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FLESHGOD APOCALYPSE: Interview mit Tom

23.09.2013 | 13:59

Die Italiener von FLESHGOD APOCALYPSE haben jüngst mit "Labyrinth" dem vielgelobten Vorgänger ein schwer beeindruckendes drittes Album hinterhergeschoben, auf dem aufs neue in vollkommen eigener Art Brutal Death Metal auf orchestrale Klänge trifft. Folgerichtig musste Tommaso Riccardi (Gitarre, Vocals) mal Rede und Antwort zu "Labyrinth", der antiken Story dahinter und was selbige mit uns heute zu tun hat, stehen.

Erstmal herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album. Ihr seid momentan in den USA auf Tour. Sicher habt ihr schon neue Songs in die Setlist aufgenommen, wie kommen die an?

Hi! Ja, haben wir natürlich. Es war eine ziemlich kurze Zeit zwischen den Aufnahmen und dieser Tour, aber wir arbeiteten hart, da wir mindestens zwei neue Songs bringen wollten, und so sieht's jetzt auch aus. Wir spielen 'Minotaur (The Wrath Of Poseidon)' und 'Elegy' und die Reaktionen sind schon großartig, auch hinsichtlich der kurzen Zeit, die die Songs erst draußen sind. Wir können es gar nicht erwarten nach Hause zu kommen und weitere Songs von "Labyrinth" zu proben.

Ich denke, ihr habt dieses Mal etwas mehr Wert auf Vielfalt gelegt und diverse "groovigere" und ruhigeren Momente implementiert. Was für Pläne, bzw. welche Herangehensweise hattet ihr für das Komponieren diesmal?

Nun, dieses Album ist definitiv viel ausbalancierter und es ist auch so gedacht. Wir hatten Zeit, unser Wissen über Musik zu vertiefen und die Erfahrungen, die wir in den letzten zwei Jahren gemacht haben, führten uns zu einer wesentlich bewussteren Herangehensweise an unsere Kompositionen. Wir hatten also die Möglichkeit, viele andere Aspekte unserer Persönlichkeit in dieses aktuelle Opus einfließen zu lassen und etwas zu schaffen, was mehr dynamische Entwicklung in der Musik beinhaltet, so wie es sein sollte. Momente der Spannung und wieder Entspannung.

Ich bin oft etwas traurig, dass es mir beim Hören von Symphonic (Extreme) Metal oft so vorkommt, als ob die Hälfte der Orchester-Arrangements untergehen würde. Denkt ihr, den idealen Sound für Labyrinth gefunden zu haben?

Arrangements haben ja einen bestimmten Zweck, untergeordnet der Musik. Du kannst nicht immer alles hören, aber es ist immer noch aus einem bestimmten Grund da. Es ist sogar oft so, dass die Dinge, die du nicht hörst, die wichtigsten sind, um den Effekt und die Balance des Songs herzustellen. Wie auch immer, auch wenn wir einen großen Schritt auf "Labyrinth" gemacht haben, was die Produktion angeht, können wir uns immer noch verbessern und bessere Lösungen finden. Ich denke, dass Stefano wirklich einen großartigen Job für "Labyrinth" gemacht hat und wir sind sehr zufrieden mit der Produktion.

Warum habt ihr euch dafür entschieden, über den Minotauren-Mythos zu schreiben? All eure Aufnahmen beinhalteten auch eine große Portion Sozial-Kritik bzw. einen Bezug zu unserem (modernen) Leben. Hat die Geschichte für euch in dieser Hinsicht eine spezielle Bedeutung?

Wir wollten eine Metapher schaffen zwischen Theseus und seiner Suche nach dem Minotauren, um ihn zu töten und der niemals endenden Suche nach uns selbst und der Notwendigkeit, unsere Wurzeln zu erkennen, um auch unserer dunkle Seite ins Gesicht sehen zu können, damit wir uns befreien und wählen können, was wir tun und sein wollen in unserer Existenz. Der Minotaurus symbolisiert unsere tiefste Furcht: Die Furcht, wir selbst zu sein. Diese Furcht zu töten, ist entscheidend, um den inneren Frieden zu finden.

Ich konnte keine anderslautende Tracklist finden, also schätze ich mal, dass die etwas merkwürdige Position von 'Prologue' und 'Epilogue' direkt hintereinander so gedacht ist, auch wenn ich immer etwas das Gefühl eines fehlenden Mittelteils habe, weißt du, was ich meine?

Nun, wir mussten einen passenden Namen für den neunten Track finden und 'Epilogue' erschien uns perfekt, denn auf gewisse Weise ist es eine Art Lösung oder vielleicht auch nur eine falsche Lösung (Theseus, der Ariadne auf der Insel Nassus verlässt und sein Vater, der denkt, sein Sohn wäre tot und sich daraufhin töten will, in 'Under Black Sails'). Als Intro zu 'Epilogue' erschien es uns nur folgerichtig, Marco Sensis klassisches Gitarren-Stück 'Prologue' zu nennen.

Da es sich wieder um ein Konzept-Album handelt, könntest du was zur Geschichte in Verbindung mit der Musik sagen?

Einige der Stücke repräsentieren wirklich die chronologische Reihenfolge des Mythos, andere Stellen des Albums sind voller Rückerinnerungen oder sogar Elemente, die wir selbst hinzugefügt haben. Es ist eine persönliche und autobiographische Version der Geschichte, in gewisser Weise. Theseus ist ein junger Mann, der, als er 18 wird, entdeckt, dass er der Sohn des Königs von Griechenland ist, da er stark genug ist, einen großen Felsen zu bewegen, der einen Dolch und Sandalen, Symbole seiner Königswürde, versteckte. Also unternimmt er eine beschwerliche Reise nach Athen, auf welcher er gegen drei Räuber kämpfen muss, die die vielen Möglichkeiten repräsentieren, auf denen wir unseren Geist (er benutzt das Wort "mind" und ich bin nicht sicher, ob er sich auf die Seele oder den Verstand bezieht, vermutlich beides – CS) benutzen können, uns selber zu verletzen. Als er seinen Vater kennen lernt, erfährt er, dass es sein Fluch ist, jedes Jahr 14 Söhne Griechenlands dem Minotauren, Stiefsohn Minos, des Königs von Kreta, als Tribut zu senden.
Also entscheidet er sich, Verantwortung zu ergreifen und nach Kreta zu gehen, um den Minotaurus zu töten. Die Kreatur lebt gefangen im Labyrinth von Knossos, in welches Theseus gelangen muss. Nur durch die Hilfe Ariadnes, der Tochter von König Minos, ist es ihm möglich, wieder aus dem Labyrinth zu finden, da sie ihm einen goldenen Faden mitgibt, den er zurückverfolgen kann. Ariadne repräsentiert das Bedürfnis nach anderen und deren Hilfe und verliebt sich in Theseus. Das tragische Ende ist typisch für die griechische Mythologie. Theseus versteht den wahren Wert Ariadnes nicht und verlässt sie auf der Insel Nassus. Zuviel Stolz wird sein leben letztendlich ruinieren, da er vergisst, die schwarzen Segel seines Schiffes herunter zu nehmen, worauf sein Vater, der denkt er sei tot, sich von den Klippen in die See stürtzt, die später seinen Namen tragen soll: Die Ägäis.

Eure ersten Veröffentlichungen hatten noch nicht diese starke orchestrale Schlagseite. Wessen Idee war es, diesen doch drastischen Wandel zu vollziehen und Brutal Death Metal mit symphonischen Klängen zu verbinden und warum?

Es war schon immer die Absicht von FLESHGOD APOCALYPSE, beide Genres zu verbinden, tatsächlich hatten die verwendeten harmonischen und melodischen Muster stets einen klassischen Einschlag. Die ganze Musik um ein Orchester zu ergänzen, kam einfach stückweise mit der Zeit.

Wenn ich richtig liege, sind bei euch verschiedene Mitglieder für den Prozess des Orchestrierens zuständig. Habt ihr eine besondere Ausbildung genossen oder euch die Fähigkeiten autodidaktisch angeeignet?

Die beiden Hauptkomponisten sind Paolo und Ferrini. Letzterer, als Pianist, konzentriert sich vor allem auf die Orchester-Arrangements. Er hat das fast alles selber gelernt. Er ist ein sehr talentierter Musiker.

Etwas, was ich sehr an eurer Musik mag, ist der starke klassische Einfluss, abgesehen von Soundtracks, sodass ihr nicht einfach Hans Zimmers Scores immer und immer wieder wiederholt. Welche klassischen Komponisten würdet ihr als Inspiration und Einfluss nennen?

Wir lieben Zimmer wirklich und andere moderne Film-Komponisten genauso, aber unsere Einflüsse das Komponieren und Orchestrieren betreffend, gehen sicher darüber hinaus. Unsere wichtigsten klassischen Einflüsse kommen aus der Klassik, der Frühromantik und Romantik, von Komponisten wie Paganini, Mozart, Beethoven, Rossini, Brahms, Mahler, Verdi, Strauss und vielen anderen.

Auf euren beiden "symphonischen Alben" habt ihr Soundsamples für das Orchester verwendet. Gibt es Pläne für eine Zusammenarbeit mit einem richtigen Orchester in der Zukunft?

Aber sicher. Aber das ist natürlich eine Frage der Zeit und des Geldes. Mit einem Orchester zu Arbeiten ist unglaublich teuer, also müssen wir auf den richtigen Moment warten.

Hört ihr selber Symphonic Metal und last euch davon beeinflussen? Was haltet ihr von dieser "Sub-Szene" von all ihren female-fronted-Bands bis hin zu symphonischen Death- und Black-Metal-Acts?

Weißt du, wie auf jedem anderen Gebiet, gibt es gute und schlechte Seiten des Symphonic Metal oder auch im Metal an sich. Sicherlich werden wir auch von solchen Bands neben den typischen Death-Metal-Bands oder klassischen Komponisten beeinflusst. Ich erinnere mich gut daran, als ich das erste Mal Alben wie "Puritanical Euphoric Misantropia" von DIMMU BORGIR oder "Midian" von CRADLE OF FILTH gehört habe. Ich finde auch die aktuellen Sachen von SEPTIC FLESH sehr interessant und war schon immer ein Fan von Black-Metal-Bands wie EMPEROR und IMMORTAL. Abgesehen davon, haben wir eine Menge amerikanischen Death Metal in unserer Musik. Bands wie CANNIBAL CORPSE, DEICIDE, SUFFOCATION, VITAL REMAINS und MORBID ANGEL sind eine große Inspiration.

Ihr seid ja gerade in den USA mit WINTERSUN, ARSIS und STARKILL unterwegs. Gibt es auch Pläne, Europa zu besuchen – und natürlich besonders Deutschland?

Natürlich. Wie du weißt, kommen wir im Rahmen unserer Januar-Tour mit KATAKLYSM und KRISIUN nach Deutschland, aber ich denke, wir werden auch für einige Festivals im Herbst in Deutschland sein. Also haltet euch bereit!

Redakteur:
Christian Schwarzer
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