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FOREST OF SHADOWS: Interview mit Niclas Frohagen

01.01.1970 | 01:00

Schweden macht mobil! Und zwar nicht nur mit Death Metal. Mit dem Projekt FOREST OF SHADOWS und dem dazugehörigen neuen Album "Departure" kommt der schwermütigste Brocken Stahl über deutsche Grenzen gewalzt, der jemals aus den Untiefen der nassen Grabeserde entlassen wurde. "Departure" ist intensiv wie kaum ein zweites Album, verbindet den Doom mit Dark- und Gothic-Elementen und fügt dem metallischen Gesamtbild der Nordeuropäer eine neue und glänzende Facette zu. Da FOREST OF SHADOWS lediglich aus Alleinunterhalter Niclas Frohagen besteht, war es nicht allzu schwer den passenden Interviewpartner ausfindig zu machen.

Alex:
Servus Niclas! Zunächst einmal mache ich mir tierisch Sorgen über dein Seelenleben. Deine neue Scheibe "Departure" zeichnet sich durch eine fast schon unglaubliche Traurigkeit aus. Bist du in Ordnung?

Niclas:
Mein inneres Befinden und alles was damit zusammenhängt, möchte ich ganz gerne für mich behalten. Ich hoffe, du respektierst das. Ich bin jedoch nicht so down und so depressiv wie es "Departure" suggerieren mag. Du musst nicht unbedingt melancholisch sein um melancholische Musik zu kreieren. Du brauchst lediglich einige düstere und zwiespältige Gedanken. Dann reicht es schon, wenn du weißt, was es heißt richtig down zu sein. Und du kannst mir glauben, wenn ich dir sage, dass ich das sehr gut weiß.

Alex:
FOREST OF SHADOWS hatte ja mit einigen Line-Up-Problemen zu kämpfen. Aus der Not hast du ja eine Tugend gemacht und stehst als einziger Name im Booklet.

Niclas:
Ich arbeite so hart für die Band und keiner kann die Richtung meiner Musik beeinflussen. Die richtige und schlussendliche Richtung schlug ich mit dem Beginn von FOREST OF SHADOWS als Soloprojekt ein. Es ist nicht demokratisch, ich weiß. Und auch eine Soloband hat seine Pros und seine Contras. Zu der negativen Seite gehört sicherlich der immense Zeitaufwand, den ich alleine für ein fertiges Produkt benötige. Aber dieses Manko nehme ich gerne in Kauf. Denn andererseits habe ich die volle Kontrolle über die Musik, die visuelle Seite und die Art, wie ich an FOREST OF SHADOWS herangehe.

Alex:
Wie schreibst du deine Songs? Diese allumfassende Melancholie bedarf doch bestimmt einer sehr speziellen Tagesform oder?

Niclas:
Die Lyrics, die Harmonie und Grundmelodien brauchen tatsächlich eine spezielle Form. Eine weniger glückliche ist dabei sehr angebracht. Die Ausschmückung der Songs kommt dann nach und nach und die Form oder die Stimmung ist dabei egal. Ich weiß aber jederzeit sehr genau, wohin die Reise gehen soll.

Alex:
Die Songs auf "Departure" sind nicht alle die neuesten. Was war der Grund, das du das Album erst jetzt fertig stellen konntest?

Niclas:
Bis auf 'November Dream', das aus dem Jahre 1997 stammt, sind sie eigentlich alle neueren Datums. Dieser Song hat sich aber gegenüber seiner ursprünglichen Gestalt, die auf einem Demo aus besagtem Jahre zu finden ist, dermaßen verändert, dass er wie ein neuer Song anmutet. Deshalb habe ich ihn mit auf das Album genommen. Jetzt ereilt ihn nicht so ein beschissenes Schicksal wie auf dem damaligen Demo.

Alex:
Was erwartest du persönlich von "Departure", meiner Meinung nach ein Meisterwerk des doomigen Dark Metal?

Niclas:
Ein schönes Kompliment! Nun, was erwarte ich? Ich weiß es nicht oder ich kann es nicht wirklich greifen. Mich würde es glücklich machen, wenn es die Menschen mögen. Das reicht! Ich erwarte sicherlich keinen Grammy oder ähnliches. (lacht)

Alex:
Es gibt auf dem Erdball massig Bands, die ähnlich gelagerte Musik spielen. Doch auf "Departure" herrscht eine unglaubliche Intensität, die vornehmlich durch den meisterlichen Umgang mit Laut/Leise-Stimmungen und dynamischer Instrumentierung erzielt wird. Durch die Growls tönt FOREST OF SHADOWS ziemlich eigenständig. Die einzige Band, die mir zumindest als musikalisch ähnlich in den Sinn kommt, sind die Amis WHILE HEAVEN WEPT. Kennst du die überhaupt?

Niclas:
Nur wenig. Ich hab vor längerer Zeit mal einige Songs von ihnen gehört und empfand sie eigentlich nicht FOREST OF SHADOWS-ähnlich.

Alex:
Nun gut. Niclas, du bist Songwriter, Arrangeur, Produzent, Mischer, Engineer und kreativer visueller Kopf in Personalunion. Hast du vielleicht zu viel Zeit oder warum machst du alle Jobs alleine?

Niclas:
Wenn es etwas gibt, was ich nicht habe, dann ist es zu viel Zeit. Meine Gesundheit krebst momentan ganz schön am Boden rum. Ich bin in insgesamt drei Bands involviert, während ich auch noch arbeiten gehe und zumindest versuche, an einem sozialen Gesellschaftsleben teilzunehmen. Im Moment umfasst FOREST OF SHADOWS meinen kompletten Zeitplan, sei es durch das Songwriting, durch das Performen der Songs oder kreative Arbeiten an der visuellen Seite der Band, vor allem der Website. Der Grund für meine Alleinherrschaft ist, dass es immer, wenn ich Leute in die kreativen Prozesse mit einbezog, damit endete, dass die Richtung der Band korrigiert werden sollte. Und zwar auf Kurse, mit denen ich nicht mehr übereinstimmte. Ich bin vielleicht ein egozentrischer Diktator, aber FOREST OF SHADOWS bedeutet einfach zuviel für mich. Ich sehe auch keine weitere Daseinsberechtigung für die Band, wenn ich als treibende Kraft nicht mehr einhundert Prozent in sie investieren kann. Diese Band spiegelt meine musikalische Vision wieder. Würde ich Leute finden, die genauso bedingungslos an dieser Vision mitarbeiten würden, wäre ich wahrscheinlich ein Arbeitsteiler. Andererseits garantiert mir das Mehr an Zeitinvestition auch einen bestimmten qualitativen Standard.

Alex:
Gibt es irgendetwas über die Aufnahmen der Scheibe zu berichten? Schlussendlich wurde "Departure" ja von Mr. Jussila im Finnvox gemastert.

Niclas:
Richtig! Aktuell gibt es zwei Versionen der Scheibe. Eine mit Micce als aktiven Mitglied und eine, die aufgenommen wurde, nachdem er die Band verlassen hat. Wir haben zusammen an den Songs geschrieben und auch zusammen die finale Trackliste ausgearbeitet. Danach folgte eine ziemlich unmotivierte und unkreative Phase der Schlussbearbeitung der Songs. Der Grund hierfür war, dass wir massive Probleme damit bekamen, wie die Songs im Endeffekt eigentlich aussehen sollten. Wir arbeiteten seinerzeit nicht täglich an den Songs. Manchmal noch nicht einmal wöchentlich. Mit der Zeit wurden wir ziemlich depressiv über den Zustand und so trieb es uns aus der Unkreativität heraus an das Endrecording der Scheibe. Das erste Schritt waren die Drumtakes, die wir in einem Studio meiner Freunde, dem NoiseLab, einspielten. Diese drei Tage waren gespickt mit Problemen und wir hätten fast schon am zweiten Tag aufgegeben. Aber wir entschieden mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, auch wenn das Ergebnis absolut nicht zufriedenstellend war. Nachdem wir einige Wochen damit beschäftigt waren, einen halbwegs vernünftigen Sound aus dem ganzen herauszuholen, cancelten wir die ganze Sachen und tauscht die organischen Drums durch programmierte aus. Die verstrichene Zeit schlug sich voll auf die restlichen Aufnahmen aus, so dass wir in massive Bedrängnis gerieten. Als ich dann entschied, von Göteborg nach Stockholm zu ziehen, realisierte ich, dass der einzige Weg das Album fertigzustellen eine Trennung von Micce beinhaltete. Zum einen bedingt durch die geographische Entfernung, zum anderen durch die kreative, die mittlerweile schwerer wog als alles andere. Die Trennung war mehr als hart, da Micce eigentlich der Musiker der Band war. Ich investierte einiges an Zeit um zu lernen, wie man diese Art von Musik spielen muss. Anderthalb Jahre investierte ich in die kompletten Aufnahmen und den Endmix, bevor ich Mr. Jusilla das Tape zukommen ließ. Er machte einen super Job, auch wenn ich sagen muss, dass einige Level etwas zu deftig gemastert sind und leicht klippen.

Alex:
Die Gesamtkonzeption von FOREST OF SHADOWS, alle Artworks, Fotos und die Musik sind auf die traurigen und hoffnungslosen Lyrics fokussiert. Wie viel Seele steckt in deinem Projekt? Es klingt nach deiner kompletten.

Niclas:
Als ich FOREST OF SHADOWS aus der Traufe hob, wollte ich eine zugleich düstere und melancholische Musik kreieren. Ich bin aber total irritiert von Bands, die ihre düstere Musik mit nichtdüsteren Texten und Artworks unterlegen, was ein Widerspruch in sich darstellt. Ich bin mit Sicherheit nicht der ultimative Artist, doch ich versuche so gut wie eben möglich ein gesamtstimmiges Package zu schnüren. Ich denke, manche Band möchte nicht als pathetisch abgestempelt werden und konzipiert deshalb ihre Melange nicht als zu düster. Oder vielleicht haben sie einfach nur einen schlechten Geschmack (lacht). Um die Frage zu beantworten: In dieser Musik steck meine Seele, wenn auch nur die dunkle Seite von ihr.

Alex:
Hast du noch verwertbares Material in der Hinterhand, das du demnächst aufnehmen könntest?

Niclas:
Ja, sogar eine Menge. Aber ich befinde mich in einer sehr stressigen Phase meines Lebens, so dass ich im Moment nicht in der Lage bin, viel damit und daran zu arbeiten.

Alex:
Ist FOREST OF SHADOWS nun ein reines Studioprojekt oder wird man auch live den Dunkelhymnen lauschen können?

Niclas:
Im Moment ist FOREST OF SHADOWS als ein reines Studioprojekt konzipiert und man sollte in nächster Zeit keine Liveperformance erwarten.

Alex:
Niclas, warum sollten unsere Leser FOREST OF SHADOWS unbedingt kennen?

Niclas:
Diejenigen, die in dunkle und melancholische Musik integriert sind und sich in musikalischer Trauer beheimatet fühlen, sollten sehr viel bei FOREST OF SHADOWS entdecken können. Alle anderen lassen wohl besser die Finger von der Band. Ich glaube nicht, dass "Departure" jeden Metalhead begeistern wird.

Alex:
Zuletzt eine persönliche Frage. Was denkst du über den Sinn des Lebens und was ist dein Lebensziel?

Niclas:
Ich denke nicht, dass es einen Sinn des Lebens des Lebens gibt, außer demjenigen, den du dir selbst durch dein Handeln erschaffst. Manch einer findet ihn durch den Glauben, ganz egal an welche Institution, aber das ist nicht mein Ding. Ein erklärtes Lebensziel hab ich nicht. Ich denke, ich möchte einfach nur in Harmonie zu mir selbst und meinen geschlossenen Augen leben. Lacht)

Alex:
Niclas, danke für das Interview. Alles Gute für dich und den Release von "Departure", einem Album voller Seele und Herzblut. Letzte Worte?

Niclas:
Erst einmal danke an dich für das Führen des Interviews und danke an alle Leser, die es gelesen haben.

Redakteur:
Alex Straka

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