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Gruppentherapie PARAGON-"Force Of Destruction"

22.11.2012 | 20:13

Traditioneller deutscher Heavy Metal kann Soundchecks gewinnen. Dass man dazu nicht ACCEPT, U.D.O oder KREATOR heissen muss, beweisen die Hamburger PARAGON mit ihrem neuesten Stahlwerk "Force Of Destruction". Hier die ausführliche Gruppentherapie!

PARAGON bedienen die Metal-Klischees, dass es fast nicht mehr feierlich ist. Es werden die 'Gods Of Thunder' gerufen, 'Blood & Iron' beschworen und die 'Blades Of Hell' gewetzt. An schlechten Tagen fang ich da schon gern mal das Meckern an, da so etwas einzig und allein die allmächtigen "Kings Of Metal" MANOWAR dürfen. Aber hey, PARAGON machen Spaß! Teutonenmetallischer Doublebass, Vocals irgendwo zwischen RUNNING WILD und GRAVE DIGGER und schon bin ich wieder ein pubertierender Jugendlicher, der wie verrückt mit seinen Kumpels durch die Schule rennt und 'Die By The Sword' schreit. Okay, das war jetzt SLAYER, macht aber nix, denn PARAGON sprechen dieselben alten (Hoch-)Gefühle an. PARAGON musizieren mit Spaß an der Sache und setzen das, was guten, alten deutschen Heavy Metal ausmacht, in Perfektion um. Da hat unser Marcel (zur Hauptrezension) nicht ganz unrecht. Die Band spielt sich den Hintern wund, die Klampfen riffen und fiedeln, was das Zeug hält, und bei den Refrains nimmt man auf dem Sommerfestival auch den wildfremden Nachbarn in den Arm und grölt Songs wie 'Bulletstorm' lauthals mit. This is Heavy Metal, Dudes!

Note: 8.0/10
[Thomas Becker]





Meine Vorliebe für typisch deutschen Heavy Metal ist eher beschränkt. GRAVE DIGGER, RUNNING WILD, MAJESTY oder REBELLION geben mir wenig bis gar nix. Von daher war ich auch bei PARAGON eher skeptisch, nur um dann sehr positiv überrascht zu werden. Zwar zitieren die Hanseaten Vorbilder wie ACCEPT, RUNNING WILD oder auch MANOWAR ('Gods Of Thunder'), aber dabei besitzen sie die Spritzigkeit und Heavyness, die ich bei den oben genannten Genrevertretern sehr vermisse. Bei 'Iron Will' oder 'Tornado' wird man quasi zum Headbangen gezwungen, die mehrstimmig gesungenen Refrains sind fett, aber authentisch, und vermeiden jeden Anflug von künstlichem Kitsch und das doomig beginnende Epos 'Blood And Iron' beweist, dass auch die Abwechslung nicht zu kurz kommt. Das liegt nicht nur an den prominenten Gästen. Zwar wird auch PARAGON jetzt kein Dauerbrenner in meinem CD-Schacht, denn dafür musizieren die Herren dann doch zu weit an meinen üblichen Hörgewohnheiten vorbei, aber wenn ich mal echten teutonischen, unverfälschten Heavy Metal hören möchte, dann ist "Force Of Destruction" ab sofort immer in der engeren Auswahl. Cooles Teil.

Note: 7.5/10
[Peter Kubaschk]


Eine Scheibe, die das hat, was Freund Rüdiger immer so treffend als Faustfaktor bezeichnet. Hier wird Hoppeldi-Hoppel-Metal mit hymnischen Melodien kombiniert und die Klassiker der Urmetal-Zeit zitiert, durch den Wolf gedreht und wieder zusammengesetzt. Ich befürchte, dass Peter sogar mit seinen Vergleichen Recht hat, auch wenn ich zwei davon eher als Beleidgung für PARAGON auffassen würde, aber meine persönliche Abneigung beiseite stimmt das offensichtlich doch. Allein 'Blood And Iron' lässt keinen anderen Vergleich als mit MANOWAR zu, ich würde aber insgesamt noch JUDAS PRIEST hinzufügen ('Blades Of Hell' ist ein geklauter PRIEST-Song, oder?). Und trotzdem mag ich die Scheibe! Das liegt wohl daran, dass die Jungs unbekümmert drauflos musizieren und so gradlinig durch die Pampa rocken, dass der Spaß rechts und links in hohem Bogen wegspritzt. Man erwarte bitte keine musikalische Offenbarung, aber wer es auch mal einfach, kitschig und manchmal schon fast ein wenig peinlich mag, liegt hier richtig. Und da mir eigentlich nichts peinlich ist, schwenke ich meine imaginäre Matte und freue mich einfach, weil mir "Force Of Destruction" ein Lächeln auf die Lippen zaubert!

Note: 8,0/10
[Frank Jaeger]





Da liefere ich schon mal neben dem guten Marcel, der die Hauptrezension verfassen durfte, die zweitbeste Soundcheck-Note für unseren November-Sieger ab, und schon werde ich quasi in die Gruppentherapie genötigt (Anm. TB: Er wurde ganz lieb gefragt! Anmerkung des Freischalters: das heißt fast ganz ohne Einsatz von Schusswaffen). Mr. Baker redet von MANOWAR-Lyrik und Mr. Hunter attestiert der Band den von mir meist über alles goutierten Faustfaktor. Dabei habe ich den Erkenntnissen meiner Vorredner gar nicht so viel hinzuzufügen. Denn im Prinzip haben die Herrschaften allesamt schon das gesagt, was wirklich Sache ist. Die Jungs von PARAGON bieten nichts Neues, sondern sie hauen uns einfach wunderbar stampfenden, klassischen Teutonenstahl um die Löffel, der seine Eckpunkte bei Grabschauflern aus dem Pott , hanseatischen Strahlemännern und schwäbischen Tyrannen hat. Das Ganze würzen die Jungs mit extrem eingängigen Refrains, mit einem ordentlichen Schuss Pathos und mit dem ominösen Faustfaktor. Hier gehen die Fäuste in die Luft, hier singen die Fans mit, und hier hat man das Bedürfnis, sich im Fluss des glänzenden Stahls zu wiegen. Das mag mancher kitschig finden, mancher vorhersehbar und mancher einfach nur flach. Aber hey, Leute, genau so ist er halt, der gute alte Heavy Metal aus Deutschland, und so liebt man oder hasst man ihn. Wer ihn mag, der findet in "Force Of Destruction" eine tolle Platte, die kaum einer auf der Rechnung hatte, und die einfach trotzdem von A bis Z all die Bedürfnisse befriedigt, die der Fan dieses Stils halt so haben kann. Da ich mich uneingeschränkt zu dieser im Untergrund gerne mal und vor allem auch immer öfters belächelten Spezies zähle, habe ich auch nicht die geringsten Bedenken, hier die verdienten neun Punkte zu ziehen. Die sind bei PARAGON allemal besser aufgehoben, als bei irgendwelchen intellektuell stimulierenden Prog-Pflänzchen mit Luftwurzeln, bei fadenscheinigen Reunionprojekten aus den frühen Achtzigern oder bei der neuesten Blüte einer der zahllosen Retrowellen.

Note: 9.0 /10
[Rüdiger Stehle]


Ich kann die Höchstplatzierung von PARAGON im Soundcheck in gewissen Maßen nachvollziehen, so zelebrieren die Hanseaten doch feinsten Heavy Metal mit allen Klischees, musikalisch wie textlich. Doch geht es darum in Musik? Für mich bedeutet Musik, wie jede andere Kunstform auch, Fortschritt. Man muss das Rad nicht neu erfinden, aber zumindest sollte man nicht den Rückwärtsgang einlegen. Und genau das passiert bei "Force Of Destruction". Die Platte ist meines Erachtens weder musikalisch noch künstlerisch überzeugend. Wenn ich klassischen Heavy Metal hören möchte, greife ich auf die Originale zurück und muss mir keine Kopie längst geschehener Taten anhören. Hier gibt es keine Überraschungen - jedes Lick, jedes Riff, jeder Groove, jede Gesangsmelodie ähnelt sich und reißt mich daher nicht mit. Zudem wird das Ganze dermaßen stumpf vorgetragen, dass mir mit zunehmender Zeit die Lust vergeht und ich entnervt die Stopptaste drücken möchte. Die Refrains sind außerdem dermaßen austauschbar, dass es scheint, als seinen PARAGON extrem schreibfaul gewesen. Auch harmonisch gibt es kaum Überraschungen: ob nun das Riff von 'Iron Will', 'Tornado', 'Gods Of Thunder' oder eines anderen Songs erklingt, das Tonmaterial scheint erschreckend gleich, instrumental wie gesanglich. Wer es old school mag und die alten Damen und Herren überhört hat, für den ist "Force Of Destruction" wahrscheinlich gefundenes Ohrenfutter, doch bei dermaßen monotonem Songwriting kann ich mir nicht denken, dass die Scheibe lange nachhallen wird. Aber dafür, dass PARAGON so eine Teutonen-Show abliefern, gibt es zumindest Unterhaltungs-Pluspunkte.

Note: 6.5/10
[Jakob Ehmke]




Thomas hat einen Punkt angesprochen, den ich sogleich aufgreifen muss: Zwar bin ich mit Mitte 20 noch lange kein "alter Hase", dennoch wirft "Force Of Destruction" einen in die unbekümmerte Zeit zurück, als man den Metal gerade erst kennengelernt hat. Dieses ursprüngliche Hochgefühl ist in jedem Riff, jedem Refrain, in eigentlich jeder Note spürbar. Da kann man sich schon einmal fragen, wie die Jungs von PARAGON dies schaffen, wo der Sound doch eigentlich "ganz normaler Heavy Metal" ist; die von den Kollegen angeführten Vergleiche sind aus meiner Sicht allesamt Volltreffer, ergänzend könnte man noch die Landsleute von WIZARD ins Spiel bringen. Die Hamburger kreieren aus all diesen Vorbildern ihren eigenen Klang, der - aus meiner Sicht sehr löblich - absolut nach 2012 und nicht künstlich nach den Jahren vor 1990 tönt. Und all diese guten Voraussetzungen werden um ein starkes Songwriting ergänzt, welches sowohl Locker- als auch Erfahrenheit durchschimmern lässt. PARAGON haben auf "Force Of Destruction" die perfekte Balance gefunden und so eine Platte geschrieben, die mir einfach unglaublich viel Spaß bereitet. Gute-Laune-Heavy-Metal eben, der Fäuste recken und Brüder Arm-in-Arm grölen lassen wird. Das ist zwar alles nicht wirklich innovativ, aber auch lange nicht mehr so gut umgesetzt worden. Dass hier neben den musikalischen auch mit lyrischen Klischees nicht gegeizt wird, rundet die Angelegenheit konsequent ab. In diesem Sinne: "Die in a bulletstorm!".

Note: 8,5/10
[Oliver Paßgang]


"Force Of Destruction" hat mich während des letzten Soundchecks mehrmals gerettet. Immer dann, wenn ich ein mieses Album widerwillig hören musste, aber lieber richtigen Metal auf die Ohren wollte, habe ich die neue PARAGON angeworfen. Warum? Weil es hier unverfroren auf die Zwölf geht, ganz gleich was für schreckliche Trends sich da draussen ankündigen oder welches Album einer altgedienten Truppe lieber in den Köpfen der Musiker geblieben wäre. Denn rein musikalisch ist nichts auf "Force Of Destruction" neu, innovativ oder bahnbrechend. Ich habe bestimmt etliche Platten in meiner Sammlung, auf denen es genau so hergeht. Warum gewinnt das Ding dann den Soundcheck? Nun, "Force Of Destruction" ist die gute alte Hausmannskost, die jeder von uns mag, wenn es in einem neuen, schicken Lokal nicht geschmeckt hat und man von den spärlich angerichteten Portionen nicht satt geworden ist. Wieder zu Hause angekommen, macht man den Kühlschrank auf und findet Reste des Bratens von gestern. Und selbst kalt schmeckt das so viel besser, als roher Fisch aus Japan (Banause; ich muss mit dir wohl mal richtig lecker Sushi essen gehen, was? - Frank Jaeger) oder mit Stickstoff gefrorenes Gemüse aus dem Labor. Da macht es auch nichts, dass die Soße etwas fettig ist, oder man schon dutzende Male den gleichen Braten verputzt hat. Also, Freunde der Blasmusik und des Breitensports: PARAGON erwarten Euch abends auf der Couch und lassen Euch das Bier aus der Flasche trinken. Das geht bestimmt stilvoller oder leckerer, aber manchmal braucht man das einfach. Prost!

Note: 8/10
[Nils Macher]

Redakteur:
Thomas Becker

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