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Gruppentherapie: TANK - Sturmpanzer

10.01.2019 | 21:00

TANK ist ein bekannter Name im Heavy Metal. Mit "Sturmpanzer" hat Algy Ward tatsächlich auch Geschichte geschrieben. In unserem November-Soundcheck reichte es nur zum letzten Platz. Aber warum hat dieses Album Geschichte geschrieben? Nun, die Durchschnittsnote von 2,64 Punkten bedeutete das schlechteste Album, das es jemals im Soundcheck bei POWERMETAL.de gegeben hat. Das spricht ja eigentlich eine deutliche Sprache. Aber gibt es vielleicht doch zumindest etwas Positives auf "Sturmpanzer"? Das wollen wir im Rahmen unserer Gruppentherapie herausfinden.

Ja, wo watschen sie denn hin, die Herren Kollegen Soundchecker? Dem guten alten Algy Ward ans Ohr? Nun, das kommt nicht allzu überraschend, denn das mit dem Sound haben Algy und seine Mitstreiter bei der Erstellung des "Sturmpanzer"-Albums ganz offensichtlich nicht so richtig gecheckt. Was uns der alte Kämpe hier auftischt, ist in der Tat als Klangkatastrophe noch recht wohlwollend umschrieben, denn hier rauscht es, hier matscht es, hier klackert es, hier knarzt es völlig undifferenziert; der Synthesizer klingt mal wie weißes Rauschen, mal wie fiepende Radiofrequenzen; das Gesamtklangbild hat viel von ausgeleierter Musikkassette in einem Mono-Kassettenrekorder, dessen Tonköpfe seit 1989 keine Reinigung erlebt haben. Ja, und als einem gerade Lob dafür auf der Zunge liegt, dass dieses wundersame Klangbild wenigstens dafür sorgt, dass man den Drumcomputer nicht als solchen erkennen kann, sabotiert der Panzer auch diesen Ansatz noch mit einigen kruden Versuchen zu blasten bei 'March'. Kurs hart Nord-Nord-Null? Nun, dass die Wertung genau dort nicht landet, das verdankt Algy dann letztlich zum einen meinen Tape-Demo-erprobten Rauohren, und zum anderen sich selbst, denn man kann ihm bei aller dilettantischer Umsetzung in Sachen Produktion nicht absprechen, dass seine angeschossene Stimme nach wie vor Charisma und Ausstrahlung hat, und dass er zudem einige kompositorische Ideen auf dem Album verbraten hat, die sicherlich näher am klassischen TANK-Stil sind als so ziemlich alles, was die konkurrierende Panzertruppe um die Herren Tucker und Evans ohne Algy Ward so fabriziert hat. So haben wir dann eben die Wahl zwischen einerseits einer qualitativ hochwertig produzierenden Truppe, die nimmer viel mit TANK im klassischen Sinne zu tun hat, und Algy Ward's TANK andererseits, die zwar durchaus den TANK-Spirit atmet, aber ganz offensichtlich nicht in der Lage ist, die durchaus guten Ideen auch nur halbwegs angemessen in Szene zu setzen. So bleibt ein ziemlich schäbig klingendes Demo eines sturen alten Engländers, das hätte recht lässig sein können, wenn er das alles nicht als Einzelkämpfer durchziehen, sondern sich ein paar fähige Mitstreiter an seine Seite nehmen würde, die ihm dabei helfen könnten, seine Ideen handwerklich vernünftig umzusetzen. Für die Urigkeit, die teils durchaus ausbaufähigen Songideen und die Sturheit gibt es in Summe ganz, ganz knappe 6 Punkte; doch mehr ist bei allem Wohlwollen nicht drin, denn dass das Album in der Form nicht hätte auf CD gepresst werden dürfen, hätte auch Algy merken müssen.

Punkte: 6/10

[Rüdiger Stehle]

 

Ich gehe ja ganz unvoreingenommen an "Sturmpanzer" heran, da ich bislang noch nicht einen einzigen TANK-Song zuvor gehört habe. Natürlich fällt zu allererst der grausame Sound auf. Diese "Produktion" hat dem Album weder einen Old-School-Sound noch einen Proberaum-Sound verpasst. Von diesem miserablen Sound ist es schwer loszukommen und sich auf das zu konzentrieren, was da eigentlich rüberkommen soll: die Songs. Und die sind tatsächlich gar nicht so schlecht, wie die Soundcheck-Noten vermuten lassen. Man mag es bei den Ergebnissen gar nicht glauben, aber auf "Sturmpanzer" finden sich tatsächlich nette Riffs und coole Passagen. Vom rein instrumentalen Teil her ist TANK hier ein wirklich passables, teils cooles Album gelungen. Gesanglich gehört Algy definitiv nicht zum Besten, was die Metal-Welt zu bieten hat. Da reicht es maximal zum unteren Durchschnitt. Hätte "Sturmpanzer" einen brauchbaren Sound, wären hier von mir 6 Punkte realistisch gewesen. Da die Produktion den Hörgenuss jedoch um einiges schmälert, reicht es bei mir "nur" zu 4,5 Punkten.

Note: 4,5/10

[Mario Dahl]

 

Dieses Album möchte wohl ein Mittelfinger für all die langweiligen und glattgebügelten Bands sein, deren Namensnennung sogar für ein Negativbeispiel reine Zeitverschwendung wäre. Nur: Das ist es nicht. Aus verschiedenen Gründen. Die Produktion ist natürlich ein Witz, der lustig sein könnte, hätte man ihn durchgezogen. Aber das (Keyboard-?)Gefiepse aus '2000 Miles Away' hören wir im Verlauf des Albums - zumindest in dieser Form - nicht mehr. Stattdessen gewöhnt man sich, dreht man des Bass leiser, sogar nach vier bis fünf Liedern an den Klang. Das Problem an diesem Album ist ein anderes. Stimmt schon, Mario, es finden sich "tatsächlich nette Riffs und coole Passagen", aber das war es dann auch. Der Gesang ist nicht an sich schlecht, nur melodisch völlig neben der Spur. Und das Songmaterial ist langweiliger als beim hundertsten Nuclear-Blast-Casting-Klon. Weitaus nettere Riffs und bedeutend coolere Passagen kann man heute dank YouTube bei tausend anderen Proberaum-Bands finden. Einziger Lichtblick könnte 'Lianne's Crying' sein, doch da nervt das Keyboard-Gewimmere wieder. Hätte man das Album als Riffsammlung herausgegeben, es hätte seine Daseinsberechtigung. So? Man weiß nicht recht...

Note: 3,5/10

[Jakob Schnapp]

 

Ich habe als beinharter Fan der alten TANK-Scheiben mit Algy ziemlich gierig auf "Sturmpanzer" gewartet, wohl ahnend, dass uns hier kein Meisterwerk der Klasse "This Means War" oder "Filth Hounds Of Hades" ins Haus flattern würde. Ich habe mich einfach auf die unverkennbare Stimme von Algy Ward gefreut, der in gewohnt schnoddriger Art leicht rumpeligen Heavy Metal darbieten würde. Mit dem viel gescholtenen Vorgänger "Breath Of The Pit" habe ich inzwischen meinen Frieden geschlossen, da ich die Musik darauf sehr kurzweilig finde. Über die Produktion muss man da nicht reden. Aber aus Fehlern kann man ja lernen. Der gute Algy ist aber ein Sturkopf und so klingt der "Sturmpanzer" leider erneut schlichtweg nicht produziert. Die Gitarren sind viel zu leise und das simpel programmierte Schlagzeug dominiert leider oftmals das Geschehen. Das geht so weit, dass ich bei einem Song wie 'Which Part Of Fuck Off Don't You Understand' (der obendrein auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat) immer skippen muss. Ebenso wenig geht die Coverversion von 'Little Darling' (THIN LIZZY), die Algy einfach runter rotzt. Aber der Fan in mir will den "Sturmpanzer" nicht als kompletten Ausfall wahrnehmen und so komme ich nach etlichen Durchläufen auch auf Songs, die ich mir mit besserer Produktion gerne häufiger anhören würde. So kann der rasante Opener '2000 Miles Away' mit seinem ungewöhnlichen Soloteil überraschen und beim ruhigen Beginn von 'Lianne's Crying' verspüre ich das alte Algy-Feeling. Überhaupt ist diese Nummer einer dieser Songs, die ich musikalisch wirklich gelungen finde und das daran anschließende 'First They Killed Her Father' wäre mit echter Bandbesetzung und guter Tonqualität ein feines Stück Musik. Ebenso kann mich 'The Last Soldier' erfreuen und der amüsante Rausschmeißer, in welchem Algy Zitate alter Klassiker verwurstet, ist ebenfalls für einen Altfan eine kurzweilige Angelegenheit. Die weiteren Titel sind für mich musikalisch allesamt gutklassig, nur leider mit diesem Klangbild nicht gut anhörbar. Unterm Strich bleibt eine Scheibe, der ich sehr gern viel mehr Punkte gegeben hätte. Die Umstände lassen aber selbst einem Fan mit rosaroten Kopfhörern keine andere Wahl als hier maximal 6 Punkte zu zücken. Es bleibt die Frage, weshalb Algy sich weder einen Drummer ins Studio geholt hat, noch etwas mehr Wert auf einen guten Klang seiner Scheibe gelegt hat.

Note: 6/10

[Holger Andrae]

Redakteur:
Mario Dahl

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