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FARMER BOYS: Listening Session zu "Born Again"

20.09.2018 | 22:05

Die Kuh-Jungen sind zurück. Das allein ist eine gute Nachricht, denn zu "The Other Side" und vor allem "The World Is Ours" habe ich viele Jahre wenig schön, dafür laut und falsch mitgegrölt.

Zwei solche Melodiemonster im Metal-Alternative-Core-Gewand, ja, die kann man ja auch eigentlich nicht nicht mögen, oder? Doch 2004 legte man die Band auf Eis. Das Leben schlug zu und die Musiker wandten sich "richtigen" Berufen zu. Doch jetzt, vierzehn Jahre später, nach der Gründung einer Gitarrenschule (Alexander Scholpp) und eines Studiums in Stuttgart und den USA und anschließender Tätigkeit als Filmkomponist (Matthias Sayer) sind zwei der beiden Ur-Farmer zurück und haben sich ihren alten Bassmann Ralf Botzenhart ebenfalls zurückgeholt. Für mich ist das ein Grund zum Jubilieren. Hoffe ich. Wobei ja eigentlich nicht viel schief gehen kann, oder?

Voller Vorfreude und nur mit einem kleinen bisschen Bangen finde ich mich mit einem guten Dutzend Kollegen anderer Medien in den heiligen Nuclear Blast-Hallen in Donzdorf ein, um dem neuen Album mit dem treffenden Titel "Born Again" erstmal zu lauschen. Nach einer kurzen Begrüßung - den einen oder anderen kennt man natürlich, hier im süddeutschen Raum erscheinen doch immer wieder die Gleichen zu solchen Terminen - kommen auch schon Alex und Matthias und ein iPhone mit dem neuen Album. Ein Blick auf die Trackliste des kommenden Albums gibt schon einmal etwas Entwarnung, denn der vor einem Jahr bereits veröffentlichte und großartige Song 'You And Me' ist auch enthalten. Damit alle wissen, wovon ich rede, hier ist er: Youtube.

Dann aber geht es los und nach einem opulenten Intro, das Sayers Filmmusik-Hintergrund hörbar macht, startet das Album mit zwei großen Songs namens 'Faint Lines' und 'Fiery Skies' mit Verve. Was mir auffällt ist, dass der Sound der FARMER BOYS zwar unüberhörbar da ist, sich aber trotzdem eine gewisse Veränderung akustisch niedergeschlagen hat. Es fällt mir schwer, den Finger draufzulegen, aber so großartig die Melodien klingen, nach dem ersten Durchgang kann ich noch nicht mitsingen. Das war früher anders. Dann folgt 'You And Me', das wir ja bereits kennen.

Die folgenden acht Lieder sind vielschichtiger, als wir es von "The Other Side" kennen, emotionaler, 'Isle Of The Dead' drückt Schmerz aus, 'Tears Of Joy' folgt und nimmt den Hörer mit in ein ruhigeres, emotionales Stück, bis 'Mountains' Widerhaken und einen völlig anderen Akzent setzt. Es ist allgegenwärtig, dass die Erfahrung in der Filmmusik einen großen Einfluss auf die Kompositionen, aber auch auf den Fluss des gesamten Albums hatte. Die Songreihenfolge ist kein Zufall, das Album als Ganzes hat einen Spannungsbogen, und dennoch hört man immer wieder das typische Scholpp-Riffing heraus, sei es in 'Fiery Skies', 'Stars' oder 'Oblivion', nur ist alles etwas filigraner geraten, als hätten man die Rezeptur nicht grundlegend verändert, sondern nur verfeinert, besser gewürzt. Dabei hat tatsächlich beim erstem Anhören jeder Song einen eigenen Charakter. Ich bin sicher, jeder Hörer wird hier Favoriten haben, möglicherweise  stimmungsabhängig auch zu verschiedenen Zeiten jeweils andere, aber der erste Eindruck von "Born Again" ist großartig.

Als das Album mit einem ganz großen Finale endet, herrscht ein paar Sekunden lang Ruhe. Man ist geradezu überwältigt und eigentlich müsste man das Album jetzt nochmal bewusster hören. Das geht natürlich nicht, aber es steht fest, dass die FARMER BOYS am 2. November ein Album veröffentlichen werden, das nach diesem Durchgang bei mir das Zeug hat, "The World Is Ours" als das beste Album der Band in den Schatten zu stellen. Ob am Ende irgendein Lied 'Farm Two Thousand', 'The World Is Ours' und 'Like Jesus Wept' von meinem ewigen FARMER BOYS-Treppchen wird stoßen können, wird die Zeit erweisen.

Glücklicherweise kann jeder Leser mittlerweile schon in ein zweites Lied reinhören und mit 'Revolt' einen weiteren Eindruck bekommen, wie die Band ihren Sound angereichert hat, denn 'Revolt' klingt charakteristisch, aber doch auch vielschichtiger als zuvor und ist daher ein guter Eindruck von "Born Again": Youtube.

Das Album erscheint Anfang November in verschiedenen Formate, von denen es eine Digi-Pack-Version mit zwei Bonustracks und eine Vinyl-Ausgabe mit einem anderen Bonustrack geben wird. Einen ersten Eindruck der Bonuslieder durften wir ebenfalls haben, aber nach dem bombastischen Finale von 'Born Again' wirkten diese Lieder eher deplatziert. Das ist der Nachteil eines solchen durchdachten Werkes: Dann kommt ein Label und hängt noch Bonustracks hinten dran, dabei hat sich der Künstler das alles so schön ausgedacht. Auf diese Anmerkung hin lachen die beiden Komponisten. Das ist der richtige Schlusspunkt für den Moment. Mehr gibt es am 2. November, aber vorbestellen kann man es bereits bei verschiedenen Anbietern.

Redakteur:
Frank Jaeger

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