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Gruppentherapie: JOLLY - "Audio Guide To Happiness Part 2"

02.04.2013 | 09:54

Glücklich werden mit JOLLY!? Gilt aber nur für Progger, oder? Erfahrt dies in der Gruppentherapie zum "Audio Guide To Happiness (Part 2)", dem Soundcheck-Dritten im März!

JOLLY sind eine noch junge amerikanische Band, die zu den hoffnungsvollsten Vertretern der modernen Rockmusik zählen. Vor allem Progfans und (New) Artrocker haben die Band schon seit einer Weile auf ihrem Schirm. Nach dem Debüt "Forty Six Minutes, Twelve Seconds Of Music" (2009) (zu Björn Backes Review) machten sich JOLLY an ein musikalisches Großprojekt namens "Audio Guide To Happiness". Zusammen mit Hirnforschern und Neurologen experimentieren JOLLY mit sogenannten bineuralen Beats. Diese führen zur Überlagerung von Schallwellen im Gehirn. Dass bineurale Beats glücklich machen, gehört jedoch in die JOLLYsche Fantasiewelt, aber immerhin ist dies ein interessanter (progressiver?) Ansatz, seine Musik zu verkaufen. Part I der Gehör-Führung (2011) fand in den heiligen Hallen von Powermetal.de schon großen Anklang (zu Peters Kubaschks Review) und Teil II schafft es sogar aufs Stockerl des März-Soundchecks. Machen JOLLY wirklich glücklich? Nun, Kollege Stehle vergibt fünf Punkte und begründet dies mit absolutem Desinteresse an solch einer Art von Musik. Glücklich ist er dennoch und zwar wenn die Scheibe endlich vorbei ist. Was sagen die anderen?




Da ist sie endlich, die lang erwartete progressive Fortsetzung der Anleitung zum Glücklichsein von JOLLY. Und das Warten hat sich gelohnt, denn "The Audio Guide To Happiness (Part II)" ist richtig toll geworden - vor allem richtig JOLLY! Und härter. Klar, es gab auch Metal-Momente auf Pt. I, hier sind sie aber noch präsenter. Bereits der Opener 'Firewell' ist ein klares Ausrufezeichen und holt JOLLY sofort ins Bewusstsein zurück. Dennoch ist das Album weit davon entfernt als reines (Progressive) Metal-Album durchzugehen. Und das ist gut so. Das Songwriting ist erneut grandios und fährt mit vielen Wandlungen auf, dabei wird die gesamte Dynamik-Palette gekonnt genutzt. Progressivität wurde von JOLLY stets wörtlich genommen. Das einzige Manko ist, dass Sänger Anadale oft einen leichten Stimmverzerrer auf der eigentlich so charismatischen Stimme hat, dadurch fehlt es manchmal an Ausdrucksstärke. Nicht nur optisch, auch von der Stimmfarbe her, erinnert er mich des Öfteren an SILVERCHAIRs Daniel Johns, was ich sehr begrüße. Fans können blind zugreifen, genau wie alle leidenschaftlichen Musikhörer. Aber auch wer MUSE zuletzt zu poppig fand, könnte hier Gefallen finden. Superb.

Note: 8,5/10
[Jakob Ehmke]

JOLLY führen das Konzept des Vorgängers weiter. So kurz und prägnant könnte eigentlich das Fazit zu dieser Scheibe ausfallen. Denn ganz ehrlich: Ich sehe beide Scheiben in etwa auf einem Niveau, was aber auch daran liegt, dass ich immer noch entdecke. Und das nicht nur beim neuen "Klangführer zum Glück", was natürlich auch daran liegt, dass ich meist nicht die Zeit habe, das zu hören, was ich möchte. Aber das ist eine andere Sache. JOLLY schaffen auf dem aktuellen Album ein starkes Stück Rockmusik, das äußerst abwechslungsreich den Hörer in seinen Bann zieht. Möglicherweise liegt es daran, dass ich wusste, was mich erwartete und mich daher in relativ kurzer Zeit in den Sound einhören konnte, aber mir gefällt JOLLY anno 2013 sogar geringfügig besser als vor zwei Jahren. Dennoch sollte man sich beide Teile des Audioguide zulegen, da sie an Originalität wohl nur noch selten übertroffen werden werden. Prog-Jünger müssen das haben, alle anderen aufgeschlossenen Musikfans dürfen das zumindest mal antesten. Mehr gibt es nicht zu sagen, denn die Musik sollte hier für sich selbst sprechen. Auf der Band-Homepage kann man das ganze "The Audio Guide To Happiness (Part 1)" als Stream anhören und sich dann im Bandstore gleich beide Alben bestellen.




Note: 9,0/10
[Frank Jaeger]

Die charmante weibliche Stimme rät dem Hörer auf der Suche nach dem audiophilen Glück, zunächst den "Audio Guide To Happiness Part 1" zu konsumieren, bevor man sich dem zweiten Teil zuwendet. Doch es geht auch ohne. Man muss nicht einmal vorher von der Dame verführt werden, denn der Opener 'Firewell' knallt so dermaßen leichfüßig-schwergewichtig durch die Boxen, dass man schnell mal oben mit unten verwechseln kann. Lustig ist, dass JOLLY bei den einzelnen Hörern höchst unterschiedliche Assoziationen hervorrufen. Mich erinnern JOLLY sehr an Acts des modernen Prog. Der Anfang von 'Firewell' lässt sofort an OSI denken, vor allem vom Gesang her, während die eruptiven Parts OCEANSIZE-Knallern wie 'A Hommage to a shame' (auf "Everyone Into Position") oder 'Sleeping Dogs and Dead Lions' (auf "Frames") erinnern. Auch der Sound ist dem von OCEANSIZE sehr ähnlich, jedoch etwas verhallter. Doch wie bei den o.g. Acts ist die Härte nur eine kleine Facette im Sound von JOLLY, genauso wie man Glück nicht ausschließlich mit einem Aspekt erreichen kann. Sphärische Songs wie 'As Heard On Tape' oder das wunderbare 'Golden Divine' entführen in AMPLIFIERsche Spacerock-Welten, jedoch ohne Tentakel, dafür mit höchst glücklich machenden Vocal-Arrangements und goldenen Harmonien. Die meist langgezogenen Worte und die Melodieführung von Sänger Anadale erinnern mich immer wieder an ein weiteres meiner Lieblingsalben, nämlich CALLISTOs "Providence" ('Dispite The Shell'!!!). Bei all den unterschiedlichen Vergleichen (ECLIPSED will hier PAIN OF SALVATION hören…) möchte ich jedoch einen Punkt besonders deutlich machen: JOLLY sind eine unglaublich vielfältig klingende und variantenreiche Band, die eine Fülle an Ideen bietet und vor allem den Proghead an den Rand der Glückseligkeit bringen sollte, sofern er sich die Zeit nimmt. Diese ist beim Soundchecken immer etwas knapp bemessen und deshalb ist meine Note im Nachhinein sicher zu niedrig ausgefallen. Doch es ist nur eine Zahl und Zahlen machen selten glücklich. JOLLY hören schon!

Note: 8,5/10 (eigentlich 9/10)
[Thomas Becker]





"Warme, mitreißende Progscheibe mit Schmackes" war mein Kommentar im Soundcheck zum ersten Teil der Fröhlichkeitsdoublette. Das war Musik, in die ich mich allein schon aufgrund des herrlichen Gitarrenklanges einfach fallen lassen konnte. Und genau hier hapert es beim zweiten Teil. Das Klangbild ist in Richtung Postprog modifiziert worden. So wird es mir an machen Stellen zu knarzend und zu nölend. Während ich also in das kraftvolle 'Firewell' noch wohlig abtauchen kann und denke, die musikalische Wellness-Oase hätte noch ausreichend Wasser, muss ich bei 'Dust Nation Bleak' schon den Luftbefeuchter zum Einsatz bringen. Dieser trockene Gitarrensound, der einem Kreidestück auf einer Tafel im Soundergebnis nahe kommt, verdirbt mir die gute Laune. Dabei ist auch diese Nummer an sich ein feines Stück Musik. Leider kann auch ein 'Lucky' diesen Umstand nicht merklich verändern. Eine überfröhliche Kindermelodie über eben jenen Schrammelknarzgitarren beißt sich in meinen Ohren. Zuckerbrot und Peitsche. Zahnschmerzen und Ohrgasmus. Aber genug der Nörgelei, denn die Truppe beweist, dass sie immer noch weiß, wie man einen Kauz glücklich machen kann. So findet man ab 'While We Slept In Burning Shades' zurück zu wohliger Tiefe, angenehmer Melodieführung und einem erstklassigen Gesang, alles eingebettet in kurzweiliges Songwriting. So lasse ich es mir gefallen. Musik zum Wohlfülen und auch zum Entdecken. Denn JOLLY bietet ausreichend Freuraum für kleine Feinheiten, die man erst nach mehrfachem Hören entdecken kann. Langzeitspaß. Warum ausgerechnet im Abschlusstitel noch mal die Kreide aus Schublade gezogen werden muss, muss ich nicht verstehen. Kontraproduktiv.

Note: 7,0/10
[Holger Andrae]


Mehr zu diesem Album:
Soundcheck 03/2013
Review von Peter Kubaschk

Redakteur:
Thomas Becker

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