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Gruppentherapie: HARLOTT - "Proliferation"

13.10.2015 | 12:56

Der rasante Thrash Metal von HARLOTT ist in unserer Redaktion eingeschlagen wie eine Bombe, immerhin konnten sich die Australier im September-Soundcheck den zweiten Platz sichern und ließen dabei Schwergewichte wie IRON MAIDEN, W.A.S.P oder QUEENSRYCHE hinter sich. Holger Andrae bezeichnete "Proliferation" in seiner Leitrezension sogar als "exquisites Thrash-Inferno" und adelte das Quartett mit einem Vergleich zu den Genre-Giganten EXODUS. Aber ist das Album wirklich ein Meilenstein oder doch eher ein netter Nostalgie-Trip? Das versuchen nun unsere Gruppentherapeuten zu klären.

Ich habe das neue SLAYER-Album gehört. Ich habe die neue HARLOTT gehört. Jetzt dürft ihr drei Mal raten, welches Album nicht mehr rotierte. Richtig, SLAYER! Was HARLOTT hier auf "Proliferation" kredenzt, ist schlichtweg das Beste, was mir seit sehr langem im Thrash Metal untergekommen ist. Hier wird nicht nach Vorschrift gethrashed, die Australier gehen total vitalisierend ans Werk und hauen mal eben ein Referenzwerk erster Güte raus. 'Denature', 'The Fading Light', 'Civil Unrest', 'Hellbent', 'Cross Contamination' sind nur ein paar Namen aus einem erste-Klasse-Thrash-Menü, die zeigen, wie man diese Musik extrem schnell, aber auch dynamisch und total interessant zugleich spielen kann. "Proliferation" ist klar das beste Thrash-Album des Jahres und ich weiß nicht, wer diesen Thrash-Thron ins Wackeln bringen könnte. Wer Gegenteiliges behauptet, lügt. So einfach ist das Leben manchmal.

Note: 8,5/10
[Jakob Ehmke]

 

Wer hätte gedacht, dass die Melbourne-Thrasher von HARLOTT bereits auf ihrem Zweitwerk solch ein fulminantes Feuerwerk vom Stapel lassen? Richtig, so bläst "Proliferation" nicht nur mich, sondern beinahe die gesamte Redaktionscrew vom Sessel, zelebriert die alte Bay-Area-Schule, als wenn es inmitten der 1980er Jahre selbst in San Francisco entstanden wäre und meistert dennoch den Spagat zur heutigen Zeit, indem es mit einer druckvollen, kompromisslosen Produktion sämtliche Wände einreißt. Richtig, HARLOTT macht genau das, worauf die Truppe Bock hat, zieht das eigene Ding konsequent durch und fügt jedem Thrasher amtliche Nackenschmerzen zu. Es wird geschreddert, es wird gesägt, Songs wie 'Systematic Reduction', 'The Fading Light' und 'Cross Contamination' rocken einfach wie die Hölle und sind Thrash Metal, wie ich ihn mir im Jahre 2015 vorstelle. Das ist nicht unbedingt neu oder innovativ, aber was soll ich auch auf großartige Experimente warten, wenn jene Töne, auf die ich momentan derart viel Bock habe, gebündelt auf einer Platte zu finden sind? Als zückt eure Luftgitarre, dehnt euch den Nackenbereich und verwandelt eure eigenen vier Wände in einen Moshpit der Extraklasse. "Proliferation" dürfte HARLOTT einer rosigen Zukunft im Metal-Zirkus nicht im Wege stehen. 44 Minuten können so viel Spaß machen.

Note: 8,5/10
[Marcel Rapp]

 

Meine Kollegen haben allesamt Recht, wenn sie HARLOTT und vor allem "Proliferation" mit Lob überschütten, von einer Platte sprechen, die Spaß macht, voller Energie steckt und den guten alten Thrash Metal von vorn bis hinten zelebriert. Und dennoch will bei mir keine ungetrübte Freude aufkommen. Warum das so ist? Vielleicht ist mir das gut gelaunte Geprügel auf Dauer doch etwas zu gleichförmig? Vielleicht ist es auch das etwas sterile Drumming? Oder vielleicht bin ich auch einfach kein Vollblutthrasher und eine starke Genreplatte vermag es einfach nicht, mich in völlige Ekstase zu versetzen? Dafür ist dann einfach noch das gewisse Quäntchen Eigenständigkeit nötig und das haben die Australier, trotz Spielfreude, trotz Attitüde und trotz toller Songs einfach noch nicht. Deshalb schliddert "Proliferation" knapp an einem Pflichtkauf vorbei, die Zukunft sehe ich für HARLOTT aber ebenfalls rosig.

Note: 7,0/10
[Raphael Päbst]

So ganz kann ich das Lob meiner Kollegen für "Proliferation" nicht teilen, denn für mich ist das Album eher eine zwiespältige Angelegenheit. Auf der einen Seite muss man der Platte neidlos zugestehen, dass sie druckvoll produziert und vor allem energiegeladen ist. Songs wie 'Denature', 'The Fading Light' und 'Hellbent' machen einfach Spaß und werden jede Thrash-Meute in deutschen Metalkneipen zum Ausrasten bringen. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein wenig zu offensichtlich, wie die Australier ihren Sound kredenzen. Man nehme eine gute Portion TESTAMENT, dazu eine Prise SLAYER und garniere das Ganze mit der wilden Aggressivität von EXODUS, fertig ist die musikalische Mixtur von "Proliferation". Hinzu kommt der Fakt, dass die Platte vom Songwriting her doch etwas eindimensional ausgefallen ist, was sich vor allem gegen Ende der Albumdistanz bemerkbar macht. Ist das Album trotzdem besser als der aktuelle Release aus dem Hause SLAYER? Da kann kein Zweifel bestehen, denn "Repentless" und auch alle anderen Genre-Releases des bisherigen Jahres stecken die Australier mit Links in die Tasche. Ob das jetzt für die Qualität der Platte spricht oder nur aufzeigt, wie schwach das bisherige Thrash-Jahr war, muss jeder für sich entscheiden. Von einem Referenzwerk kann man hier aber auf keinen Fall sprechen, dafür klauen die Mannen aus Melbourne viel zu offensichtlich bei den wirklichen Klassikern des Genres. Thrash-Maniacs werden trotzdem für eine gewisse Zeit ihre helle Freude an "Proliferation" haben, in drei bis vier Jahren wird aber niemand mehr über das Album reden.

Note: 6,5/10
[Tobias Dahs]

 

Mehr zu "Proliferation":

Hauptreview von Holger Andrae

Soundcheck September 2015

Redakteur:
Tobias Dahs

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