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Gruppentherapie: THRONE OF IRON - Adventure One

06.03.2020 | 09:27

Faustreck-Spaß für Undergroundler oder wohl inszenierter Dilettanten-Furor?

Diesmal picken wir uns ein Album heraus, das im Februar-Soundcheck im hinteren Drittel zu finden ist. Ganz einfach, weil solche Alben oft mehr polarisieren als der meist von vielen für gut befundene Soundcheck-Sieger. Das erste Abenteuer von THRONE OF IRON (zum Review von "Adventure One") ist für den einen Kult, zu dem Undergroundler, denen das KIT zu untrue geworden ist, guten Gewissens ihre Metal-Faust in den Himmel recken können. Andere sehen da aber eher einen "wohl inszenierten Dilettanten-Furor". Doch lest selbst.

 

"Adventure One" rennt bei mir als Verehrer von ETERNAL CHAMPION zunächst mal sperrangelweit offene Türen ein. Der Klang, die Attitüde, die Riffs, allesamt erste Sahne. Die teilweise kritisierten falschen Töne fallen mir da überhaupt nicht negativ auf. Auch bemüht sich die Band um große Abwechslung, darauf wurde gerade von MANILLA ROAD bekanntermaßen nicht immer so viel Wert gelegt. Sprich: Wir haben es bei THRONE OF IRON (übrigens, was für ein Name!) also mit einer Band zu tun, die Moderne und Huldigung alter Ideale auf eine erfrischende Weise miteinander verbindet. Was allzu oft zur Floskel verkommt, ist hier mustergültig zelebriert worden. Mein Höhepunkt ist 'Past the Doors of Death', wo die Melodieführung von VISIGOTH auf Riffs von ETERNAL CHAMPION trifft und das Ganze mit viel MANILLA ROAD-Gefühl vermengt wird. Warum dann aber keine noch höhere Punktzahl? Das liegt für mich nicht an eventuell fehlender Eigenständigkeit oder gar dem Klang (denn der ist super!), sondern einzig und allein daran, dass die Melodien nicht mit den ganz Großen des Genres mithalten können. Aber da beschwere ich mich ausdrücklich auf sehr hohem Niveau!

Note: 8,0 / 10
[Jakob Schnapp]

 

Ich bin schon seit langem dem hinterher, zu verstehen, was (vorwiegend) traditionelle Metaller meinen, wenn sie eine Band explizit für ihre "Attitüde" loben. Für mich kommt da zumeist nichts Vernünftiges bei raus. Im Video zu 'Lichspire' sieht man ein paar Jungs im Proberaum beim Spielen, beim Würfeln und in einigen Sequenzen laufen sie mit ihren Plastikschwertern durch den Wald. Sehr trashig. Nee, das überzeugt mich nicht, sorgt allenfalls für dezente Belustigung, zumindest für zwei Minuten. Und dazu passt dann auch die Musik. Nee, Jakob, der Klang ist eben nicht super, das klingt wie eine Proberaum-Aufnahme einer Schülerband (nix für ungut), aber nicht von heute sondern von gestern, nein vorgestern. Die Riffs wirken wie aus allem, was die Band sonst noch so hört zusammengestoppelt und des Sängers bester Freund ist der Halbton drunter. Oder drüber. Der Grund, warum es trotzdem noch für fünf Punkte reicht ist, dass ich THRONE OF IRON rein stilistisch gar nicht so verkehrt finde, es mich gar ein wenig an eigene alte Teenager-Zeiten erinnert und ich den Mut respektiere, mit so etwas überhaupt an die Öffentlichkeit zu gehen. Was nun an einer solchen "Attitüde" besonders sein soll, ist mir nach wie vor ein großes Rätsel.

Note: 5,0 / 10
[Thomas Becker]

Vom bisher Gelesenen her sollte mir "Adventure One" eigentlich richtig gut taugen. Also geben wir THRONE OF IRON eine Chance. Ja, teilweise klingt das ein wenig dilettantisch. Der Gesang ist nicht wirklich sauber. Wie eine Proberaum-Aufnahme einer Schülerband klingt das, sorry Thomas, wirklich nie. Dafür ist es viel zu professionell. Außerdem war ich auch mal ein Schüler und habe damals Sachen aufgenommen, und da liegen Welten dazwischen - nicht nur produktionstechnisch, sondern auch vom Songwriting her. Den Jungs aus Indiana sind da einige echte Ohrwürmer gelungen. Wie Jakob fällt mir als Referenz definitiv ETERNAL CHAMPION ein, aber auch SMOULDER, EMBLEM, LEGENDRY oder die Heroen MANILLA ROAD darf man im Ohr haben. Episch-theatralischer Metal, sauber gespielt, teilweise nicht sauber gesungen (but who cares?), klasse produziert... denn Thomas, wirklich: Der Sound gehört hier tatsächlich so! Und bei No Remorse Records sitzen keine Stümper im Büro die jeden Krusch durchwinken. Hier gibt es traditionalistisch-archaischen Metal für Menschen, die das "Keep it True"-Festival langsam kommerziell finden. Das ist sicher eine kleine Zielgruppe, aber das macht nichts. Diese Leute werden ihr Plastikschwert zu "Adventure One" aus dem LARP-Regal holen und faustreckend ihre Freude mit der Musik haben. Klar, das ist kein Klassiker und Vergleichbares gab es von IRONSWORD dieses Jahr auch schon in Besser, aber das macht ja nichts. Gutes Album.

Note: 8,0 / 10
[Jonathan Walzer]

 

Da tobt ja der Deutungskampf. Battle of Wasndas? Also 'Past The Door Of Death' tut mir persönlich richtig weh im Ohr. So richtig. Der gesprochene Einsteiger ins Album war ja schon schenkelklopfesk, die Turnierfanfaren direkt danach finde ich einnehmend, genau wie das daran angehangene 'A Call To Adventure'. Aber dann das! Ich bin da für mich ganz klar, wenn es so amateurhaft klingen soll, ist das ok, dann holt es mich aber nicht ab. Wenn sich mit so einer zurückgezogenen Attitüde bewegt wird, die zumeist sehr schnell nur noch merklich krampfhaft aufrecht zu erhalten ist, bei all den Möglichkeiten, die es produktionstechnisch gibt, dann ist da schwertstahlhartes Kalkül dahinter, das ist für mich recht eindeutig. Mit 'Dark Shrine Of Rituals' kann auch ich ganz gut leben; was 'The Power Of Will' soll, keine Ahnung, das ist ohrerweichend. Und ich halte es lieber heißspornig mit dem Löffel. Das Seltsame ist, dass mich das Solo des Stückes sehr fesselt, und ich erschrocken auf den Einsatz des "Sängers" warte. Und als er dann wieder hallend daherdabbelt, zucke ich zusammen. In 'Lichspire' wird hinein gespult, da fällt mir der Gleichgang in Rhythmus und Herangehensweise auf. Nun hat mich der Frust, die Ödnis doch umnachtet: Zwar versucht 'The Fourth Battles Of The Ash Plaines' direkt mal etwas anderes, nichts Neues, aber ob das die Herren insgesamt ironisch meinen, oder sich einfach nicht um das "Wie?" kümmern, ob sie ein Heavy-Metal-Experiment sind, oder sich darauf freuen, zu verkünden, dass ihnen Meinungen anderer egal sind - ich kann mich nicht einfangen lassen. Verräterisch für meine obige These, dass das alles ein sehr wohl inszenierter Dilettanten-Furor ist, ist das abschliessende Geklimper auf dem abgestaubten Home-Keyboard, dessen Grund und Merkmal fürs Konzept sich nicht erschließt. Die Titel sind gewählt wie aus dem VHS-Stapel des Vergessens der Achtziger, wen das einnimmt und sehnsüchtig macht, sehr gern. Mich überkommt da die Sehnsucht nach durchproduziertem Tech Death Metal oder Breitwand-Stoner-Rock.

Note: 4,0 / 10
[Mathias Freiesleben]

Redakteur:
Thomas Becker

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