DESTRUCTION: Interview mit Schmier

12.08.2005 | 12:14

Chaos und Destruktion!
Irgendwie stand unser Interviewtermin unter keinem guten Stern: Nach längerem hin und her einigten wir uns auf einen Termin am frühen Nachmittag des 04.08.05. Ich hocke auf der Arbeit und habe eine ellenlange Besprechung, die ich für dieses Interview abbrechen musste. Unter heftigen Protest meines neuen Arbeitgebers eier ich also nach Hause und warte auf Schmiers Anruf. Eine geschlagene Stunde sitz ich vor dem Telefon, glotz das Teil blöde an und nix passiert. Ich also mit tonnenweise Brass im Bauch wieder zurück auf die Arbeit, nicht aber ohne das zuständige Label AFM über meinen Ultrahals zu informieren. Am nächsten Tag schau ich dann meinen Spamordner durch und finde eine E-Mail, die aufgrund der zehn Ausrufezeichen im Betreff und dem Namen Rebecca als Absender im Spamordner landete. Es handelte sich um die Terminabsage, da Schmier zu dieser Zeit dringend weg musste. Die Mail kam ein Tag vor unserem geplanten Gesprächstermin. Somit war die ganze Aktion völlig unnötig, inklusive meiner wirklich nicht sehr feinen Mail in Richtung DESTRUCTION-Headquater.

Nun, wie ihr seht, ist das Interview doch noch zustande gekommen. Wäre ja auch schade drum gewesen, gerade jetzt, wo den Herren Schmier, Mike und Marc ein absolutes Hammeralbum geglückt ist. Man muss sie nicht mehr großartig vorstellen. DESTRUCTION, ein Name wie ein metallischer Felsbrocken in einem "Infernal Overkill"-endem Taifun. Das "Sentence Of Death" wurde mehrfach gefällt, die "Release From Agony" sind bis zum Exitus gelebt worden und der "Mad Butcher" treibt schon seit mittlerweile über zwanzig Jahren "Live Without Sense" sein Unwesen. Nach dem Split, pünktlich zur Jahrtausendwende, "All Hell Breaks Loose" again, der "The Antichrist" leibhaftig entsprang, um den geplagten Thrash-Metaller gepeinigt in sein restliches Leben zu entlassen.
Nun steht "Inventor Of Evil" an. Ein Werk, das gekonnt die zerstörerischen Wurzeln mit der kompromisslosen Ausrichtung der Neuzeit verbindet, als perfekte Symbiose aus alt und neu durchgeht und somit sämtliche Fanlager der DESTRUCTION-Zeitgeschichte miteinander vereint. Grund genug, genauere Informationen einzuholen.

Nach der obligatorischen Eingangsfrage, wie es dem Bandkopf der Zerstörungsmaschinerie geht, antwortet der blonde Hüne lapidar: "Gut, gut soweit. Wie ich gerade hörte, haben wir im Heavy den Soundcheck gewonnen." Auf die restlichen Reaktionen angesprochen, wird Schmier schon etwas ernster. "Wie das halt immer so ist in Deutschland. In anderen Ländern wirst du völlig abgefeiert. Hierzulande bleiben die Reaktionen etwas verhalten. Das hat was von dem "Prophet im eigenen Land"-Syndrom. Viele Journalisten, muss ich mal ganz ehrlich sagen, meinen einen zu kennen und schreiben dann bei kleinen Sachen: Schmier, das Arschloch. Es gibt aber auch viele, die wissen, wann es dir nicht so gut geht und nicht jede Fußnote auf die Goldwaage legen. Ich denke, viele Verhaltensmuster dieser Leute sind typisch deutsch. Dieses Futterneid-Syndrom. Aber da muss man halt durch. Je erfolgreicher eine Band ist und je größer sie wird, desto mehr Neider ruft sie auf den Plan. Aber wir stehen da ganz gut drüber."

Auf den Fakt hin angesprochen, dass "Inventor Of Evil" wieder deutlich mehr in Richtung Roots der Band geht und vor allem im Gitarrenbereich deutlich mehr Gewichtung gelegt wurde (was Björn wunderschön mit "Riffs, Riffs, Riffs" umschrieb), kam die Leitfigur nicht um eine umschweifende Danksagung herum. "Danke, das ist aber ein fettes Kompliment. Und Mike wird sich über diese Worte mächtig freuen. Für uns war in erster Linie wichtig, dass wir eine musikalische Verbesserung in unsere Arbeit bringen. Dabei sollte auch die Attitüde älterer DESTRUCTION etwas mehr herausgearbeitet werden. Dabei wollte ich mich im Gegenzug etwas zurücknehmen. Im Nachhinein ist uns aufgefallen, dass ich auf "Metal Discharge", eine Scheibe, hinter der ich immer noch stehe, viel zu viel rumgebrüllt, ja fast schon alles zugebrüllt habe. Das wollten wir auf "Inventor Of Evil" zugunsten gesteigerter Gitarrendominanz drosseln." Was meiner Meinung nach perfekt gelungen ist, denn Nummern wie zum Beispiel 'The Calm Before The Storm' klingen anfangs atmosphärisch wie der Bandklassiker 'Reject Emotions'. "Da hast du völlig Recht", beginnt Schmier. "Ein solche Atmosphäre kannst du aber nicht erzwingen. Wir haben bei der letzten Scheibe schon versucht, eine solche Nummer zu schreiben. Da hat es nicht funktioniert. Dieses mal haben wir es gepackt und mit dem Ergebnis kann man wirklich zufrieden sein." Mehr als nur das...

Zu Beginn von 'Seeds Of Hate' dachte ich beim ersten Hören mich trifft der Schlag, singt doch im Hintergrund eine Frau. "Ja, da hast du richtig gehört. Die Frau unseres sehr guten Kumpels und Mitproduzenten V.O. Pulver von GURD. Wir haben einen etwas orientalisch angehauchten Gesang für den Song gesucht und sie einfach eingeladen. Tja, sie hat eine wunderbare Stimme, ist selber Sängerin, und nach ein paar Probetakes war alles in trockenen Tüchern." Stichwort V.O. Pulver: Wann gibt es die erste Thrash-Zusammenarbeit zwischen Pulver und Schmier, die mit Sicherheit durchaus interessant werden dürfte, wenn man mal die Betätigungsfelder der Jungs unter die Lupe nimmt. "Oh, gesprochen haben wir darüber schon sehr häufig. Mit Sicherheit wäre das mal eine geile Sache, die eventuell in Richtung sehr old schooligem Achtziger-Speed-Metal gehen könnte. Er hat ja damals schon mal einen Track in meiner HEADHUNTER-Ära beigesteuert. Wir liegen da so ziemlich auf einer Wellenlänge, sind beide Vollblutmucker. Vielleicht wird das ja in nächster Zukunft mal was. Seitdem ich meinen Laden verkauft habe, kann ich mehr auf meine musikalische Arbeit konzentrieren. Meine Zeit investiere ich jetzt voll in DESTRUCTION, was nicht heißt, dass für ein solches Projekt keine Kapazitäten vorhanden wären." Gut zu wissen...

In fünf Jahren haben DESTRUCTION nun schon zum dritten Mal mit Peter Tägtgren zusammengearbeitet, ein Umstand, der doch verdammt hilfreich sein dürfte? "Peter ist ein sehr konzentrierter Arbeiter, der aber auch mal die Zügel schleifen lassen kann. Zudem haben wir dieses mal die Drums in Deutschland aufgenommen. Er hat also zum ersten mal außerhalb seines Studios aufgenommen, was für ihn gewissermaßen auch ein neuer Umstand war. Ansonsten ist Peter verantwortlich gewesen für den Mix und die Soundzuweisung der Instrumente, was teilweise recht schnell ging. Zum Beispiel der Gitarrensound! Eingestöpselt und Peter fand ihn sofort schweinegeil, haha. Teilweise haben wir natürlich auch mal die Sau rausgelassen. Es gab einen Tag, an dem wir uns abends leicht lädiert fragten, ob wir jetzt eigentlich etwas aufgenommen haben oder nicht? Hatten wir, haha." Wo wir die Drums doch gerade angeschnitten hatten, wollte ich von Schmier ein Statement zu Drummer Marc, der auf "Inventor Of Evil" zum zweiten Mal die Stöcke für DESTRUCTION schwingt. "Marc ist unser Rückgrat," lobt Schmier den Trommelderwisch. "Anfangs gab es ein paar kleine Probleme, da er ja von einer Death-Metal-Band kam und alles erst mal in Grund und Boden trümmerte. Das haben Mike und ich aber sehr schnell aus ihm rausbekommen. Seitdem ist er der perfekte Mann für uns. Viele Drummer scheitern an den extrem schnellen Doublebassparts. Er spielt die Sachen mit links. Zudem hat er ja eine Jazzausbildung und hat selber Jazzunterricht gegeben, was sein Spiel und damit auch unseren Stil positiv beeinflusst. Er hat das technische Know-How und die Power, auch alles in die Tat umzusetzen. Er ist ein wirklicher Rückhalt für Mike und mich."

Was mich wirklich interessierte, war die Meinung eines meiner Helden über zwei weitere meiner Helden, nämlich KREATOR und SODOM, die sich im Laufe der Zeit immer weiter, wie auch DESTRUCTION, von den anfangs ziemlich ähnlichen Roots entfernten. "Finde ich sehr gut", meint Schmier. "Eine Band muss sich weiterentwickeln, muss neue Sachen probieren. Ansonsten wird deine tägliche Arbeit langweilig und stumpf. Ich bin absoluter Fan beider Bands, damals wie heute. DESTRUCTION sind kompromisslos, KREATOR sind technisch und SODOM räudig. Das deckt prima die ganze Bandbreite ab." Wo wir gerade bei Entwicklungen waren, sprach ich den Hünen auf den Achtzigersplit der Band an. "Was soll ich nach so langer Zeit dazu sagen?", fragt er zurück. "Nach all der Zeit, in der ich schon eine gewisse Wut im Bauch hatte, ist die heute verflogen. Ich habe in den Jahren zu all den Leuten, die einmal Teil der Band waren, Kontakt aufgenommen. Harry zum Beispiel, der seiner Zeit mitverantwortlich für den Split waren, hat in letzter Zeit einige Soli für unsere Jubiläumsshow gespielt. Schnee von gestern! Außerdem steht DESTRUCTION ja voll im Saft. Der Split hat uns also nicht aufgehalten." Gott sei Dank...

Zum Abschluss versuchte ich dem Basser noch ein paar Fakts zum Cover und der kommenden Tour aus dem Kreuz zu leiern. "Das Cover stammt von einem jungen Künstler, der uns von unserem Label empfohlen wurde. Es ist sehr genial geworden, detail- und facettenreich. Doch vor allem kann man auch ohne das Bandlogo sofort erkennen, von wem die Scheibe ist. Dieser Kerl wird definitiv seinen Weg machen. Wir werden noch einiges von ihm sehen. Zum Thema Tour kann ich sagen, dass wir einige visuelle Gimmicks mit an Bord haben werden. Zudem werden wir einige alte Kracher aus der Kiste kramen, die wir schon ewig nicht mehr gespielt haben. Natürlich können wir Klassiker wie 'Bestial Invasion' nicht von der Setlist streichen. Deswegen wird unser Set insgesamt länger werden. Das wird hart für unsere Fans werden, da wir mit einem Co-Headliner und zwei starken Openern auf Tour kommen werden. Das heißt, die Leute sollen sich auf einen langen und heftigen Thrash-Metal-Abend einstellen. Apropos, ich möchte vielleicht jetzt schon ein wenig anheizen und den Namen des Co-Headliners verraten: Wir werden ANNIHILATOR im Gepäck haben, dazu zwei Brecher im Vorprogramm. Das sollte doch auf jeden Fall ziehen oder?"

Mir hat es fast die Schuhe ausgezogen und ich bat Schmier nach einem zwischenzeitlichen Kniefall, auf jeden Fall nach Münster-Breitefeld in die Live Arena zu kommen. "Ja sehr geile Location", meint der Bandleader. Ansonsten gibt es im Frankfurter Raum ja sowieso nichts adäquates. Ich wird jetzt gleich mal unseren Booker anrufen und sehen was ich für dich machen kann". Ich danke dem Herrgott...

Redakteur:
Alex Straka

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