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FEUERSCHWANZ: Interview mit Hauptmann Feuerschwanz

20.07.2020 | 21:03

Mehr als nur Trinklieder.

 

"Das elfte Gebot", so lautet der Titel das neuen FEUERSCHWANZ-Albums. Wir wollten natürlich wissen, was es damit auf sich hat und führten daher ein Gespräch mit Hauptmann Feuerschwanz.

 

Lange bevor ich Kenntnis vom neuen Album "Das elfte Gebot" erlangte, habe ich mir einen Song von euch in meiner Spotify-Liste gespeichert, den ich seit Jahren liebe und der vermutlich die Hymne zur aktuellen Corona-Situation sein dürfte. Die Rede ist von 'Hurra Hurra, die Pest ist da'. Habt ihr diesbezüglich schon ähnliches Feedback bekommen, sei es als Lob an die Ironie oder als Beschwerde über die Verharmlosung des Themas?

Tatsächlich haben wir in der letzten Zeit dazu bislang überhaupt kein Feedback bekommen. Da bist du scheinbar ein Kenner der Szene und hast das Lied noch auf dem Schirm. Natürlich passt der Song sehr gut zur aktuellen Situation. Ebenso passt auch die spielerische Ironie, mit der wir damit umgehen. Das bezieht sich natürlich auch besonders auf den Refrain, der zur Lebenslust auffordert. Das toppen wir allerdings auf dem neuen Album mit dem Song 'Das elfte Gebot'.

Das wäre jetzt meine anschließende Frage. 'Das elfte Gebot' ist eben solch ein Song, der zur Lust am puren Leben animiert. Ist das die Mission von FEUERSCHWANZ? Die Freude am Leben?


Bei dem Song geht es dann textlich noch tiefer hinein in die seelische Ebene. Wir wollen die Situation auf diese Weise mit anderen Menschen teilen. Wir wollen aufzeigen, wie zerbrechlich unser Leben doch ist und dass wir im Grunde doch keine Zeit zu verlieren haben. Das kann man durchaus als Mission bezeichnen, wir leben das Ganze ja auch aus. Das Geheimnis von FEUERSCHWANZ ist es wahrscheinlich, dass wir privat gar nicht so viel anders drauf sind als auf der Bühne. Auf der Bühne können wir zusätzlich noch diese Art Tiefenenergie abrufen, da beweist sich dann das Teamwork.

Im Vergleich zu älteren Platten fällt mir auf, dass euer Sound geradezu bombastisch geworden ist. 'Im Bauche des Wals' erinnert mehr an TURISAS als an eure Frühwerke. Ist diese Weiterentwicklung gewollt oder entsteht so etwas auch unbewusst über all die Jahre? Simon Michael Schmitt hat erneut das Album produziert, ist diesbezüglich ein echtes Team entstanden? Habt ihr jetzt den optimalen Sound gefunden, wie FEUERSCHWANZ anno 2020 klingen soll?

Seit "Methämmer" haben wir uns immer mehr zum Metal hin entwickeln wollen und haben den Schritt gewagt, ohne zu wissen, ob das überhaupt ankommt. Aber der Erfolg hat sich eingestellt. Das Ganze war keine Eintagsfliege, wir wollten uns vom Sound her ganz bewusst in die Richtung entwickeln. Wir haben also dort angeknüpft, aber es war klar, dass wir noch etwas zulegen können. Simon Michael hat dazu einen erheblichen Beitrag geleistet, immerhin ist es ja schon das dritte Album, was wir mit ihm produzieren. Da merkt man dann schon, wenn die Strukturen sich vertiefen. Im Prinzip hat sich das Spektrum innerhalb der Band dadurch erweitert.

Das wäre das nächste Stichwort. Was mir noch auffällt, ist die Konstanz in der Bandbesetzung. Hier zeigt sich mal wieder, dass dies ein Kriterium für langfristigen Erfolg sein kann. Wie siehst du das?

Es fand in der Tat eine langjährige Entwicklung innerhalb der Band statt, hin zum Teamplaying. FEUERSCHWANZ ist eine absolute Mannschaft geworden, was man mit Sicherheit auch an der Energie spürt, die wir gemeinsam auf der Bühne rüber bringen. Es gibt nicht den typischen Frontmann und die Leute "da hinten". Bei uns muss jeder ran, auch wenn es mal um leidige Aufgaben geht. Jeder hat seine oder ihre Aufgaben, um die ganze Band am Leben zu erhalten. Es geht vor allem auch um die Kommunikation, dass wir dort am Ende immer auf einer Wellenlänge zusammen kommen, da darf es zwischendurch mal knirschen. Aber es ist in der Tat ein gutes Zeichen, wenn sich alles über die ganzen Jahre auf einer Wellenlänge weiter bewegt. Als hauptberuflicher Therapeut konnte ich mein Fachwissen einbringen, damit diese Gruppe eben so zusammen geschweißt bleibt. Im Grunde muss man die Kommunikation innerhalb eines Teams pflegen wie beispielsweise einen Garten. Ich gebe dir recht, das mag einer der Gründe für den Erfolg sein. Ein anderer Punkt ist halt der, dass wir über die vielen Jahre fast alles drumherum auch selbst gemacht haben. Wir haben natürlich einige Fehler in Kauf nehmen müssen, aber wir machen nach wie vor immer noch fast alles selbst.

'Lords Of Powermet' ist euer erster Song, der Textanteile in englischer Sprache besitzt. Wie kamt ihr auf die Idee?

Schon sind wir wieder bei der Weiterentwicklung im Vergleich zu "Methämmer", da haben wir ja schon in die Richtung unserer Kollegen wie GLORYHAMMER oder auch POWERWOLF geschaut. Zudem sind wir jetzt bei Napalm Records, wo auch jeder Englisch spricht. Zunächst haben wir gedacht, wir können ja mal eine englische Zeile riskieren. Es ist ja eine schöne Sache, wenn man mit den deutschen Texten sehr gut spielen kann. Aber deutsche Texte im Heavy Metal sind ja schon relativ neu, wenn man mal von den APOKALYPTISCHEN REITERN absieht, die das ja schon ewig machen. Aber natürlich wollen wir auch, dass gerade die Leute im europäischen Umland den einen oder anderen Teil unserer Texte verstehen und somit noch ein wenig mehr zu unserer Musik abfeiern können. Im Prinzip also so etwas wie der Schulterschluss an die Metal-Szene. Allerdings werden die englischen Parts auch in Zukunft eher in homöopathischen Dosen serviert.

Für mich persönlich ist 'Unter dem Drachenbanner' einer der Höhepunkte. Ein richtiger Metalsong mit Gitarrensolo und allem was dazu gehört. Gibt es zu diesem Song eine besondere Geschichte oder ist das Teil der Entwicklung, die du gerade beschrieben hast?

Dazu kann ich als Texter etwas sagen. Wir haben ja irgendwie unser eigenes Universum erschaffen, wie zum Beispiel mit dem Krieger des Mets. Ich hatte begonnen, eine Geschichte zu schreiben, die sich tausend Jahre nach eben diesem Krieger abspielt. Am Ende aber findet sich bei 'Unter dem Drachenbanner' eine Essenz wieder, die Geschichte ist quasi zusammen geschmolzen. Zudem kommt noch dazu, dass die Gitarrenarbeit von Hans wesentlich gereift ist und mittlerweile viel präsenter ist. Das gilt übrigens durchgängig für das ganze Album.

'Kampfzwerg' zeugt von Kenntnis über die Zwergenwelt. Seid ihr Fantasy-Nerds? Das betrifft ganz besonders dich als Textschreiber.

Wir sind einfach mit dem "Herrn der Ringe" groß geworden, das ist unsere Bibel. Um dieses Buch herum ist ein Multiversum von unzähligen Fantasy-Stories entstanden und wir saugen eben alles auf. Also ja, wir sind solche Nerds!

Wir bleiben bei dem Thema und kommen mal zur Bonus-CD mit den sieben Todsünden. Die Coverversion von 'I See Fire' (Original von ED SHEERAN aus der "Hobbit"-Filmreihe) finde ich sehr gelungen. Kommen da die Tolkien-Fans durch? Das Video erinnert ja mehr an eine andere erfolgreiche Serie denn an den "Hobbit".

Ein ganz großes Nerd-Ding ist es ja, wenn man ein Video im Urlaub dreht, wie in diesem Falle in Cornwall. Wir haben zum ersten Mal die Kostüme mitgenommen, es war also eine Mischung aus Erholung und Arbeit. Wir wollten dieses Video einfach in einer schönen Umgebung drehen. Bei 'I See Fire' hatte ich im Anschluss das Gefühl, eine Challenge hinter mich gebracht zu haben.

Bleiben wir mal bei den Cover-Geschichten. 'Ding' von SEEED ist ja nun ein Song, der danach schreit, in solch einer Form dargeboten zu werden, sehr geil. Warum aber die TOTEN HOSEN? Wie habt ihr diese Liste zusammen gestellt?

Also, wir sind von unseren Musikgeschmäckern her sehr heterogen. Wir waren uns bei der Titelauswahl überhaupt nicht einig, einige aus der Band haben manche Titel gefeiert, andere eher nicht. Aber es hat doch jeder alles reingelegt, was er kann. Was 'Ding' angeht, bin ich sehr stolz drauf, mich mal mit Rap beschäftigen zu können und das auch noch von einem Meister wie Peter Fox. Ich musste diese spezielle Gesangstechnik erst lernen, aber es hat tierisch Spaß gemacht. Auch die englischen Coverversionen haben uns echt weiter gebracht, das hätte ich vorher niemals gedacht.

Ich erinnere mich an einen Song von euch mit dem Titel 'Wunsch ist Wunsch'. Falls dir jetzt aktuell eine Fee über den Weg laufen würde, welche Wünsche würdest du heute nennen?

Damals wäre die Kernaussage schlicht und einfach gewesen: Gib mir Met! Heute müsste es wohl heißen: Gib mir Met und lass mich hin und wieder meine tiefen Gefühle ausdrücken. Das drückt in etwa die Weiterentwicklung aus und mein Wunsch wäre, dass das bei FEUERSCHWANZ immer gut unter einen Hut passt. Wir wollen auf der einen Seite keine reine Trinkband mehr sein, auf der anderen Seite aber auch keine 180-Grad Änderung vornehmen. Allerdings, wenn man den Sound von damals mit der neuen Platte vergleicht, dann muss man feststellen, dass es wohl kaum eine andere Band geschafft hat, sich so gewaltig zu verändern.

Letzte Frage an dich. Ihr seid ja mittlerweile sehr erfolgreich... verdientermaßen. Wie ist es mittlerweile, wenn der Hauptmann in Zivil über einen Mittelaltermarkt spaziert? Wird man erkannt und zu jedem Metstand gezerrt?

Ach, da bin ich ganz entspannt. Der Hauptmann braucht ja seine Uniform, um erkannt zu werden. Wenn ich in Zivil über den Mittelaltermarkt gehe und zudem eine Kappe aufhabe, erkennt mich noch kaum jemand. So kann ich ein wenig wie Odin als Wanderer zwischen den Welten unterwegs sein. Ich beobachte die Leute, die zum Beispiel an den Tavernen abhängen und kann vielleicht den einen oder anderen Charakter für einen FEUERSCHWANZ-Text finden.

Redakteur:
Frank Wilkens

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