Gruppentherapie: ARGUS - "Boldly Stride The Doomed"

22.05.2011 | 16:44

Euphorie auf der einen, Langeweile auf der anderen Seite. ARGUS schaffen es zwar nicht die gesamte Soundcheck-Redaktion zu überzeugen, liefern aber nach Meinung eines Großteils doch ein echtes Sahnestück ab. Ihr müsst entscheiden, auf welcher Seite ihr steht.

Wahnsinn. Es dauerte zwar zwei, drei Durchläufe, aber dann stand für mich unumstößlich fest, dass "Boldly Stride The Doomed" das beste tradtionelle Heavy-Metal-Album seit Jahren(!) ist. Und das, obwohl die Amis von ARGUS im Grunde nichts Außergewöhnliches oder Neues machen. Es gibt Metal, der irgendwo zwischen IRON MAIDEN (vor allem die Gitarren) und SOLITUDE AETURNUS (die Atmosphäre) liegt. Meist tragend, mal flott nach vorne preschend, stechen hier vor allem zwei Eigenschaften hervor: Der unglaubliche Gesang von Butch Balich, dessen Kraft und Ausdrucksstärke der totale Wahnsinn sind (hört dazu das elfminütige Epos 'Pieces Of Your Smile', das epische, meterdicke Gänsehaut verursachende '42-7-29' oder die grandiose Schlachthymne 'Durendal'), und das brillante Songwriting, das abwechslungsreiche, smart arrangierte Kompositionen bereithält, die einem auch nach 20 Durchläufen noch Neues bieten. Würde das starke 'The Ladder' im Albumkontext nicht etwas abfallen, wäre hier wohl auch die Höchstnote fällig. Famos. Grandios. Superb. Kaufen.

Note: 9,5/10
[Peter Kubaschk]


Dass die zweite ARGUS-Scheibe in unserer Redaktion sehr gut ankommen würde, habe ich durchaus erwartet. Denn mit melodischen Doomklängen und einem herausragenden Sänger wie Butch Balich ist eine Band in unseren Hallen bekanntlich meist konsensfähig. Dass es indes zum Soundcheck-Sieg reicht, hat mich dann doch ein wenig überrascht. Warum? Weil die Band in meinen Ohren nicht ganz die überragende Ausnahmeleistung abliefert, welche gleich vier Klangtest-Kollegen in ihr hören. Dazu fehlt der Hauch an noch mehr Originalität und Eigenwilligkeit. Dennoch ist das Album ein großer Wurf, denn auf "Boldly Stride The Doomed" zeigt sich die Band nach meiner Wahrnehmung kompositorisch stark beeinflusst vom Schaffen eines Herrn Edling, und zwar nicht nur in dessen CANDLEMASS-Inkarnation. Auch der Gedanke an KRUX liegt ab und zu nahe. Vor allem, weil Frontmann Butch Balichs Timbre mich hier und da an Mats Levén erinnert. Auch wenn die Stimme dem Doom-Fan durch Balichs PENANCE-Vergangenheit natürlich eh schon ein Begriff ist und einen Ruf von eigenem Range hat. Die vielfach beschworenen MAIDEN-Referenzen indes, halte ich eher für unscheinbar. Klar, manch trabende und pumpende Basslinie und einige Gitarren-Leads atmen eindeutig den guten alten NWoBHM-Geist, doch für mich ist das bei ARGUS nicht das prägende Element. Dann schon eher ein gewisser Hang zur Epik, der bei 'Durendal' sehr intensiv durchschlägt. So bleibt ein großartiges Album zwischen melodischem Doom und epischem Heavy Metal, das durch den tollen Gesang eine weitere Veredelung erlebt.

Note: 8,5/10

[Rüdiger Stehle]


Selten war die Diskrepanz zwischen der Durchschnittspunktzahl unseres Monatsgewinners und meine persönliche Einschätzung größer. Um es vorweg zu nehmen, ARGUS können mich und mein musikalisches Herz mit "Boldly Stride The Doomed" schlicht und ergreifend nicht erreichen. Das liegt zum einen an dem doomigen, etwas trüben Zuschnitt der Herren, mit dem ich mich partout nicht anfreunden kann. Vielleicht liegt es auch an der Tatsache, dass mir die Ideen, die jene nach wie vor talentierte Truppe nun 2011 auf dem Doom-Tablett serviert, nicht frisch genug klingen, um die Meinung der restlichen Redaktion zu teilen. Zu schwerfällig scheppert mir das Prozedere ARGUS' aus den heimischen Boxen. Zwar können die kräftigen, markanten Vocals von Butch Balich speziell dem Anfang viel Vitalität verleihen, verlieren dem Ende hin aber doch ein wenig an Durchschlagskraft, wodurch ich mich beispielsweise bei 'Pieces Of Your Smile' oder dem Titeltrack des Öfteren beim Gähnen erwische. Die Doom-Corsage der Herren wirkt mir zu straff, was das Talent der Jungs jedoch nicht schmälern sollte, im Gegenteil. Somit lässt sich festhalten, dass Geschmäcker, Gott sei dank, doch relativ unterschiedlich sind, selbst in unserem Redaktionspool. Und eben dort liegt doch auch der interessante Aspekt eines Soundchecks, wenn wir einmal ehrlich sind.

Note: 5,5/10
[Marcel Rapp]


Das Gebräu der ARGUS-Recken aus epischem Doom und klassischem Heavy Metal hat natürlich Gefallpotenzial, leider wird trotz einiger großartiger Momente kein durchgängig hohes Niveau des Songwritings durchgehalten. Der epische Hammersong '42-7-29' zeigt am besten, wozu ARGUS in der Lage sind - hier stimmt einfach alles: Atmosphäre, Melodien, ergreifender Gesang und ein bisschen wohldosierter Pathos. Auch der Longtrack 'Pieces Of Your Smile' hat seine tollen Momente und der flotte Titeltrack geht dermaßen in die Beine, dass es eine wahre Freude ist. Demgegenüber sind andere Nummern ziemlich gewöhnlich und viel zu eintönig ausgefallen. Besonders das uninspiriert wirkende 'A Curse On The World', 'Fading Silver Light' und 'The Ladder' (hier sorgt das laaanggezogene Gesinge sogar für leichtes Nervpotenzial) fehlt es eindeutig an Tiefe. Dabei ist das stilistisch genau meine Baustelle - vor allem, wenn es stellenweise wie z.B. bei 'Durendal' an WHILE HEAVEN WEPT erinnert. Auch klanglich ist alles im grünen Bereich, denn die Platte fällt angenehm kraftvoll aus (da kommt ja manches aus dem Bereich einfach zu dünn daher). Die Gitarrenarbeit ist erste Sahne und den Gesang würde ich immerhin als recht ordentlich bezeichnen, auch wenn für mich keinesfalls das Aushängeschild bei ARGUS. Doch wenn es dann mancherorts schlicht zu vorhersehbar und eintönig wird, dann kann der Funke nicht überspringen. Hier wäre sicherlich mehr drin gewesen.

Note: 7,5/10
[Stephan Voigtländer]

Mal wieder so richtig schön traditionell. Was für den einen unspektakulär erscheinen mag, läuft mir halt rein wie das Feierabendbier. Ich hatte eigentlich etwas mehr Doom erwartet, aber wurde stattdessen mal richtig auf dem falschen Fuß erwischt - hier regiert nämlich nicht die gezwungene Langsamkeit, sondern Metalsongs mit echtem Herz! Dabei legt die Band um den großartigen Sänger Butch Balich (ich hoffe für ihn, dass das nur ein Pseudonym ist) Songs hin, die in zweierlei Hinsicht bestechen. Da ist zum einen die spürbare Liebe zu ihren Kompositionen, deren Arrangements gradlinig und mitreißend sind, und die den Spaß der Band quasi aus den Boxen strahlen lassen. Zum Anderen vermag ARGUS genug Abwechslung in das Album zu bringen, so dass man nach der ersten Runde sofort nochmal zur Play-Taste hastet, um die über 50 Minuten Kurzweil nochmal zu genießen. Ja, IRON MAIDEN, THIN LIZZY, SOLITUDE AETURNUS - ihr habt alle recht. Aber am Ende ist es dann vor allem eins: ARGUS. Und damit ein würdiger Nachfolger zu dem Geheimtipp "Argus" von 2009, den man bitte in diesem Zusammenhang auch gleich eintüten sollte!

Note: 9,0/10
[Frank Jaeger]

Redakteur:
Peter Kubaschk

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