In der Gruppentherapie: COHEED AND CAMBRIA - Year of the Black Rainbow

25.04.2010 | 14:39

Ah, war doch klar, dass COHEED AND CAMBRIA in der Redaktion abräumen und Soundcheck-Sieger im April werden. Und in der Tat: "Year Of The Black Rainbow" überzeugt das Team. Vollständig? Fast...

Natürlich wird sich niemand wundern, wenn ich jetzt "Year Of The Black Rainbow" über den grünen Klee lobe. Dass ich ein großer Fan der Band bin und sie eventuell zu meiner absoluten Lieblingsband küren würde, wissen viele hier. Aber ich kann dadurch mal die Perspektive des Fans für die bieten, die ebenfalls mit dem merkwürdigen Werk des Claudio vertraut sind. Und in diesem Vergleich mit dem Rest der Diskographie wirkt das neue Album erstmal äußerst seltsam, denn nach dem phantastischen 'The Broken', das viele Trademarks der Band wiedergibt, wird es anders. CAC sind nicht stehen geblieben. Statt eingängiger Hymnen dominieren progressive, abgefahrene Sounds, die einige Durchläufe brauchen, um sich festzusetzen, und deren Mangel an offensichlichen Mitsingparts einen starken Kontrast zum Vorgänger "No World For Tomorrow" setzt. Erst mit den Songs sieben bis zehn kommen die "alten" CAC wieder durch. Kein Stillstand, aber dezente Veränderung, spannend und doch auf gleichbleibend genialem Level. Viele Nuancen erschließen sich erst nach und nach. Ich erwarte, dass in zwei Monaten "Year Of The Black Rainbow" doch ein Zehner-Album ist. Bis dahin aber:

Note: 9,5/10
[Frank Jaeger]

Auch wenn die Truppe überall gerne zum Gruselkabinett namens Emocore gezählt wird, muss ich gestehen, dass ich vom zweiten Album ziemlich angefixt wurde. Das Teil dreht sich bis heute regelmäßig in meinem Player. Auch der Nachfolger ist in meine Sammlung gewandert und erfreut sich großer Beliebtheit. Nur weil die Band ein nachdenkliches Textkonzept verarbeitet, welches eh kein Außenstehender verstehen kann und die Melodien nicht unbedingt fröhlich sind. Hier die Emocore-Schublade zu öffnen ist beinahe eine Unverschämtheit. COHEED AND CAMBRIA spielen verschachtelte Rockmusik, die sich langsam entfaltet und dann im Bewusstsein explodiert. Langzeitwirkung Deluxe.

Entsprechend gespannt bin ich an den aktuellen Silberzwerg heran gegangen, nur um nach den ersten Durchläufen ernüchtert festzustellen, dass die Explosionen dieses Mal ausbleiben. Trotz der alten Trademarks, will das Ding einfach nicht richtig durchstarten. Ungläubig werden weitere Durchläufe gestartet, bis sich in der zweiten Hälfte dann doch diverse Hitbömbchen flauschig entladen. So rockt 'World Of Lies' errischend zackig und mit gewohnter Melodiedichte aus der Anlage und 'Pearl Of The Stars' ist so einfühlsam, man bekommt Inkontinenz in den Tränensäcken. Geht also doch noch. Wären nicht einläutende Songs wie 'Here We Are Juggernaut', dessen Morello-Gendenk-Quietsch-Solo mir völlig den Nerv raubt oder 'Broken', dessen kompletten Songaufbau ich einfach nicht verstehe, wären unterm Strich mehr Punkte drin gewesen.

Note: 8,0/10
[Holger Andrae]

Erstkontakt mit den allseits beliebten COHEED & CAMBRIA für meine Wenigkeit. Anfänglicher Eindruck: wenig metallisches, dafür aber meist abwechslungsreiche, progressive Rocksongs mit einem gewissen Charme. Verpackt wird das ganze überaus modern und frisch klingend. Leider gibt es auch den einen oder anderen partiell anstrengenden Song (zum Beispiel 'Guns Of Summer') zu verbuchen. Einige der Stücke kommen über das Prädikat "nett" auch nur unwesentlich hinaus ('Made Out Of Nothing'). Und dennoch: Die Musik von COHEED AND CAMBRIA umgibt eine eigensinnige Grundstimmung, die ich in dieser Form bei anderen Formationen in ähnlichen Gewässern noch nicht oft wahrgenommen habe. Zudem läuft mir der Geddy Lee-artige Gesang von Claudio Sanchez echt gut rein. Unter dem Strich bieten COHEED AND CAMBRIA mit ihrem neuesten Output "Year Of The Black Rainbow" eine hörenswerte Scheibe, die leider ohne Knüllersongs aufwartet. Mit etwas Wohlwollen vergebe ich siebeneinhalb Punkte.

Note: 7,5/10
[Martin Loga]

 



Ob es bei der monumentalen Geschichte, die Claudio Sanchez seiner Band von Beginn an aufgebürdet hat, tatsächlich um die Erzählung eines zusammenhängenden Plots geht, weiß der Sänger und Gitarrist wahrscheinlich nicht einmal selbst. Aber wenn er Zeilen wie "How lovely you glow in the flame of error" singt, wird ein Antrieb erkennbar. Wie auch immer dieser im Einzelnen genau aussieht. Nebensächlich. "The world looks better when you're falling" – ein weiterer Geistesblitz, der von Sanchez in 'The Broken' so bestimmt vorgetragen wird, als wollte er damit eine Black-Rainbow-Armee zusammenrufen. Mit der Unnachgiebigkeit der Vocals, der energischen Riffs und lebendigen Gitarrenläufe sowie dem Schwung des von Chris Pennie gekonnt bearbeiteten Schlagzeugs wird das deprimierende Textkonzept sicher über den Abgrund der Weinerlichkeit befördert. Die Spontanität und Unbekümmertheit, die ihr "The Second Stage Turbine Blade"-Debüt kennzeichneten, haben COHEED AND CAMBRIA zwar schon seit langem hinter sich gelassen, als Entschädigung bieten sie aber Songwritinggeschick weit jenseits von Rockflundergehobel auf. 'Here We Are Juggernaut' markiert die Spitze des geglückten "Year Of The Black Rainbow"; 'Made Out Of Nothing' ist der Song mit dem Sofortrefrain, der selbst bei tonnenschwerer Vorbelastung mit der übelsten Musik des Planeten erkennbar ist.

Note: 8,5/10
[Oliver Schneider]

Da ist er also, mein erster Kontakt mit den New Yorker Proggern von COHEED AND CAMBRIA. Und ich freue mich über dieses erste Zusammentreffen. Leider kann ich nur sehr wenig in die Beziehung mit hineinbringen, aber das kompensiert die Band mit einem ganzen Sack voll verschiedenster Zutaten für eine funktionierende Partnerschaft über einen längeren Zeitraum. Sei es moderner Prog a la ZERO HOUR ('Guns Of Summer') oder gar Alternative-Rock-Einflüsse wie in 'The Broken': Uns wird es nicht langweilig. Auch wenn ich meistens nur zuhöre und selten selbst etwas zu sagen habe, finden wir immer ein neues Thema, über das monologisiert wird, voller Inbrunst und ohne Scheuklappen. Gut, der American-way-of-music-life ist etwas, das immer wieder massiv durchscheint, aber das wäre doch zu akzeptieren, oder? Ja, es ist zu akzeptieren, vor allem, weil unser Zusammensein von echten Höhepunkten erzählen kann: Da sind zum Beispiel diese knapp vier Minuten 'Here We Are Juggernaut', die ich immer wieder gerne suche und erlebe. Doch wie alles hat auch diese schöne Medaille zwei Seiten. Ab und zu, wenn einer von uns zu schreien beginnt, mach ich einfach zu. Das muss nicht sein und tut nicht gut. Diese Emotionen - oder eher Screamotionen - sind dann auch der Grund, warum ich manchmal Abstand brauche. Aber hey, was wäre eine Beziehung, wenn alles gut wäre? Genau: Langweilig.

Note: 8,0/10
[Julian Rohrer]

Redakteur:
Julian Rohrer
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