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Gruppentherapie: AMORPHIS - Skyforger

23.05.2009 | 10:31

Die Himmelsstürmer von AMORPHIS treten erneut zum Siegeszug an. Doch können sie ihr letztes Meisterwerk "Silent Waters" eigentlich überhaupt noch toppen? Da kann es nur eines geben: ab auf die Couch und hingehört. Fühlen wir "Skyforger" mal kräftig auf den Zahn.



AMORPHIS sind glaube ich unbestritten Hoffnungsträger im heutigen Metalzirkus, da sie seit ihrer Taufe schon mehrfach bewiesen haben, dass sie innovativ und entwicklungshungrig sind und selten zweimal das Gleiche aufnehmen, wobei alles bisher aufgenommene eine sehr hohe Qualität aufwies. Die Entwicklung ging von den Death-Metal-Anfängen zum fast schon mainstreamigen Melancholic-Rock ("Am Universum"), und heuer befinden wir uns bei einem Mix aus tierisch groovendem Metal mit trauergeschwängertem Einschlag, einem Tick Progressivität und herrlich variablen vocals, die von martialischem Gegrunze bis zu zuckersüßen Harmonien alles in sich vereinen. Sind also AMORPHIS die Heilsbringer des Metal? Diese Frage wird in allen Gazetten mit "Ja" beantwortet, was ich für reichlich überzogen halte. AMORPHIS sind eine verflucht gute Band mit einer wahren Schatzkiste voll guter Ideen. Aber sie sind sicherlich keine Jahrtausend-Songwriter, was sich leider am neuen Output "Skyforger" zeigt. Nicht dass die Scheibe schlecht ist - 'My Sun' ist ein hochmelancholischer Ohrwurm, der sich manisch in die Rübe fräst, 'Majestic Beast' ein tonnenschwerer Mix aus Death Metal in Reinkultur, wunderschön träumerischen Melodien in den Refrains und im Gesamten böse walzend -, sie bringt aber leider nichts Neues. Vielmehr klingt "Skyforger" wie ein Best-of AMORPHIS, was ja im Prinzip nicht schlecht ist, die Klugheit der vorangegangenen Alben aber vermissen lässt.

Fazit? Gute Scheibe, auch wenn ich manch andere im Backkatalog vorziehe. 'Majestic Beast' killt aber wirklich ohne Ende. Allein deshalb, diesmal mit kleinen Abstrichen, aber dennoch wie auch sonst: beide Daumen hoch.
[Alex Straka]

AMORPHIS sind das, was man im Allgemeinen als Überraschungstüte bezeichnen würde. Natürlich nur musikalisch, versteht sich. Jedes Album der Finnen eröffnet aufs Neue die fröhliche "Was haben sie sich dieses Mal ausgedacht?"-Fragerunde, und neben vielen tollen Alben gab es auch den einen oder anderen richtig großen Coup. Ein schlechtes Album haben sie bislang also noch nicht veröffentlicht, deswegen läuft alles auf die eine große und entscheidende Frage hinaus: Hit oder "nur" gehobener Durchschnitt? Und tatsächlich ist die Frage schnell beantwortet: "Skyforger" ist ein absolutes Hammeralbum, ganz klar. Dabei geht es genau mit dem weiter, was bei "Silent Waters" begonnen hat. Zwar wurde der Härtegrad ein wenig heruntergefahren, doch die Standards, die mit dem 2007er Output gesetzt wurden, werden im seligen Jahr 2009 übertroffen. Doch ist "Skyforger" ohne diese musikalische Grundlage kaum zu verstehen. Denn allzu konsequent wird auf dem Vorgänger aufgebaut. All jene Momente, die auf "Silent Waters" für Glückseligkeit sorgten, sind auch jetzt wieder dabei. Im Prinzip ist es also eine Fortsetzung und sollte auch als solche gehört werden. Um es ein wenig persönlicher zu formulieren: Die Freude an und die Liebe zu dieser Band, die ich schon seit Jahren immer wieder erlebe, ist durch diesen Anwärter auf das Album des Jahres um ein Vielfaches gestiegen. Und ich bekomme schon jetzt Gänsehaut, wenn ich an die kommende Hallentour dieser Rockgötter denke.
[Julian Rohrer]


AMORPHIS haben eigentlich alles richtig gemacht, indem sie Ausnahmesänger Tomi Joutsen mit an Bord geholt haben, denn auch das dritte Album mit dem neuen Mann am Mikro ist von vorne bis hinten ein gelungenes Meisterwerk. Von der ersten Sekunde an schaffen es die eingängigen Kompositionen, den Hörer zu fesseln. Vom Piano-Intro bei 'Sampo' bis zum verträumt-spacigen Gitarrensolo bei 'From Earth I Rose' bietet das Album ein Highlight nach dem anderen. Auffällig dabei ist vor allem, dass man Herrn Joutsen dieses Mal mehr Platz für seine cleane Stimme gegeben hat, dass man sich hier und da mal wieder auf die spacig-progressiven Momente von AMORPHIS besinnt und dennoch die altbewährten Hitrezepte nicht vergisst. Klar darf Tomi auch noch ein bisschen grunzen, was sehr gut beim todesbleilastigen 'Majestic Beast' rüberkommt. Und auch die Melodien dürfen ruhig mal rockiger sein oder sich in angenehm kitschigen, epischen Balladen verlieren, was der Ohrwurm 'Silver Bride' bestens zeigt. Die Überschnulze des Albums ist aber ohne Zweifel 'From The Heaven Of My Heart'. Bei dem Song ist die schmachtende Stimme von Tomi noch intensiver, die typischen AMORPHIS-Gitarren noch präsenter und die Gänsehaut-Melodien noch mitreißender - großes Ohrenkino! Zurück zu ihren folkigen Wurzeln gehen AMORPHIS dann beim Titeltrack 'Skyforger', der mit einem sehr traditionellen Akustikgitarren-Intro mit Flötenuntermalung beginnt und sich in einen der besten Songs verwandelt, den die Finnen je aus dem Hut gezaubert haben: hart, aber zugleich auch emotional und leidenschaftlich. Hier stimmt einfach alles, und AMORPHIS-Fans, die schon die letzten Alben mit Tomi gut fanden, werden auch "Skyforger" lieben.
[Caroline Traitler]

Tomi Joutsens Einstand bei AMORPHIS ist für mich das Maß aller Dinge, denn "Eclipse" lässt mir über weite Strecken immer noch wohlige Schauer über den Rücken laufen. "Silent Waters" hingegen hatte leichte Anlaufschwierigkeiten, und der dritte Output der neuen AMORPHIS-Ära macht es mir noch viel schwerer. Als "episch", "packend" und "feierlich" beschreibt das Plattenlabel "Skyforger". Erster Durchlauf: klingt nach AMORPHIS, aber irgendwie lahm. Zweiter, dritter, zehnter Durchlauf: Wo bleibt die Gänsehaut? Damit will ich nicht sagen, dass die zehn Tracks totaler Ausschuss wären, aber mir fehlen diese Glücksmomente, die selbst der Vorgänger teilweise zu erschaffen vermochte. Woran liegt's? Ich würde behaupten, dass mir "Skyforger" zu unspontan, kontrastarm, zu sehr auf hübsche Melodien und Harmonien bedacht ist, um mich wirklich kitzeln zu können. Mit "Eclipse" hat man sich völlig aus dem Bauch heraus neu erfinden müssen, auf "Silent Waters" ein klein wenig herumexperimentiert. "Skyforger" hingegen wirkt trotz vieler interessanter Details etwas selbstgefällig, behäbig, glattproduziert und hat zu wenig echte "Hinhörer". Das dynamische 'Silver Bride' und das hymnisch-rasante 'Sky Is Mine' fallen positiv aus dem Rahmen, also die Titel, die durchgehend etwas mehr Tempo haben. Auch die Flötenparts von 'Highest Star' haben ihre Momente. Der Rest hat mir persönlich jedoch einen zu hohen Schunkelfaktor, um mehr als nur zur Nebenbeiberieselung gut zu sein, und selbst die wenigen, mit relativ hohem Growl-Faktor aufwartenden Stücke ('Majestic Beast', 'Skyforger', 'From Earth I Rose') tönen irgendwie schwerfällig. So lässt mich "Skyforger" leicht ratlos zurück. An der Leistung von Joutsen oder Holopainen liegt es sicher nicht, dass die Platte bei mir einfach nicht zünden will. Noch mal schnell in "Eclipse" reingehört - nein, damit kann der zu viel Einheitsbrei enthaltende Joutsen-Drittling leider nicht mithalten.
[Elke Huber]



AMORPHIS mag ich schon lange, aber so richtig toll fand ich nach "Tales Of A Thousand Lakes" erst wieder "Eclipse", dafür aber den Nachfolger "Silent Waters" noch viel toller. Da bin ich natürlich auf die neue Scheibe sehr gespannt und kann nun nach eingehender Prüfung attestieren, dass mir auch dieses Album sehr gut mundet. AMORPHIS haben sich weiter auf ihre (neuen) Stärken besonnen und das musikalische Konzept, das sie vor zwei Alben begannen, konsequent weitergeführt. Vergessen sind die Ausflüge in ganz seichte Gefilde, hier wird sogar mal wieder gegrunzt, man höre mal 'Majestic Beast'. Allerdings: Vom Death der frühen Tage sind wir meilenweit entfernt. Ruhige Parts, Folkeinflüsse und viel, viel Melodie dominieren das Bild, das mehr denn je durch Tomi Joutsens Gesang geprägt wird. Durch die Konzentration auf die Stimme und eingängige Refrains habe ich die Scheibe bereits beim ersten Anhören ins Herz geschlossen, und da ist sie immer noch. Die befürchteten Experimente, die die Band häufig unternahm, sind ausgeblieben, stattdessen gibt es eine Vollbedienung für die Fans. Das kann man nicht genug loben, deswegen gibt es eine uneingeschränkte Kaufempfehlung. "Skyforger" ist nur ganz knapp schlechter als "Silent Waters", und der Grund dafür ist, dass "Skyforger" an keiner Stelle überraschen kann. Aber es geht nicht beides, Fanvollbedienung und Innovation schließen sich häufig aus. Ich bin momentan mit dem Ersteren völlig zufrieden.
[Frank Jaeger]

Tja, was haben sie noch in petto, die alten Recken von AMORPHIS? Erstklassige Klangkunst oder halbgare Dutzendware? Die Antwort fällt kurz und eindeutig aus: Ersteres. AMORPHIS präsentieren sich auch im 19. Jahr ihres Bestehens noch frisch und knackig und haben ein paar prickelnde Hymnen zusammengebastelt, wenngleich der Scheibe die ganz großen Überraschungsmomente fehlen. Die Songs bleiben dank ihrer griffigen Melodien rasch und längerfristig hängen, dabei kristallisieren sich aber nicht nur zwei oder drei hervorragende Stücke heraus, bei mir wechselten die Favoriten mit fast jedem Hördurchlauf. Zum Ende des Albums hin haben sich dann aber doch noch ein paar wenige Füller eingeschlichen, die nicht die kompositorische Stärke der übrigen Nummern aufweisen, weshalb das Album dann leider doch nicht von vorn bis hinten uneingeschränktes Suchtpotenzial aufweist. Dennoch: Mit "Skyforger" liefern die Finnen ein Album weit oberhalb des Einheitsbreis ab und selbst für AMORPHIS-Verhältnisse ein überdurchschnittlich gutes Erzeugnis metallischer Klangkunst. Und was nicht zu kurz kommen sollte: "Skyforger" ist ein Metalalbum, auf dem es eben nicht nur melancholisch schmachtend zugeht, sondern auf dem auch hartes Riffing (häufiger) und raues Growling (sporadisch) nicht zu kurz kommen. Die Mischung macht's eben. Von Altersmüdigkeit ist bei AMORPHIS also nach wie vor nichts zu spüren - von dieser Qualität dürfen sie auch im dritten Jahrzehnt ihres Bestehens gern noch ein paar Scheibchen raushauen.
[Stephan Voigtländer]

Es ist Ewigkeiten her, dass ich mich zum letzten Mal näher mit einem AMORPHIS-Album beschäftigt habe, schon fast nicht mehr wahr. Einen triftigen Grund dafür gab es eigentlich nicht, außer vielleicht andere musikalische Prioritäten. Denn wann immer ich den Finnen live oder auf Scheibe begegnet bin, habe ich mich musikalisch zu Hause gefühlt. So freue ich mich wirklich sehr auf "Skyforger" und werde in meiner Vorfreude zunächst bestätigt. Schon der Opener 'Sampo' baut in druckvollem und differenziertem Sound eine großartige Atmosphäre auf und überzeugt auch kompositorisch auf ganzer Linie. Dieses Niveau kann das folgende 'Silver Bride' leider nicht ganz halten, da es zwar sehr gefällig, aber doch ein wenig vorhersehbar rockt und groovt. Am besten gefällt mir "Skyforger" in seinen vielschichtigen, leicht epischen und vor allem in den mit akustischen Gitarren experimentierenden Momenten, wie etwa beim tollen 'From The Heaven Of My Heart', auf dem der inzwischen auch schon nicht mehr ganz so neue Sänger Tomi Joutsen seine ganze stimmliche Klasse ausspielen kann. Tolle Leads blitzen bei 'Sky Is Mine' auf, und bei 'Majestic Beast' darf auch die finstere, Death-Metal-lastige Vergangenheit mal wieder aufblitzen, ohne dass dies unpassend wirken würde. Trotz einiger vorhersehbarer Stellen hat die neue AMORPHIS ein durchwegs hohes Niveau und viele Knaller an Bord, so dass ich mich wohl irgendwann mal chronologisch rückwärts durch die Bandbiographie graben muss.
[Rüdiger Stehle]



Es ist natürlich immer gefährlich, den eigenen Enthusiasmus für eine Band an einem bestimmten Mitglied festzumachen, doch genau das ist bei mir der Fall wenn es um AMORPHIS geht. Auch wenn ich die Kompositionen Holopainens schon immer recht ansprechend fand, so konnte mich der Gesang nie wirklich vom Hocker reißen – bis Tomi Joutsen der Band beitrat. Seitdem verfolge ich die Karriere der Kalevala-Jungs mit Spannung und freue mich auf jedes neue Material. Zugegeben, der Überraschungseffekt bleibt bei "Skyforger" völlig aus. Stattdessen konzentrieren sich die Finnen auf das, was sie am besten können, und ihre Fans werden die eingängigen Melodien sowieso lieben. Trotz einiger softer Elemente und Balladen (bei denen vor allem 'My Sun' heraussticht) fehlt es allerdings auch nicht an der AMORPHIS-typischen Härte. Immer wieder beweist Tomi Joutsen, dass er nicht nur große Emotionen vermitteln kann, sondern nebenbei auch das Growlen nicht verlernt hat. Lieder wie 'Sky Is Mine' oder auch der Titeltrack stechen sofort durch die entstehende Spannung positiv heraus, doch für meinen Geschmack hätte es ansonsten auf der Platte ruhig noch etwas mehr Ecken und Kanten geben können. Die insgesamt zehn Tracks plätschern bei den ersten Hördurchgängen etwas dahin und wirken teilweise irgendwie blutleer. Nach der Eingewöhnungsphase erschließen sich aber auch die restlichen Lieder, und "Skyforger" fügt sich zu einem soliden Gesamtwerk zusammen. An "Eclipse" reicht der Silberling letztendlich nicht heran, aber dennoch können AMORPHIS mit ihrem neuen Werk wieder einmal beweisen, dass sie defintiv zur Elite der Metalszene gehören.
[Ricarda Schwoebel]


Ich muss ja zugeben, dass AMORPHIS für mich noch bis letztes Jahr eine gesichtslose Gothic-Metal-Band unter vielen waren. Dieser fatale Irrglaube stammt aus dem Jahre 1999, in dem ich mir "Tuonela" zugelegt und AMORPHIS unter oben stehender Beschreibung ad acta gelegt habe. Letztes Jahr auf dem Rock Hard Festival habe ich mir die Finnen also auf Drängen der Kollegen knapp zehn Jahre später zu Gemüte geführt und war über alle Maßen überrascht, dass AMORPHIS inzwischen ja völlig andere Musik machen, als es damals der Fall war. Grund genug, mich mit den Herren um Sänger Tomi Joutsen näher zu beschäftigen und die AMORPHIS Diskographie aufzuarbeiten. Mit "Skyforger" legen die Jungs nun den neunten Output in ihrer Karriere vor und wissen durchaus zu überzeugen. Der Silberling lebt definitiv von Joutsens Ausnahmeorgan und den hymnenhaften Melodien, die die Platte von der ersten Sekunde an durchziehen. Höhepunkt dessen stellt das ergreifende 'From The Heaven Of My Heart' dar, das zwar, zugegeben, über eine gehörige Portion Kitsch verfügt, aber trotzdem schlicht "schön" ist. Tomis Stimme schafft es sowohl im klaren als auch im gegrowlten Bereich, dem Hörer einen (wohligen) Schauer nach dem anderen über den Rücken zu jagen. Lediglich der Growl-Anteil auf "Skyforger" könnte meiner Meinung nach etwas höher sein, die Platte wirkt insgesamt durch den hohen klaren Gesangsanteil etwas polierter als die beiden Vorgängeralben in Joutsens Ära. Trotzdem: Ausfälle gibt es auf "Skyforger" keine, die großartigen melancholischen bis treibenden Melodien wissen ausnahmslos zu gefallen. Zu den Höhepunkten der Platte gehört meiner Meinung nach auch das epische 'Sky Is Mine', das über weniger Kitsch als 'From The Heaven Of My Heart' verfügt, aber dennoch kaum weniger emotional rüberkommt. Zum ganz großen Wurf fehlt AMORPHIS allerdings etwas mehr Feintuning im Songwriting, die meisten Songs sind zwar äußerst eingängig, aber ebenso leicht zu durchschauen. Trotzdem ist "Skyforger" eine starke Platte geworden. Wenn es AMORPHIS in Zukunft schaffen, Tomis Stimme mit etwas weniger durchschaubarem Songwriting zu kombinieren, steht einem ganz großem Ding nichts im Wege.
[Hagen Kempf]



Das finnische Gespann war mir schon mit "Tales From The Thousand Lakes" suspekt, konnte ich doch damals die euphorischen Lobgesänge, die allerorten ertönten nicht nachvollziehen. Diese Meinung hat sich übrigens bis zum heutigen Tage nicht geändert: Dieses Album ist in meinen Ohren nichts Besonderes. Anders hingegen verhält es sich mit "Tuonela", in welches ich zufällig einmal hineingehört habe und welches bis jetzt immer wieder gern in der heimischen Anlage rotiert. Danach wurde die Band wieder uninteressant für mich, obwohl ich die Scheiben alle immer ganz nett fand. Und genau das war auch mein erster Gedanke zu "Skyforger": ganz nett. Hübsche Melodien, die teilweise sogar angenehm einprägsam klingen, folkloristische Elemente, abwechslungsreicher Gesang, der sowohl im cleanen als auch im growlenden Bereich sehr passabel klingt, sind halt Zutaten, die ein ordentliches Ergebnis produzieren. Allerdings hatte ich anfänglich den Eindruck, dass AMORPHIS – bewusst oder unbewusst – mit angezogener Handbremse vorgehen. Vieles klang (zu) schwer, teilweise fast behäbig. Trotzdem habe ich "Skyforger" immer wieder eingelegt. Irgendwas gefiel mir wohl doch. Und jetzt, gefühlte drölfzig Umdrehungen später, kann ich den Finnen ein astreines Album attestieren, welches mit 'From The Heaven Of My Heart' eine fantastisch kitschige Nummer, mit 'Majestic Beast' einen wuchtig-verspielten Growler und mit dem Opener 'Sampo' einen lupenreinen Hit am Start hat. Und das ist nur die Speerspitze eines erstklassigen Albums, das seine volle Pracht nicht sofort preisgeben will.
[Holger Andrae]

Wie kann eine Band über neunzehn Jahre auf den Buckel haben und dennoch immer besser werden? Mir fällt dazu nur ein Grund ein: wenn sie AMORPHIS heißt. Bereits die letzte Scheibe "Silent Waters" war stark, doch mit "Skyforger" schießen sie den Vogel ab. Melodischer als in der Vergangenheit präsentieren uns die Finnen ein Album, das nicht nur im Metallager für Euphorie sorgen sollte. Tödliche Melodien gepaart mit vereinzelten Härteeinschüben sollten für jeden Romantiker genau das Richtige sein. Doch während man bei den meisten Bands von einem, zwei, maximal drei guten Songs spricht, die ein Album mit hochziehen, sprechen wir hier von Dauerrotation aller Songs. Wer hier nicht den Alkohol aus dem Schrank holen und in die dunkelste aller Nächte reisen möchte, der sollte nie wieder Musik hören. Ein Traum! Chefdenker und Gitarrengenie Esa war entweder zwei Jahre krank oder hat keine Freunde. Wie schafft man es, in zwei Jahren solch geniale Riffs und solche Wahnsinnssoli aus der Tasche zu ziehen? Für mich das kommende Album des Jahres!
[Enrico Ahlig]



Der Baum mit dem leuchtenden Wurzelwerk auf dem erneut von Travis Smith gestalteten Cover markiert eine Steigerung zu dem selbstsicher abseits des guten Geschmacks positionierten Mondscheinschwänchen, das das Deckblatt des "Silent Waters"-Booklets verunziert; kompositorisch liegt "Skyforger" unter dem Niveau des 2007er Albums. AMORPHIS werden öfter von der Austauschbarkeit erwischt, so dass einiges ohne die erforderlichen Melodiegeistesblitze vorbeizieht. 'From The Heaven Of My Heart' kommt im Refrain der schon lange akutes Unwohlsein begünstigenden Finnen-Rock-Süßlichkeit zu nahe, 'Highest Star' und 'Course Of Fate' führen Bestandteile der Diskographie zusammen, die weniger überzeugend sind, wohingegen 'My Sun' die schwelgerische Festlichkeit unnötig auf die Spitze treibt und sie damit ihrer positiven Wirkung beraubt. Das genügt, um von dem uninteressantesten Longplayer der Tomi-Joutsen-Amtszeit sprechen zu müssen. Aber die neue Bandhochstimmung, die der zum Leidwesen interessierter Männer und Frauen beim Hören der Musik immer noch nicht im Zimmer erscheinende Sänger mit seinem Einstieg vor ein paar Jahren auslöste, ist nicht verflogen. Zu gut sind 'Sampo', der Rocker 'Sky Is Mine', das phasenweise knurrende 'Majestic Beast', der forsche Titeltrack sowie das sofort auffallende und total unerwartet als Single abgeworfene AMORPHIS-Hit-Muster 'Silver Bride'. Hätten sich die Jungs Genreemporkömmlingen zu erwehren, wären es diese Songs, die für klare Verhältnisse sorgten.
[Oliver Schneider]


Geklotzt und nicht gekleckert wird auf dem aktuellen AMORPHIS-Album "Skyforger", und dabei entsteht auch gleich eine Art Panorama, so als hielten die Musiker aus der Krone des coverzierenden Lebensbaums Rückblick auf die Stilvielfalt der bisherigen Bandkarriere. 'Sampo' klingt druckvoll und eingängig dank Klaviereinsprengseln, doch schon hier deuten dazwischengesäte psychedelische Keyboardläufe und vereinzelte Growls die Bandbreite von AMORPHIS auf. Dennoch läuft "Skyforger" recht glatt ins Ohr, da die meisten Stücke vom Gesang dominiert werden: 'Silver Bride', 'Skyforger' und 'Course Of Fate' klingen rockig, direkt, kraftvoll, amorphistypisch und bieten wenig Neues; 'From The Heaven' sorgt, wieder klavierbegleitet, für Romantik; doch dann treten in 'Sky Is Mine' wie ins Endlose gespiegelte Riffkaskaden, die mich mitunter sogar an LONG DISTANCE CALLING erinnern, zum zweifellos erhabenen Gesang. Ein weiteres Glanzlicht setzt 'Majestic Beast', das auf eine gewisse Vertrautheit mit OPETHs "Ghost Reveries" schließen lässt. Geradezu episch wird's im großen Finale 'From Earth I Rose', in dessen Sound folkige Elemente hineinspielen. Auch wenn 'My Sun' und 'Highest Star' im Vergleich mit den übrigen Stücken geringfügig schwächeln und große Hits weitgehend ausbleiben, ist "Skyforger" ein durchweg solides Stück Melodic Metal geworden, das AMORPHIS-Fans zufriedenstellen dürfte, da ihnen darauf weder tiefgreifende stilbrüche noch gravierende Qualitätseinbrüche zugemutet werden. Das nächste Album darf aber etwas mutiger ausfallen!
[Eike Schmitz]

Mit AMORPHIS ist das so eine Sache: Eine Band, die meine Wenigkeit mit "Tales From The Thousand Lakes" und "Elegy" lieb gewonnen hatte und die spätestens mit "Am Universum" in den Tiefen meines CD-Schranks verschwand. Anno 2006 dann die Auferstehung mit "Eclipse" und dem von den Vorrednern ja schon ausgiebig zitierten neuen Sänger Tomi Joutsen, der erstmals in der Bandgeschichte die Merkmale klaren Gesang und Growls in Personalunion vereinte. Beim dritten Album der neuen Ära weiß man mittlerweile auch musikalisch, was man hat: Schon die ersten beiden Songs 'Sampo' und 'Silver Bride' bieten die ganze Bandbreite des finnischen Könnens, wohlklingende Intros, groovende Gitarren, fette Refrains und bisweilen leicht orientalisch angehauchte Klänge wie zu "Elegy"-Zeiten. Auch wenn bisher scheinbar niemanden aufgefallen ist, dass die Gitarrenmelodie von 'Silver Bride' jener des BON-JOVI-Klassivers 'Living On A Prayer' recht ähnlich ist – nur ohne Wah-Wah-Effekt.

Allerdings fällt nach ein paar Durchläufen auch auf, dass der Schmachtfaktor auf dieser Scheibe eindeutig überwiegt. Sei es vor allem in 'My Sun' oder zumindest mit ein paar schnelleren Rhythmen unterlegt in 'From The Heaven Of My Heart' oder 'Sky Is Mine'. Aber keine Angst, die Herren wissen noch, wie man Death Metal schreibt, was sie mit dem doomigen 'Majestic Beast' oder dem ebenso an "Elegy" erinnernden 'From Earth I Rose' unterstreichen. Was bleibt, ist eine Scheibe, die in der neuen Tradition von "Eclipse" und 'Silver Bride' steht, von neueren Fans ins Herz geschlossen werden wird, aber auch durchaus von Anhängern der alten Schule angecheckt werden sollte. Wenn man denn auch mit den vorigen Alben etwas anzufangen wusste.
[Carsten Praeg]

Details zum Album aus der Sicht der Band und weitere interessante Infromationen gibt es im aktuellen Interview mit Esa Holopainen zu "Skyforger" hier.

Redakteur:
Enrico Ahlig

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