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Gruppentherapie: DEAD KOSMONAUT - Gravitas

07.02.2020 | 10:37

IRON MAIDEN trifft auf Doom. Klingt doch toll! Oder?

Nun, dass DEAD KOSMONAUT keinen russischen Space Rock spielt, werden wohl die meisten wissen. Und mit diesem Stil hätte man wohl auch kaum eine Chance in unserem ersten Soundcheck des neuen Jahres gehabt. "Gravitas" wird aber hinter SEPULTURA und THOUGHTS FACTORY Dritter. Doch unsere Redaktion ist groß und es tummeln sich hier unterschiedlichste Ohren. Und da gibt es auch welche, die den Kosmonauten eher skeptisch durch den Raumanzug betrachten. Idealsituation für eine Gruppentherapie!

Bei DEAD KOSMONAUT und dem neuen Album "Gravitas" geht unser Rezensent Haris Durakovic stark auf die Jungfrauenlastigkeit des Sounds ein. Diese höre ich hier nur partiell. Klar gibt es das ein oder andere Riff, das man so auch auf "Powerslave" hören könnte, und gerade die Soli sind klar von IRON MAIDEN, aber auch von MERCYFUL FATE beeinflusst. Auch ich höre bei 'Iscariot's Dream' ordentliches Iommi-Riffing, denke aber nicht an die ganz frühen SABBATH-Momente. Der Doom ist stark rocklastig, ein wenig wie die letzte MAGIC CIRCLE-Scheibe, und einen leichten Stoner-Einschlag kann man dem Gesang auch nicht absprechen. 'Vanitas Profeta' erinnert dagegen klar an epischen Doom der CANDLEMASS-Schule, hebt sich durch den Gesang aber deutlich ab. Insgesamt gefällt mir das Potpourri allerdings ausgesprochen gut. Die Mischung ist stark und sollte Doom-Freunde, Traditionalisten und Hard-Rock-Fans gleichermaßen ansprechen. Vor allem die Gitarrenarbeit ist enorm abwechslungsreich, melodisch und auch heavy. Sehr fein.

Note: 8,5 / 10
[Jonathan Walzer]

 



Nachdem DEAD KOSMONAUT durch meinen Vorredner Jonathan und Kollegen Haris in seinem Review auf der metallischen Landkarte positioniert wurde, ist es an der Zeit, über etwas zu reden, was beide bislang noch nicht explizit erwähnt haben. Nämlich dass "Gravitas" zwei völlig unterschiedliche Hälfen hat. Die erste rockt, die zweite mäandert. Und für mich funktioniert die erste deutlich besser. Die ersten vier Lieder kreuzen hart rockende 70er und 80er geschickt und geschmackvoll miteinander, wobei vor allem der saubere Klargesang heraussticht. An IRON MAIDEN denke ich allerdings doch eher selten, eher an BLACK SABBATH mit Dio oder auch die ein oder andere schwedische Vintage-Rock-Combo à la YEAR OF THE GOAT. Ein Song wie 'The Spirit Divide' ist erste Sahne! Doch dann wird es plötzlich langsam und langatmig. Beide Longtracks, verbunden durch atmosphärische Zwischenstücke, hätte man gut und gerne auf ein Drittel zusammenschrumpfen können und hätte dabei wohl noch zwei feine Songs mehr auf dem Konto gehabt. Das kostet in der Endabrechnung ordentlich Körner. Und dennoch bleiben satte sieben Zähler übrig, in der Hoffnung, dass die Band das mit dem Doom das nächste Mal bleiben lässt und ordentlich durchrockt.

Note: 7,0 / 10
[Thomas Becker]

 

Dooooom. Meine Baustelle. Haris, dessen Urteil ich vertraue, bringt aber schnell IRON MAIDEN ins Spiel. Da horche ich auf und spitze die fleischigen Ohren, wobei die Nennung dieser Band eigentlich ein Grund für mich wäre, nicht mehr zuzuhören. Eben nicht so mein Claim, meine Baustelle. Ich erwarte pathetischen Klargesang, und prompt ist er da. "Down the Hiiighwayyyergh..." in 'Iscariot's Dream'. Eigentlich bin ich raus, da Fachfremde das Bild verzerren. Aber nun habe ich schon mal angefangen, da klaube ich noch was zusammen. Mir fällt auf, dass die beiden Langstücke, denen ich die meisten Chancen gebe, von zwei Kurzstücken unterbrochen werden; habe ich so auch noch nicht gesehen. Die ersten vier Stücke gehen als EP durch. Voll mit Heavy Metal. Die zweite Hälfte hinterher kann man als den Versuch der Band betrachten, klassischen epischen Doom aufzubauen. Bei den besagten Langstücken angekommen, stelle ich für mich schnelle eine eintretende Langatmigkeit fest. Die Band drückt nicht auf das Langsam-Schnell-Wechsel-Pedal, was ein erwünschter Zusatz meinerseits wäre oder experimentiert nicht im Klang herum, was den Effekt noch einmal verstärkt. Es streift sich so aus, streift an mir vorbei, ich gebe gern auf. Haris, diesen versierten Hauptrezensenten, grüße ich lächelnd: Vergib mir.

Note: 3,5 / 10
[Mathias Freiesleben]

 

Ahh, endlich mal wieder harte und vor allem unterschiedliche Meinungen. Das gefällt mir, grade da ich das alles ganz anders sehe und dementsprechend jetzt die endgültige Wahrheit über "Gravitas" verkünde. Na gut, im Grunde stimme ich den meisten Aussagen meiner Kollegen durchaus zu, bewerte sie nur anders. Trotz schöner Stellen zündet das irgendwie bei mir nie so recht. Ständig reißt einen etwas aus der doomigen Immersion. Wann immer ein Part zu hören ist, den man bereits gut zu kennen glaubt, stellt sich hier nämlich kein "Nach-Hause-Komm-Gefühl" ein, sondern eher so etwas wie leichte Scham. Muss das sein? Natürlich nicht. Das Album ist zweigeteilt, keine Frage, auch ist der erste stringenter, aber deshalb nicht unbedingt besser. Zu viel Stangenware. Die Texte sind dann nur noch der letzte Tropfen, der dass Fass gefährlich bis an (über?) den Rand füllt. Erinnert mich irgendwie an die mittelprächtigeren Lieder von GRAND MAGUS. Zwischen den Stühlen und etwas halbgar. Ne, das überzeugt mich nicht. Immerhin: Ich finde auch BLACK SABBATH und Vintage Rock relativ ähem... unspannend. Wem sowas aber gefällt, dem kann auch DEAD KOSMONAUT gefallen. Theoretisch.

Note: 5,5 / 10
[Jakob Schnapp]

 

So richtig ist dieses Album weder Fisch noch Fleisch. Es geht zwar doomig los, bleibt dafür aber durchweg - wie Thomas es nennt - rockend. Zwischendurch ('Hell / Heaven') geht es immer mehr in eine progressive Richtung, bevor man zum Schluss ganz und gar im verdammten Fahrwasser der bereits benannten Schweden ankommt. "Gravitas" ist zwar durchaus kurzweilig, aber dabei eben auch nicht so richtig konsistent. Wenn man schon versucht, klassischen Heavy Metal (aber eigentlich nicht IRON MAIDEN) mit Prog und Doom in eine Einheit zu bannen, dann muss das auch innerhalb eines Songs passieren und nicht Stück für Stück über das ganze Album hinweg; das hat dann fast schon den Charakter einer Coverband, die sich so durch die Stile spielt. Was man natürlich nicht außer Acht lassen darf, ist, dass das ganze auf einem handwerklich einwandfreien Niveau passiert, sowohl an den Instrumenten als auch am Mikrofon. Eine ziemlich gute Coverband also.

Note: 6,5 / 10
[Daniel Lindhorst]

 

Promofotos erhalten von http://www.sureshotworx.de

Foto-Credits: Soile Siirtola

Redakteur:
Thomas Becker

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