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FINAL BREATH: Interview mit Heiko Krumpholz

01.01.1970 | 01:00

FINAL BREATH sind eine hoffnungsvolle und vor allem sehr talentierte deutsche Band, die mit ihrer Scheibe “Mind Explosion” ein gehöriges Aufsehen erregt haben. Logischerweise ein Grund für uns, sich Mit Heiko Krumpholz, seines Zeichens Drummer von FINAL BREATH, zu unterhalten.

(Anmerkung: Das Interview fand auf dem SUMMER BREEZE 2002 statt. Aus persönlichen und auch technischen Gründen konnte ich das Interview erst jetzt online bringen. Ich möchte mich hierfür in aller Form bei der Band für die Verspätung entschuldigen. Wie wär’s, wenn wir auf dem SUMMER BREEZE 2003 ein paar Bierchen auf meine Rechnung trinken?)

Alex:
Kommen wir gleich zur neuen Scheibe. Was habt ihr gegenüber dem Demo „Flash-Burnt Crucifixes anders gemacht?

Heiko:
Nun, wir sind halt ein wenig anders an die Sache ran gegangen, flexibler eben. Das Songwriting machen der Jörg und ich und wir wollten diesmal einfach ein paar unterschiedliche Songs zu machen und unsere persönlichen Einflüsse mehr in die Songs einzubauen.

Alex:
Und euer neuer Sänger? Welche Einflüsse hat der mitgebracht?

Heiko:
Wir hatten die CD mit unserem alten Sänger (Michael Imhof – Anm. d. Verf.) schon aufgenommen, haben uns aber das irgendwie anders vorgestellt, als er es dann doch gesungen hat. Wir haben ihm auch gesagt, dass wir das anders haben wollen. Als er dann auch noch Probleme mit der Stimme bekam und er sowieso schon hat durchblicken lassen, dass er diese Art von Musik nicht mehr machen will, sondern eher so Melodic-Zeugs, haben wir zusammen beschlossen, dass er lieber aufhören soll.
Wir haben dann auch einen neuen Sänger gesucht (Jürgen Auermann - der Verf.), von dem wir wussten, er würde zu uns passen. Er hat dann auch die Scheibe komplett neu eingesungen, ein paar Texte überarbeitet und einen sogar neu geschrieben, aber soviel hat er zu „Mind Explosion“ noch nicht beigetragen. Ich denke, bei der nächsten CD wird er auf alle Fälle mehr integriert sein.

Alex:
Wie waren eigentlich die Reaktionen auf „Mind Explosion“?

Heiko:
Im Großen und Ganze positiv. Es gab zwar ein paar Reviews, die nicht ganz so zu unserer Zufriedenheit waren (lacht), aber was ich so von Leuten höre oder auch im Nuclear Blast Forum zu lesen bekommen, wird die Scheibe relativ positiv aufgenommen. Im Grunde sind wir recht zufreiden.

Alex:
Momentan erlebt der Thrash-Metal eine Art Boom. Als ihr das Album geschrieben habt, war das noch nicht so. Seid ihr generell Thrash-Fans?

Heiko:
Als ich mit FINAL BREATH angefangen hatte, da war gerade SEPULTURA sehr angesagt und das war genau die Musik, die ich machen wollte. Ich hör zwar auch so Sachen wie MORBID ANGEL und Death Metal generell, aber selber spielen wollte ich solche Sachen eigentlich nicht. Ich wollte halt einfach Thrash machen, weil man da sehr, sehr viele andere Sachen einfließen lassen kann. Das war halt einfach genau mein Ding. Und das der Thrash Metal jetzt einen Boom erlebt, das ist natürlich irgendwie auch unser Vorteil, wobei wir ja schon länger dabei sind.

Alex:
Und wie sieht es aus mit einer neuen Scheibe? Seid ihr schon dabei Songs zu schreiben?

Heiko:
(lacht) Wir sind schon wieder kräftig dabei neue Songs zu schreiben. Wollen im März oder im Sommer 2003 ein Studio buchen, zusammen mit Andy Classen . Ich denke bis dahin haben wir auch alle Stücke soweit fertig. So 4 – 5 Songs haben wir schon, das ist gut die Hälfte davon. Außerdem wollen wir ja noch weitere Feedbacks der „Mind Explosion“ abwarten, einfach um zu wissen, ob und was wir noch anders machen können. Und ich denke, die Veröffentlichung wird das nächste mal auch schneller passieren.

Alex:
„Mind Explosion“ ist ja eine Eigenproduktion.

Heiko:
Ja und im Gegensatz zur „Flash-Burnt Crucifixes“ haben wir uns diesmal mächtig ins Zeug gelegt, auch finanziell. Wir haben uns halt gesagt, entweder reißen wir damit was, oder eben nicht.

Alex:
Die „Flash-Burnt Crucifixes” ist ja auch ganz gut angekommen, so wie ich das gehört hab. Also rein vom Verkauf her gesehen.

Heiko:
Die erste Auflage waren 1000 Stück und die sind glaube ich ziemlich alle verkauft. Es ist halt ein wenig schwierig bei so einem Ein-Mann-Label genaue Abrechnungen zu bekommen. Es kann gut sein, dass wir in einem Jahr oder so noch eine Abrechnung bekommen, oder so. Und es hat einfach einen Vorteil wenn man das über so ein Ein-Mann-Label macht. Man muss die Sachen nicht selber verschicken und das ganze Drumherum braucht man nicht selbst zu machen. Aber wie gesagt, mit dem Verkauf unserer Demo sind wir recht zufrieden.

Alex:
Wie war eigentlich die Zusammenarbeit mit Andy Classen?

Heiko:
Die Studioarbeit war wirklich gut. Es war sehr relaxt das Ganze und er drängt einen nicht, was zu machen, das eigentlich unmöglich ist oder klingt. Es ist alles ein natürlicher Sound, was heißen soll, es wird nichts getriggert. Wir sind mit ihm wirklich gut ausgekommen. Andy ist auch ein Supertyp, mit dem Abends auch mal ein Bier trinken kann. Es hat einfach sehr viel Spaß gemacht.

Alex:
Ihr werdet auch wieder mit Andy arbeiten wollen, oder?

Heiko:
Auf jeden Fall! Ich finde er macht einfach einen eigenen Sound, also nicht so den typischen Schweden-Sound. Ich finde Andy ist soundmässig in Europa schon so etwas wie wegweisend. Er ist recht experimentierfreudig und ermuntert einen immer, mal was anderes auszuprobieren.

Alex:
Wie läuft bei euch das Songwriting ab. Was kommt zuerst, Musik oder Text?

Heiko:
Die Musik zuerst, auf jeden Fall. Der Text wird dann halt angepasst, bzw. wir versuchen mit dem Text die Stimmung der Musik wiederzuspiegeln. Wobei das immer recht schwer ist. Ein Sänger, bzw. dessen Stimme ist einfach immer markanter als irgendein Riff, das man hat. Bei der Musik muss man sowieso aufpassen und darauf achten, ob man nicht zu sehr nach irgend einer anderen Band klingt – wobei man eh nie seine Einflüsse verleugnen kann, die fließen automatisch irgendwie mit ein. Hat man dann das, ich will mal sagen, Problem bewältigt, dann kommt es noch darauf an, einen irgendwie sinnvollen und aussagekräftigen Text zu schreiben, der zu dem Song passt. So ein Songwritingprozess kann sich manchmal ganz schön hinziehen.

Alex:
Wie sieht es mit euren Live-Aktivitäten aus. Habt ihr schon irgendwas geplant, sei es selber ne kleine Tour zu machen oder als Support?

Heiko:
Von Nuclear Blast-Seite sieht es so aus, dass die zuerst einmal die Reaktionen zu dem Album abwarten wollen. Es ist halt immer ein wenig schwierig; deutsche Newcomer Band im eigenen Land, da hat man es nicht gerade leicht. Konkret geplant ist eigentlich noch nichts.

Alex:
Wie ist denn euer Festival ("Up From The Ground" in Gemünden bei Schweinfurt – der Verf.) gelaufen?

Heiko:
(grinst) Wir sind recht zufrieden damit. Es waren gut 400 Leute da, die eigentlich immer vor der Bühne gestanden haben. Logischerweise bei TANKARD war komplett alles vor der Bühne. Aber die Stimmung war einfach bombig, egal ob MAJESTY, DEW-SCENTED oder wir gespielt haben. Eigentlich haben wir mit minimal 250 Leuten gerechnet und von daher sind wir auch auf unsere Kosten gekommen. Nächstes Jahr wollen wir das Ganze in einem etwas größerem Rahmen gestalten.

Alex:
Wie wäre es denn für euch, z.B. auf dem Party.San OA zu spielen?

Heiko:
Wir haben das schon zweimal probiert und es ist zweimal leider nichts geworden. Aber ich denke mal, die haben wahnsinnig viele Bewerbungen und von daher ist es halt schwer dort unter zu kommen. Von zwei befreundeten Bands (eine davon spielte auf dem PS.OA) haben wir jetzt den Manager kennen gelernt und der will mal schauen, ob er nicht ein paar Kontakte für uns knüpfen kann. Es kann also gut sein, dass wir 2003 auf dem Party.San spielen, mal sehen. Und wir werden 2003 auf jeden Fall auf dem SUMMER BREEZE spielen, das ist uns eigentlich schon bestätigt worden.

Alex:
Wie sieht denn sonst so die Planung für die Zukunft aus?

Heiko:
Mal überlegen... Also außer, dass wir die CD nächstes Jahr aufnehmen wollen, ist eigentlich kaum was geplant. Und wir wollen natürlich besser werden...

Alex:
Was heißt besser?

Heiko:
Ich würde sagen, vorrangig technischer. Ich denke wir haben mit „Mind Explosion“ schon relativ viel Abwechslung gebracht und das wollen wir auch beibehalten, ganz klar. Vielleicht noch ein Stückchen schneller werden und uns technisch verbessern. Das Grundprinzip unsere Musik möchten wir gern noch verfeinern, so kann man das am ehesten ausdrücken.

Alex:
Nun wenn man sich intensiv die neue Scheibe anhört, dann erkennt man darin sehr viele Feinheiten gerade im Bereich Gitarre und vor allem den Drums.

Heiko:
(grinst übers ganze Gesicht) Danke!

Alex:
Bitte schön. Wie ist denn das bei euch gelaufen? Habt ihr die ganzen versteckten Feinheiten schon in den Songs drin gehabt oder kamen die erst im Studio mit Andy Classen dazu?

Heiko:
Also teils, teils würde ich sagen. Da wir im Proberaum kein besonders gutes Equitment haben, war das halt alles ein bisschen vage. Bei Songs wo wir dachten, das wird der Knaller schlechthin, war es im Studio so, dass sie dann eigentlich nur eher mittelmäßig waren. Und bei anderen Songs war es genau umgekehrt. Die hatten plötzlich im Studio einen fantastischen Sound und ermunterten uns quasi, noch was dazu zu machen. Also hier mal einen Sample, da noch ein Solo usw.. Ich würde mal sagen, 99% der Songs standen schon komplett fertig im Studio und die Feinheiten haben wir nachträglich gemacht, weil man die Stücke mit einem ordentlichen Sound ganz anders hört.

Alex:
Wie sieht dann das bei euch Live aus? Gerade wenn man auf technisch hohem Niveau spielt, ist es oft so, dass bestimmte Übergänge oder gerade die Feinheiten wegfallen.

Heiko:
Nachdem wir die Songs ja auch eins zu eins im Studio eingespielt haben, bis auf eben ein paar technische Feinheiten, die wir aber auch komplett eingespielt haben und nicht nur draufgesetzt haben, spielen wir unsere Songs auch live so. Sicherlich so Sachen wie bei „To Live And To Die“, wo die Gitarre bei dem Solopart 4-fach unterlegt ist, das geht natürlich live mit zwei Gitarristen nicht nicht, ganz klar. Aber wir picken uns die markanten Sachen, die mit zwei Gitarren möglich sind, raus und spielen die, gerade in den Feinheiten und Soli. Nachdem wir die Songs ja wirklich sehr oft geprobt haben und auch live im Studio eingespielt haben, können wir die Stücke auch live so spielen, wie im Studio.

Alex:
Welches Ziel wollt ihr musikalisch erreichen?

Heiko:
Wir wollen CD’s machen und damit auch einen gewissen musikalischen Anspruch haben. Natürlich, je mehr positive Resonanzen wir haben, umso leichter tun wir uns. Und wir wollen halt einfach unser Ding durchziehen und uns nicht irgendwelchen Trends unterwerfen. Obwohl, es ist immer schwierig so was dann konkret durch zu ziehen. Man blickt schon darauf, was ist im Moment angesagt und was verkauft sich gut, aber wir wollen uns eigentlich nicht verkaufen, sondern einfach unseren Stil beibehalten und den zu verbessern.
Und in den neuen Jahren, die es uns gibt, haben wir uns immer wieder verbessert und sind etliche Schritte voran gekommen. Das dürfte auch der Grund sein, warum wir bei Nuclear Blast untergekommen sind.

Alex:
Was erwartet ihr eigentlich von Nuclear Blast?

Heiko:
Vorrangig erwarte ich, dass wir auch in Zukunft eine CD vernünftig aufnehmen können und die auch in einem angemessenen Zeitraum veröffentlichen können. Sehr positiv ist natürlich, dass der Name FINAL BREATH nun wesentlich bekannter ist und ich denke das wird mit der nächsten Scheibe nochmals untermauert. Und recht viel mehr, erwarte ich mir von der Sache nicht.

Alex:
Ja nun, das ist doch schon mal gar nicht schlecht, oder?

Heiko:
Sicherlich nicht. Ich erwarte ja auch nicht, dass ich über Nacht nun zum Superstar werde, das ist bei der Art Musik, die wir machen gar nicht möglich. Wenn jemand seine Sache so durchzieht wie wir und nicht darauf blickt, was gerade angesagt ist, dann dauert das Jahre, bis man sich etabliert hat. Was im Metal allerdings super ist, dass wenn du dir einen Fankreis erarbeitet hast, der auch bleibt. Nimm dir SLAYER als Beispiel. Die neuen Sachen kommen bei weitem nicht an Scheiben wie „Seasons In The Abyss“ oder gar „Reign In Blood“ heran, aber egal was die veröffentlichen, die Fans stehen zu ihnen und kaufen die Scheiben. Und das nur, weil sich SLAYER einen gewissen Fan-Stamm hart erarbeitet haben. Und so was geht nicht von heute auf morgen, das braucht Jahre bis man dahin kommt.
Wir hoffen ja auch, mit der nächsten Scheibe unseren Fankreis zu erweitern. Vielleicht kommen wir bei Nuclear Blast in der Werbung noch eine Schiene höher (lacht).

Alex:
Nun das hört sich alles sehr, sehr realistisch an.

Heiko:
Wir werden mit Sicherheit nicht abheben.

Alex:
Dann danke ich dir für das Interview und wünsche alles Gute für die Zukunft!

Heiko:
Ich bedanke mich für die Unterstützung und dir auch alles Gute!

Redakteur:
Alex Kragl

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