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Gruppentherapie: ISOLE - "The Calm Hunter"

12.01.2015 | 14:31

Der Zweite des letzten Soundchecks im vergangenen Jahr passt wunderbar zur dunklen, kalten Jahreszeit - meinen die Gruppentherapeuten des schwedischen Epic Doom Metals von ISOLE. Der eine befürchtet, sich schwermütig die Bettdecke über den Kopf ziehen zu müssen, der andere lauscht der Band lieber in der S-Bahn - aber Gefallen an der Musik findet irgendwie (fast) Jeder. Dass Martin van der Laan ISOLE zu den ganz Großen des epischen Doom Metals zählt, ist angesichts der Klasse von "The Calm Hunter" naheliegend und so steht er mit dieser Ansicht auch beileibe nicht alleine da.

Es passt wie die berühmte Faust aufs Auge, "The Calm Hunter" auf die momentane Wetterlage. So geben sich auf dem nunmehr sechsten ISOLE-Album abermals bittersüße, melancholische Klänge, leicht epische und schleppend schwere Passagen und ein leichter Hauch von Dunkelheit die Ehre. Aus diesen Gründen ist dieses Album jedoch auch mit aller Vorsicht zu genießen, um sich von der derzeitigen November-/Dezember-Situation nicht allzu sehr herunterziehen zu lassen. Doch wenn man in "The Calm Hunter" nicht gerade den passenden Soundtrack zur Lebenslage gefunden hat, sind Highlights wie das Titelstück, 'The Eye Of Light' und 'Alone In Silence' einfach nur schön anzuhören. Da hat ISOLE die mehr und mehr steigende Fangemeinde mit einem abermals guten Album beglückt, auch wenn ich zu meiner (Noten-)Verteidigung sagen muss, dass mir die Frühwerke, allen voran natürlich "Throne Of Void", um einiges besser gefallen haben. Doch das liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, sodass mein Klanggeschmack und derzeitiger Hang zu eher fröhlicheren Tönen nicht gerade repräsentativ für die eigentliche Klasse von "The Calm Hunter" ist.

Note: 7/10
[Marcel Rapp]

Wir hatten eine Verabredung. Ein paar weitere Schreiber und ich. Es geht hier um die neue Platte von ISOLE. Aber das kommt schwer in Gang, unser Treffen. Es gab auch schon Absagen: Er kann dazu nichts sagen, hat es einmal gehört und will nun nicht mehr. Ich habe das Album nun etwa vier Mal gehört, das letzte Mal in der nächtlichen S-Bahn. Und die Musik ist immer weiter hineingekrochen. Nur aus der vierfachen Erinnerung gesprochen und ohne jegliche Hintergrundinformationen gesucht zu haben: Gefällt mir ausnehmend. Ob der Gesang nun angrollend oder klarkehlig ist, es passt sich in die Entwürfe der Band sehr gut ein. Bemerkenswert ist, dass sich mein Interesse an dem Album mehr und mehr steigert. Doom, der nicht nur vor sich hinplätschert, der dagegen von mehrmaligen Tempowechseln durchzogen wird. Spannend das. Wenn ich nachher Zeit finde, gibt es den Soundcheckzweiten zum fünften Mal. Musik, die wächst. Sehr gut.

Note: 8/10
[Mathias Freiesleben]

Der Marcel übertreibt natürlich. Man wird nicht automatisch depressiv, bloß weil man ISOLE gut findet und tief in die Klangwelt der Schweden eintaucht. Gute Musik zeichnet sich eh dadurch aus, dass man sie nicht nur in Übereinstimmung mit Jahreszeit oder Wetterlage hören kann. Und der Epic Doom von ISOLE ist richtig gut. Es gibt abwechslungsreichen zwei-, nein sogar dreistimmigen Gesang (Clean Vocals/Growling) und zünftiges Riffing kombiniert mit süßlich schmachtenden Melodien. Im Vergleich mit den Genrekollegen von WHILE HEAVEN WEPT dominiert das Melodische und Schwelgerische aber nicht so sehr den Gesamtsound, da sind viel mehr Ecken und Kanten drin. Das verpasst dem Album bei aller Eingängigkeit und Melancholie mehr Härte und Wumms. Auch wenn man das musikalische Konzept recht schnell durchschaut hat, kommt man nicht umhin, den Schweden ein Kompliment für die gelungene Umsetzung auszusprechen. Man kann auf dieser Scheibe quasi gleichzeitig träumen und bangen - das ist doch wunderbar. Um zur Ausgangsthese zurückzukehren: Ich werde beim Hören von "The Calm Hunter" eher euphorisch als depressiv und ich glaube, dass das vielen Freunden von Epic Doom Metal ganz genauso gehen wird.

Note: 8,5/10
[Stephan Voigtländer]


Soundcheck 12/2014

Review von Martin van der Laan

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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