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EDEN WEINT IM GRAB: Interview mit Alexander Paul Blake

26.05.2017 | 21:58

Morbide Jenseitsfantasien mit einem Augenzwinkern erzählt: Die Berliner von EDEN WEINT IM GRAB nehmen mit ihrem neuen Album "Na(c)htodreise" dem Leben danach die Schwere und den Hörer mit auf eine fantastische Reise. Wir sprachen mit Sänger Alexander.

Jenseitsvorstellungen in epischer Bandbreite: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, diesem in Szenekreisen schon immer beliebten Thema ein ganzes Konzeptalbum zu widmen?

Mich interessiert dieser ganze Komplex schon seit Kindheitstagen, daher hat sich das bei EDEN WEINT IM GRAB schon immer irgendwie manifestiert. Auch das Konzeptalbum stand schon lange als Gedanke im Raum, der Funke hatte mir bisher leider gefehlt. Nun ist er jedoch da. Warum, das kann ich dir nicht sagen. Die Zeit war einfach reif. Die Ideen waren nun endlich da: Wenn man eine Geschichte erzählen will, braucht man einen roten Faden.

Du sagst, dass dich Jenseitsvorstellungen, Geister und Spukerscheinungen schon lange interessieren. Würdest du dich als einen abergläubischen Menschen bezeichnen?

Auf gar keinen Fall. Aberglaube bedeutet für mich der Glaube an schwarze Katzen und zerbrochene Spiegel. Daran glaube ich nicht.

Dann formuliere ich die Frage anders: Würdest du dich als spirituellen Menschen beschreiben?

Ich habe mich lange Zeit damit beschäftigt und zwischenzeitlich auch sehr intensiv an eine Form von Spiritualität geglaubt. Heute bin ich da entspannter. Ich halte theoretisch alles für möglich, aber klammere mich nicht an irgendeine spezielle Glaubensrichtung. Ich denke, Indizien für übernatürliche Kräfte gibt es genügend, aber letzten Endes weiß man gerade in heutigen Zeiten nie, was gefaket ist und was nicht. Ich denke, man sollte sich einfach überraschen lassen und aus dem Hier und Jetzt das Beste machen.

In mehreren Songs der "Na(c)htodreise" lehnt ihr euch in euren Schilderungen an Dantes "Inferno" an. War das für dich der bewusst gewählte rote Faden, von dem du eingangs sprachst?

Tatsächlich war "Inferno" das einzige Buch, das ich für die Recherche für unser Album noch einmal zur Auffrischung gelesen habe. Schließlich erzählen wir ja unsere eigene Geschichte der Jenseitsvorstellungen. Aber was heißt bewusst gewählt... nicht wirklich. Wir hatten einfach den Anspruch, interessante Songs zu schreiben. Da schimmert der Dante-Einfluss einfach durch, weil Dante ja auch ein sehr spannendes Buch geschrieben hat.

Durch die vielen Geigen- und Celli-Parts bekommt EDEN WEINT IM GRAB beinahe kammermusikalische Anleihen, während in euren Songs auch immer wieder typische Gitarren-Riffs aus dem Dark Metal durchbrechen. Wo siehst du euch musikalisch?

Ich weiß nicht wirklich. Kammermusik hat so etwas eigenes. Wir haben dieses Mal auch etwas sehr Symphonisches und haben auch versucht, ein wenig Soundtrack-Flair hineinzubringen. Schließlich soll das Album ja auch als himmlische Reise funktionieren. Generell wüsste ich uns in keine Schublade einzuordnen. Natürlich sind wir irgendwie eine Dark-Metal-Band. Oder Gothic-Metal-Band, auch wenn ich den Begriff nicht mag.

Warum sagt dir denn dieser Begriff weniger zu?

Ich kann mich privat einfach immer weniger mit der Szene identifizieren. Natürlich haben wir einen düsteren Einschlag. Ich denke, das verbindet uns schon mit der Schwarzen Szene. Allerdings finde ich, dass der ursprüngliche Gedanke dort etwas verloren gegangen ist.

Dennoch spielt ihr dieses Jahr auf dem MERA LUNA. Ist die Vorfreude da?

Natürlich freuen wir uns darauf und das darf man auch alles nicht derart radikal sehen. Es sind ja nur Strömungen, die mir nicht gefallen und nicht die Szene per se. Dort haben wir uns ja auch etwas aufgebaut und dort funktionieren wir auch.

Das Artwork auf dem neuen Cover ist ziemlich schlicht gehalten.

Die ursprüngliche Idee war, dass das Artwork rein aus Scherenschnitten besteht. Wir wollten ein Cover, das sich abhebt - ein weißes Album inmitten von schwarzer Metal- und Gothic-Scheiben. Mir war es wichtig, dass durch die Abbildung der Scherenschnitte auch die Weite von Jenseitsvorstellungen repräsentiert wird und nicht nur direkt Figuren abgebildet werden.

Repräsentiert denn einer der Songs auch eine deiner persönlichen Vorstellungen vom Jenseits?

Ich finde nicht, dass einer der Songs seine eigene Welt oder eine explizite Vorstellung darstellt, es sind einfach Eindrücke aus der Literatur, aus Büchern, die ich gelesen habe. Wir haben auch gar nicht den Anspruch irgendetwas vorzugeben. Das muss ja nicht unbedingt als Jenseitsreise verstanden werden, sondern kann für den Einzelnen einfach auch als ein Traum, eine Vision oder eine fiktive Geschichte gelten. Wir treiben es bisweilen ja auch auf die Spitze mit humoristischen Elementen und wollen den Hörer dazu anregen, sich selbst Gedanken zu machen.

Redakteur:
Leoni Dowidat

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