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IMMOLATION: Interview mit Bob

25.01.2005 | 14:00

Eigentlich total schade: Bob von IMMOLATION entpuppte sich von Anfang an als ein sehr sympathischer und gut aufgelegter Gesprächspartner - bis ich ihm dann mitteilte, dass zwei der neuen Songs meiner Meinung nach nicht ganz so gut sind und die Band in diesem Fall ihr Potenzial noch nicht ganz ausgeschöpft habe. Von da an reagierte der Gute sehr trotzig und machte sich einen Spaß damit, mich mit ironischen Antworten zu konfrontieren. Aber gut, wenn man mit konstruktiver Kritik nicht umgehen kann...

Björn:
Na, alles klar soweit?

Bob:
Ja, alles bestens, danke! Unser neues Album wird bald erscheinen und momentan planen wir gerade eine Tour. Ich hoffe, dir geht es auch gut.

Björn:
Oh ja, danke. Bist du gut ins neue Jahr gestartet?

Bob:
Ja, ich habe gearbeitet wie normal, haha! Ich arbeite in einer Fabrik, in der wir normalerweise einige große Jobs über die Feiertage erledigen. Der Neujahrstag ist einer davon, aber es war trotzdem sehr cool.

Björn:
Und mit dem Release eures neuen Albums ist das neue Jahr auch direkt sehr gut gestartet. Was kannst du mir über "Harnessing Ruin" berichten?

Bob:
Wir sind sehr glücklich mit der Platte, das kannst du mir glauben! Es ist definitiv eines der besten Alben, das wir je veröffentlicht haben. Es ist einmalig und sehr düster. Ich bin mir sicher, dass unsere Fans es sich besorgen werden.

Björn:
Es hat fast drei Jahre gedauert, bis ihr neuen Stoff auf den Markt gebracht habt. Was ist dazwischen so alles passiert?

Bob:
Nein, es waren keine drei Jahre, komm schon, eigentlich waren es doch nur zwei. Wir sind mittlerweile sehr gut darin, regelmäßig neues Material zu veröffentlichen. "Unholy Cult" ist im November 2002 herausgekommen, rein technisch waren es also nur zwei jahre und zwei Monate, haha!
2003 sind wir für drei Monate auf Tour gewesen, danach haben Ross und ich neue Jobs angenommen, wir haben also eine Menge gearbeitet. Zu Beginn des letzten Jahres haben wir dann das Studio gebucht und die neue Scheibe im Juli/August aufgenommen.

Björn:
Es ist seit 1991 euer siebter Release. Hättest du jemals gedacht, dass ihr es auf eine solche Anzahl von Alben bringen würdet, als ihr damals gestartet seid?

Bob:
Nein, ganz sicher nicht. Es ist schon ein sehr seltsames Gefühl für uns, dass wir über fünfzig eigene Songs haben, das ist schon eine Menge! Das Witzige ist, dass wir uns nach wie vor fühlen, als hätten wir gerade erst angefangen. Ich weiß, dass wir musikalisch noch einiges machen können und daher schaue ich auch immer zuversichtlich in die Zukunft. Mit jedem Album werden wir bessere Songschreiber und können somit auch interessantere Songs schreiben. Und ich weiß, dass wir gerade erst die Oberfläche gestreift haben.

Björn:
Seit eurem Debüt "Dawn Of Possession" sind jetzt 14 Jahre vergangen, aber ihr habt noch immer nicht den Status von Bands wie MORBID ANGEL, CANNIBAL CORPSE oder OBITUARY erreicht. Hast du eine Ahnung, warum das so ist?

Bob:
Oh nein, habe ich nicht, haha! Alles was ich weiß, ist, dass wir versuchen, die bestmögliche Musik aus uns herauszuholen. Hoffentlich werden wir es eines Tages auf ein höheres Level bringen, aber ich denke, momentan müssen wir erst einmal unseren aktuellen Status halten. Wir sind ambitionierter als je zuvor und sind auch nicht besonders gut darin, aufzugeben. Folglich müssen wir einfach nur mit der Zerstörung fortfahren bis jemand Kenntnis davon nimmt, haha! Wir lieben, was wir tun, und wir lieben die Musik, und das ist es auch, was momentan zählt.

Björn:
Ihr habt eine treue Underground-Fanbase, besonders in Europa, aber nichtsdestotrotz habt ihr es noch nicht geschafft, richtig "groß" zu werden. Ist das okay für euch oder ärgert ihr euch schon manchmal darüber?

Bob:
Ich denke, das ist prinzipiell die gleiche Frage wie zuvor. Aber okay, ich denke es ist in Ordnung, dass es uns ärgert, haha! Unsere Fans sind wirklich sehr treu, es ist wie eine eigene Kraft, welche die Band vorantreibt. Unsere Fans sind unbarmherzig und gehören zu den Die-Hard-Anhängern im Metal. Darauf sind wir sehr stolz! Unsere Fans sind diejenigen, welche die Band am Laufen halten, und wir könnten uns keine besseren vorstellen.

Björn:
Trotzdem, glaubst du, dass sich erfolgstechnisch mit dem neuen Album irgendetwas ändern wird?

Bob:
Wahrscheinlich nicht. Aber ich kann dir sagen, dass dieses Album das beste ist, das wir hätten machen können - und es wird einer der besten Releases 2005 sein. Natürlich werden wir unter Umständen etwas Aufmerksamkeit erregen, aber es wird nur wenige geben, die realisieren, was wir hier zu Stande bringen. Doch genau diejenigen sind es, die uns am Leben erhalten.

Björn:
Ich mag euer neues Album auf jeden Fall, aber trotzdem finde ich, dass ihr euer Potenzial wieder nicht ganz ausgeschöpft habt. Wie auch auf den vorangegangenen Alben gibt es ein oder zwei Songs, die nicht so killen wie der Rest. Auf dem neuen Album sind das meiner Meinung nach 'Harnessing Ruin' und 'Dead To Me'. Habt ihr derartige Kritiken schon einmal bekommen?

Bob:
Nein, bisher noch nicht. Wir haben eigentlich nur das komplette Gegenteil gehört. Denke noch einmal darüber nach, das ist die dümmste Frage, die man mir bis dato gestellt hat, haha! Nun, du hast einen seltsamen Geschmack, denn für mich sind dies zwei der stärksten Songs auf dem ganzen Album. Ich glaube, du musst dir mal die Watte aus den Ohren holen!

Björn:
Okay, dann verteidige diese beiden Songs mal aus deiner Sicht!

Bob:
Ich brauche sie nicht zu verteidigen; höre sie dir nur an, sie killen! Vielleicht rauchst du auch zuviel Crack oder hast zuviel Bier getrunken, keine Ahnung, vielleicht solltest du das mal unter Kontrolle bringen, haha!

Björn:
Ich habe ja nicht gesagt, dass mir das Album nicht gefällt, aber ich denke einfach, dass ihr das teilweise noch besser hinbekommt.
Gut, wenn du das neue Material mit dem der letzten Scheibe vergleichen müsstest, was hat sich da deiner Meinung nach geändert?

Bob:
Zitrone? Nun, danke! Ich bin froh, dass du das geklärt hast, weil ich wirklich dachte, wir hätten es nicht drauf. Ich werde mir das notieren, so dass ich mich beim nächsten Album daran erinnere. Vielleicht kannst du dann ja auch ein paar Songs für uns schreiben, ich bin mir sicher, dass du uns noch einiges beibringen könntest. Ich weiß, dass die ganzen Death/Black-Metal-Bands die Grenzen ihres Genres neu definieren, wozu wir ja nicht in der Lage sind. Wir schreiben ja immer nur die selben Songs, immer und immer wieder. Einfach nur eine Menge Blasts und Grunts, ja, das sind wir. Aber wir versuchen unser Bestes, vielleicht kannst du beim nächsten Mal ja erst in die rohen Versionen reinhören, dann kannst du uns ja sagen, welche wir verändern müssen und welche wie besser ganz verwerfen. Danke dafür!

Björn:
Klar, kann ich gerne machen... Kommen wir mal weg von dieser Diskussion. Wie würdest du IMMOLATION im Jahre 2005 beschreiben?

Bob:
Ich würde sagen, dass wir okay sind.

Björn:
Würdest du mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass die neue Platte direkter ist als die beiden Vorgänger?

Bob:
Ja, würde ich.

Björn:
Was gefällt dir persönlich besser: straighter Stoff oder technisches Material?

Bob:
Ich mag Musik mit Gefühl und Aussagekraft.

Björn:
Hörst du dir privat auch Death Metal an oder hast du neben dem Sound deiner eigenen Band andere Favoriten?

Bob:
Ich höre mir alles außer Death Metal an, stattdessen lebe ich ihn! Ich mag einige andere Sachen, aber nur einige wenige ausgewählte Geschichten.

Björn:
Ihr seid eine der ersten US-Death-Metal-Bands gewesen, und ihr seid immer dabei gewesen, sowohl zu der Zeit, als die Musik ihre Hochphase hatte, als auch in dem Moment, wo sie erfolgstechnisch bedeutungslos wurde. Wenn du heute über die Entwicklung des gesamten Genres nachdenkst, was kommt dir da in den Sinn?

Bob:
Ich bin froh, dass alle Zitronen ausgepresst worden sind.

Björn:
Und was denkst du über neuen Stoff, der unter Umständen auch von IMMOLATION inspiriert worden ist?

Bob:
Wenn wir jemand anderes inspirieren können, dann ist das eine coole Sache, und es wäre großartig zu wissen, dass jemand sich so sehr mit unserer Musik beschäftigt hat.

Björn:
Hat euch denn schon einmal jemand gesagt, dass er direkt von IMMOLATION beeinflusst worden ist? Wie fühlt sich so etwas an?

Bob:
Es ist ein gutes Gefühl, dass dir bestätigt, dass du manchmal auch etwas richtig machst.

Björn:
Als Letztes würde ich gerne etwas über den neuen Videoclip in Erfahrung bringen. Ich habe ihn leider noch nicht gesehen, aber vielleicht kannst du ihn mir ja beschreiben.

Bob:
Unglücklicherweise gehört das Video zu einem der schlechteren Songs auf dem Album, aber er wurde von Maurice Swinkels von Lowlife Media produziert, und er hat einen guten Job gemacht. Es ist sehr düster und sieht professionell aus. Es war auch unser erster Videoclip und wir sind sehr glücklich damit. Aber ich denke, das wird dich jetzt nicht so sehr interessieren, da die Musik ja auch nicht so dein Ding ist, nicht wahr?

Björn:
Na gut, wenn du meinst... Wie stehst du denn im Allgemeinen zu Videos in der Metal-Szene?

Bob:
Es ist schön, ein eigenes zu haben.

Björn:
Jetzt, wo das Album draußen ist, wollen euch die Fans in Europa wieder gerne auf Tour sehen. Wann wird das denn konkret passieren?

Bob:
Irgendwann im Sommer.

Björn:
Und was wird dieses Jahr sonst noch so alles bei euch passieren?

Bob:
Wahrscheinlich nicht viel, erst einmal müssen wir ja lernen, wie man Songs schreibt.

Björn:
Hast du sonst noch was zu sagen?

Bob:
Vielen Dank für dieses Interview. Du kannst es mir glauben oder nicht, es hat mir wirklich Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten. Ich hoffe, wir werden es auf unserem nächsten Album besser für dich machen. Ein Dankeschön an all unsere Freunde und Fans! Wir sehen uns bald.

Redakteur:
Björn Backes

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