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IN FLAMES: Björn Gelotte und Anders Fridén über das neue Album

17.06.2011 | 21:11

Björn Gelotte, Gitarrist und mittlerweile alleiniger Songschreiber, und Sänger Anders Fridén sprechen über das neue IN FLAMES-Album "Sounds Of A Playground Fading", das dieser Tage in Europa erscheint. Im Herbst tourt die mittlerweile wieder komplette Band und kommt auch für einige Konzerte nach Deutschland.

Der mittlerweile zehnte Longplayer der Melodeather IN FLAMES ist das erste Album nachdem Jesper Strömblad, Gitarrist und Komponist, ausgestiegen ist. Durch seine Alkoholsucht pausierte er zunächst, um eine Kur zu machen, die Konzerte wurden mit Aushilfsgitarristen gespielt. Im Februar 2011 gab die Band dann sein endgültiges Ausscheiden bekannt. Der zweite Saitenhexer Björn Gelotte ist seitdem alleine für das Songwriting zuständig. "Nachdem Jesper gegangen ist, habe ich mich hingesetzt und geschaut, ob ich noch Saft habe, weiterzumachen. Es war sehr seltsam, weil Jesper und ich seit 15 Jahren alles zusammen geschrieben haben. Auf einmal hing alles an mir. An dem Tag, als Jesper ging, habe ich abends 15 Riffs geschrieben. Nicht viel davon ist auf dem Album, aber ich wollte es probieren und sehen, ob ich es ohne ihn schaffe. Ich bin froh, dass es nach IN FLAMES klingt, weil es einfach falsch wäre, wenn es anders wäre." Die Texte schreibt nach wie vor Sänger Anders Fridén. Er betont vor allem, dass die Trennung von Jesper friedlich verlaufen ist: "Die Leute sollen wissen, dass wir uns nicht getrennt haben, weil wir Jesper nicht mögen oder weil es musikalische Differenzen gab. Es ist traurig, aber wir haben weitergemacht und geschrieben, wie wir es immer gemacht haben. Nur Björn und ich sind jetzt fürs Komponieren zuständig. Ich bin da überzeugt rangegangen; ich glaube, Björn war nervöser. Anfangs war ich auch ein bisschen nervös, aber Ich habe gesagt: 'Wir machen das, also steh auf und mach dein Ding.' Ich wusste, dass es schwierig für Björn war, und habe versucht, ihm zu helfen. Wir sind mit ein paar Riffs und Songteilen ins Studio gegangen und als wir dort saßen und die Ideen zusammengetragen haben, um das Album voranzubringen, ging es wirklich gut."

Dort brachten auch die übrigen Bandmitglieder ihre Ideen mit ein, der typische IN FLAMES-Sound wurde geprägt. Björn: "Es gab viele Diskussionen. Wir sind musikalisch weit voneinander entfernt und ich glaube, das ist eine Stärke von IN FLAMES. Je weiter wir musikalisch auseinander gehen, desto mehr Kompromisse müssen wir eingehen und dadurch kristallisiert sich immer stärker ein Punkt heraus, an dem sich unsere verschiedenen Geschmäcker treffen. Das gibt uns viel Spielraum. Wir hatten die Möglichkeit, alles ein bisschen anders zu machen." Jespers Nachfolger an der Axt, Niclas Engelin, hat sich noch nicht eingebracht. Björn: "Ich habe ihm gesagt, dass ich das alleine machen möchte, um mir selbst zu zeigen, dass ich es kann. Und ich glaube nicht, dass wir bereit waren, mit jemand Neuem Musik zu schreiben. Niclas hat das respektiert und es hat ihm nichts ausgemacht, mir die Arbeit zu überlassen. Es hat sich gut angefühlt, das so zu machen, und es hat uns neue Möglichkeiten für die Zukunft eröffnet."

 

Die Veränderungen zum sehr ruhigen Vorgänger "A Sense Of Purpose" macht Björn vor allem in einem Punkt aus: "Wir haben mehr um den Gesang herum gearbeitet als früher. In der Vergangenheit haben wir uns in der letzten Aufnahmewoche auf den Gesang konzentriert. Vielleicht hat er dadurch weniger Aufmerksam erhalten, als er gebraucht hätte." Dadurch wurde Anders vor ganz neue Herausforderungen gestellt: "Ich habe ein paar Texte geschrieben, wie ich das immer mache, wenn ich ins Studio gehe, aber als wir anfingen, hatte ich das Gefühl, ich sollte die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten, weil ich mehr in den Gesang investieren wollte. Ich habe angefangen, die Texte neu zu schreiben, und wir haben mit Melodien und Arrangements angefangen. Vieles auf dem Album war sehr spontan."

Die Spontanität spiegelt sich vor allem in einem Lied wie 'Ropes' wieder. Im Gesang wird viel variiert, Melodien und Harmonien wurden integriert, wie es IN FLAMES noch nie zuvor gemacht haben. Dadurch gewinnt die Nummer eine ganz eigene Stärke und gibt dem Sound der Band neue Frische. Anders: "Daniel Bergstrand hat den Gesang produziert und als wir in der Mitte von 'Ropes' angekommen waren, habe ich ihn unterbrochen und gesagt: 'Wir machen ein Lied ohne Screams und dergleichen.' Das kam ganz von selbst, was uns beide sehr überrascht hat. Ich habe auf "Come Clarity" einige Titel mit Klargesang gemacht, aber nicht auf diese schwere Art wie bei 'Ropes'."

Der Albumtitel "Sounds Of A Playground Fading" ist ungewöhnlich lang und ebenso verwirrend. Anders erklärt: "Ich habe ferngesehen und angefangen, darüber nachzudenken, dass es nur sehr wenige Plätze auf der Welt gibt, die vom Menschen unberührt sind. In der westlichen Welt nehmen wir von der Erde und nutzen die Ressourcen, bis sie unbrauchbar sind. Wenn wir also eines Tages ein Zeichen bekommen, dass wir nur noch fünf Jahre haben bis alles untergeht, würde das unsere Denkweise verändern? Oder werden wir alles ausschöpfen und uns mit einem großen Knall verabschieden, weil uns die Zeit davonläuft? Ich kann es nicht predigen und sollte es auch nicht, aber ich kann viele Fragen aufwerfen. Es ist ein dunkles Thema, aber nicht sehr weit von der Realität entfernt. Auf diesem Album gibt es mehr Fragen als Antworten und das ist meine Art der Kommunikation. Die Leute können das in den Texten lesen und mit mir darüber sprechen, wenn wir uns treffen. Ich finde diesen Prozess der Diskussion sehr interessant."

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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