INNER SHRINE: Interview mit Leonardo

01.01.1970 | 01:00

Mit "Samaya" legen die italienischen Avantgarde-Gothic-Metaller INNER SHRINE bereits ihr drittes Album vor, und das hat es richtig in sich. Eine wunderbare Mixtur aus Klassik und Metal, eine hohe Eigenständigkeit und ein interessantes Konzept, das zu einer Reise durch die Alchemie einlädt, bekommt man hier geboten. Ich schickte Sänger/Bassist Leonardo ein paar Fragen...


Stephan:
Besteht die Band tatsächlich nur aus dir und Luca (Sänger/Gitarrist - d. Verf) und der Rest wurde von Gastmusikern eingespielt? Wie sieht es mit einem Drummer aus?

Leonardo:
Ja, es sind wirklich nur Luca und ich. Wir hatten einen Drummer für den Song 'Sololoquium In Splendor', für die anderen Stücke hat Luca die Drums programmiert.

Stephan:
Was kannst du mir über eure ersten beiden Alben erzählen?

Leonardo:
"Nocturnal Rhymes Entangled In Silence" kam 1997 raus. Es war der erste Teil der Alchemie-Trilogie und mehr in Richtung Black und Death orientiert, aber auch mit klassischen Parts. "Fallen Beauty" war der zweite Teil der Trilogie und der Sound war hier mehr auf akustische Gitarren und eine Gothic-Atmosphäre fokussiert. Wie du sehen kannst, mögen wir es, unsere Musik stets zu variieren.

Stephan:
Was zeichnet "Samaya" in deinen Augen besonders aus?

Leonardo:
Die Tatsache, dass es eines der wenigen Alben ist, welches klassische Arrangements mit Metal vermischt. (Da fallen mir aber schon noch ein paar weitere ein, allerdings machen INNER SHRINE ihre Sache richtig gut. - Anm. d. Verf.) Jegliche Ausrichtung auf Riffs und Refrains wurde vermieden, wir wollten ein richtiges Stück klassische Musik haben.

Stephan:
Was ist "Samaya" und was soll der Titel ausdrücken? Gibt es ein bestimmtes lyrisches Konzept, welches das Album durchzieht und was beinhaltet es?

Leonardo:
"Samaya" bedeutet Siegel in Sanskrit (altindische Literatursprache - d. Verf.) und es soll eine Oper symbolisieren, die schwer zu verstehen ist. Man kann sie erst nach vielen Hördurchläufen erschließen. Es ist der letzte Teil der Alchemie-Trilogie und deshalb ist es auch besonders komplex. Aus diesem Grund haben wir auch altes Latein als Sprache für die Lyrics verwendet.

Stephan:
Mit 'Elegiacus In Re Min' habt ihr ein klassisches Stück neu vertont. Erzähl doch bitte ein bisschen mehr über diesen Song?

Leonardo:
Es ist ein Stück von Rachmaninov, einem der großartigsten klassischen Komponisten. Wir lieben diesen Song und wir haben uns entschieden ihn mit unseren Texten und Soprangesang neu zu arrangieren. Ich liebe dieses Stück, es ist pure Musik.

Stephan:
Der Videoclip zu 'Path Of Transmigration' wirkt sehr mystisch. Welches Konzept beinhaltet dieser Film von Victor Ferrand und was wollt ihr mit diesem Videoclip ausdrücken?

Leonardo:
Es unterstützt unsere Botschaft, die Freiheit eine Message durch die Musik zu verstehen. Der Song stellt unsere Reise bei der Seelenwanderung dar und endet mit einem Teil, wo ein tibetanischer Mönch ein Mantra aus dem heiligen Buch der Toten singt. Ferrand benutzt einen Mythus von nordischen Kulturen um Leben, Tod und Wiedergeburt.

Stephan:
Das Infoblatt endet mit dem Satz "[Samaya ist] die letzte Etappe einer Reise durch die Alchemie". Kannst du mir sagen, was damit gemeint ist?

Leonardo:
"Samaya" ist der dritte Teil einer Trilogie, die mit "Nocturnal..." begann und mit "Fallen Beauty" fortgesetzt wurde. Jedes Album war ein Kapitel in traditioneller Alchemie und diese Trilogie setzt das alchemistische Konzept in Text-, Grafik- und Musikform um.

Stephan:
Wen wollt ihr mit eurer Musik erreichen und was wollt ihr mit ihr bewirken? Welches Ziel verbindest du persönlich mit INNER SHRINE?

Leonardo:
Wir wollen eine Verbindung zwischen der visuellen und musikalischen Kunstform schaffen. Und außerdem wollen wir durch die Verwendung von klassischer und Metal-Musik eine spirituelle Botschaft vermitteln.

Stephan:
Wie setzt ihre eure Musik live um? Habt ihr schon viele Auftritte, auch im Ausland, hinter euch gebracht?

Leonardo:
Wir lieben es live zu spielen, aber wir haben hier in Italien nur wenige Gelegenheiten dazu. Live bietet sich die beste Möglichkeit mit seinen Fans in Kontakt zu treten. Aber ich denke, zu "Samaya" wird es keine Konzerte geben, denn wir sind nur zu zweit und dadurch ist es zu schwierig das Album auf die Bühne zu bringen.

Stephan:
Gibt es in Italien viele Bands, die Dark oder Gothic Metal spielen? Wie bekannt seid ihr eigentlich in Italien und habt ihr einen funktionierenden Underground in eurem Genre?

Leonardo:
Wir sind bekannt in Italien als auch in einigen anderen Ländern. Was die Gothic-Szene betrifft, ich interessiere mich mehr für klassiche Musik als für Gothic, aber ich kenne einige gute Gothic-Bands wie LACUNA COIL und NOVEMBRE.

Stephan:
Hast du von der BEASTS OF SATAN-Geschichte gehört, der italienischen Black-Metal-Band, der einige Ritualmorde zur Last gelegt werden? (Siehe Newsmeldungen http://www.powermetal.de/news/news-6305.html und http://www.powermetal.de/news/news-6385.html - d. Verf.) Kennst du ein paar mehr Details dazu und was ist deine Meinung darüber? Glaubst du, dass so etwas einen negativen Effekt auf die gesamte italienische Metalszene haben könnte?

Leonardo:
Ich habe noch nie von solch einer Band gehört, aber ich glaube nicht, dass das einen Einfluss auf die Metalszene hat. Mehr will ich dazu nicht sagen, denn ich will es vermeiden Werbung für Mörder zu machen.

Stephan:
Welche Bedeutung hat die Band INNER SHRINE für dich persönlich?

Leonardo:
Es ist die Möglichkeit, unsere innersten Gefühle durch die Musik auszudrücken. Und die Möglichkeit, mit weit entfernten Menschen über die Musik zu kommunizieren, das ist großartig.

Stephan:
Was ist dein größter Wunsch in Bezug auf INNER SHRINE?

Leonardo:
Das es uns möglich sein wird, live mit einem großen Orchester zu spielen.

Stephan:
Letzte Worte?

Leonardo:
Vielen Dank für das Interview und an alle Fans in eurem Land. Besucht auch unsere Homepage http://www.innershrine.it.

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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