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HELLOWEEN: Interview mit Markus Grosskopf

12.02.2013 | 15:48

Interviews mit HELLOWEEN-Bassist Markus Grosskopf sind sehr unterhaltsam. Kurz vor dem Release des starken neuen HELLOWEEN-Albums "Straight Out Of Hell" ist der Hamburger bestens gelaunt, obwohl gerade richtig viel los ist bei den Kürbisköpfen.

Dementsprechend viel gibt es auch zu erzählen. Obwohl vor mir etliche Kollegen mit Markus gesprochen haben, ist der Erzählfluss ungebremst: "wenn man stolz ist auf die eigene Arbeit, kann man ja auch gut drüber reden" findet er. Finden wir bei Powermetal.de auch, schließlich hat Deutschlands Melodic-Metal-Flaggschiff den zweiten Platz in unserem Soundcheck erklommen. Aber er weiß auch, dass es ein langer Weg ist bis ein Album wirklich fertig ist. "Es gibt ja so Zeiten, da siehst du das Licht am Ende des Tunnels nicht", antwortet er auf meine Frage, ob das Songwriting denn immer so einfach läuft wie es der Hörer sich vorstellt. Und erfahrungsgemäß haben HELLOWEEN das Licht dann doch immer wieder gefunden, auch wenn man sich jedes Mal frage, wie man bitteschön eine komplette Platte aufnehmen soll ohne sich selbst nur zu wiederholen.

Umso interessanter ist das, wenn man bedenkt, dass man im Hause HELLOWEEN stets ohne Gesamtkonzept beginnt. Jeder bringt seine Ideen ein und dann "schauen wir mal, was so passiert" erzählt Markus in einem entspannten Tonfall. Immerhin sind vier Bandmitglieder aktive Songschreiber. Auch beim letzten Album "7 Sinners" kamen die Ideen eher zufällig zusammen, die vielen düsteren Momente waren jedenfalls so nicht geplant. Man habe beim aktuellen Album die positive Grundstimmung aber auch bewusst eingefangen, da viele Song-Ideen in diese Richtung zeigten. Die Studioaufenthalte in Teneriffa scheinen den Kürbissen jedes Mal gut zu tun. Markus ergänzt: "Dann machen wir halt dieses Mal wieder 'ne etwas positivere Geschichte, weil viele Songs es angeboten haben. Es hätte wenig Sinn gemacht, das ganze Album bewusst in eine andere Richtung zu drängen, nur weil es so und so klingen soll. Dann wirkt es irgendwie unnatürlich."

Auch Produzent Charlie Bauerfeind, mit dem man wieder zusammengearbeitet hat, gefiel die etwas fröhlichere Grundstimmung sofort, wie Markus berichtet. Außerdem wolle man etwas gegen den herrschenden Pessimismus tun, der ja unlängst (mal wieder) den Weltuntergang heraufbeschworen hatte. Und so lange man lebt, kann man schließlich auch positive Mucke hören. Meine Einschätzung, dass wieder einige "Happy Metal"-Elemente Einzug in den Sound gefunden haben, bestätigt Markus gerne. "Ich find auch, dass es viel Spaß macht, die Platte zu hören" bemerkt er merklich stolz. Songs wie 'Wanna Be God' zeugen davon, dass HELLOWEEN immer für kleine Überraschungen gut sind. Mit seinen zwei Minuten und dem ungewöhnlichen Sound "ist das aber auch ne klasse Nummer, die man live mal dazwischenpacken kann", wie Markus findet.

Doch es geht nicht immer nur um witzige Themen, wie der Eröffnungstrack 'Nabatea' beweist. Darin geht es um eine antike Zivilisation, die schon vor zweitausend Jahren eine Demokratie hatte und sich nicht dadurch hervorgetan hat, andere Städte und Länder durch Angriffskriege zu erobern. Für die Band eignet sich das Material deswegen so gut, weil man gerne über Freiheit und Frieden spricht. "Ich finde die ganze Geschichte sehr geil, aus der Andi dann einen Song gemacht hat. Das Thema ist HELLOWEEN quasi auf den Leib geschneidert." Nur ein Ende, wie es Nabatea erlebt hat, wünscht man der Band nicht. Letztendlich wurde das Königreich Nabatea von den Römern gewaltsam erobert.

Demzufolge könnte 'Asshole' auch für die römischen Kriegsherren gelten, der Song ist aber an niemanden speziell gerichtet. "Es musste halt mal gesagt werden. Da kann sich jeder mit identifizieren, der da Bock drauf hat. Vor allem die ganzen Leute, die einen in dem aufhalten wollen, was man so machen will." HELLOWEEN hält aber so schnell niemand auf, vor allem live geben die Jungs immer noch Vollgas. Bald geht es auf Tour mit GAMMA RAY, worauf man sich im Bandlager besonders freut. "Das ist immer was besonderes. Charlie ist da, und Kai sieht man mal wieder. Im Prinzip wie bei der Familie." Für Fans von Melodie Metal stehen also wahre Feiertage an.

Doch wie üblich, ist der Prophet im eigenen Lande nicht viel wert. Im Ausland sind HELLOWEEN für viele (auch junge) Fans immer noch DIE deutsche Metal-Band, was auch Markus bestätigen kann. "Wenn wir in anderen Ländern spielen, sind wir oft auch in den großen Tageszeitungen, die ja mit Metal per se nix am Hut haben. Wenn du in Deutschland nicht gerade METALLICA bist, interessiert sich die Tagespresse überhaupt nicht für dich. Ich habe ja nichts gegen METALLICA, aber für viele Medien ist das das Aushängeschild für Heavy Metal, und das war's dann." Der Blick über den Tellerrand würde also so mancher Zeitung ganz gut tun. Oder zumindest ein bisschen Recherche im Vorfeld. "Neulich habe ich ein Interview mit einer jungen Journalistin gemacht, die wohl ins Musik-Ressort strafversetzt wurde und zum ersten Mal den Namen HELLOWEEN gehört hat, die wußte nicht mal, dass wir ne neue Platte haben. Da kommt man sich doch ein bisschen veräppelt vor."

Probleme, die man mit der Fachpresse hoffentlich nicht hat. Wobei es schon sehr bequem wäre, ein Interview mit der Ansage "ja, erzähl mir doch mal was" zu führen. Genug zu erzählen gibt es im Hause HELLOWEEN ohnehin immer.

 

Mehr zu HELLOWEEN und "Straight Out Of Hell":
Soundcheck 01 / 2013
Rezension zu "Straight Out Of Hell"
Gruppentherapie zu "Straight Out Of Hell"

Redakteur:
Nils Macher

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