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Gruppentherapie: MORTAL SIN - "Psychology Of Death"

20.11.2011 | 09:59

Selten war sich unsere Soundcheck-Redaktion so einig wie im Falle von MORTAL SINs "Psychology Of Death". Ein Thrash-Hammer der allerersten Güte, der völlig verdient den Titel "Album des Monats" eingeheimst hat.


Nach Ablauf dieser neun Abrissbirnen komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Welch instrumental einwandfreies Werk die Australier von MORTAL SIN hier vom Stapel lassen, dürfte jedem Thrasher das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. "Psychology Of Death" schimpft sich das Nachfolgewerk des formidablen "An Absence Of Faith", welches sämtliche Stärken des Quintetts aus Down Under vereint und mit voller Wucht in die November-Gehörgänge hämmert. Dabei wächst "Psychology Of Death" von Durchlauf zu Durchlauf. Bei jedem Weiteren bemerkt man stets neue Einzelheiten und Thrash-Passagen, die die Äuglein funkeln und die Fäuste schlagen lassen. Ob wir es nun mit dem pfeilschnellen Titelstück, dem immens starkem 'Paralysed', dem messerscharfen Highlight 'Kingdom Of Pain' oder dem tödlichen 'Down In The Pit' zu tun haben, "Psychology Of Death" paart krachende Riffs, ein exzellentes Drumming und eine an die alte Schule erinnernde Stimme in sich und entpuppt sich als wahrhaftes Freudenfest für Fans von OVERKILL, ANTHRAX oder SLAYER. An diesem Bollwerk kommt heutzutage niemand vorbei, der sich bereits mit den genannten Kapellen anfreunden konnte. Ein fabelhafter Anheizer für die kommende Mega-Tour mit EXODUS, DESTRUCTION, SEPULTURA und HEATHEN. Bei solch einem fetten Package ist Verstecken aussichtslos. Aber wer will das bei solch einem starken, stets wachsenden und vor Durchschlagskraft nur so strotzenden Album überhaupt?

Note: 8,5/10
[Marcel Rapp]

Noch mehr als über die Rückkehr von OZ habe ich mich in diesem Monat über die Wiedergeburt der australischen Thrash-Legende MORTAL SIN gefreut. Wie ein Phoenix aus der Asche erhebt sie "Psychology Of Death" (der erste zaghafte Comeback-Versuch vor vier Jahren blieb meilenweit hinter diesem Dampfhammer zurück) und erreicht tatsächlich erstmals wieder das atemberaubende Niveau der Kult-Debüt-Abrissbirne "Mayhemic Destruction" von 1986. Tonnenschwere Riffs, ungeschliffene, gradlinige Songs mit mächtig Zug zum Tor und ebenso simple wie großartige Mitgröhl-Refrains machen dieses Album zu einem wahren Hochgenuss. Problem ist nur, dass man als Metalhead bei diesem Sound einfach nicht ruhig sitzen bleiben kann. Spätestens beim zweiten Song, dem schlichtweg brillianten Hit 'Blood Of My Enemies', geht es einfach nicht mehr ohne Kopfschütteln und Luftgitarrenspielen. Um es mal etwas anschaunlicher zu machen: Wer TESTAMENT vom Debüt bis "Practise What You Preach" verehrt, "Arise" für das beste SEPULTURA-Album hält, und OVERKILL sowieso großartig findet, der MUSS diese Scheibe einfach haben. Wenn ihr's nicht glaubt, testet einfach mal den superben Ohrwurm 'Burned Into Your Soul' (die Strophen klingen wie Blitz auf den Leib geschrieben) oder das Dynamik-Wunder 'Doomed To Annihilation' an. Authentischer und zwingender kann man den Thrash der zweiten Hälfte der Achtziger wohl kaum zelebrieren. Ausfälle wird man auf "Psychology Of Death" dann auch vergeblich suchen, jeder Song geht für sich allein genommen als Volltreffer durch. Der Erbsenzähler in mir gibt zwar zu bedenken, dass die ganze Veranstaltung hier etwas eindimensional und wenig originell ist, aber das kann höchstens noch die Höchstnote verhindern. Mit zwei, drei moderneren, visionären Stücken zusätzlich wie zum Beispiel auf der gigantischen letzten ANNIHILATOR-Scheibe hätte ich die 10 wohl gezückt. So bleibt ein fantastisches Old-School-Thrash-Album, das gute Chancen hat, in so manchen Jahrescharts aufzutauchen. Welcome back, MORTAL SIN, and thank you for the music!

Note: 9,0/10
[Martin van der Laan]


Was für eine Überraschung! Die australischen Thrasher von MORTAL SIN fand ich schon in den 80ern relativ unspektakulär. Lediglich der heimliche Hit 'Lebanon' konnte mich damals wirklich überzeugen. Als die Band im Jahr 2008 auf dem Headbangers-Open-Air einen mitreißenden Auftritt hinlegte, war ich schon mehr als überrascht, aber "Psychology Of Death" übertrifft trotzdem jede noch so vage Hoffnung auf ein gutes Album. Angefangen beim extrem druckvollen Sound, der beweist, dass auch ein zeitgemäßes Klangbild nicht zwingend klinisch klingen muss, über den exzellenten, sehr rohen Gesang von Originalshouter Mat Maurer über die abwechslungsreichen Songs, die allesamt voll auf die Zwölf knallen, ist dieses Album eine echte Sensation. Mit fällt jetzt auf die Schnelle kein anderes Thrashscheibchen in diesem Jahr ein, welches diesem hier das Wasser reicht. Meine spontane Assoziation war das geniale "The Gathering"-Bombardement von TESTAMENT, welches bei mir damals ebenfalls für wochenlange Blockade im Player geführt hat. Und genau so reißen mich die fünf Australier aktuell mit. Einzelne Songs heraus zu heben, ist bei so einem Killeralbum verdammt schwierig, denn ein weniger guten Song gibt es tatsächlich nicht. Vielleicht empfehle ich den heißblütigen Bolzenschneider 'Paralysed' als Anspieltipp oder das kantige 'Kingdom Of Pain', es ist völlig egal, denn jede Nummer wird Euch nach kurzem Antesten unwillkürlich zum Kauf verleiten. Und ich garantiere jedem Freund von hartem, qualitativ hochwertigem Thrash, der sich auch nach etlichen Durchläufen nicht abnutzt. Ein absolutes Pflichtteil.

Note: 9,0/10
[Holger Andrae]

Thrash Metal der klassischen, feinen und melodischen Schule hat ja bei uns im Hause oft sehr gute Chancen auf Spitzenplätze im Soundcheck, doch dass es einer solchen Scheibe zum Titel des Albums des Monats gereicht hat, das ist auch schon wieder eine ganze Weile her. Da die alten Australier außerhalb des Untergrunds auch nur wenige kennen, war dieser Erfolg nicht unbedingt zu erwarten. Gerade wenn man bedenkt, dass mit MEGADETH und VENOM durchaus namhafte Konkurrenz aus ähnlichem Lager am Start war. Doch ist der Triumph auf ganzer Linie verdient, weil die natürliche, metallisch krachende und doch fette Produktion in Verbindung mit den unbarmherzig schreddernden Riffs und herrlich melodischen Leads, den intensiven Parts im gedrosselten Tempo und einem unglaublich vielseitigen Schlagzeugspiel auch bei Hörern für eine Maulsperre sorgen, die bisher nichts von MORTAL SIN gehört haben. Durch den bissigen, fiesen und doch melodischen und gut verständlichen Gesang Mat Maurers, kommen zudem auch Fans von OVERKILL voll auf ihre Kosten. Doch wo die Amerikaner mit ihrem wahrlich sehr guten letzten Album daran scheiterten mit ihren Klassikern auf Augenhöhe zu sein, da schafft es die Australobrigade doch tatsächlich, zu ihrem Kultalbum "Mayhemic Destruction" aufzuschließen, das der limitierten Auflage der neuen Scheibe übrigens als Bonus-CD beiliegt. Für Thrasher der alten Schule ist die neue MORTAL SIN aus meiner Sicht aus all jenen Gründen völlig unverzichtbar.

Note: 9,0/10
[Rüdiger Stehle]


Halleluja! Wird. Hier. Arsch. Getreten. R-E-S-P-E-K-T! Ist ja gut, ich höre ja schon auf. Also: Die Überraschung des Monats, der ungewöhnlichste Guerillaangriff der letzten Zeit, die schönste Sündenbehandlung seit es "Merci" gibt, all das ist zweifelsohne "Psychology Of Death" der Australier von MORTAL SIN. Ein Maschinengewehr-Riff nach dem Anderen, exakt wie ein schweizer Uhrwerk im australischen Outback und kompromissloss wie der Ricola-Detektiv auf Delinquentensuche: So gekickt hat mich schon länger kein Thrash-Album mehr. Dennoch kann ich die Begeisterung der Kollegen nicht absolut nachvollziehen. Na klar, die Kameraden klingen frisch und toll und alles. Aber einen Klassiker liefern sie damit nicht ab. Das ist KREATOR mit den Chaoshorden in den letzten Jahren durchaus geglückt, doch MORTAL SIN hängen mit mehr als nur einem Rockzipfel in der Vergangenheit fest. Aber das ist auch der einzige Makel an diesem Thrash-Geschoß. Und Fans dieser Musikrichtung wird bei meinem Genöle allenfalls die Augenbraue zucken. Also: Ab dafür.

Note: 8,0/10

[Julian Rohrer]

Redakteur:
Peter Kubaschk

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