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HELDMASCHINE: Interview mit René

02.01.2017 | 16:21

Im November krachte mit dem "Himmelskörper" das neue Album von HELDMASCHINE auf die Erde nieder. Wir baten Sänger René Anlauff zum Gespräch.

Hallo René, ich habe euch dieses Jahr das erste Mal live auf dem MERA LUNA sehen können. Wie war euer Debüt dort?

Es war grandios. Der Hangaar war bei der Band, die vor uns gespielt hat, ziemlich voll. Als sie aufgehört hat, haben sich die Leute alle zerstreut - sind zur großen Bühne gegangen, einkaufen... Wir haben uns beim Aufbau schon gefragt, wie viele Zuschauer wohl kommen würden. Umso begeisterter waren wir, als es bei uns dann wieder rappelvoll war, alle mitgefeiert haben und bis zum Schluss geblieben sind. Die Stimmung war bombastisch! Wir waren sehr beeindruckt.

Auch vom Festival selbst?

Klar, wir haben viele bekannte Bands getroffen, haben geredet und Pläne geschmiedet. Wir sind auch selbst übers Gelände gegangen, haben mit Bekannten auf dem Zeltplatz gefeiert - es war rundum ein richtig geiles Fest.

Und wie läuft es jetzt bei der Tour?

Auf jeden Fall besser als bei unserer letzten Tour, die ja unsere erste mit HELDMASCHINE war. Man merkt eine deutliche Steigerung und unsere neue Platte wird richtig gut angenommen. Wir hören von allen Seiten, dass es unsere beste Platte ever wäre. Das erstaunt uns nach so kurzer Zeit. Damit haben wir gar nicht gerechnet. Natürlich freut uns das aber umso mehr.

Also habt ihr nicht damit gerechnet, dass "Himmelskörper" so gut bei den Fans ankommt?

Mit diesem Ausmaß haben wir nicht gerechnet. Wenn man selbst eine Platte macht, steckt man ja sehr tief drin. Man weiß gar nicht, wie die Musik bei jemandem ankommt, der sie das erste Mal hört. In diesem Fall ist man ja kein "neutraler" Musikhörer und kann das gar nicht einschätzen.

Euer Opener nennt sich 'R', eine Persiflage auf das teutonische R, welches oft noch verteufelt wird. Wie seid ihr darauf gekommen?

Ganz viele Menschen denken, dass sie ein rollendes R nicht gut finden dürfen, weil z.B. RAMMSTEIN das gemacht hat und es immer noch sehr negativ behaftet ist. Deswegen haben wir einen Song darüber geschrieben. Es ist der einzige Song, der sofort komplett gestanden hat. Ich bin wach geworden und habe mich direkt an den Rechner gesetzt. Ich habe mir den Song zusammengebaut und habe ihn nach sechs, sieben Stunden an den Rest der Band geschickt. Alle waren total begeistert. Wir mussten einfach mal ein Zeichen setzen. Ich frage mich auch, warum man sich das als Konsument antut: Songs oder Bands nicht gut zu finden, weil sie zum Beispiel das R rollen. Das wollten wir damit ausdrücken und auch mal ein bisschen durch den Dreck ziehen.

Apropos "rollendes R": Du sagst selbst, dass man aus dem Vergleich mit RAMMSTEIN gerade als NDH-Band oft nicht mehr raus kommt. Vor dem Hintergrund, dass ihr aus der RAMMSTEIN-Cover-Band VÖLKERBALL entstanden seid: Nerven da die ewigen Parallelen, die hier gezogen werden?

Ich sag mal so: Wir werden das nie loswerden und das ist uns auch völlig klar. Es ist natürlich auch eine Ansichtsfrage. Wer bringt diesen Vergleich? Im Ausland meinen die Menschen das völlig begeistert, wenn sie sagen "RAMMSTEIN 2.0". Hier in Deutschland ist das mehr als Abklatsch gemeint und sehr negativ behaftet. Dadurch, dass wir aus einer Coverband entstammen, ist es allerdings noch schwerer, den eigenen Streifen ans Publikum zu bringen. So, dass es auch akzeptiert wird, dass wir nun unser eigenes Ding machen. Aber wir haben uns dazu entschlossen und versuchen, den Vergleich mit RAMMSTEIN immer erst einmal als Kompliment zu verstehen.

Dann jetzt mal ganz direkt gefragt: Was unterscheidet euch denn von RAMMSTEIN?

Wir bringen unsere Songs mit sehr viel Freude und Spaß auf die Bühne. Das machen viele andere NDH-Bands nicht. Uns ist es wichtig, dass wir unsere Songs feiern können und nicht den ganzen Abend mit bösem Blick und gerunzelter Stirn unsere Setliste abspielen. Wir sind einfach wir selbst und können das sehr gut zelebrieren. Als Tribute-Band von RAMMSTEIN bist du ja immer doch sehr ernst. Da bist du schon froh, wenn du auf der Bühne auch du selbst sein kannst. Das ist ein richtiger Befreiungsschlag.

Eure Single-Auskopplung 'Sexschuss' ist schon ziemlich provokant und auch das Video fast schon skurril. Wie kamt ihr darauf?

Also, es war folgendermaßen. Wir wussten, dass 'Sexschuss' unsere Single-Auskopplung werden soll. Da haben wir darüber nachgedacht, was man dazu machen kann. Bienen, die irgendwelche Blüten bestäuben, ging natürlich nicht, nur als Beispiel. Irgendwann hatte der Tobi, unser Gitarrist, die Idee mit den VR-Brillen und den Gedanken, eine Parallelwelt aufzubauen. Eigentlich ist ja nur der Songtext sehr provokant, das Video gar nicht. Dieses zeigt ja nur andere Ebenen auf und sorgt für den Tiefgang. Da konnten wir dann anfangen, die Story dazu zu schreiben. Das ging relativ zügig und uns kamen dann auch schnell passende Ideen. Ob das nun die Gummi-Brüste sind, die eigentlich Computer-Mäuse sein sollten, oder der Typ, der total verkommt, weil er nur noch im Internet rumsurft... Der Song ist sehr sozialkritisch gemeint. Wenn man allerdings nur den Text hört, könnte man sich schon denken: "Mein Gott, ist das platt!" Das Video verleiht dem Ganzen, wie schon gesagt, den eigentlichen Tiefgang.

Und wo soll die Reise mit HELDMASCHINE in naher Zukunft hingehen?

Wir freuen uns erst einmal tierisch übers neue Album und unsere eigene Tour im Februar. Ebenfalls auch auf die kommenden Konzerte mit MEGAHERZ zusammen. [Nach einigen Konzerten von Oktober bis Dezember des letzten Jahres, gibt es am 6.1. in Aarburg und am 7.1. in München letztmalig die Gelegenheit das Package, zusammen mit ERDLING, zu beschauen. - Anm. d. Red.] Da gibt es noch einiges, was kommendes Jahr auf uns zukommt. Momentan sind wir einfach nur sehr happy, wie alles läuft.

Redakteur:
Leoni Dowidat

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