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EVERGREY: Interview mit Michael Håkansson

01.01.1970 | 01:00

Nach dem Auftritt von Crimson Glory begab ich mich um 1 Uhr nachts zum Tourbus von Evergrey. Dort traf ich die reichlich angetrunkenen Musiker an. Das Gespräch führte ich hauptsächlich mit dem Bassisten Michael Håkansson, allerdings meldeten sich auch Sänger Tom Englund und Gitarrist Dan Bronell zu Wort.

Christian:
Ok Leute, warum zum Teufel habt ihr nur eine halbe Stunde gespielt ?

Michael:
Das liegt am Line-Up. Praktisch gesehen sind das zwei Headliner. Crimson Glory sind die offiziellen Headliner, aber Kamelot stehen mit Ihnen fast auf einer Stufe. Man kann also von einer Double-Headliner-Tour sprechen. Drei Bands bedeutet verdammt viel Musik für eine Nacht. Ich denke, es ist gut für uns, daß wir nur 30 Minuten spielen, denn es ist genug Zeit um Leute für deine Musik zu interessieren. Es wäre doch blöd, wenn wir 40 oder 50 Minuten spielen würden und die Leute kennen unsere Musik nicht und langweilen sich.

Christian:
Offenbach ist ja die dritte Station eurer Tour. Wie liefs denn bis jetzt ?

Michael:
Es wird immer besser muss ich sagen. Anfangs hatten wir einige Probleme, das ist ganz normal. Es ist schließlich unsere erste Tour. Daraus folgt zwangsläufig, daß jeden Tag neue Probleme auftreten. Für uns als Band wird es jeden Tag besser, sowohl das Zusammenspiel als auch die Konzerte an sich. Ich persönlich empfinde es so, daß wir jeden Tag auf ein neues Level kommen, so daß wir am Ende der Tournee eine komplett neue Band sein werden, man könnte sagen: Eine komplett neue Live-Band. Man wird also die Unterschiede zum Anfang der Tour sehen. Alles ist also positiv kann man sagen.

Christian:
Wie ist es denn, wenn man mit einer Band wie Crimson Glory zusammenspielt ?

Michael:
Es ist eine große Ehre muss ich sagen. Sie sind eine alte Kult-Band, die in den 80er Jahren eine enorme Größe hatten. Ich kann nur wieder sagen, daß es eine absolute Ehre ist, mit so einer erfahrenen Band zusammenzuspielen. Wir können schließlich noch eine Menge von ihnen lernen, vor allem, was die Konzerte anbelangt.

Christian:
Ihr werdet dieses Jahr ja auch das Bang Your Head-Festival eröffnen. Erzähl doch mal, was ihr dem Publikum dort bieten werdet.

Michael:
Beim Bang Your Head-Festival werden wir einen höllengeilen Gig spielen, soviel ist sicher. Wir werden dort einige neue Songs im Setup haben, die wir noch nicht gespielt haben. Und es wird natürlich einige "Goodies" von der ersten Platte geben. Wir werden also nicht nur das spielen, was wir hier auf der Tour zeigen, sondern ein ausgereifteres Programm darbieten können.

Christian:
Man kann euch durchaus als eine eigenständige Band hinstellen. Wo liegen dennoch die Einflüsse für eure Musik ?

Michael:
Ich denke, das fragst du besser Dan.

Dan:
Genaugenommen wurden wir von allen möglichen Musikstilen und Bands beeinflusst. Jeder einzelne in dieser Band hat einen unterschiedlichen musikalischen Hintergrund und hört auch unterschiedliche Musik. Daher gibt es wirklich eine Menge Einflüsse, die auf Evergrey eingewirkt haben. Gute alte Bands wie Iron Maiden, Metallica und dieses ganze Zeug kickt immer noch ass. Aber wir hören auch viele neue Bands wie zum Beispiel Dream Theater, die ich für eine sehr interessante Band halte.

Michael:
Sven, der Keyboarder und ich, wir sind erst seit November bei Evergrey. Dadurch haben sich wieder neue Einflüsse eröffnet, die zu denen der anderen differieren. Sven und ich, wir kommen von einer Death-Metal Band, dadurch sind automatisch auch einige Death-Einflüsse vorhanden. Ich denke, daß die nächste Platte um einiges ausgereifter klingen wird als die zwei bisherigen Alben. Ich sehe bereits eine große Entwicklung vom ersten zum zweiten Album und das dritte Album wird ein noch größerer Schritt für die Band sein.

Christian:
Jetzt wo du von einem neuen Album sprichst bin ich doch etwas neugierig geworden. Bestehen bereits Pläne dafür oder habt ihr gar schon ein paar Songs geschrieben ?

Michael:
Ja, es sind schon Pläne dafür vorhanden. Natürlich noch keine, die den Aufnahmetermin angehen. Bisher haben wir zusammen gearbeitet um mir und Sven die ganzen Songs draufzubringen, so daß wir sie auch live umsetzen können. Aber es war auch einige Zeit um an gewissen Ideen für neue Songs zu arbeiten, aber es wurde noch nichts konkretes gemacht. Nach dem Beenden von der Tour und den Festivals denke ich, daß wir dann genug Energie aufbringen können, um uns um das neue Album zu kümmern.

Christian:
Du hast mir gesagt, daß du eine große Weiterentwicklung von dem ersten Album "The Dark Discovery" und dem neuen Album siehst. Wo bestehen die Unterschiede ?

Michael:
Ja, das ist eine gute Frage. Gerade für mich, da ich noch neu in der Band bin. Ich denke, daß das neue Album energiegeladener ist als das erste. Es hat eine größere... Ich weiss nicht, wie ich es sagen soll... Du kannst einfach mehr... Ach Fuck...

Michael berät sich an dieser Stelle auf schwedisch mit dem Gitarristen Dan, was er eigentlich sagen will.

Dan:
(zuckt mit den Schultern)Ich habe keine Ahnung, was Michael sagen will.

Michael:
(lacht) Sorry, mir fallen die Worte nicht ein. Ich muss die Frage also an Dan weitergeben, der ja auch auf beiden Alben gespielt hat.

Dan:
Der Hauptunterschied bestand darin, daß wir uns nun besser kannten. Dies gab einen großen Fortschritt, so daß auch die Songs vielschichtiger wurden... Das ist eine verdammt schwierige Frage übrigens...

Christian:
Wie würdet ihr selbst eure Musik beschreiben ?

Michael:
Well, sie ist sehr dunkel und emotional. Die Musik berührt dich wirklich sehr, wenn man sich hinsetzt und richtig zuhört. Das ist das Beste, was ich sagen kann.

Christian:
Ich wurde als erstes auf euch aufmerksam durch ein Cover von Malmsteen's "Rising Force", das übrigens sehr gelungen ist. Wie kam es zu der Idee, dieses Cover zu machen ? Hatte Malmsteen einen großen Einfluss auf euch ?

Dan:
Ich habe mit unserem alten Label darüber gesprochen, dieses Cover zu machen, da ich persönlich Malmsteen immer gemocht habe. Daher war es eine große Herausforderung und auch eine Menge Spaß dabei, dies zu tun.

Christian:
Könnt ihr eigentlich von der Musik leben, oder habt ihr andere Jobs nebenbei ?

(Der Sänger Tom Englund betritt den Tourbus mit einem enormen "SATAAAAAAN"-Schrei und stösst sich dabei den Kopf an).

Michael:
(lacht)Das ist übrigens Tom... Aber zu deiner Frage: Wir verdienen mit unserer Musik nicht genug. Zur Zeit sind wir noch dabei, Fortschritte zu machen um eine halbwegs großes Publikum zu bekommen. Beim nächsten Album können wir dann wirklich zeigen, was wir draufhaben. Aber im Moment haben alle von uns, mit Ausnahme von Dan, einen Job nebenbei, einen ganz alltäglichen Job

Christian:
Ok, eine andere Frage: Was denkst du über das Internet, vor allem in Bezug auf die Möglichkeiten, die die Bands dadurch besitzen ?

Michael:
Das Internet ist wirklich großartig. Es ist eine fantastische Möglichkeit um neue Leute kennenzulernen und natürlich auch neue Bands. Natürlich sind die Probleme mit den mp3s groß. Als Musiker will man ja nicht, daß die Leute an deine Musik über das Internet umsonst rankommen. Aber man kann wenig dagegen machen, denn es wird mit Sicherheit immer mp3s im Internet zum runterladen geben und es liegt dann an den Fans, ob sie sich dafür entscheiden, die Band zu unterstützen und die CD zu kaufen oder sie umsonst aus dem Internet zu bekommen.

Christian:
Ich war natürlich auch mal auf eurer Homepage und dort kommt einem gleich ein markanter Satz entgegen. "If there is Life after Death, there is no Death... And if Death does not exist, we do not live." Von wem stammt der Satz und was bedeutet er euch ?

Tom:
(schreit erstmal ein kräfiges "Good Morning" ins Mikrofon) Dieser Satz stammt von mir und Dan. Er handelt davon, wie leicht die Leute vor dem Leben selbst Angst bekommen. Wenn man auf etwas im Leben hofft, dann hat man grundsätzlich Angst. Es ist eigentlich eine Metapher. "If there is Life after Death, there is no Death... And if Death does not exist, we do not live." Also "What the fuck are we ?". Das ist die prinzipielle Frage.

Christian:
Macht ihr eure Homepage eigentlich selber ?

Tom:
Nein, genaugenommen sind wir heute in ein Internetcafé gegangen und haben dort bemerkt, daß wir einen neuen Webmaster haben, was wir noch gar nicht gewusst hatten. Dieser Webmaster ist ein 15-jähriger Junge namens Christian, der es wirklich drauf hat. Wir machen es also nicht selber.

Christian:
Wie bist du eigentlich zum Metal gekommen ? Was waren deine ersten Bands ?

Michael:
Meine ersten Bands waren natürlich Kiss und AC/DC... Im Kindergarten fing ich an, HardRock zu hören. Also Kiss waren da auf jeden Fall dabei.

Tom:
Shut up with Kiss you motherfucker !

Michael:
(lacht)Yeah, so hat es angefangen. Und dann hat es sich wie Krebs weiterentwickelt. Es wurde größer und größer. Und wenn man einmal drin ist kommt man nicht mehr von dieser Musik weg. Ich hab es zwar noch nicht versucht, aber die, die es versucht haben, sagen, daß sie es nicht können. So schlimm ist Krebs.
Da keiner so recht verstanden hat, was Michael damit sagen wollte und dieser es noch weniger wusste, kam einiges Gelächter auf.

Christian:
Ok, was immer du damit jetzt sagen wolltest, ich wechsel mal das Thema. Wie kamt ihr auf die Idee, klassische Instrumente, wie zum Beispiel die Harfe oder Geigen zu benutzen ?

Tom:
Wir haben alle gedacht, daß die Harfe ein wirklich wunderschönes Instrument ist. Ich arbeitete einmal in einem Musikgeschäft, wo ich täglich Instrumente verkauft habe. Dort traf ich einmal einen Kerl, der Harfe spielen konnte und ich fragte ihn, ob er Lust hätte, sie auf unserem neuen Album einzuspielen und er sagte "Fuck, Yeah !!!". Und das ist also der Grund dafür.

Michael:
Es ist immer schön, andere Instrumente...
Michael wird vehement unterbrochen, da Tom unbedingt zeigen musste, wie gut man von deutschem Bier rülpsen kann.

Michael:
(lacht)Also, ich sagte, es ist immer schön, andere Instrumente zu benutzen. Nicht wie eine normale HardRock-Band mit kreischenden Gitarren, einer fetten Double-Bass und einem kastrierten Sänger. Das wäre uns zu normal und es ist schön, neue Einflüsse durch diese klassischen Instrumente in unserer Musik zu haben.

Christian:
Seid ihr eigentlich zum ersten Mal in Deutschland ?

Michael:
(lacht)Nein, genaugenommen waren wir vorgestern schon hier in Hamburg auf der Tournee. Danach sind wir allerdings nach Holland gefahren und kamen heute wieder nach Deutschland zurück, so daß es unser zweiter Besuch ist.

Christian:
Was sind denn eure ersten Eindrücke von Deutschland ? Deutsche Frauen, deutsches Bier ? (blöde Frage, ich weiss, aber ich konnte sie mir einfach nicht verkneifen)

Michael:
It fucking rules !!! Everything !!!

Christian:
(mit einem kritischen Blick auf die Dosen Henninger Bier)Aber DAS Bier ist doch schrecklich.

Michael:
Nein, nein, es ist klasse... In Schweden ist Bier schweineteuer. Wenn du dir ein Bier in Schweden kaufst, kannst du dich für den selben Preis in Deutschland totsaufen.

Tom:
(lacht)Nein, für den Preis bekommst du in Deutschland eine Frau...

Michael:
(lacht)Und kannst dich gleichzeitig besaufen... Wir lieben also alles in Deutschland.

Christian:
Also, um das Niveau wieder ein wenig zu heben, hätte ich hier eine Frage zu euren Lyrics. Warum schreibt ihr diese Art von Lyrics ? Dieses leicht Depressive... Du weisst schon...

Tom:
Wir haben sehr viel Scheisse in unserem Leben erlebt und ich basiere alle meine Lyrics, sowohl vom ersten, als auch vom zweiten Album, auf den Dingen, die ich oder Leute, die wir kennen, erlebt haben. So entsteht eben diese spezielle Art von Lyrics.

Christian:
Die entscheidende Frage, die sich mir beim Lesen eurer Lyrics gestellt hatte ist: Glaubt ihr an Gott ?

Michael:
(überlegt eine halbe Minute und entscheidet sich, die Frage an Tom weiterzugeben)

Tom:
Nein, ich glaube an keinen Gott. Daraus folgt natürlich zwangsläufig, daß ich auch nicht an Satan oder irgendein anderes derartiges Wesen glaube. Ich versuche, an mich selbst zu glauben und auch an meine Bandmitglieder. Daher hole ich mein ganzes Vertrauen. Ich glaube an mich selbst, aber ich sehe keine Zukunft. Trotzdem fühle ich mich gut und habe Vertrauen zu den Leuten in meiner Umgebung. Und ich liebe es, deutsche Pornos anzugucken !

Christian:
Was bedeutet der Name "Evergrey" eigentlich ?

Dan:
Dieser Name stammt noch von den Anfängen, als wir die Band gegründet haben. Wie alle neuen Bands haben wir versucht einen Namen zu finden. Unsere damalige Situation sah folgendermaßen aus: Wir waren alle arbeitslos und jeder Tag war einfach grau. Wir sahen keine Zukunft, jeder Tag ist gleich, jeder Tag ist grau und dann ist es eben "Evergrey".

Christian:
Möchtet ihr abschließend den Lesern von unserem Magazin, powermetal.de etwas sagen ?

Tom:
Checkt das Album aus. Wir wissen, daß unsere Musikrichtung Metal-Fans von allen Richtungen zusagt, egal ob es sich um Death, Power, Prog, Black oder "Just-Fucking"-Metal handelt. Geht also in euren Plattenladen und hört euch das Teil mal an.

Christian:
Ok, danke für das Interview.

Redakteur:
Christian Debes

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