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Gruppentherapie: MEMENTO WALTZ-"Division By Zero"

09.11.2013 | 15:08

Das heißeste Ding im Progherbst 2013.

Die Italiener MEMENTO WALTZ scheinen gerade das heißeste Ding im Progmetal zu sein. Überall liest man Jubelreviews, im Just For Kicks-Katalog sind sie groß gefeatured und bei uns erreichen sie aus dem Stand den Soundcheck-Sieg mit einem Zehn-Punkte-Review. Dabei hat die Band noch nicht einmal einen Deal. "Division By Zero" ist nach zwei Demos ("Overcoming", 2005 und "Antithesis Of Time", 2010) das erste Volllängen-Album, das einem Teil der Redaktionen vollkommen die Köpfe verdreht. Lest selber!






Es ist schon erstaunlich, wie viele musikalische Ideen und komplexe Pirouetten man in nicht einmal einer Dreiviertelstunde Spielzeit verpacken kann. Referenzgrößen für "Division By Zero" sind die Progressive Metal-Meilensteine der späten Achtziger und frühen Neunziger. Diese Messlatte liegt für MEMENTO WALTZ aus meiner Sicht noch ein klein wenig zu hoch. Trotzdem haben die Jungs aus dem schönen Norden Sardiniens ein sehr spannendes, mitreißendes Werk abgeliefert, in dem man sich ganz und gar verlieren kann. Das erfordert zunächst einiges an Konzentration beim Zuhören, denn nur so erschließen sich die reißenden Wildwasser-Bassläufe Marke WATCHTOWER, die schroffen Riffklippen, die raffinierten Schlagzeugfiguren und die atmosphärisch entrückten Zwischentöne ('Mechdreamer'). Eine großartige Vorstellung gibt Sänger Lord Goblin ab, der seine klare, kraftvolle Metal-Sirene sehr variabel einsetzt. In den besten Momenten erinnert mich seine dramatische Phrasierung etwas an Warrel Dane. Was mir letztlich fehlt, ist die kompositorische Stringenz. Andersherum ausgedrückt: "Division By Zero" ist mir manchmal ein wenig zu introvertiert und zu fragmentarisch. Dort wo die namensverwandte Göttertruppe PSYCHOTIC WALTZ auch schon in ihren Anfangstagen stets im richtigen Moment die Kurve Richtung Eleganz und Feinsinnigkeit kriegte, verliert sich ein MEMENTO WALTZ-Song auch schon mal in sich selbst - wobei er in dieser Verwirrung immer noch ästhetisch wertvoll ist, keine Frage. Den Weg in eine noch glorreichere Zukunft weist in meinen Ohren der Opener 'Omicron'. Diese Nummer ist zwar auch alles andere als leichte Kost, doch stehen alle Eskapaden im Dienste der eigentlichen Songidee, des Spannungsbogens. Das gefällt mir besser als die leicht schrille, arg eigensinnige Attitüde, die den weiteren Verlaufe des Albums phasenweise doch ein wenig anstrengend macht. Unterm Strich steht aber immer noch eine sehr starke Leistung, die die Aufmerksamkeit der Frickel-Fraktion unbedingt verdient hat.

Note: 8,0/10
[Martin van der Laan]





Dass so etwas aus Italien kommen würde, ist sicher die größte Überraschung. Durchgeknallte Amis? Geht. Skandinavier auf Frickel-Trip? Klar. Aber vom Stiefel? (Seit wann liegt Sardinien am Stiefel? -SV) Überraschung! Was dabei herausgekommen ist, wurde ja schon kategorisiert, nämlich von Martin in Richtung WATCHTOWER, wie man in 'Achilles' Paradoxon' oder dem Rausschmeißer 'Emphasize' hört, und von Holg in seinem Review in Richtung SPIRAL ARCHITECT. Ich würde noch ein paar EXTOL-Einflüsse dazugeben, hauptsächlich gesanglicher Art, besonders und seltsamerweise höre ich da auch noch Anleihen an Sachen wie SPIRIT WEB oder alte HELSTAR zum Beispiel in 'Opus Alchemicum' oder im Gesang von 'Achilles' Paradoxon' heraus, aber da bin ich vielleicht komisch. Was Fakt ist, hier agiert vor allem ein überzeugender Sänger, der keine ganz große Stimme hat, aber außergewöhnlich zu Werke geht. Da ich schon bei besagten Kapellen den roten Faden immer schnell entdeckt habe, wundert es sicher nicht, dass ich selbst bei diesen Frickelorgien den Song erkenne, der einigen anderen wohl unhörbar bleibt, bis auf gewisse "Normalprog"-Teile, denke ich, die eher dem jazzigen Universum zugeordnet werden können wie die ersten zwei Minuten von 'Europa (Jupiter II)' oder 'A New Beginning'. Diese zahlreichen Vergleiche deuten an, dass entweder Martin Recht hat und die Band noch ein wenig Stilfindung betreibt, oder aber dass sie einfach großartig abwechslungsreich ist und überhaupt nicht anstrengend. Welcher Fraktion ich angehöre, darf man an der Note ablesen.

Note: 9,5/10
[Frank Jaeger]



Butter bei Fische jetzt! Wo die anderen um den heißen Brei rumreden und verzweiflt irgendwelche Vergleiche heraufbeschwören, die eh nur Nerds kennen, sag ich euch eins: MEMENTO WALTZ ist das Nirvana für Frickelprogger.
Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, legt die Band mit einem rasanten Schlagzeugbreak los, gefolgt von komplett durchgeknallten Rhythmen, hektischen Breaks, wuseligen Gitarrenläufen, knubbeligen Bassläufen und darüber liegen verrückte, auf alle Arten verfremdete Vocals, die mich, wenn überhaupt, dann vielleicht etwas an PRIMUS erinnern. Das ist herrlich und herrlich schräg. Wer MEMEMTO WALTZ wegen der eingängigen Melodien mag, der liest sicher auch den Playboy wegen der tiefgründigen Artikel. Also, ich guck da auf was anderes und bei MEMENTO WALTZ geht mir das Herz auf, wenn sie einfach ohne Rücksicht auf Verluste vorwärts gniedeln. Und das tun sie gnadenlos pausenlos. Das ist das geilste Proggewusel der letzten Jahre, genau das ist es!
Ach übriges, Frank, wo soll denn sonst so Musik herkommen, wenn nicht aus Pizza-, Pasta- und Gogonzolaland? Kennst Du einen Italiener, der länger als fünf Sekunden ruhig dastehen kann? Diese Musik kennt keine fünf Sekunden denselben Takt. Und DESWEGEN find ich sie geil!

Note: 9,5/10
[Thomas Becker]





Ey, was willst du? Hakenschlagende Musik, die dich gegen die Wand klatscht, statt sich hinter technischen Nerdbrillen zu verstecken? Sägende Gitarren, verhackstückte Rhythmen, exaltierten Gesang mit Eiern? Frickelei gepaart mit Lockerheit? Irre Abfahrten quer durch den Dengelgarten? VENOMinös getakteten Irrsinn mit Raffinesse? Metallischen Progrock vom Klassen-PRIMUS? Musik psychotischer als PSYCHOTIC WALTZ und garantiert ohne Walzertakte? Djentigen Spielwitz ohne monotone Riffrepetition? Früh-IRON-MAIDEN-eske Melodieschräglagen? Kannste haben, Alder! "Division By Zero" von MEMENTO WALTZ hat all das zu bieten: Irre Rhythmen, Wahnsinn mit Methode, die ein oder andere im fast schon traditionellen Gniedelsolo versteckte Melodie obendrein. Mit einem Sänger, der auch im traditionellen Metallager gut aufgehoben wäre, hier aber erst so richtig aufdrehen kann. Keine Ahnung, wie oft man sich das geben kann, bis man völlig überschnappt, aber an gehörstarken Tagen ist das ein starkes Album. Ist es zu scharf, bist du zu seicht - oder so.

Note: 7,0/10

[Eike Schmitz]


Ach herrje. Kennt ihr das, wenn man monatelang par tout keine Lust auf eine bestimmte Art von Musik, die man sonst eigentlich mag, aufbringen kann und es einen einfach nicht kickt? So geschehen bis vor Kurzem bei mir und jedweder Art von Prog Metal. Bis die einschlägigen Kollegen von einer Jubelarie in die nächste übergingen und ich einen vorsichtiges Ohr in den Opener 'Omicron' steckte. Bam! Voll erwischt! Das ist das geilste Frickel-Proggewusel der letzten Jahre, da stimme ich mit Thommy überein und gebe gebe Frank vollkommen recht, dass die Band quasi Radiokompatibilitäten aufweist. So einfach ist das manchmal. Denn trotz Maulsperren verursachender Instrumentaleskapaden finden sich da schnell genug rote Fäden und markante Gesangslinien um es  unter der Dusche voller Euphorie mitzusingen. Hauptverantwortlicher ist für mich Sänger Lord Goblin, der erstaunlich facettenreich zu Werke geht und Maidenesques wie in den ersten Minuten von 'A New Beginning' aufleben lässt oder mich in 'Opus Alchemicum' auch mal an Jorn Lande auf dem BEYOND TWILIGHT-Debut erinnert.

Dass sich Martin in dem Gegniedel manchmal verliert und Eike, der das Album ein Mal zu viel hören musste, inzwischen übergeschnappt im Eck liegt, gehört wohl einfach zur Sache selbst. Ich gehe lieber noch ein bisschen im Übermonster 'Mechdreamer' mit seinem interstellaren Mittelteil schwelgen und wiederhole solange: Das ist das geilste Frickel-Proggewusel der letzten Jahre. Das ist das geilste Frickel-Proggewusel der letzten Jahre. Das ist....

Note: 9,5/10

[Simon Volz]


Das Album kann man günstig über http://www.hands-of-blue.com/ beziehen.

Mehr zu diesem Album:

Review von Holger Andrae

Soundcheck 10/2013

Redakteur:
Thomas Becker
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