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Gruppentherapie ARGUS - "From Fields Of Fire"

12.09.2017 | 12:24

Einvernehmliche Jubelarie für den Soundcheck-Sieger? Nicht ganz, denn auch wenn der Großteil unserer Redaktion "From Fields Of Fire" von den Amerikanern ARGUS ganz klar auf der Pole Position im August sieht, so gibt es doch zumindestens einen Kollegen, der mit dem doomigen Heavy Metal der Jungs aus Pennsylvania nicht wirklich etwas anfangen kann. Wer das ist und warum seine Meinung die Gemüter unserer übrigen Gruppentherapeuten erregt hat, das lest ihr in den folgenden Zeilen.

Die Anzahl an traditionellen Metalbands, die sich, nun ja, in diesem Jahrtausend nachdrücklich in mein Herz gespielt hat, ist äußerst überschaubar: die chilenischen Doomster von PROCESSION und die Amis von ARGUS. Beim ersten Ton von 'A Curse On The World' auf "Boldly Stride The Doomed", dem 2011er Zweitwerk, war es um mich geschehen. Butch Balichs kräftige Stimme, der "MAIDEN-meets-Doom"-Metal, dazu Songs wie '42-7-29', 'Durendal' oder 'Pieces Of Your Smile', die mir allesamt meterdicke Gänsehaut bescherten, sorgten für eine Instant-Love-Affair. Eine Liebe, die durch das unbetitelte Debüt und den Nachfolger "Beyond The Martyrs" nur verstärkt wurde. "From Fields Of Fire" lässt diese Beziehung auch nicht abflauen, ganz im Gegenteil. Der Beginn mit den eher flotten 'Devils Of Your Time', 'As A Thousand Thieves' und dem Smasher 'You Are The Curse' ist schon bärenstark, doch die Tränen in die Augen treiben dann doch eher die episch-dramatischen Songs, von denen vor allem 'No Right To Grieve' hervorsticht. Gott, da habe ich glatt einen Kloß im Hals. Besser kann man traditionell gefärbten, doomigen Heavy Metal einfach nicht spielen und auch nicht besser singen. Wie immer völlig fantastisch.

Note: 9,5/10
[Peter Kubaschk]

 

Ich glaube, dass das hier ein Abfeiern wird - zumindest, wenn "From Fields Of Fire" auch andere ähnlich begeistert wie mich. Die Jungs von ARGUS schaffen es auch 2017, starke Melodien, epischen Gesang, wunderbar-doomige Gitarrenklänge und traditionelle Metal-Basics auf höchstem Niveau miteinander zu verbinden. Dabei wird "Beyond The Martyrs", der starke Vorgänger, definitiv wieder erreicht. Ob sich die Scheibe mit dem 2011er Album (und von Peter zurecht als Meilenstein eingeordneten) "Boldly Stride The Doomed" messen kann, wird aber erst die Zeit zeigen, denn anders als Kollege Päbst habe ich das Album noch keine hundert Mal hören können. Für mich gibt es mit "Hour Of Longing" einen klaren 10-Punkte-Song und quasi keine Ausfälle, so dass ich bei der Note nur knapp unter Peter ins Ziel fahre.

Note: 9,0/10
[Jonathan Walzer]

 

Meine erste ernsthafte Begegnung mit ARGUS. Nach dem ersten Durchlauf habe ich mir sofort die Vorgängerwerke angehört, da ich prüfen musste, ob diese monumentale Erhabenheit, die "From Fields Of Fire" innewohnt, auch dort zu finden ist. Den geneigten Leser wird die Antwort wenig überraschen: Sie ist es. ARGUS besitzt die urtümliche Gewalt von PRIMORDIAL, ohne die dieser Band eigenen Sperrigkeit, die epische Dichte von langsamen BATTLEROAR-Liedern und eine Lead-Gitarre, die nicht selten an die transzendentalen Momente von WHILE HEAVEN WHEPT erinnert. Und wo ich schon beim Namenwerfen bin: 'No Right To Grieve' weckt Assoziationen mit den neueren, epischen Stücke WATAINs. Ebenjene sieben Minuten jagen mir auch den wohligsten Schauer über den Rücken, dicht gefolgt von 'Hour Of Longing', einem weiteren Höhepunkt. Fast muss man sich bei der Suche nach schwächeren Liedern anstrengen, doch fällt z.B. 'Devils Of Your Time' im Vergleich zum Rest etwas ab. Insgesamt gefällt mir persönlich diese angedoomte Mischung aus traditionellen Klängen und einer angenehmen, wohl dosierten Härte und Rauhheit dermaßen gut, dass ich fast geneigt bin, hier die Höchstnote zu zücken. Den ein, zwei schwächeren Liedern und der Erwartung geschuldet, dass diese Band noch mehr könnte (oder bereits veröffentlicht hat), bleibt meine Bewertung dann doch knapp darunter.

Note: 9,0/10
[Jakob Frank Schnapp]

So arg viel erwarte ich mir hier nicht, denn ich habe ARGUS aufgrund jubilierender Worte einiger Kollegen und soundcheckbedingt schon ein paar mal erfolglos getestet. Jetzt läuft das Ding drei Mal bei Frühstück, Papierkram erledigen und Wohnung richten und joa, so arg anders als in meiner Erinnerung tönt das jetzt auch nicht. In meinen Ohren instrumental ganz cooler Retro Rock/-Metal mit knackig-knarzigen Riffs und zweistimmigen THIN LIZZY/MAIDEN-Leads, der jedoch von einem sehr penetrant und aufdringlich tönenden Gesang übertönt wird. In dieser Hinsicht wundere ich mich dann auch ein wenig darüber, was hier vor mir über das Album geschrieben wurde. Peter überschlägt sich zu Musik, die sich sehr ähnlicher Stilmittel bedient wie die ihn bisweilen eher langweilenden Retro-Bands. Vielleicht erklärt sich dies ja ob des dieser Musik stets innewohnenden Doom-Metal-Pathos, den er und andere Kollegen gar als "episch" bezeichnen? Letzteres würde ich jetzt mal nicht so unterschreiben. Weiter im Text lese ich "Besser kann man das nicht singen!" Öhem, doch! Der Sänger bewegt sich gefühlt immer nur in einer Tonlage und ist zudem wie schon zuvor wieder viel zu laut abgemischt. Dann wirft unser frischer Kollege Schnapp auch noch Bandnamen in den Topf, die ich mit der ARGUS-Mucke gar nicht assoziiere. PRIMORDIAL, WHILE HEAVEN WEPT, WATAIN? Da juckt was in den Geheimratsecken. Nicht falsch verstehen, die Band ist gut, legt sich ins Zeug, bemüht sich um gute Produktion und um interessante Liedgut-Gestaltung. In dieser Hinsicht ist absolute Professionalität angesagt. Die hohen Noten sind für mein Empfinden dennoch absurd.

Note: 6,5/10
[Thomas Becker]

Absurd ist nach meinem Befinden das, was Kollege Becker hier bei ARGUS heraus hören will und was nicht. Es beginnt dabei den herrlich erdigen, manchmal leicht doomigen Heavy Metal von ARGUS im Retro Rock zu verorten und dann gleichzeitig zu attestieren, dass es auch noch zweistimmige LIZZY/MAIDEN-Leads geben würde. Diese Leads gibt es natürlich, aber genau diese Parallelen zu THIN LIZZY (und damit automatisch zu IRON MAIDEN), sind es auch, die ein angenehmes 70ies-Flair durch die Musik von ARGUS wehen lassen. Weitere Assoziation mit Retro-Rock höre ich hier nicht, außer man betrachtet jede Doom-Band oder Heavy-Rock-Band als Retro-Kapelle. Das machen wir aber natürlich nicht. Dass es den Jungs von ARGUS obendrein erneut gelungen ist, ihren Sound etwas zu variieren, ohne dabei ihre Trademarks über Bord zu werfen, ist ein weiterer Pluspunkt der vierten Scheibe dieser tollen Band. Dieses Mal geht man nämlich fast durchgängig etwas flotter zu Werke, was mir sehr viel Freude bereitet. Die wunderbar warme Tiefe der Songs geht den Herrschaften dabei nämlich niemals verloren. Vielleicht ist Neuzugang Dave Watson, der vormals unter anderem bei ICARUS WITCH in die Saiten gegriffen hat, für diesen neuen Schwung zuständig, vielleicht ist es auch einfach eine natürliche Progression innerhalb der Band hin zu mehr Abwechslung, die dazu geführt hat. Auffallend ist die Tatsache - und hier bin ich erneut über die Ausführungen von Kollege Becker verwirrt -, dass Sänger Butch Balich mit seinem röhrenden Organ auch in diesen flinken Stücke eine ganz ausgezeichnete Figur abgibt. Dass er nur in einer Stimmlage singt, kann ich nicht bestätigen, aber vielleicht entsteht dieser Eindruck, weil er ein sehr originelles Timbre mitbringt, welches seiner Stimme eine immerwährende Tiefe (da ist sie schon wieder!) einverleibt. Dass er mit dieser einzigartigen Stimmfarbe aber variabel durch das Songmaterial jongliert, ist dann der nächste ganz dicke Pluspunkt dieses Albums. Wo wir schon bei Pluspunkten sind, muss ich einen Song noch etwas hervor heben: 'Hour Of Longing' ist der vielleicht schönste Heavy-Metal-Song des bisherigen Jahres. Treibend, verspielt, mit einer wahnsinnigen Gesangsmelodie überzogen und einem akustisch unterlegten Solopart. Entenparka!

Note: 9,5/10
[Holger Andrae]

 

Kollege Thomas möchte also ARGUS die Soundcheck-Suppe versalzen und unserem Jubel auch eine kritische Stimme hinzufügen. Doch auch wenn sein Beitrag mutig und ehrlich ist, so liegt er mit einigen seiner Punkte meilenweit daneben. Zum einen findet unser Chef Peter längst nicht so viele Retro-Bands langweilig, zum anderen kann man die Amerikaner wohl kaum dem Retro Rock zuordnen. Klar hat die Truppe ganz offensichtlich einige Platten aus den Siebzigern im Schrank und findet insbesondere die Gitarrenfraktion von THIN LIZZY hörbar gut, doch wenn nun jede Band auf Grund dieser Stilmittel in die Retro-Schublade gehört, dann müsste man wohl bald die Hälfte der neuen Releases dort verbuchen. Hinzu kommt, dass der Fünfer seinen ansonsten im klassischen Heavy Metal verwurzelten Sound auch nur dezent mit Twin-Gitarren würzt, während ansonsten vor allem die düstere Erhabenheit des Doom Metals den insgesamt neun Tracks ihren Stempel aufdrückt. Man höre sich in dieser Hinsicht nur einmal das famose 'Hour Of Longing' an, das alleine schon die Anschaffung dieses Silberlings rechtfertigen würde. Gleichwohl ist der Song aber nicht das einzige Highlight dieser Platte, sondern steht vielmehr nur stellvertretend für das feine Songwriting, mit dem die Truppe aus Pennsylvania selbst mich als Fan von eher modernen Schwermetall-Spielarten auf ganzer Linie überzeugen konnte. Absurd sind die ausnahmslos starke Benotung und die Pole Position in unserem Soundcheck also keinesfalls, Herr Becker, sondern vielmehr der verdiente Lohn für eine packende und höchst unterhaltsame Darbietung von doomigem Heavy Metal!

Note: 9,5/10
[Tobias Dahs]

Redakteur:
Tobias Dahs

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