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EMERALD SUN: Interview mit Jimmy Santrazami

17.04.2007 | 14:50

Mit EMERALD SUN erschien vor kurzem endlich mal wieder ein richtig guter, spannender Newcomer in Sachen Melodic Power/Speed-Metal auf der Bildfläche. Die griechische Formation verbindet auf ihrem Debüt-Album "Escape From Twilight" eine doppelte Portion Frische und Unbekümmertheit mit einem prächtigen Gespür für tolle Melodien und mitreißende Songstrukturen. Sänger Jimmy Santrazami stellt uns seine Band ein bisschen näher vor und plaudert über seine innige Beziehung zum Heavy Metal.

Martin:
Jimmy, EMERALD SUN sind international noch ein recht unbeschriebenes Blatt. Könntest du dich mal an einem kurzen Porträt der Band versuchen?

Jimmy:
Okay, EMERALD SUN, das sind die beiden Gitarristen Johnnie Athanasiadi und Teo Savage, Bassist Fotis "Sheriff" Toumanides, Keyboarder Jim Tsakirides, Drummer B-Wicked und ich, Jimmy Santrazami, der Sänger. Für uns alle ist EMERALD SUN die erste wirklich ernst zu nehmende, professionell agierende Band, abgesehen von B-Wicked, der auch bei SARISSA trommelt. Ich selbst habe vorher in verschiedenen, völlig unbekannten Bands hier in Thessaloniki Gitarre gespielt und gesungen. Wie jeder andere auch gehen wir normalen Berufen nach, um unsere Miete zahlen zu können und die Bandaktivitäten zu finanzieren. Wir ärgern uns ständig, dass wir nicht mehr Zeit für die Band haben. Uns bleiben neben der Arbeit maximal drei bis vier Stunden am Tag um im Studio oder im Proberaum an den Songs zu feilen. Aber unsere Jobs werden wir wohl eh bald los sein, denn wir wollen unbedingt auf Tour gehen!

Martin:
Euer Debüt-Album "Escape From Twilight" hat mir jede Menge Spaß gemacht, geile Melodien, packende Songs, jede Menge Power und Drive, so mag ich meinen melodischen Power Metal.

Jimmy:
Oh, vielen Dank, das hört man gern. Wir haben sehr hart an dieser Platte gearbeitet und werden weiter hart arbeiten, um uns von Album zu Album immer wieder zu steigern und unseren Stil zu verfeinern. Ich denke, dass man unsere Einflüsse ganz gut raushören kann, aber EMERALD SUN haben ihre ganz eigene Art und Weise entwickelt, diese Einflüsse zu interpretieren. Aber letztlich entscheiden die Fans wohl darüber, ob es uns gelungen ist, ein interessantes und aufregendes Album zu machen.

Martin:
Wo du schon von euren Einflüssen gesprochen hast: HELLOWEEN gehören ganz bestimmt dazu. Das liegt einerseits daran, dass eure Songstrukturen und die Gitarrenarbeit deutlich an das Material der "Keeper"-Alben angelehnt sind, andrerseits dürfte die Assoziation vor allem auf deine Stimme zurückzuführen sein, die der des jungen Michael Kiske verdammt ähnlich klingt.

Jimmy:
Meiner Meinung nach sind die beiden "Keeper"-Alben die besten Power-Metal-Scheiben, die je aufgenommen wurden. Dabei finde ich gar nicht mal jeden einzelnen Song großartig, es sind vielmehr diese unvergleichlichen, grandiosen Vocals von Michael, die diese Platten zu Meisterwerken machen. Daher macht es mich froh und stolz, wenn man meinen Gesang mit dem von Kiske vergleicht. Es gibt sogar Leute, die uns einen HELLOWEEN-Clone nennen, aber das ist natürlich Bullshit! Erstens kopieren wir nicht direkt den "Keeper"-Style und zweitens machen HELLOWEEN ja schon seit Ewigkeiten andere Musik.

Martin:
Der Kollege vom Walls Of Fire-Mag hat sich sogar zu dem Kommentar hinreißen lassen, EMERALD SUN sollten sich doch in Hellasween umbenennen und ihr Album in "Angriff der Kürbisklonkrieger". Also ich fand das witzig. Aber auch RHAPSODY scheint ihr zu mögen, einige Parts in Songs wie 'High In The Sky' oder dem Instrumental 'Emerald Sun' erinnern an die frühen Alben der Italiener.

Jimmy:
Ja, ich mag RHAPSODY durchaus. Die Parallelen gebe ich auch zu, das liegt wahrscheinlich an den ähnlich eingesetzten Keyboards.

Martin:
Das Album "Escape From Twilight" hat ja eine interessante Vorgeschichte. Die Platte wurden bereits 2005 aufgenommen und sollte über ein winziges Label namens Encore Records erscheinen. Zwei Jahre später nun kommt das Teil soundtechnisch noch einmal überarbeitet bei Limb Music raus.

Jimmy:
Ja, es lief da zu Anfang nicht alles glatt. Wir haben das Album in der Tat 2005 hier in Griechenland mehr oder weniger in Eigenregie aufgenommen. Das Album war fix und fertig und stand ganz kurz davor über Encore Records zu erscheinen, als das Label pleite ging. Also mussten wir uns nach einem neuen Partner umsehen. Das hat sich Ewigkeiten hingezogen, doch dann fuhren wir eines Tages nach Deutschland, um beim Battle Of The Bands-Wettbewerb zu spielen. Wir haben die Chance genutzt, um überall Klinken putzen zu gehen und uns und unsere Platte vorzustellen. Schließlich haben LMP angebissen, und du kannst dir wahrscheinlich vorstellen, wie glücklich wir darüber waren. LMP ist ein sehr gutes Label und die Leute dort waren von Anfang an wirklich nett zu uns. Wir einigten uns darauf, dass unser Album einen besseren Sound brauchen würde, denn der Original-Mix war wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Also hat sich R.D. Liapakis von MYSTIC PROPHECY der Sache noch einmal angenommen. Und ich finde, er hat einen großartigen Job gemacht.

Martin:
Stimmt, der Sound ist absolut konkurrenzfähig. Aber mal was anderes, im Info zu eurer Scheibe steht, EMERALD SUN seien bekannt für ihre wilden, schweißtreibenden Live-Shows. Was geht denn da ab bei euch? Werden wir das hier in good ol' Germany auch bald mal zu Gesicht bekommen?

Jimmy:
Oh, wir lieben es einfach, live zu spielen. Und wenn ich sage, wir lieben es, dann meine ich das auch so! Wir gehen ganz auf in unserer Show und geben immer alles, egal ob 5 oder 5000 Leute vor der Bühne stehen. Wir versuchen, die Fans in die Show mit einzubeziehen und das Glück, das wir empfinden, mit ihnen zu teilen. Was die Tour angeht, es laufen gerade Verhandlungen über ein größeres Ding, aber wir haben definitiv noch Termine frei, hahaha! Also, wenn uns jemand buchen möchte, nur zu, wir werden kommen!

Martin:
Auf eurer Website habe in folgenden Satz gelesen: "Thessaloniki, in the northeast
of Greece, is the second biggest city of this country in which the enthusiasm for Heavy Metal is boundless." Das Leben dort muss also großartig sein, das Paradies auf Erden für jeden Metal Maniac. Ist das wirklich so? Welche Band aus Thessaloniki wird denn deiner Meinung nach als nächste den Rest der Welt erobern?

Jimmy:
Oh, die Metal-Szene hier ist in der Tat riesig, es gibt fast schon zu viele Bands, dafür aber zu wenig professionelles Umfeld, wie Managements, Booking Agencies oder gute Studios. Eine ganz heiße Band aus der Stadt sind definitiv SARISSA!


Anmerkung:
Bei denen wie eben erwähnt auch der EMERALD SUN-Drummer mitspielt. Um hier mal mit ein paar Fakten auszuhelfen: SARISSA sind eine Power-Metal-Combo, die bereits seit Mitte der Achtziger existiert. Es gibt zwei Alben von den Jungs, das selbstbetitelte Debüt erschien Mitte der Neunziger über ein obskures Mini-Label und 2004 wurde eine weitere Platte namens "Masters Of Sin" über Black Lotus Records auf den Markt gebracht, die tatsächlich als sehr gelungen bezeichnet werden kann.


Martin:
Jimmy, mich würde interessieren, wie du eigentlich zum Heavy Metal gekommen bist! Was war dein Schlüsselerlebnis?
Bei mir war es eine Kassette, die ich im Herbst 1986 von einem älteren Kumpel bekam. Darauf hatte er ein paar seiner Lieblingssongs zusammengestellt, die waren von MEGADETH, METALLICA, MANOWAR, ACCEPT, OVERKILL, METAL CHURCH, ANTHRAX und eben auch HELLOWEEN. Deren Song 'Ride The Sky' hat mich von Anfang an total umgehauen!

Jimmy:
Meine ersten Kontakte mit Heavy Metal waren ANTHRAX mit "Fistful Of Metal" und METALLICAs "Kill 'Em All". Das muss ungefähr in demselben Jahr gewesen sein wie bei dir. Ich bin am Anfang total auf Thrash und Death Metal abgefahren. Den ultimativen Kick verpasst haben mir allerdings erst SLAYER mit "South Of Heaven".

Martin:
Da das Material auf "Escape From Twilight" ja bereits einige Jahre alt ist, gehe ich davon aus, dass ihr bereits wieder Songs komponiert habt. Wie klingt der neue Stoff und wann können wir mit einem weiteren Album rechnen?

Jimmy:
Ja, wir haben schon wieder ein paar Nummern so gut wie fertig, wir werkeln eigentlich ständig an neuen Songs, aber wir sind nicht die schnellsten, befürchte ich. Ich kann dir verraten, dass wir an einer Konzeptstory arbeiten, die sich über zwei Alben erstrecken wird. Wann wir mit den Aufnahmen anfangen, weiß ich noch nicht. Aber wir werden uns die Zeit nehmen, die wir brauchen, denn wenn wir eines nicht leiden können, dann sind das schlechte Songs!

Martin:
Okay, Jimmy, ich danke für das Gespräch. Möchtest du noch irgendwas los werden?

Jimmy:
Ich möchte mich für eure Unterstützung bedanken und würde mich sehr freuen, wenn wir uns bald bei einem Konzert der EMERALD SUN-Deutschland-Tour kennen lernen könnten. KEEP SCREAMING OUT LOUD, MAN!!!

Redakteur:
Martin van der Laan

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