IRON FIRE: Interview mit Kirk Backarach

16.03.2009 | 21:19

Was hat Salvadore Dali mit Epic Warrior Metal zu tun? Warum ist Tuttlingen ein gefährliches Pflaster für Heavy-Metal-Bands? Und wer ist eigentlich Holger, der Däne? Die Antworten gibt Kirk Backarach von IRON FIRE.

Die dänischen True-Metal-Warriors von IRON FIRE setzen ihren zuletzt mit "Revenge" und "Blade Of Triumph" eingeschlagenen Weg auch auf dem aktuellen Werk "To The Grave" konsequent fort. Der geneigte Edelstahl-Liebhaber findet hier eine sehr beachtliche Sammlung knackiger, eingängiger Hymnen, die alle Wimps und Poser gnadenlos der Halle verweisen. Grund genug, Gitarrist Kirk Backarach im Feldlager anzufunken und die neuesten Informationen von der Front einzuholen.

Martin:
Kirk, "To The Grave" ist ein bärenstarkes Heavy-Metal-Album geworden, das eure Fans in Verzückung versetzen dürfte. Dabei hören wir, das Publikum, immer nur das Endprodukt eines langen, oft steinigen kreativen Prozesses. Erzähl uns doch bitte mal etwas über den Weg zum Ziel.

Kirk:
Die Entstehung von "To The Grave" war in der Tat ein echtes Abenteuer für uns. Ich bin selbst erstaunt und erleichtert, dass am Ende noch so ein gutes Ergebnis heraus gekommen ist. Die meisten Songs wurden in ziemlich kurzer Zeit geschrieben, teilweise ging es recht chaotisch bei uns zu. Kurz nach der Veröffentlichung von "Blade Of Triumph" verließ Drummer Jens Berglid die Band. Also brauchten wir dringend einen neuen Schlagzeuger, um mit dem Album auf Tour gehen zu können. Schließlich hat es dann doch einige Monate gedauert, bis wir uns für Fritz Wagner entschieden hatten. Die Tourdates mit U.D.O. und PRIMAL FEAR standen schon fest, als Fritz endgültig zu uns stieß, folglich musste er erstmal schleunigst unser Programm lernen. Über Weihnachten haben wir uns dann zwei Wochen frei gegönnt, bevor wir mit dem Songwriting für "To The Grave" anfingen. Wir waren gerade richtig in kreative Fahrt gekommen, da teilte uns Gitarrist J.J. mit, dass er aussteigen wolle. Um die Verzögerungen im Rahmen zu halten, haben wir daraufhin beschlossen, zunächst mal mit mir als einzigem Gitarristen weiter zu machen. Auch dieses Mal haben wir das Album in unserem eigenen kleinen Studio selbst aufgenommen. Lediglich die Drums hat Fritz im Ear Plug Studio mit Thomas Pedersen an den Reglern aufs Band gezimmert. Tommy Hansen hat zu guter Letzt den finalen Mix übernommen.

Martin:
Wenn ich "To The Grave" mit seinen beiden Vorgängern vergleiche, fällt mir auf, dass die Gitarren eine Ecke rauer und entschlossener aus den Boxen kommen. Zugleich ist der episch-hymnische Charakter der Musik stärker betont, die Melodien sind schärfer heraus gearbeitet.

Kirk:
Weißt du, "Revenge" war damals so eine Art Comeback-Album für IRON FIRE, und ich gebe zu, dass wir mit der Platte ein bisschen auf Nummer sicher gehen und den Fans geben wollten, was sie wahrscheinlich von uns hören wollten: gradlinigen Power Metal ohne Schnickschnack eben. "Blade Of Triumph" war bereits epischer angelegt, eine selbstbewusstere Platte mit stärkerer Dramaturgie. Diese Entwicklung setzt sich auf "To The Grave" fort. Wir wollten unbedingt ein Album machen, dass so heavy und mächtig wie möglich ist, ein Hammerschlag direkt auf den Schädel sozusagen. Wir nehmen immer weniger Rücksicht auf Erwartungshaltungen und festgefahrene Schemata.

Martin:
Sogar die Texte scheinen etwas dunkler und schwermütiger zu sein. Woher nehmt ihr die lyrischen Inspirationen? Oder ist es am Ende doch so, dass ihr lediglich Begriffe wie "Steel", "Sword", "Fire", "Metal", "Hail", "Demon" und "Warrior" in einen Topf werft, zweimal kräftig umrührt und das Ganze wieder ausschüttet?

Kirk:
Hey, jeder Song hat schon ein eigenes, spezielles Thema, das ist nicht bloß irgendwelcher Bullshit, den Martin (Steene) da singt! Nimm einen Text wie 'Frozen In Time', der basiert auf einer alten dänischen Legende, die sagt, dass ein heldenhafter Krieger in den Katakomben der Burg von Rosenborg schlummert. Die Geschichte erzählt weiter, dass, wenn eines Tages ein fremdes Heer versuchen sollte, Dänemark zu besetzen, wird "Holger, der Däne" - so ist sein Name - aufwachen und die Nation zu Sieg und Freiheit führen.

Martin:
Das Artwork von "To The Grave" erinnert mich wieder mal an eure deutschen Kollegen von STORMWARRIOR.

Kirk:
Findest du? Die letzten drei Alben hat ein belgischer Künstler namens Eric Philippe gestaltet. Höchstens das "Blade Of Triumph"-Cover hat Ähnlichkeit mit etwas, das auch STORMWARRIOR mal hatten, du weißt schon, dieser Krieger, der ganz vorne in einem Vikinger-Schiff steht. Im ersten Entwurf stand der übrigens in einem kleinen Boot und fuchtelte mit seinem Schwert rum. Das fanden wir dann aber doch ein bisschen lächerlich, deshalb haben wir das Ding durch eine prächtige Galeere ersetzt. Aber ich bin mir sowieso ganz sicher, dass wir das Motiv vor den Jungs von STORMWARRIOR hatten.

Martin:
Ich meine ja auch eher die Atmosphäre des Bildes als den Gegenstand.

Kirk:
Kann schon sein. Wir haben Philippe halt erzählt, dass unsere Musik auf dem neuen Album härter und entschlossener geworden ist und wir darum auch gerne ein krasseres, brutaleres Bild hätten mit einem Haufen Schädeln oder so etwas. Ich jedenfalls finde das Ergebnis toll.

Martin:
Nach der Veröffentlichung von "Blade Of Triumph" ward ihr mit U.D.O. und PRIMAL FEAR auf Tour. Wie ist es euch auf dieser Gastspielreise ergangen?

Kirk:
Oh, die Tour war schlichtweg ein Hammer! Ich fand jeden einzelnen Abend großartig, die Fans waren einfach fantastisch. Außerdem empfand ich es als Ehre mit zwei so tollen Bands unterwegs zu sein, die eine Monster-Show nach der anderen hingelegt und immer 110% gegeben haben. Hey, mit der Musik von Udo Dirkschneider und Mat Sinner bin ich aufgewachsen!

Martin:
Gar keine durchgeknallten Geschichten zu erzählen?

Kirk:
Na ja, eine Sache vielleicht. Nach der Show in Tuttlingen luden PRIMAL FEAR einige ihrer Fans in den Backstage-Bereich ein. Ich bin mir nicht sicher, ob das dort nun erlaubt war oder nicht, jedenfalls fingen sie zunächst mal an zu rauchen. Dann haben sie auch noch ein Glas zerbrochen und eine Toilettenbürste zerstört. Als die Veranstalter das bemerkten, haben die sich ganz schön aufgeblasen und PRIMAL FEAR Hausverbot erteilt. Außerdem sollten sie für den Schaden aufkommen. Stell dir das mal vor: Schadenersatz und Hausverbot für ein kaputtes Glas und eine fucking Klobürste...

Martin:
Hm, klingt, als sei das Ganze insgesamt eher eine Kaffeefahrt gewesen. Sorry, dass ich so direkt frage, aber mich würde mal interessieren, wie ernst ihr als Menschen euer Projekt IRON FIRE und das Konzept dahinter eigentlich nehmt. Ich beziehe mich vor allem auf dieses True-Metal-Warrior-Ding. Ist das wirklich eure Lebensphilosophie? Habt ihr zu Hause im Wohnzimmer Schädel und Streitäxte herumstehen oder vielleicht doch eher Kakteen und Salvadore Dali-Nachdrucke?

Kirk:
Hey, ich habe tatsächlich ein Salvadore Dali-Bild bei mir hängen, hahaha. Hmm, also ich persönlich stehe ja nicht so auf diese Mittelalter-Ästhetik mit martialischen Waffen und all dem Zeugs. Was mich aber interessiert, sind Folklore, alte Geschichten und Mythen. Ich finde die Vorstellung spannend und romantisch, dass es eine Zeit gab, in der Sänger von Hof zu Hof gezogen sind, und den neuesten Klatsch und Tratsch in Form von Liedern vorgetragen haben, die in erster Linie der Unterhaltung dienten, aber auch voller Zweideutigkeiten steckten. Was die Musik selbst angeht, nehmen wir IRON FIRE natürlich sehr ernst. Schließlich hat es eine Menge Arbeit und Herzblut gekostet, die Band bis hierher zu bringen, verdient haben wir daran materiell bestimmt nicht.

Martin:
In der Biographie auf eurer Homepage und auch im Info-Zettel zu "To The Grave" von eurem Label beschreibt ihr es als Einschnitt und größte Enttäuschung in eurer Karriere, dass dieselben Presse-Organe, die euer ersten Album als True-Metal-Sensation abgefeiert hatten, wesentlich negativer auf den Nachfolger "On The Edge" reagierten. Warum reitet ihr immer noch so sehr auf diesem Punkt herum? Glaubst du nicht, man könnte euch eines Tages noch für Weicheier und Pussies halten, wenn ihr dieses Thema nicht endlich mal abhakt? So etwas ist doch schon vielen anderen Bands vor euch passiert und wird auch noch vielen nach euch passieren.

Kirk:
Also wenn ich recht drüber nachdenke, bin ich sogar geneigt dir zuzustimmen, dass diese Angelegenheit inzwischen fast ein bisschen überreizt worden ist. Als wir damals "Revenge" auf den Markt brachten, wurde diese zugegebenermaßen etwas dramatisierte Version der Band-Geschichte geboren. Damals gab es Gerüchte, IRON FIRE sei bereits am Ende und aufgelöst, darum wollten wir mit einem lauten Knall zurückkehren und allen zeigen, dass wir mehr denn je am Leben sind trotz all dem Scheiß, der uns passiert war. Da haben wir sicher auch etwas Pathos drauf geladen. Wir hatten zuvor zwei Bandmitglieder verloren und waren stolz darauf uns durchgekämpft zu haben. Keine Ahnung, ob wir deswegen Pussies sind, jedenfalls haben wir als Band die größst mögliche Krisensituation überlebt und zwar ganz und gar aus eigener Kraft, niemand hat uns wirklich geholfen zum damaligen Zeitpunkt.

Martin:
Wenn man euch bitten würde mit IRON FIRE einen Song zu covern, der ursprünglich nicht im Metal-Genre zu Hause ist, welchen würdest du wählen? Welche Arten von Musik außer Metal sprechen dich besonders an?

Kirk:
Es würde mir großen Spaß machen, den Titelsong des James Bond-Films "Thunderball", im Original von Tom Jones gesungen, mit den Jungs einzuspielen. Ich mag viele der James Bond-Songs, aber dieses Stück würde sich im Edelstahl-Gewand wohl am besten machen. Ansonsten höre ich sehr viel ganz unterschiedliche Musik. Lediglich elektronische Mucke mit gesampelten Beats gibt mir nicht so viel, auch wenn ich RAMMSTEIN durchaus zu schätzen weiß. Außerdem rollen sich mir bei osteuropäischer Folklore und Rhythm'n'Blues-Sounds die Fußnägel hoch. Alles andere soll mir willkommen sein, so lange es gut gemacht ist.

Martin:
Wenn man dir die Gelegenheit gäbe, in deinem Heimatort ein Heavy-Metal-Festival auszurichten, welche Bands würdest du einladen?

Kirk:
NOCTURNAL RITES, MANOWAR, DREAM EVIL, ACCEPT, PRIMAL FEAR, KAMELOT, JORN, NIGHTMARE, RUNNING WILD, PYRAMAZE, ICED EARTH, BLIND GUARDIAN, MASTERPLAN, EPICA, HELLOWEEN, QUEENSRYCHE, SYMPHONY X, BALANCE OF POWER und WITHIN TEMPTATION.

Martin:
Wie sagt der Volksmund: Bescheidenheit ist eine Zier, doch es geht auch ohne ihr. Anyway, tolles Line-up! Jetzt sag uns doch noch mal, wie es denn mit einer IRON FIRE-Tour 2009 aussieht? Bisher habe ich noch nirgendwo was gesehen.

Kirk:
Konkrete Daten gibt es auch noch nicht, aber wir werden mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in Deutschland zu "To The Grave" touren. Das ist mehr eine Frage des Wo and Wann. Sobald wir was wissen, wird es auf unserer Website angekündigt. Versprochen!

Redakteur:
Martin van der Laan

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