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DISILLUSION: Interview mit Vurtox, Rajk, Jens

01.01.1970 | 01:00

DISILLUSION sind zurück! Fast zwei Jahre lang hat es gedauert, bis die Leipziger Band endlich ihr Debütalbum “Back To The Times Of Splendor” aufgenommen hat. Die Wartezeit war nicht umsonst: Ein akustischer Meilenstein, der selbst die beiden EPs “Three Neuron Kings” und “The Porter” locker in seinen übermächtigen Schatten stellt. Henri Kramer traf die Band im Proberaum, wo die drei sympathischen Musiker ihm von den Qualen der Geburt eines Meisterwerks erzählten und sich als fast schon besessene Künstler “outeten”.

Am Anfang ist die Atmosphäre im Raum locker, gerade sind DISILUSSION mit ihrer Probe fertig und scheinen sehr zufrieden. Sänger Vurtox rennt trällernd durch die Gegend. Dann setzen wir uns alle um einen kleinen Tisch, Gitarrist Rajk und Schlagzeuger Jens zu meiner rechten Seite, schräg links sitzt Vurtox...

Henri:
“Zurück zu den Zeiten der Pracht” heißt euer aktuelles Album. Was wollt ihr damit ausdrücken?

Vurtox:
Das ist eine sehr weitläufige Frage. Insgesamt hat die Platte zwei Jahre gedauert. Noch bevor es einen Plattentitel gab, schwirrten schon Songideen in unseren Köpfen herum. Später kam dann eine Art Aufbruchsgefühl dazu, weil wir in einen neuen Proberaum gezogen sind und es gerade Frühling wurde. Der lose Songtitel 'Back To The Times Of Splendor' hat sich dann zu einem großen Konstrukt entwickelt. Dieser Name ist auch die Zusammenfassung für die Texte. In Kurzform: Es gab eine Zeit, die mal prächtig war, jetzt aber offensichtlich nicht mehr da ist. Um dahin wieder zurückzukommen, dann muss man aufbrechen. Das ist auch ein Sinnbild für die langen Aufnahmemonate. Ähnlich klingt auch die Platte, sie kommt nicht an, sie bleibt auf dem Weg. Das gilt auch für die Geschichte, die darauf erzählt wird. Und dies galt auch für uns, als es Frühling wurde und wir mitbekamen, dass die Musik gleichzeitig noch von einem gewissen freudigen und sonnigen Aspekt geprägt wird. Lange war aber kein Titel für das Album da.

Rajk:
Anfänglich war noch “Alone I Stand In Fires” als Titel im Gespräch. Das hätte aber nicht zu der Aufbruchsstimmung gepasst, die wir vermitteln wollten. Es gab während der Aufnahme jede Menge Turbolenzen, Zweifel, Spannungen. Mit dem Aufbruch ist auch gemeint, ein Album genau nach unseren Vorstellungen zu schaffen, damit wieder bessere Zeiten kommen.

Henri:
Ist es denn so geworden, wie ihr es euch vorgestellt habt? Sind die besseren Zeiten angebrochen?

Raik:
Was die Musik betrifft, auf jeden Fall. Wir sind absolut zufrieden. Die Platte läuft bei mir zu Hause so oft wie keine andere. Und das schon seit Wochen. Es ist zur Zeit meine Lieblingsplatte. Eigentlich müsste ich sie zu meinen All-Time-Faves zählen. (lacht)

Vurtox:
Die Antwort ist eindeutig ja, die Dinge sehen wieder rosiger aus. Das meinen wir jetzt nicht nur für die Band, sondern noch viel mehr für die Menschen dahinter. Ob jetzt der Deal mit Metal Blade toll ist oder wir hier den Proberaum bezahlen können, ist da erst einmal egal. Viel wichtiger ist für uns, was mit uns über die Monate der Aufnahme passiert ist. Es war einfach extrem komplex, nicht nur langwierig. Es war eine massivste Belastungsprobe für das Gefüge von mehreren Menschen. Aber kaum war die Platte kurz vor der Fertigstellung, ist von uns allen ein Riesenberg Ballast vom Rücken gefallen.

Rajk:
Die Spannungen, die es zwischen uns gab, erledigten sich mit jeder Sekunde, die wir dem Ziel näher kamen.

Henri:
Das Album erscheint eingängiger in den Riffs als noch auf den Mini-Scheiben, obwohl jeder Song immer noch irre komplex klingt. Richtig beobachtet?

Vurtox:
Auf jeden Fall. Ab einem gewissen Zeitpunkt gab es massiv den Plan, nicht die Noten in den Vordergrund zu stellen. Wir haben den Eindruck, dass wir auf den beiden Vorgängerscheiben ganz schön viel gefrickelt haben, teilweise um der Frickelei wegen. Gleichzeitig kann man zwar sagen, dass wir eingängiger klingen. Aber auf der anderen Seiten ist die Musik dadurch nun ein besserer Transporter für das, was im Vordergrund sein soll, also die Stimmung, die wir vermitteln wollen. Es gab auf keinen Fall die Orientierung: "Hey, jetzt müssen wir das eingängiger machen, dass jemand leichter den Sound verkraften kann". Wir mussten uns einfach Raum schaffen, um eine echte Stimmung zu erzeugen. Deswegen klingt nun alles eingängiger, beziehungsweise wurden Sachen reduziert.

Rajk:
Jedoch hat die Musik an Komplexität gewonnen. Aber wir haben mehr auf einen Fluss geachtet und darauf, organische Zusammenhänge zu schaffen. Wir haben das schon auf den alten Scheibe probiert. Ich denke aber, es ist auch ein Ausdruck von Reife, dass das jetzt besser klappt. Dadurch ist alles eingängiger, trotz höherer Komplexität.

Vurtox:
Auf der "Back To The Times Of Splendor" haben wir es geschafft, die Musik viel breiter zu gestalten, dadurch haben wir mehr Raum für die wichtigen Sachen. Währenddessen wir bei den Demos gemeinschaftlich mit allen Instrumenten nach vorn eine Wand aufgebaut haben, ist das jetzt aufgelockert. Es gibt jetzt mehrere Ebenen, du hast mehr Platz für die Instrumente.

Jens:
Ich sehe das Album als logische Weiterentwicklung unserer Musik, das wollten wir auch so. Wir haben eben mitbekommen, dass unsere ersten beiden Scheiben noch sehr technisch sind, wenn auch immer noch genial – ich bin mal größenwahnsinnig, haha. Jedenfalls sollte eine gewisse Eingängigkeit vorhanden sein.

Henri:
Ihr habt euer Album bei einer kleineren Listeningsession ein paar Journalisten vorgespielt. Die Reaktionen sollen überschwänglich gewesen sein. Wie habt ihr euch gefühlt?

Jens:
Wahnsinn! Es lag Elektrizität in der Luft. Es waren die ersten Leute überhaupt, die das Album gehört haben. Und du guckst dann in die Gesichter während des Hörens, kannst dadurch schon etwas zu den Reaktionen ablesen. Es war ein neues Gefühl für uns.

Vurtox:
Die Session fand am 7. Januar statt. Das Krasse war noch, dass wir wirklich bis zur letzten Sekunde gearbeitet haben, etwa noch das letzte Mastering und das Layout fertig machen mussten. Und gerade an diesem 7. Januar wurden wir am Abend fertig und dann war sofort die Vorführung. Wir hatten ja die Scheibe selber noch nie richtig gehört. Es war ein gutes Gefühl, dann einfach festzustellen, dass die CD funktioniert. Und dass auch tatsächlich Leute, die das Album noch nicht gehört hatten, genau die Reaktionen zeigen, wie wir sie erhofften. Zudem war es eben unsere erste Listeningsession. Vielleicht sind wir da später einmal abgeklärter, aber da wir waren sehr nervös.

Rajk::
Aber es waren alle ausnahmslos begeistert. Auch der Labelvertreter Andy Reissnauer. Das war für uns mit das Wichtigste, weil wir Metal Blade so lange hingehalten haben.

Irgendwie schwankt die Stimmung im Raum zwischen Erleichterung und den Nachwehen einer düsteren Vergangenheit. Wenn DISILLUSION auf die Aufnahmen zurückblicken, machen sie den Eindruck, als hätten sie eine Wüste durchquert. Immer wieder ringen sie nach Worten, gerade dieses fast schon verzweifelte Streben nach künstlerischer Selbsterklärung macht die drei jungen Musiker sympathisch und glaubwürdig.

Henri::
Warum hat die Scheibe denn so lange gedauert? War es extremer Perfektionsdrang oder gab es noch andere Probleme?

Rajk:
Ich würde das nicht Perfektionsdrang nennen. Wir fingen im letzten Frühjahr mit den Aufnahmen an. Damals hatten wir schon fast fertige Versionen von den Songs, die wir als aufnahmereif erachtet haben. Damit fingen wir an. Prinzipiell schien also alles okay. Die Schlagzeugspuren haben dann drei Wochen lang gedauert, wir lagen ganz gut in der Zeit. Währenddessen wurden schon ein paar Kleinigkeiten und Details geändert. Die Gitarren sollten danach kommen, wir planten drei bis vier Wochen. Doch bereits das allererste Riff, welches wir aufnehmen wollten, wurde komplett abgeändert....und so ging das dann weiter..

Vurtox:
Der wirklich entscheidende Punkt war der, dass wir plötzlich überhaupt keine Zeit für eine Voraufnahme hatten. So etwas hatten wir bei den vorigen zwei Demos immer. Wir dachten, wir wären für die Aufnahmen mit den Grobstrukturen der Songs relativ gut vorbereitet. Aber als wir hier anfingen, war doch nicht so viel da. Dies war aber nicht so das Problem: Jens war schon mit den Drums fertig, als Rajk und ich mit den Gitarren anfingen. Dabei wurde uns schnell klar, dass hier noch eine ganze Ecke mehr geht, als bislang da war. Wenn es Perfektionswahn gewesen wäre, dann hätten wir alles genauestens nach jeder Note ausgefeilt. Aber was wirklich passiert ist: Wir haben die Songs nicht nur verbessert, sondern teilweise komplett umgeschrieben. Besonders die langen Songs sollten in einen Fluss kommen. Denn wenn du einmal mit Endlos-Stücken anfängst, willst du auch eine gewisse Dichte und Langzeitspannung erzeugen. Die kurzen Songs haben gar nicht so lang gedauert. Das Schöne an der Platte, was sie wohl auch ein bisschen außergewöhnlich macht, sind aber die langen Stücke und die kamen erst später dazu.

Rajk:
Der Titelsong und 'The Sleep Of Restless Hours' waren anfangs gar nicht so lang konzipiert. Wir haben eben während der Aufnahmen festgestellt, dass immer noch mehr möglich ist. Wenn Du über eine so lange Zeit jeden Tag intensiv wie noch nie an der Musik arbeitest, dann kommst du wieder an neue Grenzen. Hast du solche Barrieren erst einmal überwunden, dann ermöglicht dir das wieder ganz neue Dinge, und die sind gleich wieder mit in die Scheibe eingeflossen. Vurtox hat zum Schluss mit seinen neu erlernten Fähigkeiten als Produzent die anfänglich aufgenommenen Sachen noch einmal neu überarbeitet. Das hat die Songs erst zu dem gemacht, was sie jetzt sind. Und das hat natürlich auch seine Zeit gebraucht.

Henri:
Gab es dabei einen Punkt, an dem ihr keine Lust mehr hattet und alles hinschmeißen wolltet?

Den drei Musikern ist nun deutlich anzumerken, wie sie sich gequält haben. Erst ist gar nicht sicher, ob sie Antworten wollen – eine kurze bandinterne Beratung folgt.

Vurtox:
Die Frage nach Spannungen oder ob wir die Schnauze voll hatten: Klar! Das ging schon viel früher los. Wir hätten vielleicht direkt nach "The Porter" eine Pause machen sollen und Luft an uns ranlassen. Die Pause haben wir eben nicht gemacht und die ganze Zeit durchgezogen. Heute bereut das niemand mehr, aber zwischendrin gab es mindestens einmal pro Woche ein "So geht’s nicht weiter". Was dabei genau passiert ist, hängt mit der vorigen Frage zusammen, also warum das Album so lange gedauert hat. Es ging ja anfangs alles relativ schnell, bald waren die ersten drei Songs fast fertig. Und es dauerte auch nicht so lange, den Anfang von "Back To The Times Of Splendor" aufzunehmen. Bloß dann war es plötzlich aus.
Während der Aufnahmen zu "Back To The Times Of Splendor" ist bei mir ein ganz wichtiger Knoten geplatzt, was mich zum ersten Mal seit vielen Jahren des Musikmachens befähigt hat, das was hier drin ist (zeigt auf sein Herz) in Musik zu übersetzen. Es ging nun überhaupt nicht mehr darum, etwas in Noten zu packen oder in Konstrukte. Sondern es ging um Gefühle, die da sind, über ganze Monate, ganze Jahre, vielleicht schon über das gesamte Leben - solche Gefühle zu erkennen und musikalisch auszudrücken. Diese Möglichkeit gab es ziemlich plötzlich. Ich konnte am Anfang gar nicht einschätzen, warum ich mich gerade so schwer tue, warum mir ein paar Sachen nicht gefallen. Doch dann merkte ich warum: Weil die Stücke bis dahin um das, was ich eigentlich ausdrücken wollte, nur herumschlichen, wie die berühmte Katze um den Brei. Doch nachdem dieser Knoten geplatzt war, begann ich auszuloten, wie weit ich es treiben kann. Ein sehr persönlicher und auch intimer Prozess, bei dem mich alle anderen Beteiligten gestört haben. Irgendwie. Vielleicht will Rajk weitererzählen...?

Rajk:
Es gab eben diesen Punkt, an dem wir gerade den Titelsong 'Back To The Times Of Splendor' in der Mache hatten. Vurtox war unbewusst schon auf dem Weg zu neuen Ausdrucksformen und Umgangsformen mit der Musik, noch völlig im Dunkeln tappend, aber einer Ahnung, einer noch unbestimmten Vision folgend, während ich mich noch immer an der ursprünglichen Version orientierte. Wir hatten keine gemeinsame Sprache mehr. Das gab absolute Spannungen und der Punkt, an dem nichts mehr ging, war schnell erreicht.

Jens:
Wir haben uns entfernt voneinander. In der Zeit und haben uns regelrecht angekotzt

Rajk:
Es war Scheiße, in diesem Moment ein richtiges ekelhaftes Ding. Jetzt im Nachhinein ist uns ja klar, woran es lag. Doch damals gab’s dann im Prinzip Stillstand, bis zum Tag der Entscheidung. Da sagte uns Vurtox, er macht nun alleine weiter. Er meinte, dass ihn alles stört, egal was es ist und was immer wir auch machen und versuchen würden, es würde sowieso nichts bringen. Dann folgten ein paar richtige miese Wochen. Jens und ich zur Untätigkeit verbannt, nahezu Funkstille zwischen uns und jede Menge schlechte Vibes. Für uns richtig scheußlich. Ich weiß ja nicht, wie es für dich war? (blickt zu Vurtox)

Vurtox:
Fürchterlich. Die Wochen danach waren sechs Wochen noch einmal den Titelsong aufnehmen. Finster. Das war auch die Zeit, wo mir bewusst geworden ist, dass die Musik ganz viel von Filmmusik hat. Ich habe mir wahnsinnig viele Filme tagsüber in der Hitze des Sommers angeguckt und in der Nacht wieder gearbeitet. Anhand von den Filmen habe ich versucht, neue Aspekte in die Musik zu bekommen – Sachen wie szenische Übergänge oder subtile Dinge, die im Hintergrund eine Stimmung vermitteln. Das waren durchweg Detailfragen, es gab ja keinen klaren Weg. Irgendwie war ich zwar bei mir, aber eben auch alleine. Es war finster. Mittlerweile ist ja wieder alles toll, aber diese Phase hat ganz schön lang gedauert.

Rajk:
Während dieser Phase gab es nur noch ganze zwei Tage, wo es uns noch gelang, gemeinsam an dem Werk zu arbeiten. Den Rest arbeitete Vurtox wie im Wahn und bis zur völligen Erschöpfung alleine an den Songs. Dabei entstanden die meiner Meinung nach besten Werke der Platte 'Back To Times Of Splendor', 'A Day By The Lake' und 'Sleep Of Restless Hours'.
Diese fantastische Musik ist auch der Grund, der alles wett gemacht hat. Es gab nach der Funkstille zumindest regelmäßig "Listeningsessions", wo Jens und ich das Tag- beziehungsweise Nachtwerk von Vurtox hören konnten. Ich merkte sofort, dass etwas ganz Großes im Entstehen war, eine Musik, die mich genau anspricht und berührt.
Darüber haben wir dann wieder zueinander gefunden. Über diese Sessions, über den Mix, das Mastering, das Artwork, die Freude über das fertige Werk.. Diesen Prozess kann man getrost "Back To Times Of Splendor" überschreiben!!

Vurtox:
Es war vor allen Dingen eine neue Stufe, die wir dadurch jetzt erreicht haben. Diese Extremsituation ist ja jetzt auch schon ein knappes halbes Jahr her.

Rajk:
Man kann es auch so sagen: Die bist du (nickt zu Vurtox) eben erst einmal alleine gegangen, du konntest sie in dem Moment auch nur alleine gehen. Jetzt sind wir wieder dabei, eine gemeinsame Ausgangsbasis zu finden. Und das geschieht zum Beispiel über die Arbeit, die Songs jetzt live umzusetzen. Dieser gesamte Prozess hat zum Glück nicht in Zerstörung geendet, sondern mit der Geburt von etwas Neuem.

Jens:
Wir haben auch menschlich viel für uns dazu gelernt.

Rajk:
Das war eine gute Zerreißprobe. Aber die haben wir gemeistert und darauf sind wir stolz.

(Fast wirken sie jetzt erleichtert. Die Stimmung im Raum wird wieder merklich ruhiger, gelassener. Als sie über ihren Fast-Split reden, blitzen kurze Gedanken in meinem Kopf auf: Musikalische Genies, die sich für ihre Vision selbst zerstören, besessen von der eigenen irdischen Unfertigkeit, aber mit dem Gefühl, mehr leisten zu können, aber nicht zu wissen wie...)

Henri:
Ok, dann wollen wir mal einen lockeren Übergang finden. Wie hält man in so einer Situation sein Label hin? Könnt ihr ein paar Tricks verraten?

Rajk:
Die ersten Verschiebungen waren easy. Der 1. August 2003 war als der erste Abgabetermin geplant. Da hieß es noch von Metal Blade: "Wenn ihr es nicht schafft, dann gebt Bescheid." Darauf haben wir uns am Telefon auch berufen. Ich glaube, wir haben da um 14 Tage verschoben... (lacht) Nach den 14 Tagen rief ich wieder an, ob wir noch einmal um zwei Wochen verschieben können. Das war auch noch kein Problem. Richtig problematisch wurde es beim dritten Mal, weil wir die Scheibe gleich um einen ganzen Monat verschoben. Beim vierten Mal bin ich persönlich runtergefahren und habe gesagt: "Damit ihr uns jetzt nicht komplett für bescheuert erklärt, setzen wir jetzt alle Termine aus." Das war ein wichtiger Punkt, weil dadurch viel Zeitdruck von Vurtox genommen wurde. Ganz massiv, glaube ich. (Vurtox nickt) Wir hatten festgestellt, dass immer, wenn wir uns einen neuen Termin setzen, es zwar erst einmal hilfreich war und wir vorankamen, aber dieses neue Datum so schnell wieder ran war, dass wir wieder unter Druck gerieten. Deshalb vereinbarten wir, uns erst zu melden, wenn wir fertig sind und danach die Releasetermine festsetzen zu lassen.

Vurtox:
Das ist schon krass, dass die Metal-Blade-Leute das mitgemacht haben.

Rajk:
Wir müssen total dankbar sein über das Vertrauen und die Geduld, die sie in uns gesteckt haben. Vielleicht lag es an dem persönlichen Gespräch, aber sicher auch daran, dass wir einen kleinen Pre-Mix vorgelegt haben, der schon mal einen Vorgeschmack auf die CD gab....

Henri:
Da braucht man ja gar nicht zu fragen, ob ihr mit eurem Label Metal Blade zufrieden seid.

Rajk:
Ja absolut. Jetzt wird sich natürlich zeigen, ob sie "Back To Times Of Splendor" gut an den Mann bekommen, aber wir haben da eigentlich keine Bedenken.

Vurtox:
Wir müssen schon sehr, sehr zufrieden sein, wie sich das alles entwickelt hat.

Henri:
Auf eurer Homepage wurde während der Aufnahmen von "Back To The Times Of Splendor" eine Vorab-Setlist veröffentlich. Dort tauchte ein Song namens 'Remnants' mit auf. Wo ist er hin? Wird er noch einmal in anderer Form veröffentlicht?

Vurtox:
Wir hatten erst überlegt, ihn eventuell auf die Webseite als MP3 zu stellen. 'Remnants' war eine Geschichte, die völlig spontan an einem Tag entstanden ist. Sie hat zwar ziemlich gut dargestellt, wie damals das Gefühl in diesem Raum war. Wir haben ihn auch bis auf den Gesang komplett aufgenommen. Doch nach der Aufnahme von "Back To The Time Of Splendor" war klar, dass 'Remnants' da einfach mal nicht mithält. Es ist zwar eine ziemlich straighte Nummer, die vielleicht ganz gut zur Auflockerung gepasst hätte. Sie hatte viel Seele (Rajk: "Ein Rocksong"). Aber sie hat das Gefüge durcheinander gebracht, das sich beim Arbeiten an der Scheibe ja immer mehr verdichtet hat, hat die Stimmung ein bisschen zu sehr aufgelockert. Deswegen ist er einfach nicht gut genug fürs Album. Da 'Remnants' aber nur an nur einem Tag entstanden ist, sich dem Song also keiner sonderlich tief verwurzelt fühlt, werden wir ihn auch nicht live spielen oder noch einmal bei der nächsten Platte verwenden.

Rajk:
Er ist eben mit untergegangen.

Vurtox:
Obwohl wir zu seinem Entstehungszeitpunkt ziemlich sicher waren, dass der Song passt.

Henri:
Ein anderes Problem bei DISILLUSION ist die Suche nach einem Bassisten. Zwischendrin war ja mal einer da – Wo ist er jetzt? Und wie sieht es mit einem neuen Basser aus?

Jens:
Es ging bei dem alten Bassisten dann darum, die Platte vorzubereiten. Nach ein paar Wochen stellten wir aber fest, dass er dann doch nicht der Mann ist, der unsere Vorstellungen umsetzen kann. Auf der Platte hat dann Vurtox den Bass eingespielt.

Vurtox:
Wir suchen gerade wieder, wir haben auch schon Kontakt zu einem Bassisten. Es ist eben schwierig, nach einem vierten Mann zu suchen, nachdem wir vier Jahre zu Dritt waren. Es muss vor allem persönlich passen. Aber zur Zeit sieht es gut aus. Ich denke, dass wir im Sommer die Gigs mit echten Basser spielen können.

Henri:
Das Cover: Wer hat es entworfen?

Rajk:
Das Coverkonzept hängt eng mit dem Booklet zusammen. Es wird ein 16-seitiges Booklet sein, in dem sich acht Seiten zu einem einzigen Bild ausklappen lassen. Das Ganze wird dann einen knappen Meter lang sein, über den sich ein durchgehendes Bild erstreckt. Die Idee dazu hatten wir relativ schnell. Dazu gab es auch sehr viele Sitzungen, in denen wir rumgesponnen haben: "Was soll darauf sein?". Letztendlich sollten sich die Texte in den Bildern spiegeln, und natürlich auch die Musik, um mit dem Booklet zur Stimmung der Scheibe beizutragen. Wie eben die Musik auf der Platte als großes Ganzes ineinander fließt, so sollen die einzelnen Motive jedem Lied zuzuordnen sein und dabei aber trotzdem ein Gesamtbild ergeben. Das war der Plan. Ein Bild des Booklets sollte dann das Cover sein. Welches das werden würde, war aber bis zum Ende noch offen. Das wurde dann auch langsam zum Problem, obwohl das Booklet immer weiter wuchs. Übrigens wurde dies von Maika Hallmann aus Zwickau fantastisch umgesetzt und weiterentwickelt.

Vurtox:
Sie hat das alles wunderbar zusammengebaut.

Rajk:
Nur fehlte eben noch das entsprechend coole Cover. Nach einigen unbefriedigten Versuchen kam Vurtox dann mit einer Idee: Er baute auf dem Hintergrund des jetzigen Covers ein Bild von Monica Belluci ein und hat gleichzeitig den golden-braunen Farbton festgelegt. Übrigens: Für mich ein Traumfarbton. Somit war die Marschrichtung festgelegt und gleichzeitig die Messlatte in unerreichbare Höhen gelegt. Sollen wir jetzt lieber Monica Belluci nach den Bildrechten fragen oder besser einen ihrer Dutzend Anwälte oder Manager? Oder beauftragen wir ohne einen Cent in der Tasche einen Profifotograf nebst Profimodel, damit sie das Foto möglichst detailgetreu reproduzieren?
Glücklicherweise gab es eine Fotografin, die wir kurz vorher kennengelernt hatten. Sie war fähig, so etwas zu machen. Gleichzeitig kannte Vurtox eine alte Freundin, Nadine, die sich als Modell bereiterklärt hat und auch ein bisschen wie Monica Belluci aussieht. Sie haben es hinbekommen!!

Vurtox:
Es war aber noch einmal viel Aufwand. Das Cover musste auch schnell fertig werden, eben während des Mixens. Wie es eben immer ist, letzte Eisenbahn. So musste noch während des Mixens gemalt werden, außerdem brachten wir noch alle Fotos zu Maika. Am 7. Januar kam dann die glücklicherweise die E-Mail von Maika, in der das komplette Booklet war. Also, das war ein Tag, der Siebente, plötzlich war alles fertig!

(Inzwischen ist die Stimmung im Raum gelöst. Als DISILLUSION von ihrem Cover und dem ganzen Aufwand erzählen, müssen sie manchmal selbst über sich und ihre Ansprüche schmunzeln. Ihnen scheint bewusst zu sein, dass sie alles perfekt wollen.)

Henri:
Erzählt bitte etwas zu den Texten. Um was geht es auf "Back To The Times Of Splendor"?

Vurtox:
Es gibt eine Rahmengeschichte. Die Scheibe ist aber dennoch kein Konzeptalbum, was sagt: "Okay, das wollen wir jetzt vertonen und haben eine massive Geschichte dafür". Die Geschichte selber steht nicht im Vordergrund! Das prinzipielle Setting der Platte ist Folgendes: Die Scheibe spielt in einem Bergdorf, wahlweise in den Alpen. Die Geschichte ist um 1820 herum angesiedelt. Darin geht es um einen jungen Mann, der in dem Dorf mit seinem Vater alleine lebt, die Mutter ist tot. Der Jüngling hat gleichzeitig in der Ortschaft eine Geliebte, die aber aus gewissen Umständen mit ihrer Familie nach Norden ziehen muss. Er steht nun vor der Qual der Wahl: Verlässt er seine Heimat und seinen ihn tyrannisierenden Vater? Geht er mit ihr? Zunächst entscheidet er sich für seine Heimat, bis zu dem Moment, an dem er es nicht mehr ertragen kann und die Sehnsucht zu groß wird. So macht er sich auf den Weg, läuft seiner Liebe hinterher, folgt ihr nach Norden. Die Texte selber beschäftigen sich nun mit einzelnen Stationen seiner Reise: Punkten, an denen er sich aufhält; Stimmungen, die er spürt; Panik die er schiebt; Sehnsucht die er fühlt. Es sind also eher Episoden seines Weges, nachdem er aufgebrochen ist. Am Ende ist es dann so, wie am Anfang des Interviews schon gesagt: Die Platte bleibt letztendlich offen. Es gibt kein Ende, sondern nur einen Aufbruch ohne Ankommen, der Weg ist das Entscheidende. Der junge Mann kommt zwar an. Er kommt aber auch nicht an und entscheidet sich wieder zurückzugehen, weil er sich bewusst wird, dass egal wie sehr ihn sein Vater unterdrückt, er nicht einfach aufbrechen und alles stehen und liegen lassen kann. Wir wollen aber wirklich Wert darauf legen, dass "Back To The Times Of Splendor" kein Konzeptalbum ist. Es geht nicht um die Geschichte, auch wenn das Setting so scheint. Vielmehr geht es um die einzelnen Stationen und um die einzelnen Erlebnisse. Diese funktionieren wiederum auch ziemlich losgelöst von der Geschichte selber. Das war so die Triebfeder.

Henri:
Ist eigentlich ein Videodreh geplant? Wie steht ihr generell zu so einer Idee?

Rajk:
Das ist erst einmal eine Geldfrage. Gerade wegen der Musik und der Texte müsste das Video sehr bildgewaltig sein. Wir würden das schon gern machen. Peter Jackson ist ja nach dem "Herrn der Ringe" wieder frei?!

Jens:
Er macht jetzt "King Kong".

Rajk:
Schade. (lacht) Wahrscheinlich würde das Video sowieso nur auf ein paar kleinen Sendern in Amerika laufen. In Deutschland würde es wohl gar nicht gezeigt..

Vurtox:
Eigentlich machen wir uns keine Illusionen. So ein Video würde sicher ein langwieriges Projekt. Wahrscheinlich würde es ein Jahr dauern und horrende Summen kosten. Wir wären dann wohl wieder ewig nicht zufrieden. In dieser Beziehung werden wir langsam realistisch. (lächelt)

Rajk:
Und in fremde Hände würden wir so etwas kaum geben... Außer Peter Jackson, natürlich

(Die Stimmung ist immer entspannter. Wie die drei Musiker auf den Gedanken an ein Video reagieren: Einfach cool. Die genaue Gewissheit: Hier würden wir uns sofort festbeißen, also denken wir lieber nicht darüber nach. Sympathische Kreativ-Verrückte eben... die aber auch immer wieder zu Stimmungsumschwüngen neigen.)

Henri:
Eure Musik enthält immer wieder Parallelen zu Bands wie EMPEROR zu "Prometheus"-Zeiten oder OPETH. Wie seht ihr das?

Vurtox:
Kenne ich nicht!

Rajk:
Wie heißt die Band? Opeth?

Vurtox:
Klar, daraus brauchen wir keinen Hehl zu machen. Wir leben ja nicht autark hier. Es ist nur so, und das mag jetzt total arrogant klingen: Als ich auf OPETH gestoßen bin, hat mich das nicht allein deshalb so positiv überrascht, weil diese Band so etwas Außergewöhnliches spielt. Sondern OPETH machten damals etwas, was ich die ganze Zeit schon vermisst hatte. Ich glaube, das ist ein wichtiger Unterschied. Deswegen ist es auch klar, warum einige Passagen genau so in der Musik stehen: Sie klingen nicht deshalb so sehr nach OPETH, weil es nach deren Vorbild entstand, sondern weil sie der Ausdruck von dem sind, was ich empfinde. Dabei entstehen natürlich Parallelen, zwangsläufig sogar. (Er hält inne.) Irgendwo gibt’s da eben eine Grenze zur Kopie. Aber trotzdem... Klar EMPEROR, OPETH und SOILWORK hören wir immer noch, das hat auf jeden Fall noch massive Auswirkungen auf die Platte. Obwohl gerade bei "Back To The Times Of Splendor" so etwas wie ein emanzipatorischer Prozess eingesetzt hat. Der hat ja auch dazu geführt, dass über Monate hinweg keine Musik mehr lief, bei mir jedenfalls. Sei es deswegen, dass ich abends keinen Kopf mehr frei hatte oder gerade genug mit meinem Ausdruck beschäftigt war, dass andere Musik gar nicht notwendig war. Dadurch klärt sich vielleicht die Frage: Ist es nun direkter Input, wo kommt die Assoziation zu diesen Bands her? Ich eiere schon wieder total herum, weil du natürlich irgendwo Recht hast.

Rajk:
Die Einflüsse von anderen Bands sind aber auf jeden Fall zurückgegangen. Damals zu "Three Neuron Kings"-Zeiten hatten wir noch ein eigenes Pantheon an Götterbands, denen wir nacheifern wollten. Das ist jetzt in den Hintergrund getreten. Diese Bands sind immer noch als Einfluss da, weil sie für unsere musikalische Entwicklung ein Stück weit wichtig waren und auch heute noch sind. Jetzt geht es aber schon lange nicht mehr darum: "Das Riff machen wir jetzt, weil es so geil nach OPETH klingt."

Henri:
Ihr habt es innerhalb von vier Jahren auf zwei EPs und ein langes Album gebracht. Außerdem wurdet ihr durch "Three Neuron Kings" im "Legacy" Newcomer des Jahres und seid im "Rock Hard" ähnlich abgefeiert wurden. Außerdem habt ihr nur mit den zwei Mini-Scheiben einen Deal bei "Metal Blade" erhalten. Ihr hattet also fast durchgängig Erfolg. Wie verkraftet man das? Bekommt man überhaupt noch mit, was da mit einem als Mensch passiert oder läuft alles an einem vorbei?

Vurtox:
Darauf haben wir vorhin schon fast eine Antwort gegeben. Eigentlich hätten wir nach "The Porter" eine Pause machen sollen. Da gab es die Einflüsse und die Druckgebilde von außen, eben durch die erste Platte. Das alles hätten wir mal außenvor lassen sollen: Einfach in den Urlaub fahren und mit frischem Kopf wieder zurückkommen. So mussten wir den Prozess über die Monate hinstrecken. Anders herum wäre es vielleicht etwas einfacher gewesen. Die Entwicklung ist nämlich überhaupt nicht spurlos an uns vorbei gegangen. Deswegen neigen wir aber noch lange nicht zu... Nein, anders. Es fallen jetzt plötzlich Parallelen zu EMPEROR oder OPETH. Und daran hat sich überhaupt nichts geändert, dass wir uns letztendlich selber überhaupt nicht als vergleichbare Band zu solchen Größen ansehen. Nur weil es zwei Jahre recht energisch lief, haben wir nicht gleich absolute Höhe bekommen, das gab es überhaupt nicht. Wir verarbeiten schon alles, diskutieren auch über das, was da in den letzten Jahren auf uns zugeströmt ist. Zum Glück ist "Back To The Times Of Splendor" irgendwann umgekippt und hat auch deswegen so lange gedauert. Irgendwann haben wir gesagt: "Okay! Wir lösen uns von dem Druck komplett, lassen alles außen vor und machen jetzt einfach diese Platte!“

Rajk:
Zu der Aufmerksamkeit, die wir plötzlich von überall her bekamen, möchte ich noch etwas sagen. Es gibt nur eine Sache, die schlimmer ist als zuviel Aufmerksamkeit - sie überhaupt nicht zu bekommen. Auf der einen Seite war es schon toll! Auf der anderen Seite hat uns der aufgebaute Druck sehr zu schaffen gemacht.

Henri:
Der Druck war ja klar. Nach den ersten beiden Scheiben erwartete ja schon jeder ein ganz großes und einzigartiges Album!

Vurtox:
Wir machen ja auch keinen Hehl daraus, dass wir seit den Demos versuchen, jeden Song anders klingen zu lassen. Unsere Stücke sollen jedes für sich in einem speziellen Licht erscheinen – wir wollen nie noch einmal den selben Song machen. Das ist schon von Anfang an so. Und das ist natürlich eine Sache, die schon vielen Leuten aufgefallen ist. Dann will man ein 60-minütiges Album aufnehmen, möglichst mit gleicher musikalischer Qualität. Dabei sollen unsere Ansprüche noch an jedem einzelnen Song letztendlich befriedigt werden. Wir sind gelangweilt, wenn wir fünf Mal dasselbe Stück spielen müssen. Das bringt uns nichts. Wenn wir sagen: "Jetzt haben wir so lange an dem ersten Song rumgefeilt, beim zweiten Titel brauchen wir das nicht mehr." So eine Einstellung brächte nie so viel Freude, wie wir sie jetzt haben. Das war bei den Aufnahmen auch der größte Druck, den wir uns natürlich wieder selber aufgebaut haben. Klar: Ein paar Nachfolger zu 'In Vengful Embrace' von der „Three Neuron Kings“ wären definitiv drin gewesen. Aber so einfach wollten wir es uns nicht machen.

Henri:
Steht schon etwas wegen kommenden Touren fest?

Rajk:
Zur Zeit stehen Metal Blade eher noch in Wartehaltung, wie wir nun ankommen. Erst einmal sind noch keine Touren geplant. Dann hängt es sicher auch von den Umständen ab, ob eine große Band auf Tour geht, die zu unserer Musik passt. Wenn dort ein Platz frei wäre, würden Metal Blade wohl kaum Nein sagen. Aber so müssen wir uns zur Zeit erst einmal selbst kümmern. Wir geben ein paar Einzelgigs mit unseren Freunden von ASTERIUS. Darauf freuen wir uns auch. Die Chance auf eine größere Tour steht in Zukunft ganz gut. Außerdem spielen wir einige Sommerfestivals, zum Beispiel auf dem Summer Breeze, dem Fun & Crust und dem Dong Open Air...

Henri:
Und was dürfen eure Fans von euch live erwarten? Was passiert bei DISILLUSION auf der Bühne, speziell zu eurer Releaseparty am 17. April in der Leipziger Moritzbastei?

Vurtox:
Die Releaseshow selber wird etwas ziemlich Spezielles. (schweigt)

Henri:
Mehr nicht?

Vurtox:
Mehr nicht. Wäre ja albern, das jetzt alles zu erzählen. Sie wird aber schon speziell. Es wird allerdings zu aufwändig, die ganzen Materialien zu jedem Gig mitzuschleppen. Das ist auch eine Budgetfrage.

Henri:
Ihr habt früher immer einen Coversong von DEATH bei euren Auftritten gespielt – werdet ihr den wieder spielen oder habt ihr ein neues Stück?

Vurtox:
Geplant schon. Wir werden uns schon an ein paar neue Sachen heranwagen. Das hängt aber noch in der Schwebe. Die nächsten Auftritte werden wir aber schon sehr energisch damit verbringen, die Platte unters Volk zu bringen. Wir sind stolz auf das Album, keine Frage. Wenn wir zur Zeit die Wahl zwischen einem Cover und einem Song von "Back To The Times Of Splendor" haben, werden wir uns immer für unsere Stücke entscheiden.

Jens:
Aber von dem DEATH-Cover haben wir uns mit dem Abschluss der alten Liveshow verabschiedet.

Henri:
Nach den Live-Auftritten macht ihr sicher eine Pause. Und dann: Wann wollt ihr euch dann an ein neues Werk wagen?

Vurtox:
Wie das genau laufen wird: Keine Ahnung. Wir haben durchaus eine gesunde Panik vor der nächsten Platte, auch jetzt schon. Wir wissen genau, dass wir wieder Zeit brauchen. Und dass wir die Dinge wieder kommen lassen müssen, egal wie weit wir uns jetzt entwickelt haben oder wie eng wir zusammengerückt sind. Eine einjährige Pause, in der man nichts von DISILLUSION hört, soll nicht wieder stattfinden! Daran arbeiten wir ziemlich stark, dass uns so etwas nicht noch einmal passiert. Aber das Jahr wird auf jeden Fall ziemlich dicht sein.

Rajk:
Wir wollen jetzt erst mal auf der Bühne ein paar Sachen aufholen. Das füllt uns jetzt auch gerade aus: Wir arbeiten an unserem Liveprogramm, um "Back To The Times Of Splendor" auch gut auf der Bühne umzusetzen. Dazu Liveversionen müssen genauso funktionieren und brauchen auch den nötigen Druck, damit sie eine ähnliche Atmosphäre wie auf Platte erreichen. Wenn das geschafft ist, wollen wir aber spätestens im Sommer uns schon wieder Gedanken über ein neues Album zu machen.

Vurtox:
Irgendwann Ende 2004 soll die Scheibe dann möglichst aufgenommen werden.

Henri:
Wo seht ihr DISILLUSION in fünf Jahren?

Rajk:
Das haben wir auch erst vor kurzem überlegt. Aber wir wissen es nicht.

Jens:
Wir haben uns letztens vor Augen geführt, dass wir nun schon seit vier Jahren in der gleichen Besetzung spielen. In dieser Zeit ist ja einiges passiert, für das andere Bands doch extrem länger brauchen. Es lässt sich schwer abschätzen.

Vurtox:
Wir werden auf jeden Fall alles versuchen. Wir haben einen wunderbaren Vertrag mit Metal Blade, der uns Platz lässt zu experimentieren, uns weiter zu entwickeln und zu schauen. Zur Zeit sind wir schon am diskutieren. Denn wo wollen wir mit dem nächsten kreativen Prozess, der wohl bald einsetzen wird, überhaupt ansetzen? Machen wir ein "Back To The Times Of Splendor" Part II und fahren wir auf der Schiene weiter? Oder machen wir etwas komplett Anderes? Vielleicht eine Jamsession?

Henri:
Ein Sechzig-Minuten-Song in der Tradtion von GREEN CARNATION oder EDGE OF SANITY vielleicht?

Vurtox:
Das ist alles offen. Irgendwann wollen wir uns an "The Porter" Part II versuchen. Aber über einen extrem langen Song von sechzig Minuten haben wir tatsächlich auch schon ernsthaft nachgedacht.

Henri:
Habt ihr noch die berühmten "famous last words“ an unsere Leser?

Jens:
Kauft das Album!

Rajk:
Hört es bei Kerzenschein und einer guten Flasche Wein!

Jens:
Bei "Back To The Times Of Splendor" gibt es auch sehr viel zu entdecken, ihr könnt es sehr oft hören.

Vurtox:
Das Album ist komplex. Es fordert deine Aufmerksamkeit, also die physische Bereitschaft zuzuhören und sich auf die Platte einzulassen.

Puh, was für ein langes Schlusswort. Man merkt, dass DISILLUSION bis in jede Fingerspitze an ihre künstlerische Kraft auf "Back To The Times Of Splendor" glauben. Dies hört man der Platte auch an. Ab dem 5. April steht sie in den Läden. Am 17. April ist, wie oben schon erwähnt, die Live-Release-Party in der Moritzbastei Leipzig. Dort spielen als Vorbands ASTERIUS und die Leipziger Gothic-Metal-Band CARVEN. Der Eintritt kostet 8 Euro für Studenten und 10 Euro für Normalsterbliche. Die anderen Tourdaten und ein paar MP3-Schnipsel gibt es auf der hervorragenden und natürlich selbst erstellten Homepage von DISILLUSION. Lasst euch von der Musik verzaubern...!

Redakteur:
Henri Kramer

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