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INFERNÄL MÄJESTY: Interview mit Kenny

01.01.1970 | 01:00

INFERNÄL MÄJESTY ist ein klangvoller Name in Thrasherkreisen, haben die Mannen um Gründungsmitglied Kenny Hallmann doch bereits im Jahre 1987 mit dem Fabelwerk "None Shall Defy" eine Referenzscheibe des technischen Thrashs abgeliefert. Line-up- und Ortswechsel machten im Laufe der Jahre dem Erfolg der Band immer wieder einen Strich durch die Rechnung, was heutzutage nur noch einen Platz als Geheimtipp zulässt. Nach dem Genuss der neuen Scheiblette "One Who Points To Death" kann man sich diesen Tipp aber fett ins Notizbuch kritzeln, da die Scheibe ausnahmslos fein gestrickten Hightechthrash bietet, der sauber in die Lauschlappen läuft. Diese frohe Kunde zum Grunde, klopfte ich bei Kenny an ...

Alex:
Servus Kenny! Dass man von INFERNÄL MÄJESTY auch mal wieder etwas zu hören bekommt, hätte ich gar nicht mehr gedacht. Euch gibt es ja schon verdammt lange. Kannst du mir ein paar Fakten über eure Wurzeln und euren Werdegang geben und mir ein wenig über eure Bandmitglieder erzählen?

Kenny:
Rick Nemes, Chris Bailey, Steve Terror, Psycopath und meine Wenigkeit haben die Band INFERNÄL MÄJESTY im Jahr 1986 aus der Taufe gehoben. Steve und ich hatten bereits vor der Gründung zusammen gezockt und einige coole Riffs am Start. Wir haben dann in einer Zeitung eine Adresse aufgeschnappt, die unser Interesse weckte, und schließlich führte uns die Anzeige direkt zu Rick und Psyco. INFERNÄL MÄJESTY waren geboren. Unser Ziel war es, ein Thrashalbum mit komplexen Strukturen zu schreiben. Um ein Inferno auf dem damaligen Metalmarkt zu entfachen, nahmen wir ein 24-Spur-Demo mit vier Songs in den "Metal Works"-Studios in Toronto auf. Wir verschickten tonnenweise dieser Bänder und unterzeichneten schließlich einen Deal mit Roadrunner Records in New York City. Das Witzige dabei ist, dass wir niemals eine Kopie an Roadrunner versendet haben. Irgendein europäisches Magazin hat damals einfach eine Kopie an die Plattenfirma weitergeleitet und uns so die Chance unseres Lebens ermöglicht. Wir veröffentlichten "None Shall Defy" 1987 und erhielten überwiegend großartige Resonanz. Ein Jahr später verließen Rick und Psycopath die Band und wurden durch Kevin Harrison (drums) and Bob Quelch (bass) ersetzt. Der nächste Schritt war ein Zweitrackdemo, das wir in den Wellesley-Studios in Toronto auf Konserve prügelten und das unter dem Namen "Nigresent Dissolution" firmierte. Die zwei Demotracks 'Into the Unknown' und 'Hell on Earth' blieben lange Zeit verschüttet, bis schließlich Displeased Records sie auf den Re-Release von "None Shall Defy" packte. So, in aller Kürze *lacht*.

Alex:
Hinter euch liegen jetzt sechs Jahre schöpferischer Pause. Warum so lange?

Kenny:
Obwohl so manch einer es denken mag, haben wir uns nie aufgelöst. Wir hatten massive Probleme, einen geeigneten Drummer zu finden, der nach Kevins Abgang den vakanten Posten adäquat ausfüllen konnte. In Toronto konnten wir niemanden finden und entschlossen uns schließlich, nach Vancouver überzusiedeln. Dort fanden wir unseren neuen Mann, Kris Deboer, der ein wirklich großartiger Drummer ist und jede Menge Punch hat.

Alex:
Eure neue Scheibe "One Who Points To Death" ist meiner Meinung nach sehr technisch ausgefallen, wobei gerade die Gitarrenarbeit sehr an alte TESTAMENT-Großtaten erinnern. War es euch wichtig, wiederum mächtig komplexe Ideen in nachvollziehbare Strukturen zu bekommen?

Kenny:
Klar! Steve und ich haben jede Menge Zeit in das Songwriting investiert, wobei gerade wir beiden schon so lange zusammen musizieren, dass wir uns beim Komponieren blind verstehen. Wir versuchen dabei immer Songs zu schreiben, die uns auch in zehn Jahren noch Spaß machen und uns fordern sollen. Denn was bringen schön smoothe, leichtverdauliche Tracks, wenn du es als Musiker hasst, sie live zu spielen, weil es dich einfach langweilt. Ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich das erste Mal 'Don´t Break The Oath' von MERCYFUL FATE hörte und ich total hin und weg von der Art des Songwritings war. Die Scheibe bläst mich auch heute noch weg.

Alex:
Wenn ich INFERNÄL MÄJESTY anno 2004 als Mischung aus uralten KREATOR, den Anfängen TESTAMENTs und DEATH in der "Spiritual Healing"-Ära vergleiche, wie kommentierst du das?

Kenny:
Wir haben mit genau diesen Bands immer eine Verbundenheit gehabt. Außerdem noch SLAYER, WHIPLASH und METALLICA. Diese Bands hatten und haben immer noch großen Einfluss auf junge Bands, genauso wie sie seinerzeit uns beeinflusst haben. Also haben wir uns damals unter diesen bannenden Einflüssen unsere Äxte gegriffen und sie bis heute nicht mehr aus den Händen gelegt.

Alex:
Man hat in den Medien von einer neuen INFERNÄL MÄJESTY-Scheibe nichts mitbekommen und ich war sehr überrascht, als sie plötzlich vor meiner Tür lag. Wie lange habt ihr im Studio verbracht?

Kenny:
Acht Monate inklusive Mischen und Mastern. Der Grund für den langen Zeitraum war, dass Steve und ich die Scheibe selber finanzierten und wir nicht wollten, dass irgendjemand außer uns selbst die Masterbänder in die Finger bekommt. Wir hatten da in der Vergangenheit einige male Trouble und wollen, dass sich das nicht mehr wiederholt.

Alex:
Erzähl mir etwas über die Lyrics auf "One Who Points To Death".

Kenny:
Wir versuchen eigentlich immer über interessante Dinge zu schreiben. Sinnentleerte Satanstexte wird man bei uns nicht finden. Wir holen uns dabei unsere Inspiration aus Filmen und aus der Literatur und achten darauf, dass sich die Themen nicht wiederholen. Ansonsten will ich nicht zu viel verraten. Lest selbst!

Alex:
Ich persönlich finde den Sound der neuen Scheibe nicht besonders gelungen. Es fehlt der Druck und die Instrumente klingen etwas verhallt. Sei mir nicht böse, aber was meinst du dazu?

Kenny:
Das ist schon in Ordnung, auch wenn ich das anders sehe. Klar können wir einen Bombensound auf Band bannen, wenn uns eine Plattenfirma 100.000 Dollar zu Verfügung stellt. Aber schlussendlich haben wir nur einen Bruchteil davon und haben ein ansprechendes Ergebnis erzielt.

Alex:
Wer hat die Scheibe eigentlich produziert?

Kenny:
Wir haben in den Profile-Studios in Vancouver mit einem Kerl namens Sho aufgenommen. Produziert haben wir "One Who Points To Death" selber, da wir am besten wissen, wie INFERNÄL MÄJESTY klingen sollten. Pierre Remillard von OBLIVEON besorgte nur das finale Mastering in Montreal.

Alex:
Das Coverartwork finde ich total geil. Sehr trashig und total oldschool. Wer hat das Teil kreiert?

Kenny:
Eine Dame namens Kierston, die in Vancouver ansässig ist und für eine Spielfirma arbeitet. Sie kreierte das Cover und das Booklet und wir sind sehr stolz auf das Endergebnis.

Alex:
Ihr habt zwischen den ganzen Geschwindigkeitshämmern auch vermehrt slowe und düstere Parts am Start, die meiner Meinung nach intensiver klingen und INFERNÄL MÄJESTY weitaus besser zu Gesicht stehen. Was meinst du dazu?

Kenny:
Wir lieben es zu variieren. Weder nur schnell noch nur langsam. Ein Song sollte interessant bleiben, damit es sich lohnt, sich an ihn zu erinnern. Das erreicht man nur mit Abwechslung.

Alex:
Was denkst du, kanalisierst du deine Wut in deiner Musik?

Kenny:
Ich glaube an mich selbst und bringe das durch meine Musik zum Ausdruck. Ich lebe ein normales Leben, in dem Religionen keinen Platz finden. Ich bin aber nicht hier, um zu den Menschen zu predigen. Ich mache lediglich Musik, die sie nachdenklich stimmen soll.

Alex:
Es ist vielleicht vermessen danach zu fragen, wenn man mal eure Veröffentlichungszeiträume einbezieht. Aber was willst du persönlich noch mit INFERNÄL MÄJESTY erreichen?

Kenny:
Darüber habe ich eigentlich noch nie nachgedacht. Ich sehe es einfach als meinen Job an, Musik zu erschaffen, die andere Menschen glücklich macht.

Alex:
Kenny, du schreibst ja zusammen mit Steve das komplette Songmaterial. Wie läuft das ab? Zu Hause mit Cubase?

Kenny:
Wir schreiben das ganze Zeug tatsächlich zu Hause und schleppen es dann in den Proberaum. Größtenteils verändern sich die Songs noch unzählige Male, bis sie schlussendlich den ordentlichen Kick erhalten.

Alex:
Wird man euch dieses Jahr in Deutschland zu Gesicht bekommen?

Kenny:
Wir sind gerade von einer zweimonatigen Kanadatour zurück und wollten eigentlich gleich eine Europatournee anschließen. Leider klappt das mit den Visa aber nicht, so dass sich das Ganze nach hinten verschiebt. Aber wir werden kommen, versprochen.

Alex:
Kenny, ich danke dir für das Gespräch. Ruh dich erst mal vom Tourstress aus. Letzte Worte?

Kenny:
Dank zurück und ich will hoffen, euch alle in Kürze zu sehen!

Redakteur:
Alex Straka

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