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EVERGREY: Interview mit Tom Englund

01.01.1970 | 01:00

Am 17.09. erscheint das dritte Album "In Search Of Truth" (s. Review) der schwedischen Formation EVERGREY, welches einen weiteren Schritt nach vorne bedeuten sollte. Mit ihrem sehr düsteren, kraftvollen und absolut einzigartigen Stil, sollte es meinem Interviewpartner Tom Englund und seiner Band gelingen sich in der Szene verdientermaßen einen größeren Namen zu machen. Tom erzählte mir von dem neuen Album, neuem Label und Aliens.

Peter:
Hallo Tom, danke das Du Dir Zeit für Powermetal.de nimmst.
Zuerst einmal Glückwunsch zum wirklich gelungenen neuem Album, welches mir ganz hervorragend gefällt.

Tom:
Oh, vielen Dank. Freut mich zu hören.

Peter:
Anfangen möchte ich aber bei den Veränderungen, die es bei Euch gegeben hat.
Neues Line-Up, neues Label. Da hat sich eine Menge bei Euch getan.

Tom:
Michael (Hakansson, b. – d. Verf.) und Sven (Karlsson, k. – d. Verf.) sind jetzt schon seit fast zwei Jahren in der Band. Sie sind für mich also nicht mehr wirklich neu, aber sie sind natürlich erstmals auf dem Album zu hören. Sie stießen fest zur Band auf der Tour zum "Solitude Dominance Tragedy"-Album.
Der letzte Neuzugang, den wir hatten, war Henrik Danhage an der Gitarre. Er kam zur Band im letzten November und ist somit auch schon fast ein Jahr bei uns.

Peter:
Henrik macht auf dem Album einen sehr guten Job. Woher habt Ihr ihn? Ich hab noch nie etwas von ihm gehört.

Tom:
Ja, er ist phantastisch. Und er ist ein absoluter Nobody (lacht). Er ist nicht von irgendeiner Band, sondern ein Kerl den ich kennen lernte durch meine Arbeit.
Ich arbeite seit ein paar Jahren in einem Musikshop, wo wir Gitarren und Zubehör verkaufen und Henrik war dort immer Kunde. Ich hatte also immer ein Auge auf ihn geworfen.

Peter:
Ihr habt aber nicht nur das Line-Up, sondern auch das Label gewechselt. Wie kam es zum Wechsel zu InsideOut? Lief Euer Vertrag bei HallOfSermon aus oder wurdet ihr gedroppt?

Tom:
Jede Band bei HallOfSermon wurde gedroppt. Aber es war nicht so, das uns der Labelmanager anrief und sagte 'Hey, ihr seit gedroppt', sondern Thilo Wolff (der Labelmanager – d. Verf.) wollte sich komplett auf seine Band LACRIMOSA konzentrieren. Er sagte dann allen Bands, dass er dies tun wolle. Aber wir hatten ein sehr gutes Gespräch, bevor wir das Label verließen, haben also kein Problem mit seiner Entscheidung.

Peter:
Jetzt seit ihr bei InsideOut gelandet. DEM Label für progressiven Rock und Metal. Wie kam es dazu?

Tom:
Wir spielten einen Gig in den Staaten, in Chicago, und der Labelmanager von InsideOut-America sah ihn und war begeistert. Er kam dann zu uns und sagte, dass wir mit ihnen zusammenarbeiten können, wenn wir Interesse hätten. Natürlich hatten wir Interesse und baten ihn uns ein Angebot zukommen zu lassen.
In der Zwischenzeit waren wir wieder zu Hause und Thomas Harper, der Labelmanager von InsideOut-Deutschland, kontaktierte uns und schickte uns ein Angebot. Er hatte mittlerweile die CD gehört und war total erstaunt und dann gingen wir den Deal ein und nun sind wir hier.

Peter:
Das neue Album ist etwas progressiver und bombastischer ausgefallen, aber nicht weniger düster oder mit weniger Power. War das ein Ziel, das ihr hattet beim Songwriting hattet? Und wie stark war da der Einfluss der neuen Bandmitglieder?

Tom:
Es ist in erster Linie ein ganz natürlicher Prozess. Wir haben einfach das nächste Level erklommen. Wir denken nicht darüber nach, ob wir was tun oder lassen sollten, wir machen es einfach und was auch immer dabei raus kommt, kommt halt raus.
Natürlich hatten auch die Neuen im Line-Up einen Einfluss auf die Songs. Es wäre schlimm, wenn sie es nicht hätten.

Peter:
Die bombastischen Chöre erinnern mich ein wenig an "Suite Sister Mary" von QUEENSRYCHE.

Tom:
(begeistert) Oh toll!! Toller Vergleich!! Das macht mich sehr glücklich, denn es ist einer der besten Songs, die jemals geschrieben wurden. Das ist also ein großes Kompliment.

Peter:
Wenn ich die Texte richtig interpretiere, basiert das Konzept auf den Song "The Shocking Truth" von "Solitude Dominance Tragedy".

Tom:
Ja, völlig richtig! Genau so ist es!

Peter:
Was kannst Du mir über die Geschichte erzählen?

Tom:
Es geht um einen Mann in den Mitdreißigern, der merkt, dass er Probleme hat sich auf Dinge zu konzentrieren. Er hat Alpträume, Angst vor Licht, vor dem Tag, der Dunkelheit, der Nacht, er hat Probleme aufzustehen usw. Er wird sich bewusst darüber, dass er professionelle Hilfe braucht und entscheidet sich einen Psychiater aufzusuchen. Der Psychiater versetzt ihn dann in einen hypnotischen Zustand, wo der Mann herausfindet, das er mehrmals von Aliens entführt wurde seit er 5 Jahre alt war.
Aber die Aliengeschichte ist eher die Rahmenhandlung. Es geht im wesentlichen um den Mann, um seine Gefühle, seine Ängste. Es ist eine sehr emotionale Story und hat nicht viel mit grünen Marsmenschen zu tun. Es ist ein Album, das auf einem sehr emotionalem, persönlichen Level steht.

Peter:
Glaubst Du an Aliens etc. oder ist das lediglich ein Part Deiner Phantasie?

Tom:
Ich denke schon, dass da irgendwas passiert. Es ist zwar sehr hart an etwas zu glauben, was man nie gesehen hat und es ist schwer an etwas zu glauben, was noch nicht bewiesen wurde. Aber ich bin mir sicher, dass da etwas vorgeht.
In den Staaten gibt es zum Beispiel ein Projekt mit dem Namen SFEI (Search for extraterrestrial intelligence). Wir haben zufällig einen Fan, der dort beschäftigt ist und der hat mir schon einige wirklich merkwürdige Sachen erzählt. Dieses Projekt wird von der NASA gesponsert, es ist also ein von der Regierung finanziertes Projekt. Und was wirklich merkwürdig an der ganzen Sache ist, ist das die Regierung Geschichten wie Area51 und ähnliche, bekannt gewordene Themen verbergen will. Und zur selben Zeit sponsern sie die SFEI und das ist schon eine Doppelmoral, die da gefahren wird. Das interessiert mich dann doch sehr. Und unser Fan, der nur einen kleinen Posten dort bezieht, ist zum Beispiel nicht befugt irgendwas in Mails zu schreiben oder zu erzählen. Demnach muss es da irgendwas geben, das ist sicher. Es spielt keine Rolle, was es ist, aber es gibt da noch irgendwas.

Peter:
Die Stimmungen, die ihr transportiert, sind sehr düster, sehr emotional. Das ist nicht besonders typisch für eine progressive Metal-Band. Woher kommt es, das ihr so düster seit?

Tom:
Bevor wir EVERGREY gründeten, spielten wir ein paar Jahre lang Death-Metal, ich und unser ex-Gitarrist Dan. Wir haben uns dann entschlossen wieder traditionelleren Metal zu spielen, aber die dunklen Emotionen, das dunkle Bild beizubehalten. So versuchen wir halt, die düstere Grundstimmung des Death-Metal in unsere Songs zu integrieren.

Peter:
Auf eurem letzten Album hat es in den Texten häufiger den Anschein als ginge es um Gott. Glaubst Du an Gott oder warum verwendest Du es so oft in Deinen Texten?

Tom:
Das ist unser Weg, den Hörern greifbar zu machen, was wir versuchen da auszudrücken. Und das, was die Leute in unserer Gegend kennen und wo sie einen emotionalen Zugang zu haben, ist Gott. Wir könnten auch Allah oder sonst wen nennen, aber das macht keinen Sinn. Aber an Gott glauben, tue ich nicht.

Peter:
Wie sehen die nächsten Wochen bei Euch aus?

Tom:
Bei mir ist es gerade wirklich etwas hektisch. Ich bin auf Promo-Tour für das neue Album. Ich bin jetzt seit einer Woche hier in Deutschland, die nächste Woche dann in Frankreich, um dort das Album zu promoten. Wenn ich kurz zu Hause war, geht’s auch schon bald weiter, um den Rest Europas abzugrasen. Dann kommen noch Japan und die USA. Es ist also wirklich viel zu tun. Und im November wollen wir dann auf Tour gehen.

Peter:
Stichwort Tour! Ihr wart ja letztes Jahr Opener beim BYH-Festival in Balingen. Was habt Ihr dort für Erfahrungen gemacht?

Tom:
Oh, das war wirklich eine großartige Sache. Ein bisschen früh am morgen für EVERGREY, aber wir nehmen jede Möglichkeit ernst und sind sehr dankbar, dass wir dort spielen durften. Und das Beste ist, das es dort nur eine Bühne gibt und niemand etwas verpassen muss.

Peter:
Du hast vorhin erwähnt, dass ihr im November auf Tour gehen wollt. Kannst Du mir schon etwas genaueres dazu sagen? Geht ihr mit einer Band vom Label auf Tour oder wie sieht es aus?

Tom:
Nein, dazu kann ich leider noch nichts sagen, ich weiß nur, dass wir im November auf Tour gehen wollen. Zu den anderen Bands von unserem Label passen wir aber nicht, so dass das wohl ausgeschlossen ist. Die einzige Band, mit der wir Touren könnten, ist SYMPHONY X und die gehen ja schon als Support von SAVATAGE auf Tour.

Peter:
Egal, Hauptsache ihr kommt auf Tour.
Da ich für ein Online-Mag schreibe, muss ich das ja fast fragen. Was hältst Du von Online-Magazinen?

Tom:
Das Internet ist eine tolle Sache und bietet eine Menge Ressourcen. Hier kann man sich schnell eine Menge Infos, Photos, Musik usw. von Bands holen, die man mag. Das ist schon eine klasse Alternative. Und Online-Magazine sind da eine weitere, hilfreiche Sache sich schnell und einfach über Musik zu informieren.

Peter:
Und wie sieht es aus mit Napster und co.? Bist Du eher dafür oder dagegen, dass sich die Leute komplette Alben aus dem Netz ziehen können?

Tom:
Ich unterstütze es nicht, nein. Denn auf Dauer denke ich, dass es nicht gut für den Musikmarkt ist. Es ist okay sich von offiziellen Bandpages sich Musik runterzuladen, um einen ersten Eindruck von der Musik zu bekommen bevor man ein ganzes Album kauft. Aber wenn man das ganze Album runterlädt, finde ich es nicht mehr gut.

Peter:
Ich persönlich habe schon diverse Alben komplett aus dem Netz gezogen und anschließend gekauft, da sie mir so gut gefallen haben. Das halte ich gerade für unbekanntere Bands für einen guten Weg ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen.

Tom:
Ja, das ist der Weg wie es funktionieren sollte. Wenn man dadurch das Album später noch kauft oder wenigstens das folgende, ist es völlig in Ordnung. Ich bin auch nicht völlig dagegen, bezweifele aber, dass die Menschen es so benutzen wie es gedacht ist: als Appetizer.

Peter:
Sehe ich genauso.
Du hast vorhin erzählt, dass Du jetzt wochenlang auf Promo-Tour bist. Ist das auf Dauer nicht langweilig und ermüdend? Immer die selben Fragen, die selben Antworten und das stundenlang am Tag. Machst Du das wirklich gerne?

Tom:
Ich mache es schon gerne, auch wenn es natürlich auf die Dauer ermüdend ist 20 Interviews in Folge zu geben. Aber wir versuchen immer so freundlich wie möglich zu sein und geduldig auf die Fragen zu antworten, denn immerhin hilft es uns unser Album voran zu treiben und dafür haben wir hart gearbeitet.

Peter:
Wie viele Interviews stehen Dir jetzt noch bevor?

Tom:
Noch drei weitere. (Es war immerhin schon 21.30 Uhr – Anm. d. Verf.)

Peter:
Oh, das ist noch ein Stückchen Arbeit. Dann bedanke ich mich für das Interview und wünsche alles Gute für die Zukunft.

Tom:
Vielen Dank! Wir sehen uns auf Tour.


Redakteur:
Peter Kubaschk

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