren. Doch das Schicksal meinte es nicht nur gut mit der Band.



Am 31. Dezember 1984 hatte Schlagzeuger Rick Allen einen Autounfall und verlor dabei seinen linken Arm. Doch war dies für viele wahrscheinlich überraschend nicht das Ende seiner Karriere. Stattdessen trainierte Rick Allen mit seinen beiden Füßen und seinem rechten Arm zu spielen, was ihm auch gelang. Das führte natürlich auch zu einem sehr eigenständigen Stil und die durchweg positive Publicity für den Zusammenhalt der Band hat sicher auch nicht geschadet. Dies im Verbund mit dem epochalen Vorgänger und der Klasse des neuen Materials führte zum nächsten Mega-Erfolg. "Hysteria" ist quasi die High-End-Version von "Pyromania". Jeder einzelne Song ist eine Arena-Hymne, egal ob 'Women', 'Rocket', 'Animal', 'Pour Some Sugar On Me', 'Hysteria' oder 'Love Bites'. Das ist hochglanzpolierter Hard Rock der Extraklasse. Manch einem dürfte das eine Spur zu glatt sein, aber als ich in 1987 das erste Mal 'Armageddon It' hörte, war das natürlich total egal. Welch Hysterie das Album entfachte, verdeutlichen wohl diese Zahlen: 12x Platin in den USA, 10x Platin in Kanada, 4x Platin in Australien, 25 Millionen verkaufte Einheiten. Und das durchaus auch zu Recht.

So viel zu den Studioalben, aber zwei Silberlinge liegen ja noch vor uns. "Live - L.A. Forum" ist eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 1983, die allerdings bereits der Deluxe-Edition von "Pyromania" beilag und somit für Fans nicht zwingend Neues bietet. Das ändert aber natürlich nichts daran, dass das hier eine überragende Performance ist, die ausschließlich Hits der ersten drei Alben beinhaltet. Höhepunkt ist wohl der Auftritt von Brian May (QUEEN) beim CREEDENCE CLERWATER REVIVAL-Cover 'Travelin' Band'. Und dann ist da noch "Rarities - Volume One". Das sind in allererster Linie mal Single-Versionen oder Remixe bereits bekannter Songs und daneben noch ein paar B-Seiten aus den Jahren 1980 bis 1987. Darunter beispielsweise 'Good Morning Freedom', das bisher auch tatsächlich nur auf der Single zu 'Hello America' zu finden war und jetzt erstmalig auch auf CD erscheint. Obskurer Höhepunkt ist wohl die Coverversion von ENGELBERT HUMPERDICKs 'Release Me', das die Band eher aus Jux unter dem Namen STUMPUS MAXIMUS & THE GOOD OLD BOYS aufgenommen hat. Am Mikro ist hier übrigens Gitarren-Tech Malvin Mortimer zu hören, der die Nummer wahrlich mit Inbrunst intoniert. Veröffentlicht wurde die Nummer als B-Seite von 'Rocket' und schaffte es als eigenständige Veröffentlichung in Griechenland auf #6 der dortigen Charts.

Ich denke, diese Box ist in erster Linie für Hardcore-Fans und solche, die bislang immer die Gelegenheit verpasst haben, sich mit DEF LEPPARD zu beschäftigen. Die großen Fans bekommen das hübsche Büchlein mit der EP, Bildern, Linernotes und die Raritäten, Anfänger bekommen die ersten vier Alben und ein paar Bonüsse auf insgesamt sieben CDs. Der Preis liegt bei ca. 45,- bis 50,- EUR. Und dafür dürfte dies für beide Gruppen lohnenswert sein.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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