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EINHERJER: Interview mit Ulvar und Grimar

19.02.2021 | 22:16

"Look to the sky. Where the thunder rumble. Over the precipice we tumble."

Einigermaßen überraschend gewinnt das norwegische Viking-Metal-Gespann EINHERJER unseren Soundcheck und liefert eine starke Platte ab, die nicht nur die Norge-Fraktion in der Redaktion überzeugen kann. Rede und Antwort stehen uns Gerhard Storesund (Ulvar) und Frode Glesnes (Grimar).


Powermetal.de: Wie ist die Lage in Norwegen? Wie lebt es sich zurzeit als Musiker?

Ulvar: Aus der Sicht eines Musikers kämpft die gesamte Community jetzt gegen Covid-19 und den daraus resultierenden Einschränkungen. Obwohl Norwegen nicht so hart getroffen wurde wie viele andere Länder, haben wir immer noch ziemlich starke Einschränkungen, die die Musikindustrie und alles andere stark belasten. Zum Glück haben wir nebenbei Jobs, so dass wir finanziell nicht davon abhängig sind, herumzureisen und Konzerte zu geben.

"North Star" klingt im Vergleich zu euren vorherigen Alben geradliniger und kraftvoller. Was war die Zielsetzung für die neue Platte?

Ulvar: Nun, wir haben eigentlich nie vorher Pläne, wie ein Album sein sollte. Es kommt so, wie es eben kommt. Wir schreiben selten viele zusätzliche Tracks, nur um auf der sicheren Seite zu sein. Vielleicht denken einige Leute, dass dies eine sehr seltsame Arbeitsweise ist, aber es funktioniert für uns. Wir wählen einfach die vielversprechendsten Ideen aus, die wir derzeit haben, und arbeiten dann daran, bis sie großartig sind. Die meiste Zeit wissen wir, wenn wir eine großartige Idee für einen Song haben; also müssen wir nur herausfinden, wie er genau aussehen soll. Abgesehen von den offensichtlichen grimmigen Vocals denke ich, dass unsere klassischen Heavy-Metal-Einflüsse in dieser Zeit wirklich deutlich herauskommen.

Ihr habt es geschafft, eurem Signature-Sound seit deinem Debüt treu zu bleiben - müsst ihr viele Riffs und Song-Ideen wegwerfen, die nicht zum EINHERJER-Sound passen?

Ulvar: Persönlich werfe ich selten etwas weg. Normalerweise nehme ich auf meinem Computer auf und lege Ideen auf Eis, wenn sie momentan nirgendwo hineinpassen. Vielleicht passt es ein paar Jahre später irgendwohin. Manchmal stagniert eine Idee einfach. Ich feile in meinem Kopf daran, aber ich unterwerfe mich keinem Zwang. Manchmal betrachte ich die Ideen aus einem anderen Blickwinkel und es entwickelt sich ein Fluss.

Ich finde das Cover wirklich interessant - was sehen wir außer dem Nordstern selbst darauf?

Ulvar: Sag du es mir, hehe. Das Albumcover wurde von Costin Chioreanu entworfen. Wir arbeiten seit einigen Jahren mit ihm zusammen. Genialer Typ. Normalerweise überlässt er alles der Fantasie, auch für uns. Für mich ist es der Nordstern, der in einem arkanen, kunstvollen Design mit einem uralten Flair umgesetzt wurde. Alle Ornamente, die wir hier sehen, sind von den alten Schnitzereien auf der Urnenstabkirche inspiriert.

Wie hat die Pandemie die Produktion des Albums beeinflusst? Hast du die Songs zusammen in Frodes (Grimar) Studio geschrieben?

Ulvar: Es hatte keinen großen Einfluss auf die Produktion. Es bedeutete im Grunde, dass wir weniger Auftritte hatten, über die wir nachdenken mussten, und dass mehr Fokus auf das Album gelegt werden konnte. Offensichtlich hatten wir hier Einschränkungen, die uns daran hinderten, in bestimmten Zeiträumen überhaupt etwas zu tun. Normalerweise schreiben wir den größten Teil der Musik zu Hause, alles allein. Dann präsentieren wir es den anderen Jungs und arbeiten von dort aus daran. Das Album sollte im Oktober erscheinen, wurde aber auf den 26. Februar verschoben. Gut, dass die meisten Dinge heutzutage in Zeitlupe laufen.

Das Lied 'Higher Fire' sticht lyrisch hervor (zumindest meiner Meinung nach), weil es weniger um Mythologie als um die Anwendbarkeit alten Wissens geht ("Learn the secrets - Hear the past - Make the future - Make it last - Clear the path - For the wise man - Me, Here, Now!").

Grimar: Eigentlich handelt keiner der Songs von der nordischen Mythologie. Unsere Texte sind sehr persönlich, aber in nordische Formulierungen gehüllt. 'Higher Fire' ist also keine Ausnahme. Sicher, Unwissenheit könnte Glück für die Unwissenden sein, aber nicht für den Rest von uns. Wenn sie nicht aus der Geschichte lernen, sind sie dazu verdammt, sie zu wiederholen.

Woher nehmt ihr im Allgemeinen die Inspiration für die Texte?

Ulvar: Nun, ich bin nicht der Haupttexter in der Band. Frode kümmert sich um die meisten Texte. Der größte Teil meiner musikalischen und lyrischen Inspiration kommt direkt von dem Ort, an dem wir leben. Ich glaube, ich werde von Tag zu Tag geerdeter und an diesen Ort gebunden. Obwohl die meisten unserer Texte in der Vergangenheit hauptsächlich Geschichten über unsere Geschichte und Mythologie erzählten, gehen wir heutzutage etwas persönlicher vor. Ich persönlich denke, die Vergangenheit ist da, um daraus zu lernen und uns in die Zukunft zu führen.

Letztes Jahr ist Tom Enge zu EINHERJER gekommen. Wie funktioniert sein Spielstil, bzw. wie unterscheidet er sich von Aksel, der etwa 20 Jahre bei EINHERJER war.

Ulvar: Es war tatsächlich ein großer Verlust für uns, als Aksel sich entschied zu gehen. Viele Erinnerungen und gute Zeiten, aber alles hat ein Ende. Wir kennen Tom für den größten Teil unseres Erwachsenenlebens und er ist ein großartiger Kerl. Das war eigentlich das wichtigste Kriterium, es war jemand, mit dem wir uns leicht identifizieren konnten. Tom ist ursprünglich Schlagzeuger, aber er ist wirklich ein Multitalent und ein sehr schneller Lerner. Wir hatten wegen der Pandemie nicht die Gelegenheit, so viel zu üben, aber bisher läuft es großartig.

Wie siehst du die Zukunft der Musik und insbesondere der Metalszene: Wird es mehr Musik online geben und wie denkst du darüber?

Ulvar: Ich hoffe nicht, das wäre schrecklich. Die ganze Idee der Metal-Shows besteht aus Blut, Schweiß und Tränen, die irgendwo auf einem schlammigen Feld begraben sind. Diese Energie und Atmosphäre bekommt man einfach nicht in einem Live-Stream, und das ist einer der Gründe, warum wir das auch nicht tun. Ich bin mir nicht mal sicher, ob Bands auf lange Sicht so überleben können. Sie verlassen sich voll und ganz auf die Laune anderer, um Geld zu verdienen, und ich vertraue anderen Menschen nicht. Wenn jemand etwas kostenlos bekommen kann, wird er es nehmen. Wir müssen nur hoffen, dass dies auch ein Ende hat, damit wir unsere Impfausweise umdrehen und ins Ausland reisen können.

Redakteur:
Nils Macher

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