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Eddie Van Halen - Ein Nachruf

07.10.2020 | 15:43

Einen Moment wie den gestern Abend habe ich in meiner Nutzung der sozialen Medien noch nie erlebt. Normalerweise ist der Feed von Facebook und Co. ein bunter Mix aus den verschiedensten Dingen, doch gestern Abend gab es für wenige Stunden zumindest in unserer Interessenssphäre nur ein Thema: Eddie Van Halen, der am gestrigen 6. Oktober 2020 seinem Krebsleiden mit 65 Jahren erlag.

Und es gab niemanden, wirklich niemandem der diesem Ausnahmetalent an der Sechsaitigen nicht noch einen letzten Wunsch mit auf den Weg geben wollte. Von Death Metal über Hard-Rocker bis hin zu Gitarren-Helden wie Steve Vai, Joe Satriani oder Paul Gilbert, wirklich jeder wurde in irgendeiner Weise vom in Amsterdam geborenen Gitarristen und Songwriter der Rock-Titanen VAN HALEN beinflusst.

Entsprechend kann man sich nur schwer vorstellen, wie Gitarristen im Rock-Sektor klingen würden, hätte Eddie Van Halen nicht im Jahr 1978 einen auf den ersten Blick unscheinbaren Instrumental-Track namens 'Eruption' auf das VAN HALEN-Debüt gepackt. Was diese 102 Sekunden Gitarren-Spektakel allerdings auslösten, war nichts anderes als ein Erbeben, dessen Auswirkungen wir bis heute spüren. So hievte der Wahl-Amerikaner mit dem beidhändigen Tapping eine obskure Gitarrentechnik ins Rampenlicht, die bis heute zum festen Repertoire der Rockmusik gehört. Ebenso verabschiedete er sich hier mit seinen rasanten Licks und seinem unwiederstehlichen Lead-Sound endgültig von den Blues-Wurzeln, die bis dahin Bands wie BLACK SABBATH oder LED ZEPPELIN noch maßgeblich geprägt hatten, und legte damit das Fundament für alle modernen Gitarrenhelden und eigentlich den gesamten Hard-Rock-Boom der Achtziger.

Van Halen allerdings nur auf seine Soli zu reduzieren, würde diesem Ausnahmetalent nicht im Ansatz gerecht werden. Ebenso war der gebürtige Niederländer nämlich auch ein wahres Genie, wenn es um prägnante und einprägsame Riffs ging, die jeden VAN HALEN-Hit nach vorne peitschten. So wird wohl niemand, der sich auch nur im entferntesten mit Rockmusik auskennt, mehr als ein paar Sekunden brauchen, um Klassiker wie 'Panama', 'You Really Got Me' oder 'Runnin With The Devil' schon an ihrem eröffnenden Gitarren-Part zu erkennen. Sein wahres Meisterstück ist allerdings wahrscheinlich 'Ain't Talking About Love', dessen Hauptriff sich auf ewig ins Gedächtnis brennt und mit dem er gleich noch den Phaser, der bis heute auf dem Pedalboard nahzu jedes namhaften Gitarristen zu finden ist, salonfähig machte.

Doch nicht nur Rockern brannte sich Van Halen ins Gedächtnis, vor allem zwei andere Songs machten ihn zu einer Ikone der allgemeinen Popkultur. Zum einen wäre da 'Jump', dessen großartiges Synthesizer-Thema, das natürlich auch aus Eddies Feder stammt, bis heute Menschen auf der ganzen Welt zum wahllosen Herumhüpfen animiert und gleichzeitig aufzeigte, wie man auch als Rockband gekonnt mit dem Sound der Achtziger kokettieren konnte. Zum anderen ist es Van Halens Kooperation mit Pop-Legende Michael Jackson, für dessen Song 'Beat It' er ein Solo spendierte, das man einfach nur als Geniestreich bezeichnen kann. Kurz, prägnant und technisch anspruchsvoll, besser kann man einen Song vielleicht nicht mit einem Solo aufwerten.

Entsprechend dumpf fühlt man sich auch als Rockfan, wenn man weiß, dass gestern Abend der wohl größte Innovator der Rockmusik nach Jimi Hendrix zu früh von uns gegangen ist. Für mich persönlich gesellt sich zu der Trauer auch noch eine gewisse Enttäuschung, denn bis zuletzt hatte ich gehofft, VAN HALEN doch noch einmal auf der Bühne zu erleben. Doch das war mir leider nicht vergönnt.

Damit bleibt eigentlich nur noch eins zu sagen: Danke, Eddie, für all die großartige Musik, deinen unbändigen Innovationstrieb und die Inspiration, die du für unser gesamtes Genre und ganze Generationen von Gitarristen geliefert hast!

Redakteur:
Tobias Dahs

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